Driveclub im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 11. Januar 2015

Driveclub im Test

Augenschmaus auf Rädern

Mit Driveclub schickte Sony im Herbst 2014 mit knapp einem Jahr Verspätung ihren Playstation-exklusiven Racer auf den Markt. Doch trotz der verlängerten Entwicklungszeit gab es zum Release nur Probleme. Die Server waren über Wochen schlecht bis gar nicht erreichbar und da die Spielerfahrung überwiegend auf Online-Features baut, war Driveclub über lange Zeit beinahe unspielbar. Mittlerweile funktioniert aber alles hervorragend - also kann sich das Spiel glücklich schätzen, dass wir erst jetzt zum Testen kommen.

<i>Driveclub</i>_dreckSpätestens wenn der Dreck auf der eigenen Windschutzscheibe einen durch die Sonneneinstrahlung blendet, ist man in der Next Gen angelangt.

Schöner geht's nicht
Ich fange mit dem an, was einem als erstes ins Auge sticht: der Grafik. Driveclub sieht einfach nur bombastisch gut aus. Die Lichteffekte, Texturen, Wettereffekte, Partikel - alles schmeichelt der Optik so sehr, dass ich schon beinahe sprachlos bin. Die Landschaften haben das Zeug für den eigenen Desktophintergrund. Vor allem mit dem Einsatz des dynamischen Wettersystems lässt das Rennspiel von Evolution Studios die Enginemuskeln spielen. Durch den Wetterwechsel zwischen sonnig, regnerisch, stürmisch und Schnee bekommt jedes Rennen seine eigene Atmosphäre. Wer eine besondere Herausforderung sucht, der sollte ein Nachtrennen mit stürmischem Schneefall starten und versuchen ohne Kollision das Rennen zu beenden - durch die starke Sichtbehinderung ist dies beinahe nicht möglich.

Das Geschwindigkeitsgefühl transportiert Driveclub durch leichtes Rütteln der Kamera und - vor allem in der Cockpit-Perspektive - einen leichten Unschärfe-Effekt. Zudem runden Kleinigkeiten, wie beispielsweise stark reflektierende Straßenschilder, das Blenden der Scheinwerfer des Hintermanns im Rückspiegel oder die mit Pfützen übersäte Straße das grafische Erlebnis wunderbar ab. Ein Wort zu den Spiegeln: Driveclub ist das erste Rennspiel, bei dem Spiegel implementiert sind, die man meiner Meinung nach ordentlich für das Rennen nutzen kann, um Verfolger abzublocken. Eine Sache hätte ich dann doch zu bemängeln: Wie kann es sein, dass Autos im Rückspiegel weiter weg sind als im Seitenspiegel? Denn in der Fahrschule lernt man doch, dass Objekte im Seitenspiegel weiter weg erscheinen, als sie eigentlich sind, und nicht umgekehrt!

<i>Driveclub</i>_partikelAuch Partikeleffekte können die Entwickler. Auf den Strecken fliegt Laub oder Konfetti herum.

Wenn wir uns schon der Grafik angenommen haben, können wir gleich auch den Sound mitbetrachten. Dieser bewegt sich auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Die Motoren röhren schön durch die Lautsprecher und unterscheiden sich auch zwischen den verschiedenen Fahrzeugen, außerdem verändert sich der Sound auch wunderbar mit beim Perspektivenwechsel zwischen Verfolger- und Cockpit-Perspektive. Auch die Umgebungssounds tragen ihren Teil zur Stimmung bei. Rennen, die bei Gewitter stattfinden, begleitet ein kräftiges Donnern, was einem manchmal zur Gänsehaut treibt. Zudem hört man bei der Fahrt durch Schotter, wie die Steinchen gegen die eigene Karosserie knallen, was eine unglaubliche Atmosphäre herbeiruft. Der Soundtrack tut seine Pflicht und düdelt begleitend im Hintergrund. Die Musik ist nicht schlecht, aber auch kein Highlight.

