Battlefield: Hardline

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 07. April 2015

Battlefield: Hardline

Räuber und Gendarme

"Noch ein Militärshooter? Muss das sein?" Das dachte man sich wohl bei EA und beauftragte daraufhin Visceral damit, das Battlefield-Franchise in ein neues Setting einzuführen. Für Polizei und Ganoven hat man sich entschieden. Mein erster Gedanke? "Das klingt irgendwie geil dämlich." Durch die Beta wurde dann auch bestätigt, was eigentlich klar war: Weniger Fahrzeugkampf, mehr Infanteriegeplänkel. Passte mir auch gut, da ich bei Battlefield eh meist zu Fuß kämpfe, da ich ein furchtbarer Pilot bin und immer, wenn ich Panzer fahre, natürlich zu jeder Zeit fünf Raketenwerfer auf mich gerichtet sind. Und nach dem Schrott, der sich in Teil Vier einen Singleplayer nannte, war ich zuversichtlich, dass dieser Teil auf jeden Fall besser wird. Nun ja...

Der Singleplayer ist leider immer noch Gülle. Sagt Bescheid, wenn euch das irgendwie bekannt vorkommt: Ein idealistischer Kommissar arbeitet im Drogendezernat und findet bei seiner Arbeit heraus, dass sein ehemaliger Partner Dreck am Stecken hat. Er findet Beweise, will sie seinem Chef vorlegen und - Überraschung - der Boss weiß davon, weil er dahinter steckt. Der hängt einem auch gleich irgendwas an, weswegen man im Knast landet. Man wird aus dem Knast rausgeholt und muss nun undercover das Netzwerk des korrupten Vorgesetzten auseinander nehmen und sich noch für die Gefängniszeit rächen. Es klingt, als hätte man jedes Copdrama in einen Mixer geworfen und das Ganze auf mittlerer Hitze bis zur gewünschten Sämigkeit eingekocht. Unglaublich unspannend ist das Ergebnis.

BFHardlineSP1Flossen hoch!

Gameplay und Leveldesign ziehen den Karren auch nicht wirklich aus dem Dreck. Da man ja ein Polizist ist, hat man die Option seine Gegner zu verhaften. Dazu schleicht man sich von hinten an die Kriminellen ran, drückt die Granatentaste und zückt damit seine Marke. Mit den Worten "Hände hoch!" lassen so bis zu drei Feinde ihre Waffen fallen und ergeben sich, damit man ihnen nacheinander Handschellen anlegen kann. Man muss nur aufpassen, dass man die Waffe immer mal wieder in die Richtung der Ganoven hält, sonst überlegen die es sich anders. Dieses Feature ist zwar nett gemeint, wirkt aber im Kontext so unsagbar dämlich. Warum ergeben sich bis an die Zähne bewaffnete Kriminelle einfach so? Und warum lassen die sich so seelenruhig in Handschellen legen? Warum ruft keiner "Ey, da ist 'n Bulle!" oder schießt auf mich, während ich mit seinem Kollegen beschäftigt bin? Und wieso lassen die sich festnehmen, wenn ich ab der Hälfte des Spieles kein Polizist mehr bin? Woher hab ich da überhaupt die Handschellen? Abgesehen davon lässt sich die Mechanik so leicht ausnutzen, um selbst die gefährlichsten Feinde zu entschärfen, dass es fast schon lächerlich ist.

Auf der Nebenquest-Seite kann man Beweise per Tablet suchen und damit auch Feinde markieren. Damit kann man die bösen Buben nicht nur leichter im Auge behalten, sondern unter ihnen sind auch welche, die per Haftbefehl gesucht werden. Was gibt's dafür? Punkte, die einen im Rang steigen lassen. 15 Ränge gibt es und jeder Rang schaltet neues Equipment frei, das man an den Waffenkisten auswählen kann. Außerdem kann man spezielle Waffen nur freischalten, wenn man alle Beweise eines Falls gesammelt hat. Da sich darunter absolut nix Besonderes befindet, sah ich irgendwann keinen Grund mehr, den ganzen Krempel zu sammeln. Und als ich dann auch endlich Rang 15 war, hatte ich keine Lust mehr, alles zu verhaften. Mit schallgedämpftem Gewehr einfach alles heimlich abknallen war genauso effektiv. Interessante Szenarien gibt es nicht wirklich, nur hier und da vielleicht mal ein cooler Moment, das war's aber auch. Die Story endet auf einem halben Cliffhanger, dessen Auflösung mir relativ egal war. Kurz gesagt: Schenkt euch die Kampagne, guckt lieber eine Folge Alarm für Cobra 11.

