Sword Coast Legends im Test

(Artikel)
Vivian R., 14. November 2015

Sword Coast Legends im Test

Pen & Paper auf dem PC

Sword Coast Legends nimmt sich viel vor: Zum einen führt es die Reihe der Spiele aus dem D&D-Universum fort und steht so in direktem Vergleich zu großen Titeln wie Baldur's Gate oder Neverwinter Nights. Zum anderen holt es das Pen&Paper-Rollenspiel auf den PC und bietet neben einer Singleplayer-Kampagne auch einen Editor zum Erstellen eigener Dungeons und Questreihen - inklusive eines Dungeon-Master-Modus.

Von Dunkelelfen und Dämonen - die Singleplayer-Kampagne
Unser Held gehört der Gilde zur Burning Dawn, die sich verpflichtet hat, eine Handelskarawane auf dem Weg in die Stadt Luskan zu beschützen. Als diese von Unbekannten attackiert wird, machen wir uns auf die Suche nach den Hintermännern des Angriffs. Wie sich bald herausstellt, jagen die religiös verklärten Ritter des Order of the Gilded Eye unter der Führung von Javen Tarmikos die Burning-Dawn-Mitglieder. Ihr Motiv: Sie glauben, die Gilde stünde unter dem Einfluss eines Dämons. Wir schwören Rache für unsere hingerichteten und gefolterten Mitstreiter und machen uns auf die Suche nach Tarmikos und seinen Rittern. Auf dem Weg sammeln wir dabei neue Mistreiter und offene Fragen: Wer ist der mysteriöse Dunkelelf Tasyllys Ch'fyr, auf den wir immer wieder treffen? Was hat es mit der Träne der Mondgöttin auf sich? Und bedeuten die Albträume, die den Held jede Nacht heimsuchen, dass er doch von einem Dämon beeinflusst wird?

Zu Beginn ist die Handlung dabei noch spannend und durch die vielen Wendungen motivierend. Das Interesse am Hauptplot sinkt jedoch, je epischer dieser verläuft. Die Stärken der Kampagne sind unsere Begleiter sowie die teils absurden Dialoge mit Nebencharakteren. Der verplante Nekromant Hommet bringt uns mit seiner naiven Morbidität zum Lachen und die Zwerge Jarhild und Larethar durch ihre unverblümte Direktheit. Und auch wenn nicht jeder NPC vertont ist, so gleichen die überzeugenden Sprecher der anderen Figuren das aus. Überhaupt überzeugt Sword Coast Legends mit seiner Atmosphäre: Ob in Dungeons oder in Städten - die Bereiche sind stets mit einer großen Liebe fürs Detail gestaltet. Und auch die Musik passt zu der teils sehr dichten Stimmung.

SCL - DialogIn Dialogen haben wir oft die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen oder durch unsere Fähigkeiten zu weiteren Informationen zu gelangen.

Gemeinsam auf Abenteuer
Aber die Haupthandlung macht nur einen kleinen Teil des Spiels und des Spielerlebnisses aus. Mit der Kampagne lässt sich gut ein verregneter Nachmittag vertreiben. Am spaßigsten ist es jedoch, diese gemeinsam mit Freunden zu bestreiten (oder mit neuen Freunden, denn alle Spiele von eingeloggten Mitgliedern stehen uns offen). Wollen wir mit anderen spielen, haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir erleben gemeinsam die Kampagne – oder wir spielen Abenteuer, die von uns oder von anderen Spielern im Editor erstellt wurden.

Obwohl das Spiel noch jung ist, ist die Community sehr aktiv, sodass man bereits jetzt aus Hunderten von erstellten Modulen auswählen kann. Einige dieser Kampagnen erzählen eine eigens geschriebene Geschichte, andere sind nur dafür da, um schnellstmöglich an gute Gegenstände zu kommen und aufzuleveln. Es ist also für jeden Spielstil etwas dabei. Dauerhafter Spielspaß ist so garantiert.

