Train Simulator 2016 im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 11. Oktober 2015

Train Simulator 2016 im Test

Schnell, versteckt euer Geld!

Auf der Suche nach dem perfekten Zugsimulator kommt man nicht an dem Train Simulator von Dovetail Games vorbei. Seit 2009 wird dieser Titel nun jährlich gepflegt und aktualisiert und erfreut sich großer Beliebtheit in der Community. Wieso der Train Simulator 2016 ein eigentlich gutes Spiel ist, aber von einem desaströsen Denkfehler in die Tiefe gezogen wird, zeige ich euch in diesem Test.

ts16_cockpit

Jedes Jahr widmet sich der Train Simulator einem anderen Oberthema, dieses Mal findet man neben einer deutschen Strecke und einigen deutschen Zügen vor allem ältere Loks, in denen noch alles mechanisch gesteuert werden muss. Vor allem die Siebzigerjahre in Nordamerika stehen im Vordergrund, mit drei langen Strecken und insgesamt 15 verschiedenen Zügen im Basisspiel. Hört sich im ersten Moment nicht sehr umfangreich an, aber durch verschiedene Missionen und die kleine Kampagne kann man auch mit dem Inhalt locker eine Spielzeit von bis zu 50 Stunden erreichen. Wenn man noch keine Erfahrung mit der Bedienung vom Train Simulator hat, kann man nun auch die implementierte "Academy" nutzen und wird Schritt für Schritt an die korrekte Bedienung herangeführt. So lernt jeder Spieler die grundlegenden Mechanismen in Windeseile.

Drei Spielmodi stehen zur Verfügung: das freie Spiel, der Karriere und der Szenario-Modus. Wer nur schnell eine Runde fahren möchte, kann sich mit ein paar Mausklicks ein Spiel zusammenbauen und schnell hineinspringen - das funktioniert super. Für längere Sessions sind die Karriere-Missionen gedacht, in denen man auch häufig eine besondere Aufgabe erhält. So muss man zum Beispiel bei schlechtem Wetter und Dunkelheit mit einem Passagierzug langsam von A nach B fahren und es dabei schaffen, keine Fehler zu machen. Am Ende jeder Mission kriegt man eine Punktezusammenfassung, nach der dann eine Bewertung in Form von drei Sternen vergeben wird. Schafft man eine Aufgabe ohne Fehler, bekommt man die Höchstwertung. Aber der Train Simulator zieht auch gnadenlos Punkte ab, zum Beispiel bei Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit oder zu starkem Bremsen im Personenverkehr. Die Szenarios sind entweder selbstgestrickte aus dem Editor oder aus dem Steam Workshop heruntergeladene. Der Editor bietet dabei alle Inhalte aus dem Basisspiel und aus eventuell gekauften DLCs. Das Erstellen von Aufgaben geht kinderleicht von der Hand und macht dadurch auch viel Spaß. Wer gar nicht selbst fahren, sondern sich die Züge und Szenerien im Detail ansehen möchte, für den gibt es den neuen Railfan-Modus. Hier kann man einen Zug an bestimmten Stellen platzieren und dann mit der Kamera frei umherfliegen, um in Ruhe Fotos schießen zu können oder Dinge betrachten zu können.

ts16_schneezug

Aber ist der Train Simulator denn auch eine gute Simulation? Man kann auf jeden Fall sagen, dass sich das Spielgefühl rund anfühlt und man die Trägheit der Züge bei der Bedienung gut spürt. Auch bei verschiedenen Wetterverhältnissen verändert sich das Fahrverhalten, so kommt bei Regen und Schnee deutlich häufiger der Radschlupf vor, da sich durch die Feuchtigkeit die Reibung zwischen Schiene und Rad des Zuges deutlich verringert. Beim Gasgeben und Bremsen muss man also besonders aufpassen, um keine Fehler zu machen. Sonst kann es gut und gerne mal vorkommen, dass man am Zielbahnhof vorbeirauscht, weil man den Bremsvorgang zu spät eingeleitet hat. Natürlich verändert sich auch das Verhalten der Züge aufgrund ihrer Länge, Beladung und Leistung. Auch die Steuerungsoptionen sind vielfältig. Entweder man nutzt einen Controller, die Tastatur oder nutzt das einblendbare HUD und bedient nur per Maus den Zug. Um schneller auf Dinge reagieren zu können, muss man sich auch nur ein paar der Tastenbelegungen merken und kann den Rest per Maus steuern – so kann man etwa fix den Sandstreuer aktivieren und gleichzeitig die Geschwindigkeit oder Bremse haargenau regeln.

