F1 2015 im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 19. Juli 2015

F1 2015 im Test

Wie angewurzelt

Seit 2009 begleitet uns Codemasters mit einer jährlichen Auffrischung ihrer Formel-1-Spiele. Während die ersten Titel noch massenhaft Lob einholten und die Fan-Basis noch geduldig mit auftretenden Fehlern oder fehlenden Features umging, wurde die Kritik mit den Jahren aber deutlich schärfer. Mit F1 2015 gelobte man uns Besserung in Form einer komplett neuen Engine – die Zeichen deuteten auf eine Revolution anstatt einer Evolution hin. Warum dies jedoch nicht so gekommen ist, wie alle gehofft haben, lest ihr in unserem Test.

Aber fangen wir doch erst mal mit dem gemächlichen Teil an. Grafisch präsentiert sich F1 2015 trotz komplett überarbeiteter Engine nicht absolut zeitgemäß. Zwar sind die F1-Boliden und die Strecken sowie die unmittelbare Umgebungen absolut detailliert ausgearbeitet, wenn man aber dann mal seinen Blick abschweifen lässt, fühlt man sich doch ein wenig in der Zeit zurückversetzt: je weiter man von der Strecke wegschaut, desto hässlicher wird’s. Das fällt besonders beim Monaco Grand-Prix auf, der ja mitten in der Stadt ausgetragen wird – hier sind es besonders die Häuserfassaden, die einen unglaublich hässlichen Eindruck hinterlassen. Während des Rennens fällt es aufgrund der hohen Geschwindigkeit nicht so stark auf, aber gerade in Wiederholungen oder den Panorama-Bildern vor Beginn eines Rennens ist es doch ein Stimmungskiller ohnegleichen, wenn man die hässlichen Texturen sieht.

f12015_streckenWenn man nicht genau hinschaut, sehen die Strecken ganz in Ordnung aus.

Der Sound fällt ebenfalls in die Kategorie "in Ordnung". Auffallend gut sind die Sounds, wenn man über die Streckenbegrenzungen fährt oder wenn der Schotter gegen die Karosserie knallt. Der Motorsound bewegt sich im Mittelmaß, wofür F1 2015 selbst aber nichts kann, da mit den neuen Motoren einfach der allseits bekannte Formel 1-Sound verloren gegangen ist. Die deutsche Vertonung fällt negativ auf: sowohl der Renningenieur, der über Funk mit einem spricht, als auch die so hoch angepriesenen deutschen Kommentatoren, die für gewöhnlich die Rennen auf dem Fernsehsender RTL kommentieren, sind eher ein Griff ins Klo. Die deutsche Vertonung klingt schlichtweg langweilig und unmotiviert, hier kann ich nur raten die Sprache auf Englisch umzustellen und hier den deutlich besseren Sprechern zu lauschen.

F1 2015 bietet fünf Spielmodi an. Im Meisterschaftsmodus wählt man sich einen realen Fahrer aus und fährt in seinem Namen Rennen für Rennen ab. Dabei kann man sich außerdem noch zu Beginn zwischen kurzem, mittleren und langen Rennwochenende entscheiden – eigene Feineinstellungen, wie ein langes Qualifying und trotzdem nur eine kurze Renndistanz, lassen sich nicht verwirklichen. Wenn man das klassische Qualifying fahren möchte, muss man das lange Rennwochenende wählen und somit auch das volle Rennen mit bis zu 60 Runden fahren – ansonsten wird man mit einem Blitz-Qualifying abgespeist, in dem man nur eine Runde fahren darf. Hier haben die vorigen Teile einen besseren Job abgeliefert, denn dort konnte man sich noch von Rennen zu Rennen entscheiden, wie lange man spielen möchte und auch feiner Einstellungen beeinflussen. Neben dem Meisterschaftsmodus gibt es noch den Profi-Modus, das Quick-Race, Zeitfahren und den Multiplayer. Der Profi-Modus ist dabei für die Leute gedacht, die eine Herausforderung suchen, aber zu wenig Selbstdisziplin haben, um sich an gewisse Dinge, wie die erzwungene Cockpit-Perspektive und das abgeschaltete HUD, zu halten. Ja, ihr habt es richtig bemerkt, es gibt keinen Karrieremodus, dieser wurde nämlich ersatzlos gestrichen.

f1_duscheAußerhalb der Rennen gibt es jetzt kleine Zwischensequenzen, die ein wenig mehr Stimmung rein bringen.

