FIFA 16 im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 27. September 2015

FIFA 16 im Test

Das Gleiche... aber anders... und trotzdem gleich!

Endlich wieder ein neues FIFA! Wie in jedem Jahr präsentiert uns EA auch jetzt den neuesten Teil ihrer Fußballsimulation und tischt als besondere Neuerung die Integration des Frauenfußballs auf. Ob sich FIFA 16 allerdings vom ewigen Vorwurf der entwicklerischen Stagnation lösen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

Wollen wir doch zuallererst auf den Frauenfußball eingehen. Angeboten wird nun die Möglichkeit, Frauenmannschaften im Pokalmodus zu spielen. Aber mal ganz ehrlich: nicht viele werden jetzt den unstillbaren Drang verspürt haben, endlich mit einer Frauenmannschaft auf dem Platz zu stehen. Trotzdem ist es vorbildlich, auch dies endlich ins Spiel zu integrieren. Bei den Entwicklern schien es an Motivation nicht gefehlt zu haben und so finden wir uns mit einem stark veränderten Spielgefühl im Frauen-Match wieder. Das Spiel wirkt insgesamt etwas langsamer, die Bewegungen der Spielerinnen sind nicht so dynamisch wie die der männlichen Kollegen und generell sind alle Aktionen ein wenig mehr von Fehlern durchzogen. Die Gesichter der Spielerinnen wurden hervorragend detailreich ausgearbeitet und übertreffen dabei oftmals sogar den Detailgrad der männlichen Kollegen. Auch an Kleinigkeiten, wie weibliche Schreie, die von den Stadionmikrofonen eingefangen werden, wurde gedacht. Auch der Härtegrad von Fouls und atmosphärische Dekorationen, wie das Meckern von Spielern nach dem Foul, wurde reduziert. Insgesamt kann man nur sagen, dass der Frauenfußball durchaus authentisch und als etwas Eigenes dargestellt wurde, aber nicht als Killer-Feature des neuen FIFAs hervorgehoben werden kann.

fifa16_messiDer beste Spieler in FIFA 16: Messi.

Aber auch beim klassischen Männerfußball gibt es einige spielerische Neuerungen, die man oft erst nach einigen Matches so richtig erkennen kann. Viel wurde unter der Haube geschraubt und gedreht, Spielmechaniken angepasst und vor allem wichtig: das Spieltempo wurde merklich heruntergedreht. Es kommt hinzu, dass auch Pässe vermehrt nicht korrekt vom gedachten Empfänger angenommen werden, wodurch das Spielgefühl deutlich realistischer ist. Der Ball klebt schlichtweg nicht mehr wie ein Magnet an den Füßen des Spielers, sondern verspringt deutlich öfter. Auch das alleinige Durchdribbeln ist nicht mehr so mächtig wie in den vorigen Teilen. Zwar geht das Dribbling durch die verbesserte Mechanik auch für Anfänger etwas besser von der Hand, jedoch wurde die Abwehr-KI deutlich ausgebessert. Die computergesteuerten Gegner stellen nun besser offene Räume zu und attackieren den Spieler schneller und häufiger, als man es aus den älteren Teilen gewohnt ist. Der Vorstoß in den gegnerischen Strafraum mutiert so zu einer Herausforderung und lässt sich nicht mehr so einfach mit einem Doppelpass oder einem kleinen Dribbling vollführen. Auch das Angriffspiel über die Flügel mit einer darauf folgenden Flanke in den Strafraum wurde komplett entschärft. Während in den vorigen Teilen beinahe jeder Kopfball den Weg in das Tor fand, steht auch der Torwart nun deutlich intelligenter und fängt fast jeden dieser Angriffe ab.

