Star Wars: Battlefront im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 30. November 2015

Star Wars: Battlefront im Test

Die Macht ist groß, doch der Content ist klein

Star Wars: Battlefront? Das gab es doch schon mal! Richtig, schon zweimal. Nachdem EA kürzlich Need For Speed rebootet hat, belebt man auf diesem Wege auch die Battlefront-Reihe wieder. Pünktlich zum neuen Kinofilm kann man in großen Multiplayer-Gefechten bekannte Schlachten aus Star Wars nachspielen. Wir haben die Lichtschwerter zischen lassen und die Blaster zum Überhitzen gebracht.

Vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie...
Ist man nicht bereits im Star-Wars-Fieber, so wird man spätestens davon gepackt, wenn man Battlefront einlegt. Vom epischen Hauptthema bis zum kleinsten Geräusch ertönt Star Wars pur an jeder Stelle. Ob im Startbildschirm, den Menüs oder im Kampf auf Hoth - die Vertonung steht den Originalfilmen in nichts nach. Mit detaillierten Nachbildungen der Filmkulissen wird die Illusion schließlich perfekt. Auf Endor huschen Ewoks über Holzplanken in den Baumwipfeln und auf dem Eisplaneten stockt man kurz, wenn man zum ersten Mal den Hangar der Rebellen betritt. Schließlich leistet die überragende Grafik einen großen Beitrag dazu, dass kein anderes Star-Wars-Spiel die Atmosphäre der (alten drei) Kinofilme so gut einfangen konnte wie das neue Battlefront.

Dennoch darf man sich vom Kinofilm-Look nicht täuschen lassen: Battlefront erzählt keine epische Science-Fiction-Geschichte. Es ist ein Multiplayer-Spiel, in dem man mit bis zu 40 Spielern bekannte Schauplätze umkämpft. Es gibt zwar eine Handvoll Missionen, die man allein oder zu zweit im Koop spielen kann, die magere Auswahl kann aber nicht lang verheimlichen, dass es sich dabei nur um eine Zugabe handelt, die schnell verfrühstückt ist. Immerhin kann man Koop-Missionen auch im Splitscreen bestreiten. In den Multiplayer-Modus kann man jedoch keinen Splitscreen-Partner mitnehmen.

Star Wars Battlefront Modus Gefecht 01
Pyew Pyew!

Klassische Schießerei
Battlefront steht technisch an der Spitze des Möglichen. In Sachen Gameplay hat man sich aber dafür entschieden, mit einigen Konventionen moderner Shooter zu brechen. Die Komplexität ist im Vergleich zu Battlefield oder Call of Duty etwas zurückgeschraubt. So gibt es nur etwa ein Dutzend Waffen und Gadgets und keine umfangreichen Modifikatoren, Waffen-Upgrades oder Killstreak-Belohnungen. Statt Realismus gibt es viele Arcade-Elemente: Spezialwaffen erscheinen als Pickup auf der Map und Gadgets laden sich nach einem kurzen Cooldown wieder auf. Laserwaffen können zwar überhitzen, aber benötigen keinerlei Munition. Das Sammeln von Waffen, Munition oder Granaten fällt völlig weg, sodass man sich allein auf die leuchtenden Pickups konzentrieren kann, die besondere Waffen, wie den Raketenwerfer oder Geschütze, beinhalten können. Auch Fahrzeuge stehen nicht einfach so auf den Maps bereit, sondern können als zufällig aufploppendes Icon eingesammelt werden. Das macht den Spieleinstieg vor allem für Neulinge etwas leichter, weil erfahrene Spieler keinen Vorteil haben, da sie beispielsweise wissen, wo die Fahrzeuge stehen.

