DA: Inquisition - Eindringling im Test

(Artikel)
Vivian R., 05. Dezember 2015

DA: Inquisition - Eindringling im Test

Das unfertige Spiel

Klar: Um das Ende einer Buchreihe zu erleben, muss ich mir den letzten Band kaufen. BioWare macht es mit dem neuesten DLC zu Inquisition genau so: Um das ganze Ende zu erleben, muss ich mir den DLC Eindringling kaufen. Ohne 15€ auf den Tisch zu blättern, ist Dragon Age: Inquisition also kein fertiges Spiel. Und das macht mich wütend.

Da Trespasser nach dem Hauptspiel von Inquisition spielt, enthält dieser Artikel zwangsläufig einige Spoiler. Wer sich also noch nicht in den Endkampf gewagt hat, sollte lieber nicht weiter lesen.


Trespasser Scenery a

Von Intrigen, toten Qunaris und missverstandenen Elfengöttern
Erst mal ist Trespasser kein schlechtes DLC. Zwei Jahre sind vergangen, seitdem wir Corypheus besiegt und so dessen geplante Schreckensherrschaft über Thedas aufgehalten haben. Ein großer Sieg – aber mit dem großen Antagonisten verschwindet auch die Daseinsberechtigung der Inquisition.

Am Hof von Orlais treffen wir uns mit den Gesandten der umliegenden Länder und machen Politik. Denn diese fühlen sich von der stetig wachsenden Inquisition bedroht und stellen die Frage nach der Zukunft unserer Organisation. Soll die Inquisition weiter bestehen und sich ein neues Aufgabengebiet suchen oder ist nach dem Kampf gegen Corypheus unsere Aufgabe erfüllt?
Am Hof haben sich neben Politikern und Klerikern auch unsere alten Freunde versammelt. Je nachdem, welche Beziehungen wir geknüpft und welche Entscheidungen wir getroffen haben, reagieren unsere Gefährten anders. Die teils sehr witzigen Gespräche lockern die ernste Atmosphäre der politischen Zwistigkeiten um uns herum auf. Wer in den vorherigen DLCs die Interaktion mit den Gefährten vermisst hat, kommt in Eindringling definitiv auf seine Kosten.

Trotzdem bleibt der Kaiserhof die Brutstätte für Intrigen und Verschwörungen – und zwischen all den spitzen Worten und Dolchen finden wir dann auch noch die Leiche eines Qunari-Spions. Die Spur führt zu einem Eluvian, jene magischen Spiegel, mit denen wir schon im Hauptspiel zu tun hatten. Diese dienten im alten Elfenreich als schnelle Verbindungen zwischen Orten, die über ganz Thedas verstreut liegen.

Schnell sind politische Intrigen vergessen, denn wir wollen wissen, wer die Qunaris geschickt hat. Während unserer Reisen im Eluvian treffen wir auf ganze Horden der Gehörnten - und sie sind uns nicht freundlich gesonnen. Und dann stolpern wir auch noch über Geschichten von viel größerem Ausmaß, nämlich über den Elfengott Fen'Harel und seine Rebellion. Denn nur der Spieler bekam am Ende von des Hauptspiels die wahre Identität unseres träumerischen Meckeropas Solas enthüllt. Denn dass dieser Fen'Harel ist - der Elfengott, der die anderen Götter durch einen Trick aus der Welt der Lebenden verbannt und somit den Verfall der Elfenzivilisation eingeleitet hat -, weiß unser Inquisitor nicht.

Also gehen wir nicht nur der Frage, was die Qunaris von uns wollen, auf den Grund, sondern auch, ob Fen'Harel der Gott des Verrats oder eher der Rebellion ist – und ob das Bild von den benevolenten Elfengöttern, das wir bisher hatten, so stimmt.

Beim Erkunden sind wir in Eindringling nicht so frei wie im DLC Hakkons Fänge, aber die bedrückende Schlauchigkeit von Der Abgrund wiederholt sich glücklicherweise nicht. Das Setting wechselt sich ab zwischen dem bunten Hof von Orlais und der ganz eigensinnigen Schönheit der Welt, die sich uns im Eluvian offenbart. Von Spiegel zu Spiegel reisen wir, erkunden in der Luft fliegende Städte, lösen Rätsel und erfahren in uralten Bibliotheken mehr über die verlorene Geschichte der Elfen. Die Horden von Qunaris, durch die wir uns metzeln, sind da schon eher störend.

Und dann folgt schließlich der eigentliche Höhepunkt des DLCs: Das Treffen mit Solas. "I suppose you have questions." Oh ja. Die haben wir.

Trespasser Scenery

Die Sache mit dem Ende
So weit, so gut. Eindringling hat seine Längen, ist aber durchaus ein schöner, spannender DLC. Es macht Spaß, endlich der ganzen Wahrheit auf den Grund zu gehen und nicht mehr länger im Dunkeln zu tappen. Auch die Frage nach dem Sinn und Zweck der Inquisition ist wichtig und endlich in die politische Dimension einzutreten, hat seinen Reiz.

Die wirkliche Schweinerei habe ich ja schon angesprochen. Eindringling beendet auf allen Ebenen das Hauptspiel zu Inquisition: Wir entscheiden das weitere Schicksal der Inquisition, wir erfahren, welche Motive Solas hat und welchen weiteren Weg unsere Freunde beschreiten. Alles Dinge, die wir uns schon im Hauptspiel gewünscht haben. Solange ein etwaiges Dragon Age 4 nicht wie Mass Effect: Andromeda so weit in der Zukunft spielt, dass die Entscheidungen in Dragon Age: Inquisition keinen Einfluss mehr haben, entgehen jedem Spieler, der Eindringling nicht gespielt hat, wichtige Entwicklungen und Entscheidungen der Haupthandlung. Da das Ende von Eindringling geradezu danach schreit, dass die Plotpunkte in einem weiteren Spiel der Reihe fortgeführt werden, ist das wohl eher unwahrscheinlich.

Die Kämpfe gegen die Qunaris fühlen sich mehr an wie Füllmaterial, damit wir zwischen dem Erkunden noch etwas zu tun haben. Der eigentliche Fokus liegt also auf dem Entdecken der Elfengeschichte und der schlussendlichen Konfrontation mit Solas – etwas, was definitiv in das Hauptspiel gehört hätte.

Trespasser Kampf

Eindringling ist kein schlechter DLC. Gerade Spieler, die sich für das Lore der Welt von Dragon Age interessieren, werden nicht enttäuscht. Statt eines kurzen Auftakts zu Dragon Age 4 hätte ich mir jedoch gewünscht, BioWare hätte die Geschichte von Eindringling lieber entweder in das Hauptspiel von Inquisition oder in ein eigenständiges Spiel gepackt.

Um hier zurück zu dem Büchervergleich zu kommen: Hätte der letzte Band der Dunklen Turm-Reihe vor dem eigentlichen Ende aufgehört und ich hätte mir ein 70 Seiten dünnes Heftchen dazu kaufen müssen, hätte Stephen King von mir auch einen bitterbösen Blick bekommen – und dann hätte ich es mir doch gekauft, schließlich will man eben doch erfahren, wie es weitergeht. Den Spieler beziehungsweise Leser so in eine narrative Geiselhaft zu nehmen, ist schlicht eine Schweinerei.

Dragon Age: Inquisition - Eindringling wurde auf dem PC (Windows 7 64-bit, 8 GByte RAM, AMD FX-8150, AMD Radeon R9 280 3GB) getestet. Für den Test hat sich die Redakteurin das Spiel selbst gekauft.

Dragon Age: Inquisition - Eindringling

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Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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