In Sachen Präsentation liefert EA dieses Jahr wieder eine durchaus solide Leistung ab. Ein Fußballspiel nähert sich immer mehr einer realen Fernsehübertragung an und vor allem die Torschuss-Wiederholungen sind wunderbar anzusehen. Das deutsche Kommentator-Team wurde ausgetauscht, wodurch auch hier frischer Wind einzieht. In der Praxis allerdings passen die neuen Kommentare zu oft nicht zum eigentlichen Spielgeschehen, wodurch viel Atmosphäre verloren geht. Die Fangesänge sind dafür sehr authentisch und heizen vor allem mit Kopfhörern oder einem tollen Surround-Audiosystem so richtig ein. Cool ist auch, dass Spieler nach einem missglückten Torschuss jetzt gerne mal kleine Aktionen ausführen, wie sich zum Beispiel auf den Boden zu schmeißen und einmal trotzig mit den Händen auf den Boden zu schlagen. Auch dass der Schiedsrichter jetzt bei Freistößen mit Freistoßspray hantiert, um die Positionen des Balls und der Mauer zu markieren, zeugt von einer angenehmen Detailverliebtheit. Wo wir gerade beim Schiedsrichter sind, muss ich aber auch anmerken, dass die Foulbewertung dieses Jahr ganz schrecklich verhauen wurde. Viel zu häufig zieht der Unparteiische die rote Karte und viel zu häufig lässt er dafür andere Fouls unbestraft verstreichen. Auch dass bei einem Spielstand von 2:2 bei einem gerade laufenden Konter mitten im letzten Pass gnadenlos abgepfiffen wird, ist unglaublich frustrierend. Hier herrscht noch einiges an Verbesserungspotenzial.

fifa16_borussiaparkDas einzig neue Stadion aus der Bundesliga: der Borussia-Park.

Deutliche Kritik muss ich auch zum Engagement der Entwickler zur deutschen Bundesliga aussprechen. Trotz der komplett gekauften Lizenz und sogar der offiziellen virtuellen Bundesliga, merkt man an vielen Stellen, wie lieblos unsere Liga in FIFA 16 programmiert wurde. Nur wenige Spieler der ersten Liga wurden ihrem Aussachen entsprechend nachmodelliert, wodurch selbst ein Thomas Müller von den Bayern nur mit viel Fantasie so aussieht wie sein Alter Ego. Viele Mannschaften wurden sogar komplett außen vor gelassen und so findet sich zum Beispiel in meiner Lieblingsmannschaft, dem SV Werder Bremen, kein einziger nachmodellierter Spieler. Da kann man froh sein, dass die aktuellen Trikots dieser Saison korrekt ins Spiel übernommen worden sind. Aber auch die allgemeine Qualität der Gesichter könnte noch mal eine Überarbeitung vertragen. Die technischen Möglichkeiten würden viel detailliertere Gesichter und Mimiken ermöglichen. Gut gelungen sind im Gegensatz dazu die Bewegungsanimationen der Spieler, die sich deutlich realistischer über das Spielfeld bewegen als zuvor.

Der Karriere-Modus hat sich nicht viel verändert. Die einzigen Neuerungen sind die Mini-Trainingsspiele, mit denen ihr auch regelmäßig Ladezeiten überbrücken könnt. Ansonsten ist der Karriere-Modus zu lieblos gestaltet. Pressekonferenzen werden nur auf dem Papier abgehandelt und eigentlich alles, was um ein Fußballspiel außerhalb eines Spieltages geschieht, kommt viel zu kurz. Das wissen wohl auch die Entwickler und versuchen dies nun mit den Minispielen zu vertuschen. In Fifa Ultimate Team gibt es dafür einen komplett neuen Spielmodus, der "Draft-Modus" getauft wurde. Hier kann man für 15.000 Münzen oder 300 FIFA Points (Echtgeldwährung, ungefähr 3 Euro) sich für vier Spiele eine Mannschaft zusammenwürfeln. Für jede Position in der Mannschaft kriegt man dafür eine Auswahl aus fünf guten bis sehr guten Spielern geliefert. Das Ziel ist, eine sowohl von den Einzelleistungen als auch von der Team-Chemie einzigartige Mannschaft herzustellen und mit dieser dann vier Spiele in Folge zu gewinnen. Für jedes gewonnene Spiel kriegt man wie gewohnt einige Spielmünzen und, je weiter man es schafft, auch eine Extra-Belohnung in Form von gratis Spieler-Packs zugeschrieben. Etwas heftig ist hierbei der Einstiegspreis geraten, denn faktisch bezahlt man hier 3 Euro für einen Modus, in dem nach 15 Minuten auch wieder alles vorbei sein kann, wenn man verliert. Wenn man dagegen alle vier Spiele gewinnt, sackt man mit der Belohnung einen größeren Gegenwert ab, als das, was man anfänglich bezahlt hat. Klassisches Glücksspiel eben, vor allem im Online-Pendant von diesem Modus, da man sich im Einzelspieler zumindest noch selbst einen für sich selbst humanen Schwierigkeitsgrad einstellen kann.

