Persona Q im Test

(Artikel)
Haris Odobaši?, 03. Dezember 2014

Persona Q im Test

Geniales Crossover im Quadrat

Schon seit seiner Ankündigung hat Persona Q bei mir vor allem für Stirnrunzeln gesorgt. Das Konzept, ein Crossover zwischen der Etrian-Odyssey-Reihe, die den DS und 3DS mit genauso bockschweren wie ausgefeilten Dungeon Crawlern versorgt hat, und der Persona-Reihe, die zwar auch ihre Wurzeln in diesem Subgenre hat, aber mittlerweile so viel mehr geworden ist, warf einfach viele Fragen auf. Alleine schon: wieso kreuzt man einen Dungeon Crawler mit, naja, einem Dungeon Crawler? In meinem Kopf klang das ungefähr so wie PES x FIFA.

Andererseits würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass Persona Q nicht das Spiel ist, worauf ich mich am meisten in diesem Herbst gefreut habe, denn Persona x Etrian Odyssey ist nicht das einzige Crossover in diesem Titel! Die Geschichte umspannt nämlich gleich zwei Persona-Spiele, indem sie die Figuren aus Persona 3 sowie Persona 4 zusammenbringt. Aus mysteriösen Gründen findet sich während das Kulturfestivals der Yasogami High School das Investigation Team aus Persona 4 plötzlich in einer alternativen Version ihrer Schule wieder, die nur so mit Dungeons durchzogen ist, während gleichzeitig das SEES (Specialized Extracurricular Execution Squad) sich aus ebenso unbekannten Gründen auch dort wiederfindet. Diese zwei Gruppen der Persona-Nutzer schließen sich zusammen, um gemeinsam den Weg nach Hause zu finden. Also eine weitere Frage: wie soll ein doppeltes Crossover bloß funktionieren?

Persona-Q-3-4-Shadow-of-the-Labyrinth

Es stellt sich zum Glück sehr schnell heraus, dass das sehr gut funktioniert, wenn man sich damit anfreunden kann, dass Persona Q mehr Etrian Odyssey als Persona ist. Denn das Erforschen von Dungeons, die thematisch von einer Art Dating Show bis hin zu einer verlassenen Schule reichen, ist quasi eins zu eins aus eben dieser Spielreihe entnommen, während im Kampfsystem die Persona-Einflüsse zwar deutlicher sind, aber auch hier typische EO-Elemente, wie Fünf-Charakter-Parties und starker Fokus auf Statusveränderungen, etwas im Vordergrund stehen. Gleichzeitig gibt es außerhalb der Dungeons eher wenig zu tun, ganz anders als bei den neueren Persona-Spielen.

Am Anfang des Spiels müsst ihr euch entscheiden, ob ihr das SEES oder das Investigation Team wählt. Zwar treffen die beiden Teams am Ende des ersten Dungeons aufeinander, was euch dann die freie Wahl über alle Charaktere gibt, doch diese Entscheidung hat weit mehr Einfluss als nur auf die ersten paar Spielstunden. Die Story bleibt zwar bei beiden Pfaden gleich, doch je nachdem, wie ihr wählt, ist der Fokus in den Dialogen anders gelegt und die Interaktionen in den Dungeons und auch außerhalb konzentrieren sich eher auf die Charaktere aus eurem gewählten Team. Echte Persona-Fans werden also zwei Spieldurchgänge brauchen, um wirklich alles zu erleben, was Persona Q zu bieten hat.


Deswegen könnte man auf den ersten Blick meinen, ein geskinntes Etrian Odyssey zu spielen und der für diese Spiele typische Kreislauf stellt sich schnell ein. Das heißt, dass man sich nach und nach durch das Stockwerk eines Dungeons arbeitet, um sich einerseits an Rätseln den Kopf zu zerbrechen und andererseits eine andere Art der mentalen Herausforderung in den rundenbasierten Kämpfen geboten zu kriegen. Denn dort gilt es einen guten Mix aus offensiven und defensiven Charakteren zu haben. Angreifer sind genauso wichtig wie Buff-Zauberer, da selbst Gegner aus Zufallskämpfen euch den Schweiß ins Gesicht treiben können, wenn sie zum Beispiel ein Loch in eurer Strategie entdecken und euch so vor eine Situation stellen, auf die ihr nicht vorbereitet seid. Zwischendrin wird immer fein gelootet und die Beute zurück zur Basis gebracht, in der sie durch Verkauf an den Händler nicht nur eure Finanzen verbessert, sondern auch gleichzeitig den Händler dazu animieren kann, komplett neue Waren in sein Sortiment aufzunehmen, wenn ihr ihm bisher unbekannte Materialien andreht.

