Monster Hunter 4 Ultimate im Test

(Artikel)
Haris Odobaši?, 04. März 2015

Monster Hunter 4 Ultimate im Test

Endlich auch ohne Wii U online

In Japan ist Monster Hunter ein Phänomen wie im Westen Call of Duty, GTA und Co. Doch trotz einiger aufwändiger Werbekampagnen und sogar Aktionen, bei denen man mit jedem gekauften Spiel einem Freund auch gleich einen Download-Code für die Vollversion zustecken konnte, blieb in den letzten Jahren der große Erfolg hierzulande aus. Es ist schwer zu sagen, woran es liegt. Ein Dark Souls, welches in Aspekten des Gameplays und insbesondere bei den Themen Schwierigkeitsgrad und Anspruch große Parallelen aufweist, hat es auch geschafft aus seiner Nische auszubrechen - und das bei weit weniger Marketing. Doch auch mit dem neuesten Teil, Monster Hunter 4 Ultimate, geben Nintendo und Capcom die Hoffnung nicht auf, den Erfolg im Westen zu replizieren.

Schon früh im Spiel merkt man, dass Capcom an ein paar Schrauben gedreht hat, um die professionelle Monsterjagd etwas einsteigerfreundlicher zu gestalten. Der Spieleinstieg wurde noch weiter simplifiziert: wenigere, dafür stichhaltigere Tutorials und eine etwas erweiterte Rahmenstory. In der zieht ihr als Teil einer Karawane durch die Gebiete und erfüllt dabei natürlich immer schön Aufträge, insbesondere wenn große, böse Monster unschuldige Leute bedrohen. So haben eure Taten Kontext, doch kaum seid ihr aus der Stadt raus und im Feld unterwegs, stoßt ihr auf die unverwechselbare Monster-Hunter-DNS.

MH4U Field monster

Das heißt einerseits, dass ihr eine Auswahl aus knapp zehn Waffen habt, die sich allesamt anders spielen und eine komplett andere Strategie im Kampf gegen die Monster erfordern. Andererseits habt ihr Zugriff auf ein tiefgründiges Crafting-System, mit dem ihr neben Waffen und Ausrüstung eine Vielzahl nützlicher Items zusammenbasteln könnt. Dort fließen dann auch Aspekte, wie das Leiten einer kleinen Farm oder der Abbau von Ressourcen im Feld, mit ein. Und natürlich gibt hunderte von Missionen, von simplen Fetch-Quests bis hin zu epischen Monsterjagden, die euch mehr als genug Spielfutter bieten.

Allerdings bedeutet "typische Monster-Hunter-DNS" auch, dass die Steuerung etwas hakelig ist und euch zudem gerne mit Doppelbelegungen verwirrt. Theoretisch habt ihr mit der Steuerung super Kontrolle über eure Figur, in der Praxis heißt es aber, alle kleinen Tricks kennenzulernen, alle Timingaspekte, alle Möglichkeiten, Angriffe zu verketten, und so einiges mehr. Dieses Mal sogar mit noch mehr Möglichkeiten, weil das Klettern überarbeitet wurde und es zum Beispiel erstmals möglich ist, auch in dieser Position zu kämpfen.

Insbesondere garantiert die DNS abermals schweißtreibende und bis zum letzten Schlag spannende Duelle gegen riesige Monster, die euch alles abverlangen werden. Gegen die ihr immer wieder scheitern werdet, nur um irgendwann die richtige Strategie zu finden und danach die riesige Befriedigung zu genießen, wenn ihr triumphierend über dem in Todeswindungen zuckenden Körper stehen könnt.

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Aber die DNS mutiert. Endlich könnt ihr ohne Konsole online spielen. Frühere Monster-Hunter-Spiele für PSP und 3DS brauchten ihre großen Geschwister, um onlinefähig zu werden. Wer diese nicht besaß, hatte einfach Pech und konnte höchstens lokal auf Monsterjagd gehen, was gerade angesichts des stetig ansteigenden Schwierigkeitsgardes oftmals bedeutete, dass man entweder Freunde mit dem Spiel hatte und weiterkam, oder eben scheiterte und sich mit sehr viel zeitaufwändigem Grinding konfrontiert sah. Jetzt ist dieses Problem aus der Welt, der hohe Verbreitungsgrad des 3DS kann genutzt werden, ohne die Wii U als Krücke benutzen zu müssen. Für mich persönlich wäre ein MH3U-Update mit diesem Feature alleine schon das Geld wert.

Gut, technisch ist man noch immer höchstens Mittelklasse mit etwas polygonarmen Charaktermodellen und matschigen Texturen, was die gut designten Monster nur halbwegs herausreißen. Abgesehen davon kann man sagen, dass alles irgendwie besser geworden ist und trotzdem bleibt beim Spielen am Ende das Gefühl, dass es auch dieses Mal nicht reichen wird, den westlichen Mainstream zu erreichen. Trotz riesiger 3DS-Kundschaft, trotz Werbung, trotz Limited Edition New 3DS XL und nicht zuletzt trotz der nicht von der Hand zu weisenden Qualität des Spieles. Es ist eben noch immer Monster Hunter, durch und durch. Ich glaube, ohne am Kern-Gameplay etwas zu ändern, insbesondere an der Steuerung, die eher Classic Resident Evil ist als moderndes Action-RPG, wird die Hürde bestehen bleiben.

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Monster Hunter 4 Ultimate ist das bisher beste Monster-Hunter, aber es bleibt die gleiche, polarisierende Spielerfahrung. Trotz erhöhter Einsteigerfreundlichkeit mit besseren Tutorials und mehr Story werden die Leute, die früher nicht warm geworden sind, hier kaum Gründe finden, um sich zu verlieben. Das Gameplay ist dafür noch immer zu sperrig und zu anspruchsvoll. Fans hingegen werden hier mehr von dem kriegen, was sie lieben, gepaart mit ein paar interessanten Neuerungen. Als i-Tüpfelchen gibt es einen Onlinemodus, der konsolenunabhängig ist. Wer sich auf dieses Spiel einlässt, sollte nicht die Stunden oder Tage zählen, die er damit verbringen wird, sondern Wochen und Monate. Haris

Monster Hunter 4 Ultimate wurde auf dem Nintendo 3DS getestet. Ein Testmuster wurde uns von Nintendo zur Verfügung gestellt.

Monster Hunter 4 Ultimate

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Bronko
08. März 2015 um 12:30 Uhr (#1)
Wenn man mit MonsterHunter 3 schon dabei ist lohnt sich das Upgrade nur für den Onlinemodus oder?
Haris
08. März 2015 um 13:33 Uhr (#2)
Ja, ich finde schon. Für mich war das das große Manko bei MH3 weil MH eben einfach das Spielen zusammen braucht um wirklich sein gesamtes Potenzial zu entfalten.
Gast
15. Juni 2019 um 23:02 Uhr
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RELEASE
13. Februar 2015
PLATTFORM
Nintendo 3DS
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