Angespielt: Dirt Rally

(Artikel)
Adrian Knapik, 17. Mai 2015

Angespielt: Dirt Rally

Hey, du hast da ein bisschen Dirt im Gesicht

Codies sind zurück! Da ahnt man nichts Böses, geht seinen normalen Pflichten nach und plötzlich sieht man den Facebook-Post von Codemasters: Dirt Rally ist jetzt, ab sofort, ganz plötzlich auf Steam erhältlich!! Ich kommentierte das mit dem bekannten Schrei aus der Zalando-Werbung und von einem Moment zum anderen war alles andere unwichtig. Nach dem kritisch beäugten dritten Teil der Serie will Codemasters mit Dirt Rally wieder zu den Wurzeln zurückkehren und ein näher an der Realität liegendes Rennspiel abliefern. Mal sehen, ob dieser Early-Access-Titel auf dem rechten Weg sind.

dirtrally_wüste

Mit dem Kopf durch die Wand
Noch schnell alle Optionen angepasst und schon geht es direkt los ins virtuelle Autohaus, in dem wir uns mit einem Startkontingent aus einer kleinen Auswahl ein Auto kaufen können. Ich habe mir einen alten, aufgepimpten Mini Cooper aus den 60ern besorgt, mit dem ich dann direkt die erste Fahrt antrat. Und wie soll es auch anders geschehen: ich fliege fast jede Runde von der Strecke und heize letztendlich kurz vor dem Ende frontal gegen einen Baum, wodurch das Auto einen Totalschaden erleidet und ich von der soeben angetretenen Meisterschaft schon disqualifiziert bin. Das fängt ja schon mal gut an. Als erfahrener Dirt-Veteran war das wirklich ein Schlag ins Gesicht, zumal ich nicht so einen hohen Schwierigkeitsgrad erwartet hatte. Zum Glück wird das benutzte Auto nach einer Meisterschaft wieder komplett repariert.

Momentan gibt es drei verschiedene Spielmodi: das individuelle Event, den Multiplayer-Modus und die Meisterschaft. Letztere umfasst meistens sechs typische Rally-Strecken, die man hintereinander absolvieren muss. Dabei fährt man immer alleine die Strecke entlang und versucht mit seiner Bestzeit gegen die (nicht gerade schlechten) KI-Gegner zu bestehen. Andere Spieler bekommt man momentan nie zu Gesicht, ebenso wenig einen Geist von vorigen Fahrten oder von dem Erstplatzierten. Genauso verhält es sich momentan in den anderen Modi: Immer fährt man alleine eine Strecke entlang, nur dass man im Multiplayer eben echte Menschen als Zeit-Gegner vor sich hat und nicht die KI.


Alle zwei Rennen innerhalb einer Meisterschaft darf man sein Auto wieder etwas flicken, wobei man aber nur ein Zeitkontingent von 30 Minuten hat. Alle Reparaturen, die darüber hinausgehen, enden in einer Zeitstrafe für das folgende Rennen. Genauer funktioniert es so: Teile, wie die Räder, das Fahrwerk oder der Kühler, haben einen eigenen Balken mit einem Funktionsstatus zwischen 0 und 100%. Jeder Prozentpunkt, den man repariert, nimmt dann ein paar Minuten in Anspruch. Man sollte also sein Auto nicht schon im ersten Rennen zu sehr zu Schrott fahren, weil man sonst ziemliche Probleme im späteren Meisterschaftsverlauf bekommen könnte (Ich spreche aus Erfahrung!).

