Mordheim: City of the Damned im Preview

(Artikel)
Paul Rubah, 09. März 2015

Mordheim: City of the Damned im Preview

Grau, grau, grau sind alle meine Level

Mordheim ist eine der merkwürdigeren Lizenzen, auf denen man ein Videospiel basieren kann, denn: das Tabletop gibt es nicht mehr. Games Workshop hat den Verkauf der Regelbücher des Warhammer-Spinoffs 2014 komplett eingestellt und die Pflege des Systems liegt nun in den Händen der Fans. Aber das macht ja nichts, power to the people! Nachdem ich bei der Vorstellung des Focus-Home-Lineups von Mordheim: City of the Damned doch recht angetan war, musste ich mir das Spiel einmal genauer im Steam Early Access anschauen. Ich wünschte mir doch ein wenig, ich hätte es nicht getan.

mordheim-coming-soonEarly Access - klar, dass da noch einiges fehlt.

Wer das Kampfsystem von Valkyria Chronicles kennt, dem muss ich hier kaum noch erklären, wie Mordheim funktioniert. Für den Rest von euch will ich aber natürlich ein wenig ausholen. In Mordheim ist vor einiger Zeit ein Komet abgestürzt. Das hat zwar die Stadt komplett verwüstet, allerdings nicht ohne Nachteile: Inzwischen liegt überall der wertvolle Wyrdstone herum und Kämpferriegen - Warbanners genannt - knüppeln sich um das edle Gestein. Und zwar rundenweise im Duell.

Zahlenjongleure voran
Auf den bislang vier Karten stehen sich immer zwei Spieler mit über einem halben Dutzend Kämpfern gegenüber. Vier Warbanner gibt es: die rattenartigen Skaven, menschliche Söldner, die magischen Sisters of Sigmar und der unheilige Cult of the Possessed. Jede Figur hat einen Initiativewert, der bestimmt, wann sie gezogen werden darf. Und so sieht das Spiel dann auch aus: Nacheinander ziehen alle Spieler alle Figuren, bis eine Runde vorbei ist. Dabei sind zwei Figurenleisten besonders wichtig: Angriffs- und Strategiepunkte. Der erste Wert bestimmt, wie oft man angreifen darf, letzterer dagegen, wie weit man sich bewegen kann. Bewegungen finden nicht, wie so oft im Genre, auf einem Gitter statt, sondern für jeden Strategiepunkt bekommt die Figur einen Bewegungskreis. Erreicht sie den Rand eines Kreises, gibt sie einen Bewegungspunkt aus und ein neuer Kreis formt sich um die Figur.

mordheim-radiusAm Rand des blauen Kreises verbraucht die Figur einen Strategiepunkt.

Spezialaktionen, wie etwa Herumgeklettere oder das Zurückziehen aus einem Kampf, benötigt oft Strategiepunkte oder einen Mix aus beiden Pools. Es gibt eine regelrechte Fülle an Aktionen pro Warbanner: Diverse Zauber, die genannten Kletteraktionen, das Durchforsten von Lootbergen, Nahkampf, Fernkampf, nachladen, zielen, ausweichen, parieren, im Hinterhalt liegen, nach Fallen suchen und mehr. Jetzt kombiniert man die Masse der Auswahl mit über einem Dutzend Figurenstatistiken, mindestens ebenso vielen Buffs und Debuffs sowie Ausrüstungs-Micromanagement und es fällt ganz schnell auf, dass die bisher verfügbaren Tutorials nicht mal ansatzweise für Verständnis sorgen. Ein Wiki oder sonstige Onlinehilfen gibt es derzeit ebenfalls nicht, Mouseover-Texte, die Statistiken knapp erklären, sucht man vergebens. Ich will hier absolut nichts gegen erquickende, komplexe Zahlenspiele sagen, aber wer in die aktuelle Version von Mordheim reinschnuppern will, darf keine Hilfe erwarten.

mordheim-impressiveJedes Warbanner verfügt über eine besonders starke Impressive Unit.

