Jährliche Releases

(Artikel)
Adrian Knapik, 03. Mai 2015

Jährliche Releases

Wenn der Publisher zu geldgeil ist

Jährlich grüßt das Murmeltier - gerade wenn eine Marke besonders gut läuft, treiben einige Publisher einen Entwickler zum jährlichen Release-Zyklus. Jeder kennt einige Franchises, die von den dazugehörigen Publishern bis zum Gehtnichtmehr gemolken werden. Ich möchte euch in diesem Artikel Serien vorstellen, die an dieser Strategie kaputt gehen oder besonders dreist mit der Kundschaft umspringen. Damit einhergehend will ich zeigen, wieso es eine schlechte Idee ist, diesen jährlichen Zyklus anzustreben.

Call of Duty
Das Paradebeispiel der jährlichen Erscheinung ist natürlich Call of Duty. Kein Jahr vergeht, ohne dass wir uns an einem neuen Call of Duty ergötzen können. Aber auch wenn die CoD-Reihe zumeist vorbildlich ohne größere Bugs und Probleme auskommt, merkt man ihr die Profitgier von Activision an. So wird bis zum aktuellsten Teil im Kern noch die id-Tech 3 Engine genutzt, die erstmals im Shooter Quake III im Jahre 1999 zum Einsatz kam. Natürlich inzwischen immer wieder stark optimiert und angepasst, sodass wir es mit einer halbwegs zeitgemäßen Grafik zu tun haben, aber dennoch merkt man an vielen Stellen die nicht gerade dünne Staubschicht. Mehr Veränderungen sind aber durch die kurze Entwicklungszeit auch nicht drin, denn innerhalb eines Jahres eine komplett neue Engine mitsamt funktionierendem AAA-Spiel zu schreiben, grenzt wohl eher an Wahnsinn als an Realität.

Natürlich stimmt es hier auch nicht ganz, dass wir es mit einem jährlichen Release zu tun haben. Zwar kriegen wir im Herbst immer ein neues Call of Duty geliefert, dahinter stecken aber verschiedene Entwickler. So wurde Black Ops 2 von Treyarch entwickelt und Advanced Warfare von Sledgehammer Games. Trotzdem haben wir es seit Jahren eher mit einer Evolution statt einer Revolution zu tun, auch wenn mit Advanced Warfare ein verhältnismäßig großer Schritt gemacht wurde. Auch ist Call of Duty keine schlechte Serie, denn Spaß machen die Titel allemal - man kann nur sehr gut sehen, wie das Franchise wegen der kurzen Releasezyklen auf der Stelle zu treten scheint.

battlefield_longneckNa, auch schon mal in der Battlefield-Beta reingeschaut? Die Entwickler tun es scheinbar nicht.

Battlefield
Oder gerne auch "Bugfield" genannt. Battlefield besitzt im Gegensatz zu Call of Duty deutlich größere Karten und mit Fahrzeugen, Flugzeugen und Schiffen ein deutlich aufwendigeres Gerüst – zudem kommt es einem so vor, als ob sich die Welten hier umgedreht haben. Battlefield glänzt mit einer atemberaubenden Grafik, dafür wird aber beim Spielerischen geschlampt. Zur Veröffentlichung hat man es zumeist mit einem fehlerdurchzogenen Titel zu tun, der von kleinen Hängern bis zur Unspielbarkeit alles bietet, was dem Qualitätsmanagment durch die Lappen gegangen ist. Das Paradebeispiel ist bis heute Battlefield 4. Hier merkt man ganz stark, wie die Optimierung unter dem Entwicklungszeitdruck leiden musste. Und da hier auch bis vor kurzem nur ein Entwickler - nämlich das schwedische Studio DICE - statt einer Hundertschaft am Werk war, war die Aufgabe noch einmal doppelt so schwierig. Und obwohl zu jedem neuen Battlefield mittlerweile auch der öffentliche Beta-Test zum Programm gehört, scheint ein bugfreier Release in weiter Ferne. Zumindest scheint EA eingesehen zu haben, dass dieses Mammut-Projekt so nicht zu stemmen ist und holte für Hardline mit Visceral Games ein neues Studio ins Boot.

FIFA
Hier haben wir einen ganz besonderen Fall. Vermutlich ist EA durch die Lizenz mit der FIFA dazu gezwungen, jährlich ein Spiel auf den Markt zu werfen. Auch ist Fußball einfach eine Sportart, die man in ihren Grundfesten nicht verändern kann, weshalb ich oft die Kritik vieler Spieler nicht verstehen kann, dass FIFA jedes Jahr das Gleiche biete. Dass die Entwickler dazu fähig sind, Innovation einzubauen, haben sie mit dem Sprung in die Next-Gen gezeigt. Was mich hier eher stört, ist der Ultimate-Team-Modus, in dem man sich gegen Echtgeld sogenannte Packs kaufen kann, aus denen dann eine bestimmte Anzahl an Spielern nach dem Zufallsprinzip gezogen werden, die man dann in die eigene Mannschaft einsetzen kann. Wenn dann ein neues FIFA rauskommt, ist alles Erspielte oder erkaufte im neuen Teil nicht mehr vorhanden. Und wie es auch nicht anders sein soll, wird jeglicher Support für den älteren Teil eingestellt. Natürlich lädt die nächste Iteration zum Neuanfang ein, aber trotzdem ist es in Teilen eine Verarsche am Kunden, wenn man viel Geld für Zusatzinhalte ausgibt, die dann im jährlichen Rhythmus im Prinzip nutzlos werden. Mein Vorschlag: ein Zwei- oder Drei-Jahres-Rhythmus und zwischendurch Kader-Updates gegen ein kleines Entgelt. So muss man nicht jedes Jahr von vorne beginnen, wenn man auf dem aktuellsten Stand sein möchte.