Mit dem verdienten Geld aus einer absolvierten Meisterschaft kann man sich dann unter anderem ein größeres Ingenieur-Team zusammenstellen. Man hat insgesamt Platz für fünf Ingenieure, wobei einer fest und vier Stück mit einem zeitlich befristeten Vertrag angestellt sind. Jeder Ingenieur hat seine eigenen Fähigkeiten für bestimmte Teile des Autos. Wenn man also zum Beispiel zwei Ingenieure hat, die beide sehr gut im Reparieren von Rädern sind, kostet eine Radreparatur viel weniger Zeit als gewöhnlich. Es lohnt sich also durchaus, einiges an Geld in das Team zu stecken, damit man zwischen den Rennen viel mehr reparieren kann. Sonst rollt man am Ende in einem lädierten Bobby Car durch die Ziellinie, welches so zerbeult ist wie eine faulige Kartoffel. Wenn einem ein Ingenieur gute Dienste erweist, kann man seinen Vertrag auch verlängern. Es gibt momentan 17 Autos, auf die man die Ingenieure loslassen kann, wobei von den 60ern bis zu den aktuellen Modellen von allem etwas dabei ist. Gut, 17 Autos ist jetzt nicht die größte Menge, aber bis man eines davon überhaupt erst mal richtig unter Kontrolle hat und gute Zeiten damit fährt, braucht es schon eine Weile.

dirtrallycockpitDurch die eingeschränkte Sicht muss man sich im Cockpit deutlich mehr konzentrieren.

Simulation oder nicht?
Ist Dirt Rally denn jetzt mehr Simulation oder nicht? Ich würde es mit einem wunderbar verschwommenen "Jein" beantworten. Es nähert sich deutlich mehr an eine Simulation an als beispielsweise Dirt 3, aber um das Prädikat Hardcore-Simulation drauf zu stempeln, fehlt einfach noch das gewisse Etwas. Das Fahrverhalten der Fahrzeuge ist wirklich fantastisch und fühlt sich sehr realistisch an, keine Frage, aber irgendwie ist mir bei Unfällen noch zu viel dieser Hollywood-Faktor mit drin. Da fährt man mit relativ geringer Geschwindigkeit über eine unerwartete Mulde am Streckenrand und plötzlich fliegt man mit zwei Überschlägen unkontrolliert über die Strecke. Fehlt eigentlich nur noch das Michael-Bay-Feuerwerk oben drauf. Ich würde einfach mal behaupten, das Codemasters die perfekte Mitte zwischen Simulation und reinem Spielspaß gefunden hat. Klar, auch Simulationen können Spaß machen, aber auch wenn man mal nicht viel Lust hat, voll konzentriert eine Runde Dirt Rally zu spielen, kann man sich ein paar Fahrhilfen anschalten und in Ruhe seine Strecken absolvieren, ohne dass der Schwierigkeitsgrad zu gering wird.

Beim Stichwort Schwierigkeitsgrad kommen wir zu einem überaus passenden Cross-Genre-Vergleich: Dirt Rally ist das Dark Souls der Rennspiele. Man muss es lernen, man wird bestraft, wenn man Fehler begeht, und man ist unglaublich frustriert, wenn man immer wieder aufs Neue an einer Strecke verzweifelt. Zuallererst steht auf dem Plan, das eigene Auto zu beherrschen, doch nebenbei muss man sich noch sehr auf die wirklich anspruchsvoll gestalteten Strecken konzentrieren, sodass man besonders zu Beginn einen Fehler nach dem anderen begeht. Das reicht vom einfachen Verbremsen, über Dreher, den Sturz von der Klippe bis zum Totalschaden - und wenn man glaubt, dass man endlich mal gut ist, kauft man sich das nächste Auto und wird vor eine komplett neue Herausforderung gestellt. So war es mit mir mit dem Mini, den ich mit der Zeit hervorragend beherrschte, woraufhin ich mir einen heckgetriebenen Ford zulegte, mit dem ich bis heute Probleme habe.

dirtrally_feststecken+Blöd: Ein Bug verhindert hier das Zurücksetzen des Autos.

