Godzilla im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 27. Juli 2015

Godzilla im Test

Selbst mein Mülleimer ist mehr wert

Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich anderes erwartet hatte, als ich mir Godzilla zur Brust nahm. Trotz der sowieso schon ziemlich schäbigen Trailer habe ich meine rosarote Brille aufgesetzt und mich auf ein entspannendes, chaotisches Trampel-Spektakel gefreut. Ich meine, was gibt es denn Besseres, als mit einem riesigen Monster durch die Stadt zu stapfen und ein Haus nach dem anderen zu vaporisieren? Ich möchte gar nicht lange um den heißen Brei reden, denn Godzilla könnte den Award des schlechtesten Vollpreistitels 2015 abräumen.

godzilla_kampf

Ich hatte exakt fünf Minuten Spaß mit Godzilla, das war die Zeit, die ich brauchte, um mir das Demo-Video anzuschauen und mich durchs Menü zu klicken. Danach zerbrachen die Gläser meiner rosaroten Brille in tausend kleine Scherben. Ist das eine Frechheit! Ich bin ja wahrlich kein Mensch, der bei jedem neuen Spiel ein Grafikfeuerwerk ohnegleichen erwartet, aber Godzilla tischt einem eine Optik der letzten Dekade auf. Texturen und Animationen bewegen sich auf einem Niveau, das wahrscheinlich sogar die PlayStation 2 flüssig darstellen könnte. Nur der animierte Rauch kommt noch an die heutige Konsolengeneration heran und das auch nur mit ganz schön dreckigen Frame-Drops. Die Modelle und Animationen der verschiedenen Monster bewegen sich irgendwo auf Qualitätsebene der letzten Generation und enttäuschen somit ebenfalls völlig.

Bevor ich weiter über die nächsten Punkte herziehe, möchte ich aber noch mal kurz das Spielprinzip erklären - nur fürs Protokoll. Es gibt diverse Spielmodi, allen voran "Meister der Zerstörung", der den Story-Modus darstellen soll. Hier läuft man als Godzilla durch Level, in denen man Generatoren für G-Energie zerstören muss. Diese absorbiert man dann, um größer und stärker zu werden. Der direkte Gegner ist die G-Force, eine Spezialeinheit, die mit Panzern, diversen Fluggeräten und Abwehrmechanismen versucht, die Menschheit zu retten. Jeden Level leitet eine Zwischensequenz ein, in der Godzilla meist auf die hässliche Stadt zu stampft und die Anführerin der G-Force mit dem Oberhaupt Japans spricht. Als Einleitungs-Evergreen kristallisierte sich hier deutlich "...I... Ist das Godzilla?!" heraus. Wenn nach dem fünften Mal das Staatsoberhaupt mit "Captain Obvious strikes again!" geantwortet hätte, wäre das ganze Spektakel vielleicht noch als trashig durchgegangen, aber so ist es einfach nur traurig.

Weiterhin gibt es noch den "König der Kaiju"-Modus, in dem man recht stumpf gegen Angriffswellen bestehen muss. Sprich: man wählt sich ein Monster aus und kämpft dann gegen ein Monster nach dem anderen, ohne dabei noch eine Stadt zerstören zu müssen. Hier gibt es nichts weiter Spektakuläres. Im "Modus Diorama" lassen sich eigene Szenarien erstellen, allerdings nur mit den vorgefertigten, kleinen und hässlichen Maps und einem auch eher recht unhandlichen Editor. Eine nette Spielerei, allerdings muss man nahezu alle Dinge, die man dort nutzen möchte, auch erst freischalten. Da die Möglichkeit, neue Inhalte zu erstellen, die man nicht schon im normalen Spiel gesehen hat, durch die sehr stark eingeschränkten, vorgegebenen Bausteine allerdings beinahe gleich Null sind, kann man den Modus aber auch gleich mit in die Tonne treten.

godzilla_istdasgodzillaIst das Godzilla?

Auch das Ausschlachten der Generatoren verkommt schon nach dem ersten Level zum Kinderspiel. Die Generatoren besitzen jeweils einen Schild um sich herum, der sich alle fünf Sekunden aktiviert, um Godzilla zurück zu schleudern. Das Problem dabei: ich brauchte ungefähr eine Minute, um herauszufinden, dass man einfach im Schild stehen bleiben kann, indem man die Energiestrahl-Fähigkeit aktiviert. Ein Druck auf R2, und der Sinn des Schildes verfliegt im Nirwana. So kann man nach Lust und Laune auf den Generator einkloppen, ohne gestört zu werden. Ach, und um auf die G-Force zurück zu kommen: sie benutzen zwar Panzer, Hubschrauber und Jets, aber diese machen so wenig Schaden, dass man sich nicht um sie Sorgen braucht. So läuft man ungestört durch die Stadt, legt ein Haus nach dem anderen in Schutt und Asche und schläft aufgrund des riesigen Spektakels beinahe vor der Glotze ein.

