Cities: Skylines im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 22. März 2015

Cities: Skylines im Test

Bürgermeister Knapik meldet sich zum Dienst!

Nach einer langen Durststrecke sehnte sich die PC-Gemeinde nach einer alles übertreffenden Städtesimulation. Okay – zwischendurch gab es ja noch Sim City, aber wenn man mal ganz ehrlich ist, war das nicht gerade das Paradebeispiel für eine gut funktionierende Simulation. Ich glaube, dass es nur gespielt wurde, weil es einfach keine Alternative gab. Doch plötzlich kommt ein kleines Entwicklerstudio mit dem Namen Colossal Order um die Ecke, bringt Cities: Skylines auf den Markt und die Verkaufszahlen schießen nach kurzer Zeit durch die Decke.

Das kenne ich doch irgendwo her
Ich möchte gar nicht lange um den heißen Brei herum reden, denn Cities: Skylines ist eindeutig das bessere Sim City. Als ich das erste Mal ins Spiel hineingeschaut habe, sind mir tatsächlich außerordentlich viele Ähnlichkeiten zum Klassiker aufgefallen, aber deshalb muss man Cities nicht als billige Kopie abschlagen. Einer der größten Kritikpunkte, die beim neuen Sim City aufkochten, war die nicht nachvollziehbare Simulation der Stadt. So hatten die Bürger kein festes Leben, sondern sind immer zu der Arbeit gefahren, wo eine Stelle frei war, und nach Feierabend in das Haus gefahren, in dem noch Platz war. In Cities hingegen kann man durch einen Klick auf einen Bürger sein komplettes Leben einsehen – wo er wohnt, wo er arbeitet und sogar was er für ein Auto fährt. Durch diese festen Zuweisungen ergibt sich ein logischeres Bild für die Stadtsimulation, wodurch man als Spieler auch besser auf Probleme reagieren und lösen kann.

cities_verschmutzungSchön das Abwasser ins Meer pumpen, der Umwelt zuliebe!

Grafisch entlehnt Cities ebenso viel. Auch wenn die Umgebungen allgemein realistisch aussieht, hat man immer das Gefühl, dass einige Farben etwas übersättigt und Kanten weicher gezeichnet sind, was einem ein wenig wie ein seichter Comic-Filter vorkommt. Auch wird viel mit Motion Blur und Unschärfe-Effekten gearbeitet. Das Spieler-Interface ist übersichtlich und einfach zu bedienen, wodurch man immer schnell das findet, was man sucht. Alteingesessene Sim-City-Spieler fühlen sich sofort wie zu Hause, wenn sie die verfügbaren Analyse-Tools beispielsweise für die Umweltverschmutzung benutzen. Das komplette Spiel färbt sich plötzlich in ein grelles Weiß, um die Punkte, an denen Verschmutzung herrscht, durch ein dunkles Braun hervorheben zu können. Dadurch bekommt man immer schnell alles auf einen Blick präsentiert. Auch dass die Reaktion der Bürger auf bestimmte Ereignisse mit einer Welle von Smileys begleitet wird, kennt man irgendwo her.

Der Sound passt gut mit dem Spielgeschehen zusammen. Die Musik düdelt überwiegend recht gemütlich im Hintergrund und erschafft so eine entspannte Atmosphäre, wobei es aber auch Passagen gibt, in denen sie mir etwas zu aufdringlich und zu laut wird. Schön wäre gewesen, wenn die Musik sich der aktuellen Situation ein wenig angleicht, sodass sie zum Beispiel etwas düsterer wird, wenn man mal nicht aufgepasst hat und der Strom ausfällt. Wenn man näher zum Boden geht, hört man auch Geräusche von sprechenden Menschen, fahrenden Autos und anderen Dingen, was der Stadt Leben einhaucht und gut passt - selbst an das Piepen von gerade auf grün geschalteten Ampeln hat man gedacht! Und das haben die Entwickler von Cities: Skylines hervorragend geschafft. Man hat ständig das Gefühl, dass die Stadt lebt und sich weiterentwickelt. Es werden neue Gebäude gebaut, es gibt neue Bedürfnisse der Bürger, plötzlich brennt eine Fabrik und die Feuerwehrautos düsen durch die Straßen – es ist immer etwas los und es gibt ständig etwas zu tun.

cities_brückenMan kann die verrücktesten Straßen bauen, hier meine persönliche Brücken-Kreation. Sagt nichts - sie funktioniert!

