Typoman im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 19. November 2015

Typoman im Test

Cleveres Wortspiel mit kleinen Tippfehlern

Typoman ist clever. Verdammt clever. In der Optik von Limbo bringt der exklusive Wii-U-Titel Platforming und Worträtsel zusammen. In die Umgebung eingeflochtene Buchstaben und Wörter machen Typoman zu einem einzigen Wort- und Sprachspiel. Leider haben sich dabei auch ein paar Fehler eingeschlichen.

Dieser Test ist vorläufig und enthält noch keine Wertung.


Mein Name ist Typoman, aber sie können mich Clever nennen
Was Typoman so clever macht, ist der vielseitige Gebrauch von Wörtern. So übernehmen Buchstaben und Wörter im Spiel die Funktion von Tutorials, Storytelling und Rätseln. Sie bestimmen sogar das Design der Figuren und der Umgebung: so formen die Äste der Bäume stets Ts, Rs und Es - also TREE. Der Körper der Spielfigur besteht dagegen aus H, E, R und O - HERO. So gibt es immer eine Einheit aus Schrift und Inhalt, die fast alle Spielmechaniken selbsterklärend macht. An den ersten Seilen im Spiel hängen beispielsweise die Buchstaben G, R, A, B - GRAB -, die genaue Anweisung, was zu tun ist. An anderer Stelle läuft man über einen Schriftzug aus Stahl, da steht: ROBUST. Klingt sicher! Geht man nun hinüber, brechen O und B davon ab, zurück bleibt RUST. Clever. Clever! Noch ein Beispiel, weil es so schön ist: Früh im Spiel gibt es eine klassische Platforming-Falle, die Presse. In regelmäßigen Abständen saust das obere Teile herunter und zerqutscht alles, was sich darunter befindet. Um nicht darunter begraben zu werden, muss man also im rechten Moment hindurch laufen. Jetzt kommt es: ist die Presse unten, so liest man den Schriftzug CRUSH darauf. Passt! Hebt sich nun das Oberteil, nimmt es das C dabei mit. Zurück bleibt... RUSH! Das ist so gut, dass ich nach Bonn in die Theaterstraße fahren möchte, um den Entwicklern zur Gratulation die Hand zu schütteln. So. Gut.

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G-R-A-B.

Nichts für Englisch-Muffel
Manchmal ist Typoman ein bisschen zu clever. Das Gefühl hat man als deutschsprachiger Spieler vor allem deshalb, weil man nicht Muttersprachler ist. So fehlen ein ums andere Mal die richtigen Vokabeln oder man muss etwas länger überlegen, bis man auf die Lösung kommt. Ich schätze meine Englischkenntnisse recht gut ein, konnte aber nur etwa die Hälfte der Rätsel ganz ohne Hilfe oder Wörterbuch lösen. Weiß man nicht weiter, kann man zu jedem Rätsel einen kurzen Aphorismus abrufen, der das gesuchte Wort enthält. Kommt man noch immer nicht auf die Lösung, kann man sich das Wort auch noch hervorheben lassen. Leider fühlt sich das ein bisschen wie Verlieren an, freut man sich doch deutlich mehr, wenn man selbst auf die Lösung kommt. Da fast alle Rätsel auf Wortkombinationen beruhen, ist es beinahe unmöglich, das Spiel in eine andere Sprache zu übersetzen. Es ist deshalb verständlich, dass Typoman nur in englisch vorliegt. Gerade jüngere Spieler werden diese Hürde jedoch kaum überwinden können. Zu richtigem Genuß kommt man ohnehin nur mit guten Englischkenntnissen - das clevere Spiel mit Wort und Sprache könnte einem sonst entgehen. Mit rund 4 Stunden Spielzeit ist der Spaß leider auch recht kurz.