Alle auf ihre Plätze!
Enorm wichtig ist es, seine Einheiten gut zu positionieren. Jede Figur hat einen Sperrradius - wer da rein geht, wird in einen Kampf verwickelt und kommt nur mit Mühe wieder raus. So können zwei oder drei Charaktere einen Gang blockieren, während die fragileren Magier und Fernkämpfer bequem aus der zweiten Reihe feuern. Bis man aber solche taktischen Erfolge feiern kann, dürfte einige Zeit ins Land gehen, denn die durchaus detaillierten Karten sind gespickt mit mehrstöckigen Häusern, Schleichpfaden, Schießscharten und Planken, die von Dach zu Dach reichen. Da kann die Phalanx noch so schön aufgebaut sein - wenn das gegnerische Supermonster von der Regenrinne springt und den Zauberer verfrühstückt, dann bringt das nichts. Auch hier heißt es wieder: Hilfen gibt es momentan keine. Man kann sich nicht die Karten in Ruhe im Vorfeld anschauen oder die Kamera von der Figurenansicht lösen.
Selbst die Übersichtskarte in der Vogelperspektive hilft nicht, da man fast ausschließlich Dächer über den vielen obskuren Symbolen sieht. Wer von denen ist jetzt der Magier, der Scharfschütze, der Anführer? Die durchweg graubraunen Karten bieten da auch kaum Orientierungshilfe. Auswendig lernen ist also die Devise und wer jede finstere Ecke einer Karte kennt, ist mehr als klar im Vorteil. Bei all den Häuserschlachten ist es außerdem übel, dass gerade die Kamera in Gebäuden ohne feingliedriges Nachjustieren kaum zu verwenden ist. Immerhin gibt es bereits kompletten Controllersupport, auch wenn die Menüführung nur per Maus nicht wahnsinnig macht.

mordheim-kameraWie Sie sehen, sehen Sie nix.

P<.1
Mordheim wird nur etwas für euch sein, wenn ihr Statistiken liebt. Es ist eines dieser Spiele, in der ein Angriff mit achtzigprozentiger Trefferwahrscheinlichkeit in neun von zehn Fällen daneben geht. Ich will nicht lügen: Meine Einheiten haben in Matches so häufig Aktionen mit einer Erfolgschance von 70 Prozent oder höher in den Sand gesetzt, dass ich mehr als einmal den Controller wegschmeißen wollte. Bonus: Nicht nur hat auch Magie nur eine gewisser Wahrscheinlichkeit überhaupt zu funktionieren, sondern jeder thaumaturgische Einsatz kann zu negativen Nebeneffekten führen. Hurra. Zusätzlich sind in meiner Anspielzeit anscheinend alle CPU-Figuren mit besserer Ausrüstung ausgestattet worden (die hatten jedenfalls nie Probleme mich zu treffen).
Ich habe bisher jeden Kampf aus Frustration abbrechen müssen. Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie lustig das nachher ist, wenn in einer Kampagne oder einem Ranked-Match später wegen mehrfachem Würfelpech euer bester Kämpfer den Permadeath stirbt und dann auch noch seinen glorreichen Zweihänder des Schicksals an eine sehr, sehr glückliche Späherratte verliert. Das wird sicher überaus lustig. Kampagnen, Ranked Matches und Figurenaufstiege sind derzeit noch nicht implementiert, sollen aber bis zum Release Ende des Jahres folgen.

mordheim-quick-stats"Quick Stats"

Abwarten und Tee trinken
Oh, und online spielt derzeit keiner, weil Warbanners aus Pistolenschützen noch stark übervorteilt sind. Ich habe es aber irgendwann doch mal geschafft, in ein Spiel reinzukommen. Meine Spielerfahrung belief sich darauf, dass ich wartete. Figurenzüge dauern zwischen einer und drei Minuten, da kann man auch mal in Ruhe Kaffee kochen gehen, wenn der Feind drei Figuren hintereinander ziehen darf. Na ja, könnte man, wenn man nicht ab und an einen Gegenangriff bestätigen müsste. Nachdem mein einziger Gegner, den ich je ausfindig machen konnte, nach einer Viertelstunde Spielzeit offensichtlich eingeschlafen war und den Timer ausnahmslos runterlaufen ließ, habe ich das Match abgebrochen ohne je eine seiner Einheiten zu Gesicht bekommen zu haben.

mordheim-einheiten-management"Nicht ganz so Quick Stats"

Zu diesem Zeitpunkt kann ich eigentlich nur jedem, der sich nicht wirklich tief in die Entwicklung des Spiels einbringen oder die Entwickler finanziell unterstützen möchte, empfehlen einen großen Bogen um Mordheim: City of the Damned zu machen. Diese Warnung gilt in der Regel natürlich für alle Early-Access-Spiele, aber für diesen Titel insbesonders. Ihr dürft nicht erwarten, Spaß zu haben. Das ändert sich hoffentlich noch.

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07. April 2020 um 19:02 Uhr
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2015
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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