Solar Shifter EX im Test

(Artikel)
Paul Rubah, 24. September 2015

Solar Shifter EX im Test

Das schlechteste Shoot 'em Up, das ich je gespielt habe

Eigentlich habe ich gerade viel zu viele Spiele auf meinem Review-Stapel, um noch irgendwas dazwischen schieben zu können. Aber als Ben sagte, er hätte ein Testmuster von Solar Shifter EX, wurde ich hellhörig. Solar Shifter EX ist das neue Spiel von Elder Games. Hinter Elder Games versteckt sich ein einziger Name: Ede Tarsoly. Der hat nahezu im Alleingang das Echtzeit-Strategiespiel Meridian aufgebaut - und will Ähnliches jetzt noch einmal versuchen. Wenn dieser Mann mit dem eisernen Willen ein Spiel macht, dann muss man allein schon aus Neugierde einmal hingucken. Also startete ich Steam, warf das klassische Shoot 'em Up ins (virtuelle) Laufwerk und begann eine neue Mission. Nach zehn Minuten wollte ich Solar Shifter EX wieder deinstallieren.

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Im Kern verkorkst
Es ist schrecklich, wenn man einem Spiel sofort ansehen kann, dass es nicht gut ist. Das bedeutet nämlich, dass man es als Tester weiterspielen muss und weiß, dass man keinen Spaß haben wird. Nach einem kleinen Stück Bildschirmtext lande ich unvermittelt am unteren Bildschirmrand. Keine Animation, keine Einführung? Okay, dann... halt rein ins Getümmel!

Ich starb binnen Sekunden. Das hatte viele Gründe und sie alle sprechen nicht für das Spiel. Etwa kämpft Solar Shifter EX mit einem populären Bullet-Hell-Problem der letzten Jahre: Es sieht zu gut aus. Zu viele Spezialeffekte, leuchtende Objekte, Explosionen oder sogar spielerisch belanglose Animationen, in denen sich Computerflugzeuge gegenseitig beschießen, ruinieren die Übersicht. Die verteilten Überreste zerstörter Feinde können den halben Bildschirm blockieren und anderen Feinden somit als Schutz dienen. Das klingt erst einmal nach einer kuriosen Spielmechanik, war aber bestimmt keine Absicht. In Solar Shifter EX herrscht die Form über die Funktion. Besonders zu Beginn ist der Schwierigkeitsgrad lächerlich hoch, Kugeln blockieren anscheinend den gesamten Bildschirm und es gibt kein Entrinnen. Das wird nicht dadurch einfacher gemacht, dass ab und zu die Kamera künstlerisch in die Schräglage geht und Solar Shifter EX plötzlich zu einem diagonalen Shoot 'em Up wird, während die Steuerung gleich bleibt und der Spielbereich weiterhin auf die Top-Down-Ansicht eingeschränkt ist. Da will man sein Heil vor drohendem Kugelhagel in einer Bildschirmecke suchen, stößt aber gegen eine unsichtbare Wand.

Oft bemerkte ich gar nicht, dass ich getroffen wurde. Das liegt nicht daran, dass mein Hirn wegen der Stressmigräne abgeschaltet hat, sondern weil es in Solar Shifter EX an optischem und akustischem Feedback mangelt. Man kann sekundenlang in einer Barrage schlecht sichtbarer Geschosse sitzen und merkt es nur, weil die Energieleiste heruntergeht. Eigentlich sollte man doch hören, wenn das Schiff einen schweren Treffer einstecken muss. Überhaupt ist die Soundkulisse blamabel. Die eigenen Geschosse hämmern mit gigantischer Lautstärke raus, aber gegnerisches Feuer wird manchmal mit einem generischen "Pyew pyew", oftmals aber überhaupt nicht quittiert. Drei Synchronsprecher haben es ins Spiel geschafft, die die dürftige Story vorantreiben sollen - alle drei sind ihre Gage nicht wert, was man aber nur wenig mitbekommt, weil der Sound schlecht abgemischt ist.

sse-01"Pyew pyew!"

Leere Features
Level enden so unzeremoniell wie sie beginnen: Das Spiel friert kurz ein, ein Ladebildschirm und dann kommt das nächste Areal oder man landet in der Werkstatt. Dort kann man eingesammelte Schrottteile verwenden, um die Waffensysteme aufzuwerten. Die zwei Waffensysteme. Die gleichzeitig schießen. Geradeaus. Es ist nicht mal so, dass man sich großartig anstrengen muss, um sich die Upgrades rechtzeitig leisten zu können - oft genug durfte ich mit meiner mageren Beute noch kein Upgrade kaufen, weil das Spiel noch nicht weit genug fortgeschritten war. Nicht einmal klassische Consumables, wie die in Notfällen den Bildschirm klärenden Bomben, kann man sich kaufen, denn Bomben gibt es nicht. Aber selbst wenn man grinden wollen würde, könnte man es nicht tun, denn eine Levelauswahl ist nicht vorhanden. Neustart oder weiterspielen. Highscores? Koop-Modus? Nicht in Solar Shifter EX. Immerhin darf man ab und zu ein Alienschiff steuern - das Ding ist aber quasi unsterblich und die Level gehen nur eine Minute.

