Terra Battle im Test

(Artikel)
Haris Odobaši?, 11. November 2015

Terra Battle im Test

Der Großmeister wagt sich an ein Handy-JRPG

Mistwalker galten noch vor zehn Jahren als die große Hoffnung am JRPG-Himmel. Die Genialität des Final-Fantasy-Erfinders Hironobu Sakaguchi kombiniert mit der Finanzmacht von Microsoft sollte der Xbox in Japan zu Ruhm verhelfen. Und auch wenn diese Kollaboration uns eines der besten JRPGs aller Zeiten bescherte, Lost Odyssey, muss man im Nachhinein resümieren, dass die Partnerschaft kein Erfolg war. Mittlerweile hat sich Mistwalker nicht nur von Microsoft abgekapselt, sondern komplett vom Konsolengeschäft, um stattdessen Handyspiele zu entwickeln. Ihr Erstling war das arcadelastige Surf-Spiel Party Wave, danach folgte ein Tower-Defense-Titel namens Blade Guardian. Aber im letzten Jahr ging es schließlich zurück zu den Wurzeln. Terra Battle hieß der erste Versuch von Sakaguchi und Mistwalker an einem JRPG für Handys.

Doch wer nun erwartet, ein vollwertiges Abenteuer im Sinne früherer Sakaguchi-Titel zu erhalten, muss sich auf eine Enttäuschung gefasst machen. Terra Battle ist ein Free-to-Play-Spiel mit allem, was dazu gehört. Zwar hat Mistwalker eine Story eingebaut, aber auch diese ist stark an die Free-to-Play-Aspekte gekoppelt. Im Klartext heißt das, dass viele Aktionen an ein Ausdauer-System gekoppelt sind: ein paar Kämpfe bestreiten, etwas Story lesen und dann mehrere Stunden warten, bis man weiterspielen kann. Oder zahlen. Die eigentlich schön geschrieben Fantasy-Geschichte lässt sich so nicht genießen, aber die Leute, die mit solchen Spielen Erfahrung gemacht haben, sind wahrscheinlich schon an das System gewohnt. Zum Glück hat Terra Battle andere Stärken.

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Das Highlight ist ohne Frage das Kampfsystem, das sich auf einem Schachbrett-ähnlichen Gitter abspielt. Dort sind eure Figuren sowie die Gegner platziert und ihr könnt in jedem Zug eine Figur bewegen. Die Bewegungsmechanik ist dabei auch gleichzeitig der Clou: ihr schiebt in einer kontinuierlichen Bewegung die Figur über das Feld, bis ein Timer abläuft. Berührt ihr auf diesem Weg eure eigenen Figuren, bewegen sich diese ein Feld in die entgegengesetzte Richtung. Das ist wichtig, denn um Gegner angreifen zu können, muss man sie in die Zange nehmen.

Es gibt auch noch ein paar weitere Positionierungstricks, zum Beispiel dass Figuren, die in einer Linie stehen, gemeinsam angreifen und Spezialfähigkeiten aktivieren können. Das ist insbesondere durch die unterschiedlichen Klassen interessant und fügt eine weitere taktische Dimension hinzu, da ihr beispielsweise darauf achten müsst, dass euer Heiler mit den richtigen Figuren auf einer Linie steht, um ihre Energie regenerieren zu können.

Es ist ein genialer Ansatz, um Innovation, sinnvolle Touchsteuerung und ein kleines bisschen Geschicklichkeit zusammenzuführen und zahlt sich voll aus. Mir ist auf mobilen Plattformen noch kein vergleichbares Spiel untergekommen, das auch nur annährend mit dem ausgeklügelten Kampfsystem mithalten konnte. Das kann auch dem für Hardcore-Gamer eigentlich so ungeliebten F2P-Modell etwas Schwung verpassen, denn die Kämpfe für sich sind schon wirklich eine spannende Angelegenheit, zu denen man gerne immer wieder zurückkehrt.
Auch im Drumherum finden sich einige typische F2P-Elemente wieder, zum Beispiel beim Rekrutieren eurer Party. Ein paar Figuren kriegt ihr gestellt, doch alles, was darüber hinausgeht - besonders starke und seltene Charaktere zum Beispiel -, müsst ihr euch mühevoll im Grind verdienen. Oder zahlen.

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Terra Battle bietet ein starkes Kampfsystem und ein paar interessante Ideen im Spielaufbau, den Versuch, eine halbwegs kohärente Story in das F2P-Modell einzupflegen, sowie einen schönen Soundtrack von Nobou Uematsu. Gleichzeitig trägt es aber eben auch das F2P-Laster mit sich herum. Zwar fühlt man sich nie genötigt, Geld auszugeben, aber es gibt doch genug Situationen, wo man mit dem Gedanken spielt. Unverschämte Preise, die bis hin zu den Kosten eines Konsolenspiels reichen, halten einen zwar davon ab, aber in so Momenten wünscht man sich doch, dass Uematsu wieder zur Konsolenentwickling zurückkehren würde. So ist Terra Battle ein Snack für Zwischendurch, der wunderbar auf die mobile Platform passt, aber den Hunger nicht nur nicht stillen kann, sondern ihn eher noch weiter anfeuert.Haris

Terra Battle wurde für Android (Samsung Galaxy S6 Edge) getestet. Das Spiel ist free to play.

Terra Battle

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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19. Juli 2019 um 12:24 Uhr
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09. Oktober 2014
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