Angespielt: Guitar Hero Live

(Artikel)
Paul Rubah, 10. August 2015

Angespielt: Guitar Hero Live

Rockt wie am ersten Tag

Mit Rock Band 3 hatten wir Musikspiele eigentlich für tot erklärt. Hat denn niemand das Memo gelesen?! Jedenfalls gräbt Activision mit Guitar Hero Live abermals die Plastikgitarre aus. Und ich war schockiert, denn beim Anspielen zeigte FreeStyleGames' Adaption der beliebten Serie tatsächlich so etwas wie eine Daseinsberechtigung.

Natürlich gibt es neue Features, sonst könnte man auch gleich den Kunststoffwald der letzten Generation aus dem Schrank wühlen. Ganz voran die Gitarre: Guitar Hero Live entsorgt das altbekannte Fünf-Tasten-Layout am Gitarrenhals. Stattdessen beschränkt sich das Instrument auf nur drei Bünde. Umgreifen gehört somit der Vergangenheit an. Dadurch haben es Anfänger leichter und werden nicht durch die Sprünge von Einfach zu Normal und Normal zu Schwierig vergrault. Das heißt allerdings auch, dass sich das neue Guitar Hero noch weiter von der Gitarren-Lernerfahrung entfernt - mit echten Klampfen hat das wirklich nichts mehr zu tun.

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Weniger Bünde bedeutet allerdings nicht, dass das Spiel an Komplexität verloren hat. Im Gegenteil: auf jedem Bund hocken nun zwei Tasten. Noten pro Bund werden als "Oben" und "Unten" dargestellt - man hat also reichlich Gelegenheiten zu verkacken. Zusätzlich gibt es noch Symbole, bei denen man einen Bund komplett drücken muss oder ohne Tastendruck anzuschlagen hat. Ich war schon hart am Krampfen, als ich auf Experte ständig zwischen Oben-Oben-Unten und Oben-Unten-Oben und Unten-Oben-Oben wechseln durfte. Aber es macht weiterhin Spaß.

Guitar Hero Live führt zwei Modi ein. In beiden hämmert man auf die Tasten, aber die Features sind ein wenig besonders. Im TV-Modus laufen im Hintergrund offizielle Musikvideos. Das Besondere am Modus ist, dass zu jeder Uhrzeit ein Song und eine Playlist aus der großen Guitar-Hero-Bibliothek laufen. Bei bestehender Internetverbindung könnt ihr die dann gratis spielen. Einfach so. Keine Microtransaction, kein PSN Plus oder Xbox Live Gold erforderlich. "Wie habt ihr das denn geschafft?" fragte ich den Entwickler-Vertreter in Activisions Gamescom-Booth. "Wir haben sehr gute Beziehungen zu Microsoft und Sony." Mir war bis zu dem Zeitpunkt kein Spiel bekannt, das sich um die Abodienste der Konsolen herumschummeln konnte, aber es scheint zu gehen. Für Online-Multiplayer müsst ihr natürlich weiterhin löhnen.

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Jedenfalls ist der TV-Modus der einzige, in dem ihr euch Credits verdienen könnt. Die benötigt ihr, um Bonusinhalte freizuschalten - etwa neue Noten-Highways, Songs oder Tokens, mit denen ihr ungekaufte Songs einmal spielen könnt. Das Spiel will also von euch, dass ihr ständig neue Musik entdeckt - und natürlich hoffentlich auch irgendwann kauft, wenn euch ein Song ganz besonders gut gefällt. Das ist ausgebufft und vielleicht etwas heimtückisch, aber ein ausgeklügeltes Geschäftsmodell, dem man einfach applaudieren muss. Letzten Endes gewinnt hier jeder - Entwickler und Spieler zugleich.

Der andere Modus nennt sich "Live". Guitar Hero Live schmeißt die Comic-Figuren weg. Gut. Auf die hat eh nie jemand geachtet. Stattdessen nahm der Entwickler mit Heerscharen an Schauspielern und Bands ganz viele Videos aus der Egoperspektive auf. Die sind interaktiv. Wenn ihr rockt, jubelt das Publikum und eventuell kommt auch mal ein Typ zum Crowdsurfen auf die Bühne. Eure Bandmitglieder nicken euch fröhlich zu und allgemein herrscht gute Stimmung. Spielt ihr so scheiße wie ein verkaterter Roadie, der meint, er könnte den kranken Gitarristen mit drei Saiten ersetzen, gehen die klatschenden Arme runter, Feuerzeuge erlöschen, Fans gucken euch verstört an. Eure Freunde am Bass und Schlagzeug töten euch mit messerscharfen Blicken und gestikulieren wild.

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Ich muss sagen, es macht schon Spaß, allein bei den verschiedenen Bands und den Lokalitäten - in der Demo sah ich eine Konzerthalle und eine größere Gaststätte - zu schauen, wie die Stimmung umschwingt, wenn man vom Rock-Gott zur Lauten-Nulpe wird. Dagegen fühlte ich mich schon etwas schuldig und schlecht, als ich ein Lied unwillentlich in den Sand setzte. Tatsächlich versetzt einen Guitar Hero Live recht gut auf die Bühne, auch wenn Marketing-Versprechen wie "Damit besiegst du dein Lampenfieber" vielleicht etwas weit hergeholt sind.

Guitar Hero Live könnte die Ära der Plastikinstrumente wieder ins Rampenlicht zerren. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das etwas Gutes ist, aber hey - für ein ordentliches Musikspiel bin ich immer zu haben und seit meinem letzten Umzug fehlen mir eh die Fake-Instrumente in meiner Zimmerdeko.

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17. September 2019 um 00:47 Uhr
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