Strecken, Grafik, Sound
Kommen wir noch einmal zu den Strecken. Hier ist nämlich schon jetzt alles dabei, was das Rally-Herz begehrt. Von Asphalt-Kursen, über Schotter bis zum harten Sand kriegt man alles geboten. Jeder Untergrund besitzt auch seine gut spürbaren Eigenschaften, auf die man sich immer neu einstellen muss. Vor allem, wenn man von Asphalt mitten in einer Kurve plötzlich auf den Schotter fährt, haut es einen doch öfters unerwartet von der Straße. Am einfachsten ist es natürlich auf Asphalt zu fahren, denn hier hat das Auto gute Bodenhaftung und man kann zügig durch Kurven heizen ohne groß die Traktion zu verlieren. Viel vorsichtiger muss man natürlich auf hartem Sand fahren, auf dem schon starkes Gas geben oder Bremsen zum Grip-Verlust führen kann. Bei meinem Ford brach zum Beispiel das Heck regelmäßig beim Gasgeben ohne Lenken aus, was einem ein bisschen das Gefühl gab, als wäre man ein warmes Stück Butter auf spiegelglattem Boden.

Grafisch ist Dirt Rally wahrlich kein Meisterwerk. Schlecht ist die Grafik keinesfalls, aber auch nicht auf dem aktuellsten Stand. Insbesondere von der direkten Streckenumgebung war ich enttäuscht. Das Gras und die Bodentexturen sehen doch sehr altbacken aus. Die Automodelle hingegen sind sehr gut modelliert, sehr detailreich und schön anzusehen - da zerreißt es einen doch schon innerlich, wenn man sein Gefährt innerhalb eines Rennes komplett demoliert. Auch das Schadensmodell überzeugt: Scheiben gehen zu Bruch, das Blech verbiegt sich, Lichter gehen kaputt, Teile fliegen ab - wie gesagt, Zerstörung und Stunts sind wirklich auf Hollywood-Niveau. Der Sound reiht sich in die positiven Aspekte ein. Es hört sich einfach hervorragend an, wenn der Schotter an das Blech knallt, der Motor bei schwierigen Manövern aufheult und nebenbei der Beifahrer einem die Kommandos für die nächsten Kurven ins Ohr bellt. Schade finde ich die etwas magere Musikauswahl im Hauptmenü. Wo die bisherigen Dirt-Spiele mit ausgefallenen Tracks schon während der Ladebildschirme Stimmung gemacht haben, muss sich der neueste Ableger da bisher verstecken.

dirtrally_hollywoodHab ich schon die Hollywood-Stunts erwähnt?

Es macht Spaß, die Autos zu üben, die Strecken sind abwechslungsreich und anspruchsvoll und das Spielprinzip geht mit den Simulationsaspekten in die richtige Richtung. Was mir fehlt, ist die typische geile Musik im Menü - außerdem würde mir wünschen, dass die Grafik vor allem rund um die Strecke noch deutlich aufpoliert wird. Insgesamt kann man aber sagen, dass Dirt Rally - bis auf kleinere Bugs - für ein Early Access-Spiel, welches gerade in der ersten Version verfügbar ist, ein außerordentlich gutes Bild abliefert. Adrian

Dirt Rally wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von Codemasters zur Verfügung gestellt.

Kommentare

Ben
18. Mai 2015 um 15:23 Uhr (#1)
Du hast ja 'nen richtigen Run mit deinen Untertiteln, ich bin begeistert!

Ich bin froh, dass Dirt Rally trotz Early Access schon ein taugliches Spiel ist.
Adrian
18. Mai 2015 um 16:45 Uhr (#2)
Was meinst du mit den Kommentaren? ;)
Adrian
18. Mai 2015 um 16:46 Uhr (#3)
Öff, was laber ich für ne scheiße, mit den Untertiteln meine ich und nicht Kommentare :P
Ben
18. Mai 2015 um 17:42 Uhr (#4)
Deine Wahl der Untertitel ist einfach Spitze die letzten Wochen! :D
Adrian
18. Mai 2015 um 19:28 Uhr (#5)
Das höre ich gerne :D
Gast
27. Oktober 2020 um 21:54 Uhr
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