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Rain --> Drain. Mind --> Blown

Clever, aber nicht smart
Typoman - das klingt ja eigentlich wie ein Superheld. Zu deutsch: Tippfehlermann. Okay, das klingt etwas weniger schmeichelhaft, aber immerhin. Die Sache ist allerdings, dass jeder Held einen Schwachpunkt hat. Für einige sind es radioaktive Steine aus dem All, für andere wären es wohl eingefrorene Bankkonten. Für Typoman ist es das Platforming. Hier kehrt das Spiel einem mit der Schokoseite den Rücken zu. Der kleine Hüpfer, den der Held machen kann, reicht in den meisten Fällen gerade so, um seinen Kadaver über die Abgründe zu bekommen. Springt man nur einen kurzen Moment zu früh, war's das für unser tapferes Männlein. Derart unnachgiebige Platforming-Passagen wirken bei Typoman einfach unnötig, zumal sie nichts von der Cleverness versprühen, die man in den Rätseln des Spiels findet. An anderer Stelle konnte man im Voraus nicht abschätzen, wo eine Plattform wegbrechen würde, sodass schlichtweg Trial & Error war. Etwas mehr Liebe fürs Springen hätte dem Spiel gut getan. Auf der anderen Seite hätte es auch nicht geschadet, das Platforming einfach wegzulassen. Immerhin gibt es faire Checkpoints, die Tode nicht so hart bestrafen.

Wenn's mal nicht so klappt
Gegen Ende des Spiels wird das Legen von Wörtern zuweilen etwas mühselig. Während man zu Anfang herumliegende Buchstaben einfach zusammenschiebt und auf dem Gamepad kurz sortiert, muss man späterhin seine Buchstaben an kleinen Schaltern erst bestellen. So sind zwar mehr Kombinationen möglich, da man Buchstaben auch doppelt ordern kann, aber der Prozess dauert eben ein wenig. Ärgerlich scheint in diesem Zusammenhang auch, dass fast immer nur ein bestimmtes Wort zum Ziel führt, nur an wenigen Stellen habe ich Alternativen gefunden. So liefen meine seltenen Geistesblitze oft ins Leere, weil sie nicht zur definierten Lösung gehörten.

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Jetzt nicht verkacken!

Auf technischer Seite hortet Typoman einige Probleme. So gab es in der Spielversion, die wir per Vorab-Zugang erhalten haben, noch zahlreiche Bugs, die mal mehr, mal weniger störend waren. Ungewöhnlich fallen zunächst die sehr langen Ladezeiten auf, bei denen das Ladebildchen am Ende nochmal rund 15 Sekunden stehen bleibt und man schon fürchtet, die Konsole sei abgeschmiert, wenn das Spiel dann doch noch beginnt. Die ohnehin schwierigen Platforming-Abschnitte werden dadurch weiter erschwert, dass es wiederholt Ruckler gibt, vor allem, wenn man gerade neugeladen hat. Das führt dazu, dass man an derselben Stelle immer wieder stirbt, weil unter dem Geruckel kein zielsicherer Sprung mehr möglich ist. Kleinere Bugs wie falsche Hinweise und eine verschobene Kamera ließen sich durch Neustart vom letzten Checkpoint zwar schnell beheben, tauchten jedoch etwas zu häufig auf.

Typomans Worträtsel zählen zu dem Cleversten, das ich seit Langem in einem Puzzle-Spiel gesehen habe. Sagte ich schon, dass Typoman clever ist? Clever, clever. Leider tut sich das Spiel mit unnachgiebigem Platforming keinen Gefallen. Zunächst bleibt abzuwarten, ob ein erster Patch störende Bugs beseitigen kann. Wir halten euch auf dem Laufenden und raten vorerst dazu, mit einem Kauf noch abzuwarten. [Bevor wir eine finale Wertung vergeben, warten auch wir, ob zeitnah ein Patch erscheint]

Typoman wurde auf der Wii U getestet. Ein Testmuster wurde uns von Headup Games zur Verfügung gestellt.

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19. Mai 2019 um 12:53 Uhr
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19. November 2015
PLATTFORM
Wii U
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