Das einzige Feature, das Solar Shifter EX von der Konkurrenz abhebt, ist das Shiften. Quasi jedes Shoot 'em Up benötigt sein Gimmick - Ikaruga hat die Absorbermechanik, Sine Mora die Zeitmechanik, in Shoot 1Up kann man sich vervielfältigen und so weiter. In Solar Shifter EX kann man beliebig zwischen vier fixen Positionen auf dem Bildschirm springen, um feindlichem Feuer auszuweichen. Das funktioniert auch eigentlich gut: Mit dem rechten Analogstick drückt man nach links, rechts, oben oder unten und taucht fast sofort an den korresponierenden Stellen auf. So kann man aus einer engen Situation entkommen und unbeschadet weiterfeuern. Ein schönes Konzept, wenn es nur im Design zum Einsatz käme. Man kann Solar Shifter EX fast komplett und sogar ohne sich groß anzustrengen ohne die Shifter-Mechanik durchspielen. In einigen Leveln habe ich sogar vergessen, dass es sie gibt. Und das liegt am fatalsten Fehler des Spiels.

sse-02Kein Witz: Mehr Upgrademöglichkeiten gibt es nicht.

Ich geh' dann mal rauchen
Erinnert ihr euch, wie sagte, dass ich im ersten Level wegen des unübersichtlichen Kugelhagels gestorben bin? Ich hatte danach zuerst die Grafikeinstellungen auf Very Low gestellt, um die Sondereffekte abzuschalten und einen besseren Überblick zu bekommen - aber so wollte ich dann auch nicht leben. Musste ich auch nicht. Im zweiten Level übermannte mich nämlich die Erkenntnis, dass sich alle Feinde in festen Schemen bewegen. "Kleine Gegner kommen aus der Mitte" ist Schema A. "Mittelgroße Feinde fliegen, ohne zu schießen, in einem Bogen" ist Schema B. "Dickes Laserschiff kommt aus der oberen rechten Ecke, feuert nach links unten, wechselt zur linken Seite und schießt unter sich" ist Schema C. Und aus diesen Schemen baut sich jedes Level auf. Schemen werden der Reihe nach abgefeuert und kurz vor Ende dann auch mal schnell kombiniert. Es ist ein einziges Auswendiglernen und es ist tierisch langweilig. Selbst die Kugelpositionen des Feindbeschusses ist in jedem Schema gleich, so dass man einfach nach einer Zeit weiß, wo man sich aufhalten muss, um unbeschadet zu überstehen. Das wird stellenweise so lächerlich überzogen, dass ich mein Schiff eine halbe Minute lang parken und aus dem Raum gehen konnte, um mir etwas zu trinken zu holen. Diese einstudierten Choreographien, diese Tänzchen (und manchmal tanzen Feinde wirklich nur im Kreis ohne anzugreifen), ziehen sich durch jedes Level und verlängern die Spielzeit nach einem plötzlichen One-Hit-Kill ins Unerträgliche.

sse-03Tänzchen gefällig?

Im Grunde genommen macht dieses Spieldesign Solar Shifter EX zu einer Kopie von The Impossible Game. Auch dieses Spiel kennzeichnet sich dadurch, dass man es einfach auswendig lernen muss. Es ist jedoch eine schlechte Kopie, da The Impossible Game zumindest eine Herausforderung stellt, das Erinnerungsvermögen und die Aufmerksamkeit des Spielers bis an seine Grenzen fordert. Solar Shifter EX tut das nicht. Insgesamt kann ich Solar Shifter EX nicht mal nachsagen, es sei schlecht. Es ist schlimmer als schlecht: Es ist durch und durch langweilig. Das Spiel müsste man von Grund auf neu machen, damit irgendjemand irgendetwas Sinnvolles für sich daraus ziehen kann. Mein Ratschlag an euch alle: spielt Ikaruga. Und wenn ihr Ikaruga durchgespielt habt, dann spielt es halt noch mal. Das ist unterhaltsamer.

Solar Shifter EX wurde auf dem PC (Windows 10 64-Bit, 16 GByte RAM, Intel Core i5-4690, Nvidia GeForce GTX 970) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Headup Games zur Verfügung gestellt.

Solar Shifter EX

(Ranking)
F
RANK
F wie Fail. Kaum von Wert. Hier jagt eine Schwäche die nächste. Niemand braucht das, niemand will das. Nicht einmal geschenkt.

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17. Oktober 2019 um 04:54 Uhr
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11. September 2015
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