A Story About My Uncle im Test

(Artikel)
Paul Rubah, 19. November 2015

A Story About My Uncle im Test

Raketenschuhe - Check. Plasmapeitsche - Check.

Wenn es einen wirklich simplen und zeitlosen Archetyp unter den Geschichten gibt, dann ist es "die Suche". Das dachte sich auch der Vater eines jungen Mädchens, das nicht ohne Geschichte ins Bett gehen möchte. Und statt ihr irgendeinen Unsinn von Leuten vorzulesen, die in ihrem Leben nicht genug herauskamen, ist der Mann Papi genug, um ein haarsträubendes Kapitel aus seiner Jugend zu erzählen. Namentlich die Suche nach seinem Onkel Fred, der durch ein Abfallbeseitigungssystem in einer Froschmenschendimension verschollen ist.

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Auch wenn A Story About My Uncle streng genommen gar nicht so viel vom Onkel handelt, ist es doch eine gute, einfache Geschichte. Der Protagonist findet einen von Freds angefertigten Abenteueranzug und folgt dem geliebten Oheim in die andere Welt. Der Anzug ermöglicht es uns aus der Egoperspektive, die Welt der fliegenden Inseln mit hohen und weiten Sprüngen zu erforschen ohne dass wir Angst vor tödlichen Stürzen haben müssen. So hüpfen wir von Stein zu Stein und wenig später erweitert sich das Arsenal um eine Energiepeitsche. Mit der können wir uns an Objekte in Reichweite heranziehen und wie ein Indiana Jones locker flockig große Abgründe überwinden. Später kommen sogar noch Raketenstiefel für Kurzstreckenboosts in beliebe Richtung hinzu.

Jetzt wäre es natürlich großartig, wenn die Welt offen wäre, so dass man alle ihre versteckten Ecken erkunden könnte, aber ganz so ist es nicht. Stattdessen ist A Story About My Uncle eine ziemlich lineare Aneinanderreihung von Sprungrätseln, bei der sich Geschick mit Beobachtungsgabe vereinen. Zwar gibt es immer wieder den Sprung ins Ungewisse, bei dem man bis zum letzten Checkpoint zurückgesetzt wird, wenn man zu langsam schaltet - oft zahlt es sich aber aus, eine Sprungpassage durchzuplanen. Vor allem deshalb, weil der Sprit begrenzt ist. Bis zu drei Schüsse hat der Protagonist in seinem Handschuh, hinzu kommt eine Ladung in den Raketenstiefeln. Danach muss zwischengelandet werden. Die Sprünge liegen insgesamt auf einem sehr angenehmen Schwierigkeitlevel und einigermaßen trainierte Fingerakrobaten werden selbst bei den späterhin etwas knackigeren Aufgaben nur wenige Anläufe benötigen. Insgesamt kommt ein sehr guter Flow zustande, so dass sich das Gehüpfe und Geschwebe durchgängig gut anfühlt.

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Trotz des sehr mechanischen Spielverlaufs nimmt sich A Story About My Uncle auch Zeit, eine kleine Geschichte zu erzählen und Atmosphäre aufzubauen. Man trifft sehr bald auf das WAHRSCHEINLICH NIEDLICHSTE FROSCHMÄDCHEN EVER OMG Froschmädchen Maddie, das Onkel Fred schon seit ihrer Geburt kennt und für die Fred so etwas wie ein Vater ist. Maddie ist vor allem deshalb sympathisch, weil ihre Sprecherin wesentlich organischer rüber kommt als der enorm verstockte Protagonist, der anscheinend auf die William-Shatner-Akademie des Overactings gegangen ist.

Alsbald besuchen wir Maddies unterirdisches Dorf, nehmen sie gegen den Willen ihres Ältesten huckepack und durchstreifen gemeinsam die Welt. Wir erfahren mehr über die Kultur der Froschmenschen, können auch kleine Hinweise auf ihre Geschichte hier und dort finden und verfolgen ein weiteres Volk, das sich vor langer Zeit abgespalten und woanders niedergelassen haben soll. Dabei durchstreifen wir einige malerische, mysteriöse und auch etwas unheimliche Orte, bis wir das Ende der Reise erreichen.


Welches leider viel zu schnell kommt. Zwei bis drei Stunden Spielzeit sind für einen günstigen Titel zwar rein ökonomisch kein Fauxpas, aber während Spiele wie Portal kurz und intensiv sind und man am Ende denkt, dass es genau die richtige Menge war, ließ mich A Story About My Uncle mit einem Verlangen nach mehr zurück. Gerade wenn es richtig spannend und herausfordernd wird, ist man eigentlich schon dabei, schnurstracks auf das Finale zuzusteuern. Nach dem Motto "aufhören, wenn es am schönsten ist", rollt A Story About My Uncle die Credits auf dem spielerischen Höhepunkt aus. Es ist ein Spiel, bei dem ich gerne zehn oder fünfzehn Euro mehr für eine stark erweiterte Version ausgeben wollen würde.

Und das ist das Ende vom Lied: A Story About My Uncle ist ein gut gemachter, involvierender 3D-Plattformer, der viel zu schnell vorbei ist. Definitiv einen Blick wert, aber das liegengelassene Potenzial versperrt den Weg zu Höherem.

A Story About My Uncle wurde auf dem PC (Windows 10 64-Bit, 16 GByte RAM, Intel Core i5-4690, Nvidia GeForce GTX 970) getestet. Für den Test hat sich der Redakteur das Spiel selbst gekauft.

A Story About My Uncle

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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06. Dezember 2022 um 14:08 Uhr
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RELEASE
28. Mai 2014
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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