SCL - Anfang


Selbst zum Spielmeister werden
Und wem der Drang, eine Geschichte zu erzählen und ein paar Dungeons zu basteln, in den Fingern juckt, der greift zum Editor und erstellt selbst ein Modul. Hier gestalten wir Orte, schreiben selbst erstellten Figuren Quests auf den Leib und platzieren Gegner. Grundsätzlich bietet sich so eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Gestaltung einer eigenen Geschichte, hat man sich erst mal in den hakeligen Editor reingefuchst. Leider sind "Ich akzeptiere die Quest" oder "Ich akzeptiere die Quest nicht" die einzigen Gesprächsoptionen, die der Spieler hat. Dialoge, die nicht auf das Annehmen einer Quest hinauslaufen, dürfen wir nicht erstellen. Das reduziert den Rollenspielfaktor, wie man ihn aus D&D-Spielen gewohnt ist, ungemein. Unsere Geschichte können wir also nur durch "Hau diesen Gegner tot"-Quests erzählen. Schade!

Einen Helden basteln
Der Charaktereditor ist kleinteilig und es macht Spaß, zu Beginn des Spiels einige Zeit darin zu verbringen. Dabei haben wir dutzende Kombinationsmöglichkeiten: Wir wählen Klasse, Rasse, Subrasse und Hintergrund (zum Beispiel Adliger oder Einsiedler) aus, ehe wir uns dem Aussehen unseres Heldens widmen und alles von Haarfarbe bis Nasengröße auswählen. Danach klicken wir uns durch die Menge an Fertigkeiten und Talente. Diese wurden im Vergleich zu vorherigen D&D-Spielen stark eingeschränkt, bieten aber trotzdem noch große Auswahl, sodass man auch in späteren Leveln noch lange über jedem Punkt brütet.
Schade nur, dass wir unsere rothaarige Halblingszauberin mit den weißen Augen und der Knubbelnase im späteren Spiel kaum aus der Nähe sehen. Auch auf die einzelnen Hintergründe unserer Figur wird später nicht mehr referiert und ob sie Chaotisch Gut oder Rechtschaffen Böse ist, spielt auch keine Rolle – das ist man aus anderen Rollenspielen anders gewohnt.

Die Kämpfe
Je nachdem, für welche Fähigkeiten wir uns dann schlussendlich entscheiden, spielen sich die Kämpfe unterschiedlich. Das Kampfsystem erinnert dabei stark an Spiele wie Dragon Age: Origins oder Drakensang. Ob nun alleine oder in der Gruppe: Taktisches Geschick und der Finger auf der Leertaste für die Pause sind besonders auf den höheren Schwierigkeitsstufen gefordert. Wir achten auf Resistenzen und Empfindlichkeiten der Gegner oder fügen durch bestimmte Fertigkeiten neue Schwächen hinzu und passen so unseren Kampfstil daran an.
Das Kampfsystem ist durch die langen Abklingzeiten der Fertigkeiten besonders zu Beginn öde. Dreißig Sekunden lang mit der Basisattacke auf den Gegner einzudreschen, ist genau so spaßig wie es klingt. Später verkürzen sich diese Abklingzeiten dann und es kommen neue Fertigkeiten hinzu, so werden die Kämpfe vielfältiger.

SCL - Kampf


Sword Coast Legends bietet uns nicht nur ein Spiel, sondern über die Hauptkampagne hinweg studenlange Beschäftigung. Sei es nun in von Spielern erstellten Abenteuern oder beim Basteln eigener Kampagnen. Hier liegt die große Stärke des Spiels, denn alleine kann die umfassende Hauptkampagne auf Dauer nicht überzeugen. Die Entwickler haben außerdem regelmäßige Updates angekündigt, die das Inventar des Editors erweitern. Mit dem Pumpkin-Patch, der unter anderem Halloween-Assets einfügt, haben sie damit schon kurz nach Release begonnen. Wir dürfen also darauf gespannt sein, welche Änderungen und Erweiterungen die Entwickler für das Spiel noch in petto haben!

Sword Coast Legends wurde auf dem PC (Windows 7 64-bit, 8 GByte RAM, AMD FX-8150, AMD Radeon R9 280 3GB) getestet. Testmuster wurden uns von Digital Extremes zur Verfügung gestellt.

Sword Coast Legends

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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27. Oktober 2020 um 22:07 Uhr
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20. Oktober 2015
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Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.

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