Fallout Shelter im Test

(Artikel)
Jan Oppermann, 05. Oktober 2015

Fallout Shelter im Test

Berufsperspektive Vault-Verwalter

Am 10.11.2015 veröffentlicht Bethesda den neuesten Teil der Fallout-Reihe, Fallout 4. Zur Feier des Tages und um den Ödlandkämpfern in Spe die Wartezeit zu verkürzen, haben die Spielemacher das Mobilgame Fallout Shelter für Android und iOS herausgebracht. Doch lohnt sich das Minispiel? Wir haben uns den Titel für euch angeschaut.

Bunkerspiele
Fallout Shelter reiht sich in die klassischen mobilen Aufbausimulationen mit ein und kommt in einem 2-½-D Look daher. Der Bunker ist dabei im Querschnitt dargestellt, Räume können also nur zweidimensional über- und nebeneinander angeordnet werden. Die Räume selber sind jedoch dreidimensional modelliert, während die Bunkerbewohner Cartoonfiguren sind.

Nach dem Start des Spiels werden wir in typischer Fallout-Manier stimmungsvoll im Stil der amerikanischen Dreißigerjahre mit seichtem Jazz begrüßt. Zu Beginn dürft ihr eine dreistellige Nummer für euren Vault wählen. Diese scheint jedoch nur kosmetischer Natur zu sein und hat keinen Einfluss auf das Spiel, auch wenn die Warnung, dass die Nummer nicht geändert werden kann, ein wenig irritierend wirkt.

01Wie glücklich die Menschen trotz der laufenden Apokalypse sind.

Schauen wir uns kurz die Lage an: Man wurde gerade zum Leiter einer unterirdischen Bunkeranlage befördert, welche ihre Bewohner vor den Gefahren des umliegenden Ödlands beschützt. Unsere Aufgabe ist es nun, für die Zufriedenheit der Bewohner zu sorgen und den Bunker gleichzeitig weiter auszubauen.
Damit geht es auch schon gleich los. Wir starten mit einem kleinen Standard-Bunker, der nicht viel mehr enthält als einen Schleusenraum, einen Fahrstuhl in die zweite Etage und einen Schlafraum. Tipps und Tutorials zeigen, wie wir den nötigen Strom mithilfe eines Generatorraumes produzieren, Bewohner in den Vault lassen und ihnen die anfallenden Aufgaben zuweisen. Dazu verrät uns eine kurze Berührung der Figur, welche Charakterwerte sie besitzt und dadurch auch, wo wir sie am besten arbeiten lassen und damit glücklich machen können. Charaktereigenschaften unterteilen sich in Stärke, Wahrnehmung, Ausdauer, Charisma, Intelligenz, Beweglichkeit und Glück. Darf ein Bewohner in einem Raum arbeiten, der dem höchsten seiner Werte entspricht, wird er am glücklichsten und die Gesamtzufriedenheit des Vaults steigt. Davon ist neben einer Belohnung bei der täglichen Leistungsbeurteilung auch ein Bonus bei der Strom-, Essen- und Wasserproduktion abhängig.

Auf diese Güter stützt sich nämlich ebenfalls die Zufriedenheit der Bewohner. Fehlt es an Strom, schalten sich Teile des Vaults ab und es kann nicht mehr gearbeitet werden. Wird zu wenig Essen produziert, verlieren die Bewohner Leben, und ist Wasser Mangelware, so erleiden die Bewohner Strahlenschäden, wodurch sie längerfristig eine verringerte Anzahl an maximalen Lebenspunkte besitzen.
Doch auch dagegen kann man etwas tun. So können wir in spezialisierten Räumen Stimpaks und Radaways herstellen, welche Leben regenerieren und Strahlenschäden beseitigen. Ein Allheilmittel stellen diese Items jedoch auch nicht dar. So können die dazu benötigten Räume erst ab einer bestimmten Anzahl an Bewohnern freigeschaltet werden und auch die Produktion ist im Vergleich zu anderen Ressourcen viel zeitintensiver. Zudem können sie auch keine Misswirtschaft ausgleichen, falls der Spieler es nicht schafft, genügend Ressourcen zu produzieren.

Spaziergänge
Eine weitere Art der Beschäftigung für die Bewohner stellt die Erkundung des umliegenden Ödlands dar. Ausgerüstet mit Stimpaks und Radaways sowie optionaler Kleidung und Waffen, bieten diese gefährlichen Trips eine Möglichkeit, weitere Ressourcen zu beschaffen. Doch das Ödland ist nicht ungefährlich. Je weiter sich die Bewohner vom sicheren Vault entfernen, desto stärker werden die Gegner, aber auch die Belohnungen werden wertvoller. Falls man vergessen hat, dass da draußen noch Bewohner herumwandern, kann es passieren, dass diese zwar reichlich Beute einfahren, dabei aber leider an einer radioaktiven Ratte umkommen. Aber auch dies stellt in Fallout Shelter kein Problem dar, denn mit nur einigen hundert Einheiten der Spiel-Währung „Kronkorken“ lässt sich der Tote wiederbeleben und auf den Rückweg in den Bunker schicken. Um Pay-to-Win handelt es sich hier aber dennoch nicht, da zum einem man zwar stets ausreichend Kronkorken besitzt, um immer mal wieder einen Bewohner von den Toten auferstehen zu lassen, das Einkommen aber nicht ausreicht, um die Bewohner nur mit Geld am Leben zu erhalten. Weiterhin ist es zwar möglich sich mit Echtgeld Pakete zu kaufen, in denen Items, Ressourcen oder Geld sein können, jedoch werden der Seltensheitsgrad oder die Menge zufällig ausgewählt, man kann also auch Pech haben und nicht bekommen, was man sich wünscht.

