Resident Evil 0 HD Remaster im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 25. Januar 2016

Resident Evil 0 HD Remaster im Test

Das Horror-Prequel kehrt zurück

Resident Evil gilt trotz Ausflügen ins Action-Genre noch immer als Inbegriff des Survival-Horrors. Das HD-Remake des Klassikers kam so gut bei den Fans an, dass Capcom nun auch das Prequel in HD aufgelegt hat. Damit erreicht der einstige Gamecube-Titel zum ersten Mal eine breitere Spielerschaft auf dem PC, sowie auf Xbox- und Playstation-Konsolen. Resident Evil 0 HD - das Prequel-Remaster bei uns im Test.

Also großer Horror-Fan habe ich Resident Evil 0 bereits 2003 auf dem Gamecube gespielt - und mich damit der USK-Empfehlung systemkritisch widersetzt! Und ich habe das Spiel geliebt. Falls derweil Minderjährige mitlesen: Es war eine ganz blöde Idee, das Spiel zu zocken, bevor ich alt genug war. Über Monate hatte ich schreckliche Alpträume! Erst mit dem 16. Geburtstag ließen die Träume nach - in die Flucht geschlagen von der neu gewonnen geistigen Reife. Heute bleibt nur die Frage: Kann das HD-Remaster meinen vergoldeten Erinnerungen an das Original gerecht werden?

Das Original
Resident Evil 0 hat sich damals nicht weit seinen Vorgängern fort gewagt. Mit der gleichen technischen Finesse wie das Remake des Originals sah das Spiel schon damals unfassbar gut aus. Die nahezu fotorealistischen Szenen und filmischen Perspektiven brachten nur ein Problem: fixe Kameraperspektiven. In Kombination mit der antiquierten Resi-Steuerung führte das oft zu nervigen Toden, da man mal wieder in eine Wand rannte, anstatt sich einen sicheren Fluchtweg zu bahnen. Natürlich gab es weiterhin auch das fiese Speichersystem, bei dem man die Geschehnisse nur in der Schreibmaschine festhalten konnte, indem man eines seiner wenigen Farbbänder verbrauchte. Fairerweise war diese Mechanik Teil des Survival-Gameplays: man achtete umso mehr auf sein Leben, wenn man zuletzt vor über einer Stunde gespeichert hatte. Der Schwierigkeitsgrad von RE0 war schon recht hoch.

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Neben alten Problemen stellten sich aber auch Neuerungen. War es vormals noch nötig, überschüssige Items in bestimmten Kisten zu lagern, konnte man in RE0 seine Items an Ort und Stelle auf den Boden werfen. Zwar musste man nun nicht mehr zu einer der wenigen Truhen rennen, um an seine Gegenstände zu gelangen, dafür konnte es aber sein, dass man Objekte so ungünstig abgelegt hatte, dass man es mit unendlichen Laufwegen zu tun bekam. Als Lösung bot es sich an, wichtige Items grundsätzlich in der Nähe von Speicherpunkten zu lagern, das war okay. Für den Zweifel wurden abgelegte Items auch auf der Map markiert.

Die zweite Neuerung war weniger kontrovers und tatsächlich innovativ: anstatt nur einer Figur steuerte man zwei. Billy, der ruppige Typ, konnte mehr einstecken, dafür konnte nur seine Partnerin Rebecca Heilkräuter mischen - was wie in den Vorgängern äußerst wichtig war, um stärkere Heilung herzustellen und das Inventar aufzuräumen. Als Spieler konnte man zwischen beiden Figuren jederzeit wechseln und grob ihr Verhalten bestimmen, indem man festlegte, dass der Partner nach Möglichkeit angreifen oder regungslos in der Ecke stehen soll. Rätsel wurden ein ums andere Mal so gestaltet, dass die Figuren sich trennen mussten, sodass man zwischen ihnen wechseln musste, um einige Aufgaben zu meistern. Es war ein netter Twist auf das bekannte Resi-Gameplay, der vielleicht nicht voll ausgeschöpft wurde, aber definitiv für Abwechslung sorgte. Ein Koop-Modus für zwei Spieler wurde aber nicht daraus gestrickt.

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Das HD-Remaster
Resident Evil 0 HD ist im Wesentlichen das Spiel von damals. Es wartet mit ähnlichen Features auf wie das HD-Remaster des Originals: hochauflösende Texturen, 5.1 Surround Sound, ein optionales 16:9 Bildformat und eine alternative Steuerung aus dem 21. Jahrhundert, die erfolgreich verhindert, dass man panisch in Wände rennt. Der Raumklang des Spiels ist recht subtil. Das liegt aber vor allem daran, dass es viel Stille gibt, die sehr zum Gruselfaktor beiträgt. So ist auch der Soundtrack heute wie damals minimalistisch, sorgt aber für großartige Atmosphäre. Die überarbeiteten Texturen sehen im HD-Vollbild großartig aus, sodass viele Szenen des Spiels auch heute noch fotorealistisch rüberkommen. Das Breitbild ist definitiv zu empfehlen, da der 4:3-Bildkasten klein und heute sehr ungewohnt ist. Dennoch kann es sein, dass man sich das Spiel etwas schwerer macht, weil das Breitbild die gesamte Szene leicht zoomt, sodass am oberen und unteren Bildschirmrand Teile fehlen, die im Original sichtbar waren. Das ist zwar schade, weil man Gegner erst später sieht, trägt aber so sehr zur Atmosphäre bei, dass ich darauf nicht verzichten möchte. Die Bildqualität leidet übrigens nicht merkbar unter dem Zoom.

Die alternative Steuerung ist ein Segen. Neben unterschiedlichen Button-Layouts (unter anderem: linker Trigger zum Zielen und rechter zum Schießen - Bam!) kann man über die Optionen eine moderne Bewegungssteuerung aktivieren, die nicht relativ zur Blickrichtung der Figur funktioniert, sondern absolut. Drückt man nach unten, läuft die Figur auch im Bild nach unten, egal wie sie vorher gestanden hat (der berühmte Quickturn bleibt übrigens erhalten). Die Kämpfe werden dadurch erheblich einfacher, was total in Ordnung ist. Der recht hohe Schwierigkeitsgrad Originals wird dadurch etwas gelindert, was das Spiel wohl auch für Neulinge besser zugänglich macht.

Ein Bonus wartet zudem auf all diejenigen, die das Spiel durchgespielt haben. Im neuen Wesker-Modus könnt ihr auf das Gameplay einfach scheißen und mit Wesker Blitze aus den Augen schießen:

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Resident Evil 0 HD ist ein gelungenes HD-Remaster, das dem Original durchweg treu ist, aber aktuelle technische Standards nicht unter den Tisch kehrt. So profitiert das Spiel vor allem vom neuen Breitbild, besserem Ton und einer überarbeiteten Steuerung, die Neulingen einen leichteren Einstieg ermöglicht. Durchströmt euch dagegen ein Gefühl von Nostalgie, könnt ihr auf die neuen Features einfach verzichten und spielen als wäre es 2003. Selbst dann sieht das HD-Remaster noch verdammt gut aus. Ben

Resident Evil 0 HD Remaster wurde auf der Xbox One getestet. Ein Testmuster wurde uns von Capcom zur Verfügung gestellt.

Resident Evil 0 HD Remaster

(Ranking)
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RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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18. Mai 2021 um 19:23 Uhr
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20. Januar 2016
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