Test: Lara Croft and the Temple of Osiris

(Artikel)
Benjamin Strobel, 16. März 2015

Test: Lara Croft and the Temple of Osiris

Dual-Stick-Diablo

Tomb Raider kennen wir als episches Action-Adventure, das Serien-Reboot von 2013 hat die cineastischen Möglichkeit der Reihe eindrucksvoll vorgeführt. Neue Ableger unter dem Titel Lara Croft gehen jedoch andere Wege: Lara Croft und der Tempel des Osiris verbindet den Dual-Stick-Shooter mit Dungeon-Crawling und Koop-Multiplayer.

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Schatzjägerin Lara Croft und ihr Rivale Carter Bell plündern sich gerade durch Ägypten, als sie ein weiteres Mal die Hände nicht in den Taschen behalten können. Die Gier führt schließlich dazu, dass sie die böse Gottheit Seth wiedererwecken. Gemeinsam mit den Göttern Horus und Isis - der mythologische Aspekt ist in diesem Spiel weniger subtil - wollen die Abenteurer Osiris ebenfalls erwecken, um mit ihm gemeinsam gegen Seth zu kämpfen... und nebenher ein paar Schätze einzuheimsen, versteht sich.

Dual Stick Diablo
In Tempel des Osiris streift man mit bis zu vier Spielern durch zahlreiche Dungeons, erwehrt sich Horden sagenhafter Schreckgestalten und sammelt Edelsteine, bis die Taschen Beulen kriegen. Der Diablo-eske Ansatz unterscheidet sich vor allem dadurch vom Vergleichsobjekt, dass es sich wie ein Dual-Stick-Shooter spielt und weniger wie ein Hack 'n' Slay. Hier findet man weder Skilltrees noch Attributpunkte, sondern ein ständig wachsendes Arsenal unterschiedlicher Waffen. Von Pistolen über Schrotflinten, Maschinengewehren bis zu Raketenwerfern ist alles dabei. Damit es nicht zu langweilig wird, kann man auch noch verstärkte und besondere Ballermänner finden, die beispielsweise zusätzlichen Giftschaden verursachen. Mit Ringen und Amuletten kann man seine Fähigkeiten boosten und so etwa den Munitionsverbrauch senken oder die Angriffsgeschwindigkeit erhöhen. Wie bei Diablo ist mehr oder weniger zufallsbedingt, was für Gegenstände man findet. Allerdings erhält man von Feinden nur Edelsteine und muss immer bis zum Ende eines Dungeons warten, um das verdiente Geld in Truhen zu investieren, die hoffentlich gutes Loot auswerfen. Sparen auf teure Truhen hilft bei der Wahrscheinlichkeit, schützt aber nicht vor kolossalem Pech.

Eine Frage des Geschicks
Die Kämpfe sind schnell und actionreich, manchmal sogar etwas unübersichtlich. Ausweichen ist meistens Pflicht, vor allem dann, wenn größere Feindmengen den Bildschirm fluten. Mit Sprüngen und einer Ausweichrolle zieht man sich effektiv aus der Affäre, muss aber aufpassen, mit einem Salto nicht in die nächstbeste Grube zu springen. Gruben sind überall, Gruben sind der Feind. Drei Skeletten und sechs Skarabäen weicht man mühelos und elegant aus, nur um klanglos im Abgrund zu verschwinden. Man achte auf seine Umgebung!

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Im großen Unterschied zu Diablo sind die Dungeons komplett handgefertigt. Die alten Gräber sind von feindurchdachten Fallen durchzogen und legen den Fokus auf Geschicklichkeit. Klassische und innovative Schalter-, Spiegel- und Schieberätsel bieten was fürs Köpfchen, Verfolgungsjagden und Sprungpassagen unter Zeitdruck fordern eure Fingerfertigkeit. Die angewinkelte Perspektive bringt beim Klettern so manche ungewollte Hürde mit, doch das Gros der Sprungpassagen ist wunderbar knifflig und gelungen. Brüchige Böden, rotierende Zahnräder und denkbar schmale Plattformen über Stachelgruben sind das wohlschmeckende täglich Brot in Tempel des Osiris.