Und natürlich lebt man in stetiger Angst vor den FOEs, fiesen Zwischengegner, die euch nicht im Zufallskampf besuchen, sondern auf der Karte eingezeichnet sind und in der Regel gemieden werden sollten, bis man sich über seine eigenen Kampfesfertigkeiten absolut sicher ist.

Persona-Q-Menue-Karte

Wenn man den Vergleich zu den Spielen der Etrian-Odyssey-Reihe aber noch eine Spur weiter zieht, fällt schnell auf, dass Persona Q einsteigerfreundlicher gestaltet ist. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, den Dungeon automatisch kartographieren zu lassen, statt wie in den EO-Spielen selbst Hand anlegen zu müssen. Für das Feeling empfehle ich aber, auf dieses Feature zu verzichten, da es einfach eine Spur befriedigender ist, wenn man am Ende eines Stockwerkes auf das eigene Werk blicken kann. Andere kleine Kniffe sind vorhanden, die euch den Alltag etwas erleichtern, zum Beispiel bis zu einem bestimmten Grad regenerierende Magie und Lebensenergie.

Das macht Persona Q aber jetzt nicht unbedingt einfach. Im Gegenteil - es ist bockschwer. Auch hier gilt, dass gerade FOEs euch viel Köpfchen abverlangen und es durchaus den ein oder anderen Spielertod geben wird - oder alternativ die Flucht aus dem Kampf, bis man sich soweit mit dem Feind bekannt gemacht hat, dass man eine erfolgversprechende Strategie austüfteln kann. Entsprechend hoch ist aber auch das Erfolgsgefühl, wenn man einen FOE plättet und neben seltenen Items auch gleich mit höherleveligen Personas belohnt wird. Zudem haben Etrian-Odyssey-Spieler den klaren Erfahrungsschatz-Vorteil und werden Persona Q entsprechend einfacher als das Original empfinden.

Persona-Q-Zen-Rei

Auch bei Persona Q spielen die namensgebenden Dämonen mal wieder eine zentrale Rolle. Hier scheinen die Shin-Megami-Tensei-Wurzeln voll und ganz durch und Serienfans kriegen all das, was sie erwarten würden: eine dreistellige Anzahl von Personas und ein starkes Fusionierungssystem, welches mit seinen Skill-Vererbungen nur so zum Experimentieren einlädt.

Durch den knackigen Schwierigkeitsgrad ist es bei Persona Q sogar noch wichtiger als in den Persona-Spielen die richtigen Dämonen dabei zu haben. So gut wie jeder Charakter hat eine feste Persona, kann aber zusätzlich noch eine Sub-Persona ausrüsten, welche neben einem Bonus auf HP/SP auch ihre Fertigkeiten für den Kampf zur Verfügung stellt. Das lässt sich zum Beispiel ausnutzen, um die Element-Schwäche einer festen Persona zu negieren oder sein Angriffsarsenal zu diversifizieren. Auch bei diesem Spiel ist es nämlich durchaus wichtig, Schwächen der Feinde auszunutzen, auch wenn es sich in der Praxis etwas anders abspielt, als Persona-Fans es gewohnt sein durften.

Denn wo man in der Hauptserie für kritische Treffer oder Attacken gegen eine Elementschwäche mit zusätzlichen Aktionen belohnt wird, belohnt euch Persona Q damit, dass eure nächste Aktion kostenlos ist. Spezialangriffe und Zauber kosten nämlich fast immer, entweder HP oder SP, und gerade mächtige Angriffe können gerne mal eine halbe Energieleiste als Tribut fordern. Durch diesen Gameplay-Kniff lässt sich zum Beispiel ein schwacher Zauberspruch vorschicken, um dann in der nächsten Runde die großen Geschütze auszupacken -- selbst wenn man eigentlich gar nicht genug Kraft für so einen Angriff mehr hätte. Wobei das auch schnell zur Falle werden kann: denn wer zwischen seinen zwei Angriffszügen verletzt wird, verliert diesen Bonus. Ein langsamer Charakter kann von einem schnellen Feind also gerne überrumpelt werden und muss dann entweder aussetzen, weil die Kraft für die Aktion nicht mehr reicht, oder führt sie trotzdem aus und findet sich plötzlich mit wenig Energie wieder.