BFHardlineMP2Gebt das Hanf frei!

Battlefield: Hardline ist unterm Strich immer noch ein Multiplayershooter und in diesem Bereich glänzt das Spiel schon eher. Auf Basis des exzellenten Vorgängers darf man sich nun auf etwas kleineren Karten Gefechte zwischen Gesetzeshütern und Gesetzesbrechern liefern. Neben klassischen Modi, wie Team Deathmatch oder Conquest, gibt es auch ein paar neue Varianten. Im Heist-Modus müssen die Schurken zwei oder mehrere Tresore knacken und mit der Beute entkommen, bevor ihnen die Leben ausgehen. Spielt sich ähnlich wie Rush. Hotwire bringt neuen Wind in den Conquest-Modus. Hier sind die Kontrollpunkte Fahrzeuge und damit man sie kontrolliert, muss man mit dem Fahrzeug herumfahren und eine Geschwindigkeit halten. Lustige Idee, leider passiert in den meisten Matches recht wenig, da sich jeder in die Autos quetscht und im Kreis fährt. Ist aber ideal, um Punkte zu farmen. In Rescue müssen Geiseln befreit werden und in Crosshair ist ein Spieler ein VIP. Klingt nach Counter-Strike, ist es auch, nur mit Karten, die absolut nicht dafür geeignet sind - die sind nämlich immer noch viel zu groß. Es wird durch die Bank (Wortwitz, haha) solides Gameplay im Battlefield 4-Stil geliefert und darüber kann ich mich nicht beklagen.

Neue Waffen und Ausrüstungen werden diesmal mit Geld freigeschaltet. Jeder Punkt bringt einen Dollar aufs virtuelle Konto und es ist völlig egal, womit man Kohle scheffelt. Wer eine neue Waffe kauft, muss erst mal ein paar Leute damit umhauen, bevor man Zielvisiere und dergleichen dafür kaufen darf. Unterschieden wird hier auch zwischen Polizei- und Verbrecherwaffen. Bis auf die Standardknarren sind die Schießprügel auf eine Seite beschränkt. Erst wer massig Kills damit gesammelt hat, kann diese Einschränkung aufheben. Eigentlich ein sinnvolles System, nur irgendwie ist es etwas blöd. Da hat man auf der einen Seite eine neue Lieblingswaffe, hat aber beim Betreten eines Spiels nur eine 50:50-Chance, dass man sie einsetzen kann. Und dann unterscheiden sich die Preise auf beiden Seiten auch noch derbe. Cop Operators kriegen neue Karabiner für weitaus weniger als die Kriminellen. Auch wurden irgendwie die Battlepacks verhunzt. Erfahrungsboosts sind nicht mehr generell gültig, sondern nur für bestimmte Aktionen wie Töten, das Erfüllen von Zielen oder Fahrzeuge. Dafür ist es nett, dass man Ausrüstungsgutscheine bekommt, die man bei jeder Waffe anwenden kann. Die sind aber sehr selten.

BFHardlineMP1Ich widersetze mich der Verhaftung.

Battlefield: Hardline ist irgendwie weder Fisch noch Fleisch. Zum einen gefällt mir die Idee dahinter sehr, aber was am Ende draus gemacht wurde, ist nicht gerade umwerfend. Ein Singleplayer, der sich absolut gar nichts traut, und ein Multiplayer, der sich zwar anders spielt, aber auch nicht wirklich etwas Neues bietet. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Hardline als eine Art Standalone DLC mit nur dem Multiplayer besser beraten wäre. Aber nein, man wählte den Call-of-Duty-Weg und brachte uns das Ganze zum Vollpreis. Wenn euch das Franchise zu viele Fahrzeuge hatte, dann ist Hardline sicher einen Blick wert. Die 60 Euro würde ich allerdings eher für die Battlefield 4 Premium Edition ausgeben. Da bekommt man weitaus mehr für sein Geld. Schade eigentlich, aus der Idee hätte man sicher was Nettes machen können.

Battlefield: Hardline

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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21. April 2019 um 08:30 Uhr
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19. März 2015
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