Kommen wir zum coolen Teil: Die Kämpfe gegen andere Monster aus den Godzilla-Filmen. Zumindest dachte ich, dass es cool werden würde. Aber heben wir erst einmal das Positive hervor. Durch die offiziellen Lizenzen sind wirklich alle Monster im Spiel vertreten, an die man nur denken kann. Außerdem... ach, das war’s ja schon. Nun zum Negativen: Wieso besitzt man effektiv nur vier verschiedene Angriffe? In einem Spiel, das auf Kämpfe und Zerstörung ausgelegt ist, nur vier verschiedene Angriffe?! Ist das euer Ernst? Es gibt den leichten Schlag, den schweren Schlag, den Energiestrahl und den Griff. Keine Kombos, keine Spezialattacken durch spezielle Tastenkombinationen, nichts. Abgesehen davon fehlt die Möglichkeit Angriffe gegnerischer Monster zu blocken oder zu parieren. Damit sinken die Anforderungen so eines Kampfes auf ein stupides Button-Mashing, in der Hoffnung, dass man früher angreift und der Gegner nicht unfair wird. Zum Thema unfair: mir ist es öfter passiert, dass ein gegnerisches Monster einfach auf mich eingeschlagen hat und dann dreimal hintereinander den Energiestrahl machen konnte (obwohl der bei einem selbst eine Aufladezeit von zehn Sekunden hat). Diese Momente waren die einzigen, in denen ich gestorben bin - durch pure Ungerechtigkeit.

godzilla_monster

Nächste Frage: Warum gibt es keinen lokalen Mehrspieler-Modus? Ich meine, in Anbetracht der allgemeinen Qualität der Kämpfe und deren stupiden Abläufe hätte dieser Modus Godzilla auch nicht retten können, aber trotzdem erklärt sich mir das Fehlen nicht. Dafür gibt es aber einen Online-Modus, der genauso spannend ist wie eine weiße Wand – aber hey, zumindest reagiert der Gegner hier nicht unfair und kann drei Energiestrahlen hintereinander auf einen feuern! Übrigens beträgt die Spielzeit des Story-Modus ungefähr 90 Minuten. Es besteht zwar ein gewisser Wiederspielwert, da man im nächsten Durchlauf gegen andere Monster kämpft, aber so richtig motivierend ist das nicht.

Es ist schade, dass aus einem Spiel mit solch hohem Potenzial so ein Dreckshaufen geworden ist. Godzilla sieht nicht nur schlecht aus, auch die Spielmechanik versagt in ihren Grundzügen, sodass das Spiel zur langweiligsten Prügelei mutiert, die man je gesehen hat. Adrian

Godzilla wurde auf der PS4 getestet. Ein Testmuster wurde uns von Namco Bandai zur Verfügung gestellt.

Weiterlesen: Ähnliche Spiele... nur halt besser

Godzilla

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F wie Fail. Kaum von Wert. Hier jagt eine Schwäche die nächste. Niemand braucht das, niemand will das. Nicht einmal geschenkt.

Kommentare

Ben
27. Juli 2015 um 23:59 Uhr (#1)
Ich fand Godzilla: Destroy All Monsters Melee damals sehr witzig, aber der neue Titel sieht tatsächlich fast genauso aus wie das Gamecube-Spiel von früher.
Rian
28. Juli 2015 um 12:27 Uhr (#2)
Aber Godzilla sieht doch so knuffig aus. :(
Stefan
Gast
20. März 2021 um 08:13 Uhr (#3)
2021 das spiel kostet bei 400 Euro ????
Ben
25. Mai 2021 um 15:36 Uhr (#4)
@Stefan: Das ist in der Tat... eine unerwartete Überraschung. Vielleicht tröstet dich ja, dass Adrian es nicht sehr gut fand.
Gast
25. September 2021 um 03:04 Uhr
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RELEASE
17. Juli 2015
PLATTFORM
Playstation 3
Plattform
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.

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