fifa16_tvstimmungFIFA 16 sieht oberflächlich gut aus. Im Detail ginge es noch viel besser!

Zu bemängeln habe ich noch ein paar Kleinigkeiten, die man im Handumdrehen hätte ausbessern können. Etwa die fehlende Möglichkeit, die Taktik der Mannschaft in Spielruhen, wie Freistoßausführungen oder Abstößen, einzustellen. So muss man immer während des laufenden Spiels mit dem Steuerkreuz hantieren und die richtige Tastenkombination finden, um die gewollte Taktik zu aktivieren. Das stört den Spielfluss ungemein und kann zu ungewollten Fehlern führen. Auch die immer noch anhaltenden Server-Probleme frusten recht stark. Wenn man Fifa Ultimate Team spielt, einen Modus, der ausschließlich funktioniert, wenn man mit den EA-Servern verbunden ist und dann zum Beispiel der Fall eintritt, dass ich im vierten Spiel des Draft-Modus zehn Spielminuten vor Schluss die Verbindung verliere und somit ins Hauptmenü zurückgeschmissen werde, ist das unglaublich ärgerlich. Nicht nur ist das Spiel dann abrupt vorbei, sondern man wird auch um den Sieg betrogen, denn alle Spiele, bei denen die Verbindung scheitert, werden automatisch als verloren gewertet. Statt eine Belohnung für vier Spiele sahnte ich also nur eine für drei ab, und das bloß, weil irgendwo bei EA mal wieder ein Techniker Kaffee auf den Server geschüttet hat - das darf so nicht passieren! Vor allem weil Leute für diesen Modus unter Umständen echtes Geld ausgeben und dann so dafür abgestraft werden, ist ein absolutes No-Go.

FIFA 16 ist ein durchaus rund abgestimmtes Fußballspiel. Das Spielgefühl ist toll, die Animationen der Spieler sind super gelungen und die neuen Frauenmannschaften sind ein angenehmer Zusatz-Happen. Aber dieses Jahr sind es die vielen Kleinigkeiten, die FIFA 16 nach unten ziehen. Gesichter und Mimik sind mittlerweile stark in die Jahre gekommen, instabile Verbindungen zu den Servern, der Zwang, die Taktik während des laufenden Spiels ändern zu müssen, ein liebloser Karriere-Modus - es gibt noch viele Ecken und Kanten, die verbessert werden müssen. EA, ruht euch nicht auf euren Lorbeeren aus, denn die Konkurrenz kommt gefährlich nahe! Adrian

FIFA 16 wurde auf der PS4 getestet. Ein Testmuster wurde uns von Electronic Arts zur Verfügung gestellt.

FIFA 16

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

Michael_Jordan
Gast
11. März 2016 um 00:17 Uhr (#1)
Es gibt das MOMENTUM in FIFA 16.
Da kann man noch so gut spielen. Wenn der Computer will, dass dein Gegner gewinnt, dann wird es auch so sein.
Ihm wird alles gelingen, dir nichts. Oder umgekehrt.
Es ist ein Bisschen wie würfeln.
Unglaublich langweilig.
Adrian
13. März 2016 um 11:03 Uhr (#2)
Ich sträube mich ja immer noch gegen die Existenz von Momentum, solange es keinen offiziellen Beweis dazu gibt. Auch wenn es manchmal wirklich sehr auffällig ist, wie sich das Spielverhalten der Spieler verändert.
Gast
08. Februar 2023 um 17:10 Uhr
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24. September 2015
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Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 3
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Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
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