Mittelgroße Vielfalt
Kommen wir nun zum Fuhrpark. Wenn man so eine tolle Grafik bestaunen kann, will man doch schließlich auch seinen Lieblings-Boliden sehen. Die verschiedenen Wagen sind in fünf Klassen unterteilt, die sich Kompaktsportwagen, Sport, Performance, Super und Hyper schimpfen. Dabei stellen diverse Marken offizielle Modelle, etwa den Audi TT, Aston Martin V12 oder McLaren P1. Insgesamt gibt es ungefähr 50 Wagen. Das ist ordentlich, allerdings gibt es Racer, die hier mit mehr Umfang punkten. Jedes Auto ist in der Garage mit vorgegebenen Designs individualisierbar. Das betrifft aber nur die Lackierung und nicht die Felgen, Spoiler oder andere Außenteile. Auch die Leistung der Wagen bleibt unantastbar, Tuningoptionen gibt es nicht.

<i>Driveclub</i>_landschaft1Die Landschaften sehen für ein reines Rennspiel fantastisch aus.

Driveclub stellt vier Modi bereit: den "Tour"-Modus, die Einzelveranstaltung, den Multiplayer und die Herausforderung. Der Modus "Tour" ist die Kampagne des Racers. Diese setzt sich im Grunde aus Rennveranstaltungen zusammen, zu denen allerdings keinerlei Geschichte erzählt wird. Man bestätigt lediglich aus dem Hauptmenü heraus die Teilnahme, wird in einen Ladebildschirm geschmissen und prompt geht das Rennen auch schon los. Trotz der Bemühungen der Entwickler die Wettkämpfe mit vorgegebenen Autoklassen oder Vehikeln abwechslungsreich zu gestalten, ist diese "Kampagne" eher tranig. Durch den Verzicht auf eine Geschichte motiviert sie nur dadurch, dass man so einmal alle Fahrzeuge ausprobiert hat und dass man durch das Erfüllen von Nebenaufgaben relativ zügig im Level aufsteigt. Diese Nebenaufgaben bestehen im Grunde genommen aus "Erreiche eine bestimmte Durchschnittsgeschwindigkeit im Sektor 2" und "Schlage eine Rundenzeit von 1:45". Das macht Laune, weil man dadurch nicht seine Runden mit geistigem Autopilot dreht, sondern auch eine kleine Herausforderung bekommt. Oftmals sind die Aufgaben aber schlichtweg zu einfach.

In der Einzelveranstaltung kann man sein eigenes Rennen gestalten. Zuerst trifft man die Entscheidung zwischen einem normalen Rennen, einem Zeitrennen oder einer Drift-Herausforderung. Daraufhin kann man eine von 65 Strecken auswählen, außerdem noch das Wetter, die Uhrzeit und der Zeitraffer einstellen. Der Zeitraffer ist hierbei eine sehr interessante Funktion. Normalerweise vergeht die Zeit auf der Strecke in Echtzeit, doch hier hat man die Möglichkeit, der Zeitraffer stufenweise zu erhöhen - beispielsweise auf die x30-fache Geschwindigkeit. Die Umgebungszeit vergeht dementsprechend schnell, deswegen kann es hier während des Rennens zu einem Tageszeitenwechsel kommen und das Wetter ändert sich häufiger. Wenn es dann plötzlich bei einem eigentlich sonnigen und bisher erfolgreichen Rennen anfängt, stark zu schneien und man beinahe keine Sicht mehr hat, kann sich das Blatt sehr schnell wenden.

Im Tour-Modus und im Multiplayer ist der Zeitraffer pro Event schon voreingestellt, kann aber vor dem Antreten eingesehen werden. Der Multiplayer-Modus bewegt sich überwiegend nach Vorlage des Tour-Modus, nur dass anstelle der KI-Gegner hier echte Rivalen aufeinander treffen. Herausforderungen für Bonuserfahrungspunkte diktiert der Entwickler.

<i>Driveclub</i>_menuDas Menü ist in übersichtlicher Kachel-Optik gehalten.

Fühlt sich gut an
Das Fahrverhalten ist sehr gut gelungen. Die Autos bewegen sich alle mit Grip über den Asphalt und man hat wirklich das Gefühl, dass man einen Boliden mit hohem Gewicht fährt und nicht über die Straße schwebt. Kurz gesagt: Driveclub steuert sich direkt, nachvollziehbar und sauber. Das Verhalten ist auch nicht bei jedem Auto gleich, sondern unterscheidet sich minimal. Da der Rennstall aber überwiegend aus Sportwagen besteht, muss es hier auch keinen großen Unterschied geben. Auch auf ein korrektes Verhalten auf dreckigen oder nassen Straßen wurde geachtet. Auf diesen Untergründen ist es deutlich rutschiger und das Auto führt sich instabiler als auf sauberem Asphalt.