Wie sich schnell herausstellt, zehren die vereinfachten Mechaniken aber nicht an der Spieltiefe. Die Überhitzungsmechanik kommt mit einem Minispiel, das an das Nachladen bei Gears of War erinnert: drückt man im richtigen Moment eine Taste, kann man die Abkühlung deutlich beschleunigen und ist schneller wieder gefechtsbereit. Bei den Pickups auf der Karte weiß man zwar nie, was man bekommt, aber man kann sich die errungenen Items taktisch aufsparen, da man sie auch nicht verliert, wenn man stirbt. Spielt man beispielsweise "Cargo", Battlefronts Variante von Capture the Flag, so kann man sich die mächtige Explosion eines Thermal Exploders wunderbar dafür aufsparen, die gegnerische Basis mit einem Schlag zu räumen. Richtig platzierte Geschütze können die Basis vor Angreifern dagegen gut verteidigen.

Star Wars Battlefront _4-17_Speeder
Auf dem Speeder-Bike durch die Wälder von Endor.

Obwohl es nur wenige Blaster gibt und einige durchaus besser sind als andere, hängt es stark von der Map ab, welche Waffe nützlich ist. Spielt man auf Karten mit engen Gängen, sind kleine Kurzstrecken-Blaster tatsächlich effektiver als ihre größeren Brüder. Auf lange Strecken kann man das Pistölchen aber zu Hause lassen und sollte lieber ein richtiges Gewehr einpacken. Es gibt zwar nicht viel Variation, aber die hat spürbare Auswirkungen. Da die Laser etwas langsamer sind als man es von anderen Shootern gewohnt ist, muss man beim Schießen auf bewegliche Ziele so manches mal auch etwas vorhalten, um noch richtig zu treffen. Auch wenn das etwas Übung erfordert, fühlt sich das Schießen mit Blastern am Ende des Tages einfach "richtig" und - vor allem - nach Star Wars an.

Die Qual der Wahl
Trotz Fokus auf Arcade-Gameplay, ist auch Battlefront nicht frei von Punktesammeln und dem allmählichen Freischalten neuer Waffen und Gadgets. Mit jedem Match sammelt man Erfahrungspunkte und Geld. Mit viel Erfahrung steigt man ein Level, was wiederum festlegt, welche Items man sich kaufen darf. Was man tatsächlich haben will und wo man seine Prioriäten setzt, hängt davon ab, wie gut man sein Geld spart. Will man sofort die Granate kaufen oder ein paar Level später noch genug Kohle für das Jetpack übrig haben? Gadgets lassen sich zudem für einen guten Haufen Geld noch mal upgraden. Erschwerend kommt hinzu, dass man sein Geld auch für das Gameplay irrelevante Skins verprassen kann, was die Wahl nicht leichter macht. Will man beispielsweise einen Rodianer spielen, muss man eben auf ein paar Gadgets verzichten. Glücklicherweise kann man sich jederzeit einen Überblick verschaffen, wann welche Dinge freigeschaltet werden und rechtzeitig planen. Der Umfang ist tatsächlich überschaubar, doch der Zugang ist dadurch begrenzt, dass man erst die entsprechenden Ingame-Kröten verdienen muss. Da man in endlicher Zeit einfach nicht alles haben kann, muss man sich schon entscheiden, was einem wichtig ist.

Star Wars Battlefront Modus Jaegerstaffel 02
Nett: Zwischen First- und Third-Person-Perspektive kann man jederzeit wechseln.

Viele Modi, aber zu wenig Karten
Star Wars: Battlefront glänzt mit einer Vielzahl an Modi. So kann man in "Drop Zone" mit 12 Spielern verschiedene Punkte auf der Karte umkämpfen, in "Droid Run" versuchen, alle Droiden zu kontrollieren oder in Blast mit 20 Spielern ein Team Deathmatch spielen. In "Heroes VS Villains" spielen beide Teams mit den bekannten Star-Wars-Helden: Luke, Lea und Han Solo kämpfen auf der Rebellenseite, Das Imperium hat Darth Vader, Boba Fett und den Imperator zu bieten. In "Fighter Squadron" kann man reine Luftschlachten austragen, was eine nette Ergänzung zum Rest des Spiels darstellt. Jede Fraktion bietet zwei Starfighter an, die sich leicht unterscheiden. Auch wenn die Luftkämpfe unheimlich gut aussehen, scheinen sie weniger ausgereift zu sein als der Rest des Spiels. So funktionieren sie gut als Ergänzung in anderen Modi, werden für sich genommen aber recht schnell langweilig.