Assassin's Creed
Würde man den Spaß-Faktor aller Assassin's-Creed-Teile über die Zeit in einem Graphen darstellen, würde dieser konsequent in Richtung Boden gleiten. Während die Anfänge der Serie noch mit großer erzählerischer Brillanz und spannenden Stories gepunktet haben, beruhigte sich das Spektakel mit jeder neuen Instanz. Den Tiefpunkt erreichte Ubisoft letztendlich mit Unity – aber nicht nur weil aus der Geschichte die Luft raus ist. Durch den Einsatz einer komplett neu entwickelten Engine wurde die Grafik mächtig aufpoliert, aber dafür ungefähr die doppelte Ladung an Bugs verbaut. Und ganz nebenbei gibt es auf beiden Heimkonsolen PS4 und Xbox One viele starke Framerate-Einbrüche, wodurch das Bild oft ruckelte und das Spielerlebnis beeinträchtigte. Man hatte einfach das Gefühl, dass die Entwickler dazu gezwungen wurden, eine Engine mitsamt Spiel auf den Markt zu werfen, die noch kaum den Betastatus verdient hatten. Denn auch Monate nach Release war man trotz riesiger Patches noch weit davon entfernt, von einem optimierten Spiel zu sprechen. Gerade wenn man solch ein grafisches Feuerwerk ankündigt, wie es in den Trailern versprochen wurde, ist das nur mehr als peinlich und zeigt gleichzeitig erneut auf, dass es einem schlichtweg nur schadet, wenn man auf Krampf einen unfertigen Titel mit Terminzwang auf dem Markt aussetzt.

Und was ziehen wir daraus? Liebe Publisher, bitte hört auf, erfolgreiche Serien mit jährlichen Veröffentlichungen zu zerstören oder ihnen großes Entwicklungspotenzial zu verwehren! Niemand kommt zu schaden, wenn man für ein besseres Endprodukt den Veröffentlichungstermin ein wenig nach hinten verschiebt. EA hat mit Battlefield Hardline zumindest schon Einsicht gezeigt. Und auf der anderen Seite? Da stehen doch wir, als die Leute, die diesen Ramsch dann überhaupt erst kaufen! So kann ich nur an euch als Spieler appelieren, dass ihr doch endlich mal die Finger von dem Rotz lasst und euch nicht von jedem Hype mitziehen lasst. Was spricht dagegen, nicht vorzubestellen, ein paar Tage abzuwarten und sich die Zeit nach dem Release anzuschauen? Es besteht zumindest eine sehr gute Chance, dass man sich dadurch einige Stunden Ärger erspart. Und die Publisher werden dann an den Verkaufszahlen sehen, was wir davon halten. Letztendlich freuen wir uns doch auch mehr auf die Spiele, die nicht jedes Jahr neu im Laden stehen, oder? Adrian

Die Meinung in Beiträgen mit dem Tag "Jetzt spreche ICH!" muss nicht unbedingt der des ganzen DPads entsprechen. Kann! Muss aber nicht.

Kommentare

Haris
04. Mai 2015 um 13:52 Uhr (#1)
Ich glaube bei vielen Publishern, die ja oftmals Aktiengesellschaften sind, ist der Release von größeren Franchises im Jahrestakt mittlerweile fest im Businessplan verankert. Mal eben ein Jahr aussetzen ist da einfach nicht, dann brechen die Zahlen ein und die Aktionäre laufen Sturm. Dadurch sind die Publisher mitterweile Sklaven ihrer selbst geworden, die kaum echten Spielraum haben. Man muss ja auch bedenken, dass hinter dem Release verbuggter Spiele durchaus Kalkül steckt: es ist für die Publisher besser, ein halbfertiges Spiel abzuliefern und dieses im Nachhinein ein paar Monate lang zu patchen, statt beispielsweise eine Verschiebung zu riskieren. Die negative PR ist dabei geschenkt.
Wie du in deinem Fazit schon so schön sagst, kann man nur hoffen, dass auch hier ein Umdenken stattfindet. Sinkende Verkaufszahlen sind das einzige, was diese Schiffe wieder auf spielerfreundlichen Kurs bringen kann.
Gast
21. Juli 2018 um 05:51 Uhr
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