Need for Speed im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 10. November 2015

Need for Speed im Test

Eine Runde um den Block fahren

Was ist eigentlich Need for Speed? Ein Reboot oder nur ein extrem unkreativer Titel für einen neuen Teil? Ein Reboot kann es nicht sein, da ja die Spiele an sich nur die Autorennthematik verbindet. Also muss es... Moment, es ist ein Reboot? Was qualifiziert dieses Spiel als Reboot? Wie kann man eine Serie wie Need for Speed überhaupt rebooten?! Wie dem auch sei, der 22te Teil der Rennspielserie steht nun in den Läden, bereit von euch gezockt zu werden. Ob sich das lohnt, habe ich für euch herausgefunden. Ein Wort der Warnung: Ich habe nur zwei Vorgänger intensiv gespielt, Porsche und Most Wanted U (ja, ich besitze die Wii-U-Version).

Wer kennt das nicht: Da fährt man mal ein bisschen schneller als sonst und schon wird man in eine Clique von Untergrund-Rennfahrern eingeladen. So ähnlich beginnt die Story des Spiels. Und von da an geht es auch irgendwie ohne Überraschungen weiter. Man bestreitet Rennen für Rennen und am Ende ist man der King der Szene. Was zwischen diesen beiden Punkten passiert, ist irgendwie schwammig, da sich die Missionen auf die vier Hauptcharaktere aufteilen und dem Ganzen ein gewisser Fokus fehlt. Immerhin, sämtliche Zwischensequenzen wurden mit echten Schauspielern auf echten Sets gedreht und das kann sich durchaus sehen lassen, zumindest von der Machart her. Dagegen ist der Inhalt dieser Sequenzen stinklangweilig - hauptsächlich weil die Charaktere wandelnde Stereotypen sind. Und während des Spiels rufen die einen ständig an, um einen zu neuen Missionen einzuladen. Diese Telefonate sind nervig. Schlimmster Spruch: "Dude, that was crayyyyyy FISH!" ... [Hier Picard Facepalm einfügen]. Lustig sieht es dann aus, wenn das Spielerauto seinen Weg in die Filme reingerendert wird. Die Idee ist nett, aber es sieht deplatziert aus.

NfS01BLACKY durfte ich nicht als Nummernschild nehmen, das galt als Schimpfwort.

Wenigstens ist das Gameplay nicht ganz so durchwachsen. Wie es sich für einen Underground Racer gehört, bekommt man eine ganze Stadt als Spielplatz zur Verfügung gestellt, in der man frei herumdüsen kann oder man fährt zu den Startpunkten der Events und nimmt an ihnen teil. Wahlweise kann man auch die Karte öffnen und sich direkt dahin teleportieren lassen. Also irgendwie ziemlicher Serienstandard mittlerweile. Diese Events reichen von einfachen Rennen von A nach B über Rundenrennen, Driftwettbewerben, Teamdriften und anderen, ähnliche Disziplinen. Wie schon in früheren Titeln gibt es den Autolog, der einem gerne vorschlägt, welchen Highscore eines Freundes man mal knacken sollte. Als Belohnung gibt es Geld, das man in neue Autos oder in neue Teile für bereits erstandene Autos stecken kann. Manche Teile, wie neue Bremsbeläge oder Stoßdämpfer, verändern nicht direkt die Werte des Wagens, sondern ermöglichen dem Spieler das Fahrverhalten individueller einzustellen. Im Groben entscheidet man damit aber nur, ob die Karre in Kurven stabiler bleibt oder leichter in Drifts übergehen kann. Im Feldversuch muss ich aber sagen, dass man von diesen Optionen die Finger lassen sollte, der Regler ist in der Mitte genau richtig. Zuviel Bodenhaftung sorgt dafür, dass man in vielen Kurven erst mal stark abbremsen muss, damit der Wendekreis klein genug wird, da man regelrecht auf dem Asphalt festklebt. Zu wenig Bodenhaftung hingegen lässt euch unkontrolliert umherschliddern, als hätte man die Reifen mit Butter eingeschmiert.

Dazu gibt es noch ein Levelsystem, das neue Events und Teile freischaltet, genannt Reps (für Reputation). Reps werden in fünf Kategorien unterteilt: Speed (fahrt schnell), Style (meistens driften), Crew (fahrt mit wem zusammen), Build (gute Nitroboosts) und Outlaw (Sachen kaputt fahren). Jedes mal, wenn man eine Aktion durchführt, die in eine solche Kategorie fällt, dann gibt es Reps und mit genug Reps steigt man im Level. Es funktioniert und... na ja... das war's auch irgendwie. Nichts wirklich Herausragendes dabei.