Das Fahrgefühl der Boliden hingegen wurde im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Wagen fühlen sich nun schwerer, griffiger und realistischer an als es davor der Fall war. Trotz allem muss man immer noch in Kurven die Bremse und das Gas richtig dosieren, um nicht im Kiesbett zu landen, denn einfacher geworden ist das Spiel nicht. Je nach eigenem Anspruch kann man natürlich vor jedem Rennen die Fahreinstellungen - wie ABS oder automatische Traktionskontrolle - ändern und so seine optimalen Werte finden. Schön ist auch, dass man gerade den Reifenverschleiß deutlich zu spüren bekommt und auch Beschädigungen am Auto sich stark auf die Fahreigenschaften auswirken. Auch Totalschäden sind möglich, wenn man irgendwo zu kräftig gegen donnert. So passierte es mir auf dem engen Monaco Grand-Prix mehrfach, dass ich mir die Reifenaufhängung an Ecken abgerissen habe – ärgerlich, aber wer im Pussy-Modus spielt, wie ich, der spult kurzerhand die Zeit mithilfe der Timeshift-Funktion zurück.

Doch auch die KI-Gegner machen einem gerne mal einen Strich durch die Rechnung. Während sie sich über die meiste Zeit des Rennens recht unauffällig verhalten und gerade zu Beginn recht genau der Ideallinie folgen, leisten sich die Gegner bei etwas aufgelösterem Feld gerne mal den ein oder anderen Fehler und landen kurzerhand neben der Strecke. Das fördert die Authentizität ungemein und lässt das Renngeschehen nicht so steril wirken. Womit die KI allerdings nicht gut klarkommt, sind aggressive Überholmanöver, bei denen man auch gerne kurzerhand noch in der Kurve von hinten oder der Seite aus der Kurve gedreht wird – aber auch außerhalb von Überholmanövern kam es nicht wenige Male vor, dass die KI zu aggressiv agierte. Ein gewisser Biss ist schon angemessen, vor allem wenn man auf den höheren Schwierigkeitsgraden spielt, aber wenn die Gegner anfangen unfair zu werden und ohne Strafe davon kommen, frustriert es ungemein.

f12015_startImmer gefährlich: Der enge Start.

Wo wir gerade bei Strafen sind, müssen wir auch noch über das absolut vergeigte Strafensystem sprechen, denn hier läuft alles Erdenkliche falsch. Während man fürs Abkürzen deutlich zu wenig bestraft wird und eigentlich über die meiste Zeit nur Verwarnungen bekommt, wird vor allem in Duellen gegen Gegner die Situation falsch bewertet. In der Testzeit ist mir keine Situation aufgefallen, in der hier das Strafensystem richtig gegriffen hat. Ein Beispiel sind die vorhin angesprochenen Dreher, bei denen aber dann nicht die KI bestraft wird, sondern man selber, weil das Spiel aus irgendeinem Grund den Spieler für die Kollision verantwortlich macht, obwohl man von hinten gedreht wird. Nicht wenige Male saß ich mit einer hervortretenden Vene an der Schläfe vor dem Bildschirm, weil ich mich so über dieses unfertige System geärgert habe.

Im Endeffekt ist F1 2015 doch mehr Evolution statt Revolution. Gerade im Bereich der Fahrphysik liefert Codemasters eine absolut überzeugende Leistung ab und auch die KI wurde sehr gut ausgebessert. Aber trotz der neuen Engine bewegen sich Grafik und Sound nur auf mittelklassigem Niveau und vor allem das Strafensystem ist eine unglaubliche Schlappe. Dazu kommen noch der ersatzlos gestrichene Karriere-Modus und der im Vergleich dazu spärliche Meisterschaftsmodus, wodurch F1 2015 letztendlich nur eine gute Mittelklasse darstellt. Adrian

F1 2015 wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von Namco Bandai zur Verfügung gestellt.

F1 2015

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

Ben
20. Juli 2015 um 11:05 Uhr (#1)
Haha, die Sektflaschen gehören zu F1 einfach dazu. Finde, diese Zwischensequenzen sind ein schönes Detail.
Adrian
20. Juli 2015 um 12:42 Uhr (#2)
Es ist kein Highlight, aber es ist schön dass endlich mal auch ein bisschen drumherum gezeigt wird :)
Ingo
Gast
31. Juli 2015 um 21:11 Uhr (#3)
Wenn ich im Mehrspieler Modus mit 3 Freunden (also insgesamt 4 Menschliche Spieler) fahren möchte,wird dann das restliche Feld mit KI Gegnern aufgefüllt?

Wäre ja nicht so schön,wenn nur 4 Autos auf der Strecke wären.

Danke schonmal für eine Antwort.
Gast
17. Oktober 2019 um 13:28 Uhr
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09. Juli 2015
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