Kernstück von Battlefront sind die Modi "Supremacy" und "Walker Assault". Hier geht es mit 40 Spielern und Fahrzeugen auf beiden Seiten zur Sache. In Supremacy muss man unterschiedliche Punkte auf der Karte halten. Erobert das andere Team einen Punkt, fällt man zurück und muss den verlorenen Punkt erst zurückerobern. Hat eine Fraktion die andere auf den letzten Punkt zurückgedrängt, gewinnt sie das Match. Walker Assault ist dagegen ein asymmetrischer Kampf: Das Imperium rückt mit AT-ATs an, die die Rebellen zerstören müssen, bevor sie ihr Ziel auf der Karte erreichen. Dazu versucht das Rebellen-Team verschiedene Uplinks auf der Karte aktivieren, um Y-Wings zu bestellen, die die Walker bombardieren. Pickups auf der Map bieten neben Waffen auch Fahrzeuge und die Möglichkeit, in die Rolle eines Helden zu schlüpfen. Für beides gilt: Wenn man weiß, wie man sie benutzen soll, können sie sehr mächtig sein. Unbesiegbar sind die aber nicht.

Star Wars Battlefront E3 Screen 1_Force Push WM
Helden sind mächtig. Aber nicht unbesiegbar.

Walker Assault wirkte in der Beta noch recht unausgeglichen, scheint in der finalen Spielversion aber deutlich fairer zu sein. Dennoch haben die großen Spielmodi ein Problem: sie sind unkoordiniert. In derart großen Teams ist es kaum möglich, sich gut zu verständigen und so enden die Matches oft in Chaos oder sind schnell vorbei. Da es nicht um reine Abschüsse, sondern um taktische Ziele auf der Karte geht, kann man ohne Teamwork selten viel erreichen. Springt man allein in solche Matches, fühlt man sich meistens völlig machtlos und hat das ständige Gefühl, überhaupt nichts beitragen zu können - da ist man schnell frustriert. Erst wenn man sich in größeren Gruppen von vier oder mehr Spielern zusammenfindet, machen diese Modi so richtig Spaß. In kleinen Trupps kann man sich gut koordinieren und deutlich mehr bewegen als allein. Es ist schade, dass man allein schnell die Lust daran verliert.

Während die zahlreichen Spielvarianten Langeweile verhindern sollten, stöhnt man nach einer Weile genervt auf, weil man durch die immer gleichen Karten zirkuliert. Für die großen Matches gibt es nur vier Maps, insgesamt kommt man auf 12 Karten. Hier wirkt der Content etwas kurz geraten und hinterlässt den bitteren Nachgeschmack, dass Inhalte für den 50€ schweren Season Pass zurückgehalten wurden. Immerhin: Noch im Dezember erscheint ein kostenloses Update, das zwei neue Maps passend zum Kinofilm nachliefert.

Star Wars Battlefront Modus Kampflaeuferangriff 03

Star Wars: Battlefront hungert ein bisschen an Content, da können auch die verschiedenen Modi auf lange Sicht nicht abhelfen. Aber Battlefront steht nicht auf wackligen Walker-Beinen, sondern kann spielerisch voll überzeugen. Besonderes Lob verdient außerdem die tolle Atmosphäre, die das Star-Wars-Universum überzeugend zum Leben erweckt. Schade nur, dass man um DLC nicht herum kommen wird. Ben

Star Wars: Battlefront wurde auf der Xbox One getestet. Ein Testmuster wurde uns von Electronic Arts zur Verfügung gestellt.

Star Wars: Battlefront (2015)

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

blackmaniac
30. November 2015 um 23:48 Uhr (#1)
Einen Singleplayer hätte ich mir dann doch gewünscht. Filmschlachten Nachballern, das wäre so geil. z.B. Als Han Solo sich durch den Todesstern ballern.
Oder auch ein paar Prequelschlachten... wobei das vermutlich im DLC kommt
Gast
31. März 2020 um 15:16 Uhr
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RELEASE
19. November 2015
PLATTFORM
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Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
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Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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