02Bei Problemen gehen die Bewohner eigenständig die Lösung an.

Dabei lauern nicht nur außerhalb des Bunkers Gefahren, auch im Vault kann es manchmal eng werden und Feuer, strahlenverseuchte Ratten und schießwütige Banditen wollen den fleißigen Bewohner das Leben schwer machen. Glücklicherweise sind die Bewohner recht findig und werden schnell mit den Unannehmlichkeiten fertig.

Und hier macht Fallout Shelter seine größten Fehler: Es wird kein großer Anspruch an den Spieler gelegt und es gibt nur wenig Anreize weiter zu spielen.
So ist es, wie bereits erwähnt, möglich, tote Bewohner mit einem recht geringen Einsatz wiederzubeleben, und auch die Gefahrenabwehr im Bunker gestaltet sich wenig anspruchsvoll, da Brände, Ratten und Banditen meist schnell und ohne weitere Konsequenzen von den Bewohner beseitigt werden können. Hat man nun einen wirtschaftlich stabilen Bunker errichtet und produziert gleich viel oder mehr Ressourcen als die Bewohner verbrauchen, so gibt es keinerlei Missionen oder Aufträge, welche einen zum Ausbau der Anlage motivieren. Ebenso gibt es keine Möglichkeiten sich kreativ auszutoben, wie es zum Beispiel bei den Konkurrenten im Bereich des Städtebaus möglich ist. So ist die Menge der Räume sehr begrenzt, es gibt keine Arten von Dekorationen und keine Möglichkeiten die Räume, etwa durch Farben, zu individualisieren. Sogar eine clevere Infrastruktur lässt sich nicht errichten, da sich Korridore oder Gänge gar nicht bauen lassen. Stattdessen laufen die Bewohner auf dem Weg von einem Ort zu einem anderen geradewegs durch alle anderen Räume hindurch.

Einzig die Möglichkeit abhängig von der Anzahl der Bewohner mehr Räume als zu Beginn des Spiels freizuschalten, stellt einen Anreiz dar, den Bunker weiter auszubauen, doch auch diese Räume bieten nur wenige weitere Funktionalitäten. Eine Radiostation lockt etwa weitere Bewohner an oder Trainingsräume steigern Charakterwerte. Die restlichen Räume hingegen sind nur noch größere Produktionsräume. Hier hätte ich mir gewünscht eine echte Verwaltungsaufgabe zu übernehmen und mich wirklich um die Bedürfnisse von Bewohnern kümmern zu müssen, statt sie nur einmalig dem besten Raum zuzuordnen. Auch ein Forschungssystem oder die Notwendigkeit sich um Wasser- und Stromleitungen zu kümmern und diese auszubauen hätten hier für längeren Spielspaß gesorgt.

03Mit steigenden Einwohnerzahlen werden auch immer mehr Einrichtungen zur Versorgung notwendig.

Welche Daseinsberechtigung besitzt Fallout Shelter also, wenn es nicht lange zum weiterspielen anregt? Angesichts des begrenzten, als dürftig einzustufenden Spielumfangs und des anstehenden Release von Fallout 4 stellt Fallout Shelter nicht viel mehr als einen kleinen "Appetitanreger" dar, der für Fans und Kenner der Serie die Wartezeit bis zur Herausgabe des Hauptspiels verkürzen soll. Alle anderen müsste man schon in einen Bunker ohne Kontakt zur Außenwelt einsperren, damit sie sich länger als einen Tag mit dem Titel beschäftigen.
Zwar halte ich es für legitim ein wenig umfangreiches, aber technisch einwandfreies Mobilspiel als Werbung für das Hauptspiel zu nutzen, da es kostenlos heruntergeladen werden kann. Jedoch hinterlässt Tatsache, dass trotz des geringen Spielumfangs Zusatzkäufe angeboten werden, in diesem Kontext einen bitteren Nachgeschmack.

Jan ist einer unserer regelmäßigen Gastautoren und versorgt uns dementsprechend ab und an mit Artikeln. Wenn er Bock hat. Wenn ihr euch auch mal ohne Konsequenzen austoben wollt, dann schreibt doch einfach eure Idee an kontakt@dailydpad.de. Wenn sie uns gefällt, bekommt ihr bei der Formulierung, Strukturierung und Ausfertigung redaktionellen Support von uns und als Belohnung für den fertigen Text erhaltet ihr das lebenslange Recht darauf damit angeben zu dürfen, dass ihr einen Artikel im INTERNET veröffentlicht habt! Whoaaaaa!

Fallout Shelter

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

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19. Februar 2019 um 14:48 Uhr
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14. Juni 2015
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