Angespielt: SpeedRunners

(Artikel)
Paul Rubah, 27. April 2015

Angespielt: SpeedRunners

Bis zum Horizont und noch viel weiter

Wenn ein Early-Access-Spiel das Licht des finalen Releases erblickt, dann freut man sich immer. Das heißt natürlich nie, dass das Spiel wirklich gut oder fertig ist, aber immerhin - irgendwie scheint der Entwickler einen Punkt erreicht zu haben, an dem er mit dem Spiel zufrieden ist. SpeedRunners ist noch nicht fertig, hat aber jetzt schon mehr Spaß zu bieten als so manch eine Vollversion.

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Im Grunde genommen ist SpeedRunners geklaut, und zwar vom Klassiker Racer Micro Machines V3. Sinn des Spiels - damals wie heute - ist es, anderen Spielern zu entkommen. Dabei ist der Bildschirmrand das entscheidende Kriterium: Fällt hinten jemand raus, ist er bis zur nächsten Runde ausgeschieden, und die Überlebenden tragen es unter sich aus, bis nur noch einer übrig ist. Der bekommt dann einen Punkt. Wer drei Punkte hat, hat gewonnen. Um das Ganze noch etwas interessanter zu machen, liegen überall Items verstreut, mit denen man à la Mario Kart seinen Widersachern das Leben zur Hölle machen kann.

SpeedRunners ändert an der ursprünglichen Formel nichts - und doch irgendwie alles. Anstelle von Autos steuert man etwa Menschen. Nun, ich sage "Menschen", meine aber "abgefuckte Weirdos". Wenn da Kapitän Einhorn gegen einen Typen im Katzenkostüm gegen eine Hexe und PewDiePie um die Wette rennen, dann ist das schon ein Bild, bei dem man sich zuerst einmal die Augen reiben muss. Und statt eines typischen Rundkurses bestreiten bis zu vier Spieler einen Parcours mit allerlei Schikane. Auf einfachen Strecken sind das noch Kisten und kleine Abgründe, später sind es Laser, tödliche Stachelfallen und extravagante Kletterwänd.


Dabei sind gute Reflexe und hervorragende Hand-Augen-Koordination gar nicht mal das oberste Gut eines erstklassigen Spielers. Sicher, es hilft, wenn man zum rechten Zeitpunkt die Rutschen-Taste drückt und ungebremst durch einen halbhohen Gang schlittert, während sich alle anderen die Köpfe stoßen. Auch Worms-artige Skills mit dem Kletterhaken sind nicht zu verachten, denn wer an den weiß markierten Stellen der Decke richtig schwingt, kann mit Effet eine von vielen Abkürzungen nehmen und sich vom letzten zum ersten Platz katapultieren. Auch die Kenntnis über Items und wie man ihnen ausweicht, ist nicht zu unterschätzen. Unter goldenen Greifhaken kann man sich wegducken, Raketen mit Kisten abwerfen und ganz gewiefte Spieler in führender Position drehen sich zum Schießen des Eisstrahls auch mal einfach kurz um und laufen den hinterbliebenen Klötzen davon.

Nein, die wichtigste Eigenschaft eines SpeedRunners-Spielers ist unfehlbares Erinnerungsvermögen. Was bringt es schon, wenn man ganz vorne ist und dort nicht mehr sieht, was als nächstes kommt? Ihr erinnert euch: Laser, Stacheln, Abgründe. Man scheitert, stolpert, stirbt! Daher können nur Runner, die jede Karte im Blut haben, auch wirklich etwas reißen.
Was es etwas frustrierend macht, weil gerade die vielen Steam-Workshop-Karten teilweise echt gelungen sind und sich Spieler wirklich viel Mühe mit dem Karteneditor geben, aber wann immer sich die Option "Random Workshop Map" bei der Kartenwahl durchsetzt, kann ich nur stöhnen. Da wird es dann nämlich einen Haufen peinlicher, unvorhergesehener Tode geben und richtig spannend wird es erst, wenn alle schon ein paar Mal ums Eck gelaufen sind. Dann doch lieber die bisher zwölf vom Entwickler gestifteten Kurse.

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Um den Lauf noch etwas spannender zu gestalten - insbesondere falls ebenbürtige Gegner gegeneinander antreten - gibt es ein physisches Zeitlimit. Sobald ein Spieler stirbt, kommen nämlich die Wände bedrohlich nah! Der nutzbare Bildschirmbereich verkleinert sich kontinuierlich und hinterlässt nur einen roten Rand des Todes. Das erhöht nicht nur den Nervenkitzel, sondern führt auch manchmal dazu, dass zwei Virtuosen einer Map sich verbissen auf einem wenige Zentimeter großen Rechteck bis aufs Blut bekämpfen. Das treibt das Adrenalin ins Hirn und das Blut in die Wangen und ist sogar unterhaltsam für die Zuschauer!
Und nur die Besten steigen in die höheren Ligen auf - schlechte Spieler verlieren nämlich Punkte. Das ist hier alles kein Titanfall, wo man den höchsten Rang erreicht, wenn man nur lange genug dabei ist!

Das Einzige, was ich an dem bisherigen Multiplayer-Erlebnis auszusetzen habe, sind Lags und Bugs. Manchmal zuckeln Spielfiguren unberechenbar über die Karte, andere Mal sagt die Kamera "Ich bin dann mal weg!" und schiebt den Bildausschnitt senkrecht gen Erdkern, bevor sie wieder auf die Spielfiguren zurückschnappt. Und manchmal teleportiert eine Figur ganz woanders hin und gewinnt eine Runde vollkommen ungerechtfertigt. Das sind aber hoffentlich genau die Sachen, die bis zum vollständigen Release noch ausgebügelt werden.

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Speedrunners gratis? Die Demo aka "Party Mode" erlaubt lokale Vier-Spieler-Wettrennen mit drei Maps. Gute Sache!
Für einsame Wölfe unter euch gibt es außerdem noch eine Singleplayer-Kampagne. Die besteht nicht aus Rundkursen, sondern aus puren Hindernislauf-Leveln, bei denen der Superheld SpeedRunner eine Bombe innerhalb eines Zeitlimits erreichen muss. Diese Karten sind ganz nette Dreingaben, aber in Sachen Spielgefühl und Suchtfaktor kann es Kalibern wie Super Meat Boy einfach nicht das Wasser reichen - da bin ich ganz froh, dass der Multiplayer so eingängig ist.

SpeedRunners klaut eines der spaßigsten Multiplayer-Rezepte schlechthin. Das ist voll okay, denn tinyBuild Games klaut mit Geschick, Verstand und bringt noch ein paar neue Dinge in dieses Racer-Subgenre. Bravo! Wenn bis zum Release dieses Jahr noch die paar Bugs verschwinden, dann hat SpeedRunners hervorragende Chancen auf das eine oder andere Indie-GOTY.

Kommentare

Ben
28. April 2015 um 10:44 Uhr (#1)
Ich mag das Artdesign. Die satten Farben mit der Pixeloptik,d as hat irgendwie was.
Gast
18. Juli 2019 um 11:14 Uhr
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Xbox One
Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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