Während die Simulation perfekt funktioniert, sind Grafik und Sound über die Jahre etwas angestaubt. Über große Teile sieht der Train Simulator 2016 zwar recht ansehnlich aus, jedoch gibt es schon arg viele Texturen, die ein bisschen mehr Schärfe vertragen würden. Auch die Wettereffekte wie Regen und Sturm sollten überarbeitet werden, denn visuell ist das nicht gerade ein Feuerwerk. In Sachen Performance liefert der Train Simulator eine gute Leistung ab, wobei auch trotz sonst flüssigem Gameplay an einigen Stellen unerklärliche Ruckler auftreten. Wer einen ausreichenden Rechner hat, sollte übrigens das Anti-Aliasing so hoch wie möglich einstellen, denn ohne die Kantenglättung verkommt das ausgegebene Bild aufgrund der vielen Oberleitungen zu einem Flimmer-Festival, dass einem die Augen weh tun. Beim Sound möchte ich vor allem die Geräuschkullisse mancher Züge kritisieren, die sich zum Teil wirklich blechern und unschön anhören. Zudem werden oftmals auch nur Geräusche von anderen Zügen recycelt und minimal verändert, was schon ein wenig schade ist. Vor allem wenn man sich einen neuen Zug als DLC kauft und dann nur mit wiederaufbereiteten Sounds begrüßt wird, schwindet schon einiges an Faszination.

ts16_nachtBei Nacht sieht man trotz Scheinwerfern oft nicht viel.

Jetzt möchte ich aber endlich zum Knackpunkt beim Train Simulator 2016 kommen: den DLCs. Das Verkaufsmodell von Train Simulator sieht so aus: Jeder Spieler muss natürlich einmal das Basisspiel besitzen. Dabei ist es egal, ob man sich den Train Simulator vor drei Jahren oder heute gekauft hat. Sobald man einmal das Basisspiel besitzt, ist es nicht so wie bei normalen jährlichen Releases, dass man jedes Jahr eine neue Version kaufen muss, sondern ist wie eine Art jährliches Add-On anzusehen. Um nun natürlich trotzdem weiterhin Geld zu verdienen, entwickelt und verkauft Dovetail Games DLCs. Und davon gibt es VIELE, und zwar mittlerweile so viele, dass man zusammengerechnet für alle Zusatzinhalte exakt 3737,68€ ausgeben muss. Ich glaube hier muss ich niemandem erklären, dass dies wahrscheinlich sogar für den größten Zugfanatiker viel zu viel ist. Das Problem beim DLC-Vekaufsmodell ist allerdings nicht die schiere Menge an Content, denn hier kann sich ja jeder selbst aussuchen, an welchen Zügen man Interesse hat und welche Strecken man fahren möchte, sondern eher das Preismodell der einzelnen DLCs. So kann man sich beispielsweise eine Strecke für 30€ kaufen, was für eine Strecke schon ein überzogener Preis ist, aber kann dann zusätzlich noch das Pech haben, dass kein Zug im Lager für den Betrieb auf der Strecke vorgesehen ist. Weil man dann natürlich trotzdem die Strecke fahren möchte, kauft man sich noch einen Zug für 13€ hinterher und landet bei insgesamt 43€, für einen Zug und eine Strecke. Nur einmal zum Vergleich: das Basisspiel kostet 35€. Diese übertriebenen Preise führen einfach dazu, dass man trotz des Interesses für weitere Strecken und Züge nicht zuschlägt, sondern eher deprimiert vor dem PC sitzt und sich selbst bemitleidet. Kompatibilitätslisten könnten die Kaufentscheidung vereinfach - die fehlen aber komplett und man muss sich mit viel Mühe selbst informieren, um am Ende keinen nutzlosen Zug oder eine Strecke zu besitzen, die man gar nicht fahren kann.

Der Train Simulator 2016 macht beim Gameplay vieles richtig und ist sowohl für Einsteiger gut zu bedienen als auch für Experten eine tolle Herausforderung. In Sachen Grafik hat sich mittlerweile doch eine merkliche Staubschicht angesammelt und auch der Sound wirkt an manchen Stellen zu altbacken. Die DLC-Politik ist aber der größte Negativ-Punkt und lässt die Spieler entweder in Depressionen verfallen oder sie reißt ein riesiges Loch in die Geldbörse. Adrian

Train Simulator 2016 wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, 8 GByte RAM, Intel Core i5-4670, AMD Radeon R9 270X) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Dovetail Games zur Verfügung gestellt.

Train Simulator 2016

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

Rian
19. Oktober 2015 um 01:11 Uhr (#1)
Eines Tages kommt der Bahn-Simulator mit dem S-Rank. Quasi der S-Bahn-Simulator.
Gast
22. Oktober 2021 um 08:59 Uhr
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RELEASE
18. September 2015
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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