Was es definitiv bei noch keinem Need-for-Speed-Titel gab, ist das tolle "Du musst immer online sein"-Feature. Ganz recht, im Stile eines SimCity kann man ohne Internetverbindung das Spiel nicht spielen. Dafür ist man nie alleine unterwegs, denn überall fahren auch andere Spiele herum, die selber ihre Events bestreiten. Dazu gesellen sich noch die CPU-Gegenspieler, die außerhalb der Events ziellos durch die Stadt kurven. Ist ganz nett, so sieht man die auch mal außerhalb der Rennen. Wenn übrigens zwei Spieler gleichzeitig ein Event starten, dann kann es gut sein, dass sie dabei gegeneinander fahren. Oder man kann an einen anderen Spieler heranfahren und diesen spontan zu einem Rennen oder Driftwettbewerb herausfordern. Doch hier schießt sich das Spiel in den Fuß. Der Multiplayeraspekt des Spiels ist nicht nur rein optional, es wird dem Spieler auch keinerlei Anreiz gegeben diese Features zu nutzen. Klar, ich kriege immernoch Reps und Kohle, wenn ich jemanden herausfordere, aber da kriege ich mehr von den Events. Dazu kommt noch, dass viele Spieler sich um ihren eigenen Mist kümmern und man so eigentlich gar nicht dazu kommt jemanden herauszufordern. Ein klassischer Multiplayer hätte mir besser gefallen.

NfS02Ein gutes Auto kann mit den richtigen Teilen immer noch viel besser werden.

Jetzt steh ich mit dem Krempel da. Need for Speed ist... okay. Ich mag das Fahrgefühl und da sind auch einige gute Rennen dabei. Es ist teilweise auch sehr entspannend, das Spiel zu spielen, so verrückt das auch klingt. Doch was hier von Ghost Games geboten wird, erfindet das Rad in keinster Weise neu. Zu viele Aspekte blieben auf der Strecke. Die Story ist langweilig und die Charaktere sind mir egal. Der Soundtrack ist absoluter Schrott, keinen der lizensierten Tracks würde ich mir in die Playlist hauen und was an eigener Musik drin steckt, ist bestenfalls kacktastisch. Die Grafik ist schön anzusehen, wirkt aber eintönig, da ausschließlich nachts gefahren wird. Der Onlinezwang ist nicht so schlimm wie er klingt, die Server laufen stabil, das Spiel bietet dafür aber nichts, was diesen Schritt rechtfertigt. Immerhin, man kann seine Mühle optisch so gestalten, wie man lustig ist. Am Ende bekommt man mit Need for Speed das B-igste Rennspiel geliefert, das ich seit Längerem gespielt habe.

Need for Speed wurde auf der Xbox One getestet. Ein Testmuster wurde uns von Electronic Arts zur Verfügung gestellt.

Need for Speed (2015)

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

Adrian
11. November 2015 um 10:04 Uhr (#1)
Es ist schade, dass NfS nur noch so ein Schatten seiner Selbst ist. Ich habe aber generell einfach das Gefühl, dass die Zeit der glorreichen und erfolgreichen Arcade-Racer einfach vorbei ist. Mir fallen aktuell auch keine guten Rennspiele ein, außer Forza und Dirt Rally, beides Titel die sehr simulationslastig sind.
blackmaniac
11. November 2015 um 18:08 Uhr (#2)
Ich hatte sehr viel Spaß mit Most Wanted U. Es hatte keine wirkliche Story, es war eher Arcadelastig und man merkte so eine Prise Burnout im Gameplay, weil man so herrlich einfach seine Gegenspieler durch Crashs ausschalten kann. Im neuen NfS wird einem das verdammt schwer gemacht
Rian
12. November 2015 um 00:11 Uhr (#3)
Forza Horizon 2 ist super und würde ich eher dem Arcade-Genre zuweisen, auch wenn man sich das Spiel durch Ausschalten von Hilfsoptionen natürlich wesentlich simulatoriger machen kann.
Gast
21. Oktober 2019 um 20:50 Uhr
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RELEASE
05. November 2015
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
Xbox One
Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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