Helfen und Geiern
Im Koop-Multiplayer zeigt Tempel des Osiris so richtig, was es kann. Ob lokal oder online, das Spiel modifiziert seine Rätsel entsprechend der Spielerzahl, sodass man nun zwingend zusammenarbeiten muss, wo man vorher noch allein durchgekommen ist. So muss eine Party mindestens einen Ägypter und einen Abenteurer haben, da sich ihre Fähigkeiten im Koop-Spiel ergänzen. Die Gottheiten können mit einem magischen Stab Plattformen und andere Objekte kontrollieren, die Abenteurer haben dafür Dibs auf einen Greifhaken, mit dem man sich und andere abseilen kann. So muss man sich wechselseitig aufhelfen oder sich aufteilen, um gleichzeitig verschiedene Schalter auszulösen. Der eine muss die Fallen für den anderen aushebeln oder beide müssen mit dem richtigen Timing zusammenarbeiten. Kaum ein Rätsel lässt sich noch allein lösen - und das macht den Spaß aus!

Die Kehrseite der Zusammenarbeit ist der blutige Kampf ums Loot. Noch wichtiger als das bloße Überleben, das weiß der Abenteurer, ist es, am Ende mit dickeren Taschen dazustehen als der andere. Der gewiefte Mitspieler rennt vor, springt in explodierende Feinde und schaut sich auf einer Plattform erst mal nach Edelsteinen um, bevor er dem anderen hoch hilft. Jede Gelegenheit wird ausgenutzt, um dem anderen eine Nasenlänge voraus zu sein. Leichte Sprungpassagen können ziemlich hart werden, wenn man immer der erste auf jeder Plattform sein muss und schon los springt, bevor man überhaupt so genau weiß, wie es eigentlich weiter geht. Ähnlich wie New Super Mario Bros. wird Tempel des Osiris mit jedem Mitspieler nur schwieriger und bei vollem Roster von vier Spielern regelrecht unübersichtlich. Doch nichts ist befriedigender als in der Truppe aus Chaoten am Ende ein Treppchen höher zu stehen als die anderen.

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Jedes Grab kommt mit einer Reihe von Challenges, die mit zusätzlichen Belohnungen winken. Man muss eine bestimmte Zahl an Punkten (durch Schätze und Kills) sammeln, den Dungeon innerhalb eines knappen Zeitlimits schaffen oder seine Feinde auf kreative Weise besiegen, indem man sie beispielsweise in Stachelfallen wirft. Im ersten Spieldurchgang ist es mir nicht gelungen, auch nur einmal alle Zusatzaufgaben beim ersten Anlauf zu meistern. So bietet Tempel des Osiris auch nach dem Durchspielen noch ein paar Anregungen, zurückzukehren.

Lara Croft und der Tempel des Osiris ist ein großartiges Download-Spiel, das ein bis zwei Abende mit gutem Couch-Koop füllt. Rätsel und Sprungpassagen sind fordernd ohne dabei zu überfordern und die Balance zwischen Zusammenarbeit und Konkurrenz ist genau richtig. Man hasst sich zwar nicht, aber gönnen tut man sich auch nichts. Vier Spieler sind Chaos, zwei sind optimal. Allein zu spielen ist möglich, verschenkt aber die coolen Spielideen, die im Koop erst zum Tragen kommen.

Lara Croft und der Tempel des Osiris wurde auf der Xbox One getestet. Der Autor hat sich das Spiel für den Test selbst gekauft.

Lara Croft und der Tempel des Osiris

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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06. April 2020 um 13:50 Uhr
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RELEASE
09. Dezember 2014
PLATTFORM
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Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
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Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
Xbox One
Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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