Doch auch diese Elemente ändern nichts daran, dass man hier ein EO-Grundgerüst vorfindet und der Persona-Faktor eher die Würze beiträgt. Das sollte Persona-Fans allerdings nicht abschrecken. Dass zum Beispiel das Tagesablaufsmanagement oder die leichten Dating-Aspekte fehlen, die so typisch für die neueren Personas sind, mag auf den ersten Blick schrecklich klingen, stellt sich aber im Spielverlauf als gar nicht so tragisch heraus, weil die Dungeon-Crawling-Komponente umso mehr zu überzeugen weiß und die Story, anders als bei den Etrian-Odyssey-Spielen, trotzdem nicht zu kurz kommt.

Das Spiel bietet euch sehr oft die Möglichkeit Dialogen zu lauschen, die man alleine schon wegen des Humors auf gar keinen Fall verpassen will: die Interaktionen zwischen dem SEES und dem Investigation Team und wie diese unterschiedlichen Persönlichkeiten aufeinander wirken, sind oft zum Schreien komisch. Ein gewisses Vorwissen ist zwar nützlich, aber nicht erforderlich: Durch den Kniff mit dem Setting hat das Spiel eine gute Ausrede, Neulingen jeden der Charaktere etwas vorzustellen ohne die Geduld alter Hasen zu strapazieren. Gleichzeitig sind die Figuren aber nicht ganz so ausgearbeitet wie in den zugehlrigen Spielen. Für den komödiantischen Effekt sind einige Charakterzüge dezent überzeichnet, was aber in den meisten Fällen gelungen ist und sich gut in den leichtherzigen Ton des Spieles einfügt. Höchstens Teddie kann gelegentlich nerven mit seiner aufs ewig zum Scheitern verdammten Womaniser-Attitüde.

Ganz tut Persona Q die Qualität der Hauptspiele nicht erreichen, aber es ist verdammt nah dran. Die größte Schwäche der neueren Personas - etwas uninspirierte Dungeons - wird hier komplett umgangen und auch wenn die Story nicht ganz den Anspruch der Hauptspiele mitbringt, unterhält sie doch wunderbar über die gut 60 Stunden, die Persona Q euch abverlangt. Insbesondere gut geschriebene Dialoge und der fantastische Humor sind hervorzuheben, da diese dafür sorgen, dass es trotz des grindigen Gameplays keine Längen in der Spielerfahrung gibt. Und wer weiß, vielleicht wird der ein oder andere nach dem Genuss von Persona Q plötzlich Lust bekommen, sich an die noch größere Herausforderung namens Etrian Odyssey zu wagen. Auf jeden Fall steht aber fest, dass der 3DS in den letzten 12 Monaten seine RPG-Schwäche verloren hat und in diesem Bereich der Vita in nichts mehr nachsteht. Gerade die letzten zwei Monate waren bezeichnend: Nach Shin Megami Tensei IV im Oktober hat nun auch der November eine strahlende RPG-Perle für den 3DS mitgebracht.Haris

Persona Q: Shadows of the Labyrinth wurde auf dem 3DS getestet. Ein Testmuster wurde uns von NIS America zur Verfügung gestellt.

Persona Q: Shadow of the Labyrinth

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Pyx
Gast
12. Dezember 2014 um 13:56 Uhr (#1)
Vielen Dank für diesen Beitrag! Ohne ihn hätte ich vermutlich erstmal gar nichts von der Fusion zweier meiner Lieblingsspiele erfahren - jetzt nur noch Geld sammeln und ab in den Laden :D
Gast
22. August 2019 um 09:25 Uhr
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RELEASE
28. November 2014
PLATTFORM
Nintendo 3DS
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