Mod-Support
Neue Gebäude werden durch ein sogenanntes Meilenstein-System freigeschaltet, welches überwiegend mit dem Erreichen von bestimmten Bewohnerzahlen zusammenhängt. So erhält man neue Gebäude, wie größere Feuerwachen oder sogar neue Besiedelungsgebiete, wodurch man bei größeren Städten dafür sorgen kann, dass Gebiete dichter besiedelt werden und Häuser mehr in die Höhe als in die Breite gehen. Und hier findet sich noch eine weitere Sache, die Cities besser macht als Sim City: Anstatt den Baubereich auf ein recht kleines Gebiet zu begrenzen, kann man sich im Laufe des Spiels immer weitere Gebiete um die Stadt hinzukaufen. Im normalen Spiel kann man maximal neun neue Gebiete kaufen, durch eine Mod ist es allerdings jetzt schon möglich, alle 25 Gebiete kaufen zu können und so die ultimative Stadt zu bauen. Ja, richtig gelesen, es gibt Mod-Support! Durch diesen kann man jetzt schon einige nützliche Dinge mit den im Spiel integrierten Mod-Werkzeugen erstellen. Jeder kann so seine eigenen Städte oder kleine Kreationen wie Gebäude, Straßensysteme und Kreuzungen in den Steam Workshop hochladen und mit anderen teilen. So kann man seine Stadt noch etwas individueller gestalten und nützliche Funktionen hinzufügen, etwa indem man verlassene Gebäude automatisch abreißen lässt.

Ein normales Spiel beginnt bei der Auswahl der Karte, von denen ohne DLC oder Mods neun verfügbar sind. Beginnen tut man mit einem kleinen Stück Autobahn, an dem man dann eine eigene Straße mithilfe des Start-Budgets anschließen kann. Natürlich muss man am Anfang dafür sorgen, dass die zukünftigen Bürger mit Strom und Wasser versorgt werden und außerdem das Abwasser einen Platz zum Verschwinden hat. Dann kann man damit beginnen ein paar Gebiete für den Hausbau zu markieren und prompt kommen die ersten Umzugswagen angefahren, die die ersten Bewohner vorbeibringen. Mit steigender Bewohnerzahl kommen dann auch weitere Aufgaben auf einen zu, wie die Müllentsorgung oder die medizinische Versorgung. Im späteren Verlauf kann man noch für Verkehrsentlastung sorgen, indem man öffentliche Verkehrsmittel, wie Busse und U-Bahnen, einführt oder sogar Schiffs- und Flughäfen baut, um Touristen anzulocken und eine weitere Geldquelle zu haben. Durch einzigartige Gebäude kann man das Stadtbild mit besonderen Architekturen aufwerten und eine richtig fesche Großstadt erschaffen.

cities_gebieteHier kann man neue Gebiete kaufen. Irgendwann kommt man mit dem Bebauen aber gar nicht mehr hinterher.

Trotz des vielen Lobes gibt es immer noch Punkte, an denen ich mir persönlich Verbesserungen wünsche. Im Moment gibt es drei Dinge, die ich sehr stark vermisse: ein Tag-Nacht-Wechsel, Tunnel und ein Multiplayer-Modus. Aktuell ist es nämlich immer hell in Cities: Skylines, was im Prinzip keinen spielerischen Nachteil hervorruft. Aber trotzdem vermisse ich es, meine Stadt im Dunklen in voller Beleuchtung betrachten zu können. Außerdem könnte man dann durch die Tageszeit besser kontrollieren, wann die Bürger zur Arbeit fahren und so den Verkehr besser lenken. Die Möglichkeit Tunnel zu bauen, wünsche ich mir schon seit geraumer Zeit, aber momentan ist dies noch nicht möglich. Da ist aber gesagt, dass die Entwickler angekündigt haben, dass Tunnel per kostenloser Erweiterung nachgereicht werden – vorbildlich! Auch einem Multiplayer-Modus wurde keine Abfuhr erteilt, weshalb man durchaus noch hoffen kann.

Cities: Skylines ist die Städte-Simulation, auf die alle gewartet haben. Man merkt, dass viele gute Ansätze aus Sim City übernommen und hervorragend ausgebaut wurden, weshalb ich aus voller Überzeugung das Prädikat "das bessere Sim City" aussprechen kann. Cities wirkt in sich einfach absolut stimmig und macht gerade deswegen unheimlich Laune. Dadurch, dass die Stadt komplett belebt wirkt und man immer etwas neu bauen oder verbessern kann, grübelt man sogar über seine Stadt, wenn man gerade nicht am PC sitzt - und wenn man am Spielen ist, fühlt man sich total gefesselt. Das Sahnehäubchen bilden die vielen nützlichen Mods, mit denen man sich das Leben etwas leichter machen kann. Das Genre der Städtesimulationen ist wiederbelebt! Adrian

Cities: Skylines wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von Koch Media zur Verfügung gestellt.

Cities: Skylines

(Ranking)
S
RANK
Herausragend. S-Spiele erweitern Horizonte. Sie bieten intensive Erlebnisse oder halten den Spieler noch lange am Bildschirm gefesselt. Selbst wenn man sie nicht jedem empfehlen kann, will man doch mit jedem über sie reden.

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21. September 2019 um 07:10 Uhr
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10. März 2015
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