Auf Schotter, insbesondere wenn man von der Strecke abkommt, gibt es auch den ein oder anderen heftigen Kamerarüttler, der einem versucht die Koordination zu rauben und der Controller vibriert stark. Auch beim Kollisionsverhalten wurde nicht geschlampt. Dieses erscheint nämlich durchweg realistisch und wird vor allem bei harten Crashs mit einem blechernen Geräusch begleitet, welches einem klar macht: da ist jetzt eine dicke Beule in der Karosserie.

<i>Driveclub</i>_schnee1Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Zwei Systeme begleiten den Spieler: der Spielerrang und der Clubrang - letzterer nur, wenn man auch einem Club beigetreten ist. Nach jedem Rennen werden dem eigenen Konto und dem Clubrang die erreichten Punkte zugeschrieben und man steigt Ränge auf. Durch das Aufsteigen schaltet man neue Fahrzeuge und Lackierungen frei, wobei zumeist der Spielerrang für die Autos zuständig ist und der Clubrang für die Lackierungen. Man wird also gewissermaßen dazu gezwungen, einem Club beizutreten, um ein Designs zu erspielen, die einem gefallen. Clubs bestehen entweder aus dem eigenen Freundeskreis oder sind öffentlich, sodass jeder beitreten kann. Das Besondere hierbei ist, dass jeder, der Rennen fährt, den Rang des eigenen Clubs beeinflusst. So kann es sein, dass man neue Dinge freischaltet, auch wenn man eine Weile nicht gespielt hat.

Rennpunkte für Club- und Spielerrang bekommt man durch sauberes Fahren durch Streckensektoren, Überholmanöver ohne Kollision, Windschattenfahren und andere stilvolle Tricks. Als Hauptmerkmal von Driveclub kommt hier auch das Duell-System zum Vorschein, was während einer Runde immer wieder kleine Herausforderungen ausspuckt, etwa eine Drift-Challenge oder perfekte Kurvenfahrten. Duell deshalb, weil dafür die Daten von Spielern verwendet werden, die diese Challenge schon bestritten haben. Wenn man diese dann schlägt, steht man selbst auf der Liste und andere Spieler fordern einen spirituell heraus, wenn sie diesen Teil der Strecke abfahren. Andererseits verliert man auch schnell wieder einige seiner Punkte im Rennen, wenn man von der Strecke abkommt, aggressiv fährt oder Gegner rammt.

Allgemein flaute meine Euphorie über die tolle Grafik von Driveclub während der Testzeit sehr schnell wieder ab. Trotz der verschiedenen Herausforderungen, den sich sehr gut steuernden Autos und den Laune machenden Rennen wird hier leider zu wenig Abwechslung geboten. Man schaltet relativ schnell alle Fahrzeuge frei und die verschiedenen Designs motivieren dann nicht mehr in dem Ausmaß, dass man unbedingt alles tut, um sie zu bekommen. Das Club-System ist spannend, hier wäre aber noch viel mehr möglich gewesen - etwa mit einem Modus, in dem Clubs in einem Rennen gegeneinander Antreten können. Zum Schluss kann ich sagen: Technisch ist das Spiel absolut bombastisch, etwas Schöneres habe ich noch nicht gesehen. Spielerisch bewegt es sich dabei allerdings auf einem Mittelmaß, der enttäuscht. Der perfekte Racer für Zwischendurch. Nicht mehr und nicht weniger.

Driveclub wurde auf der PlayStation 4 gestestet. Der Autor hat sich das Spiel für diesen Test selbst gekauft.

Driveclub

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

Bisher hat dieser Artikel keine Kommentare. Sei der erste, der einen Kommentar veröffentlicht!
Gast
17. November 2019 um 04:21 Uhr
GASTNAME
E-MAIL (nicht öffentlich)
      
SICHERHEITSFRAGE
Mit wie vielen "d" schreibt sich "dailydpad"?
ANTWORT

Themen

Driveclub
Spiel
Review
Sparte - Wenn es nicht bei drei auf dem Baum ist, testen wir es.

Gefällt dir unser Artikel?

Spiele des Artikels

RELEASE
08. Oktober 2014
PLATTFORM
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.

Ähnliche Artikel