Halo: Master Chief Collection im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 13. November 2014

Halo: Master Chief Collection im Test

Zeitreise durch das Halo-Universum

Es scheint oft leicht zu sein, mit Remakes erfolgreicher Klassiker das schnelle Geld zu machen. Einfach die Auflösung hochdrehen, vier Discs in eine Schachtel schaufeln und fertig ist die HD Collection. Katastrophale Portierungen, wie in der Silent Hill Collection, haben die Spieler zu Recht vorsichtig und skeptisch gemacht. Doch was darf man von Halo: The Master Chief Collection für die Xbox One erwarten?

Leicht haben 343 Industries es sich mit der Collection nicht gemacht. Die Master Chief Collection umfasst die vier Hauptspiele der Reihe (Halo: Combat Evolved Anniversary, Halo 2 Anniversary, Halo 3 und Halo 4; nicht enthalten sind Halo 3: ODST und Halo: Reach). Alle Spiele laufen mit 60 Bildern pro Sekunde und einer Auflösung von 1080p. Der erste Teil wurde in der Anniversary Edition übernommen, wie er vor wenigen Jahren auf der Xbox 360 erschienen ist, ebenso wurden Halo 3 und Halo 4 mit kleinen Verbesserungen - aber überwiegend unverändert - in die Collection integriert. Halo 2 hat dagegen eine vollständige Frischzellenkur als Anniversary Edition genossen, wie seinerzeit Combat Evolved. Die Spiele kommen nicht auf mehreren Discs oder booten einzeln, nachdem man sich für eines entschieden hat. Alle vier Spiele sind nathlos miteinander verwoben. Ein gemeinsames Menü verknüpft die Kampagnen und den kombinierten Multiplayer-Modus miteinander und macht auf magische Weise aus vier Spielen ein großes Ganzes.

halo-master-chief-collection-halo2-campaign
In neuem Glanze: Halo 2 Anniversary.

Der Blick richtet sich zuerst auf das neue Halo 2 Anniversary, denn dort hat sich am meisten getan. Ähnlich wie bei Combat Evolved läuft das Originalspiel quasi unverändert im Hintergrund, ist durch eine höhere Auflösung, das 16:9-Bildformat und 60 FPS aber erheblich aufgepeppt. Darüber legt sich eine vollständige visuelle Überarbeitung mit neuen Texturen, Charaktermodellen, Shadern und Beleuchtung. Für die Ohren gibt es neu aufgezeichnete Klänge und eine überarbeitete Abmischung des Sounds. Wie groß die Unterschiede zum Original tatsächlich sind, muss man sich nicht einmal vorstellen, denn man kann auf Knopfdruck zwischen der Original- und der Anniversary-Version umschalten - inmitten einer Cutscene oder jederzeit im Spiel. Während die Originalgrafik ungehindert Nostalgie versprüht, sieht man dem neuen Gewand an, wie viel sich in nur zehn Jahren getan hat. Als Fan der Reihe, der schon damals Halo 2 gespielt hat, müssen meine nostalgischen Erinnerungen doch etwas Platz machen für den Realitäts-Check: mit neuer Grafik macht es tatsächlich mehr Spaß. Besonders auffällig werden die Unterschiede bei den Cutscenes, die vom Original lediglich die Synchronstimmen beibehalten haben. Sie sehen verdammt gut aus!

Es gibt sogar neue Zwischensequenzen für den zweiten Teil, die Plotpunkte von Halo 5: Guardians vorbereiten. Als ich das erste Mal davon erfuhr, hatte ich natürlich große Sorge, dass die Geschichte von Halo 2 nachträglich verändert wurde und ob das dem Spiel wirklich gut tut. Tatsächlich darf man seine Alarmglocken aber abschalten, denn die die Story von Halo 2 ist unangetastet geblieben. Vielmehr hat man die Geschehnisse eingebettet in einen neuen Prolog und Epilog, um eine neue Figur vorzustellen, die auf der Suche nach dem Master Chief ist. Was es damit auf sich hat, wird wohl erst mit dem neuen Halo geklärt. Für die Master Chief Collection kann man aber deutlich sagen, dass die neuen Elemente weder stören, noch besonders viel hinzufügen. Auf Halo 5 darf man sich mit der Master Chief Collection aber schon mal freuen, denn sie enthält einen kostenlosen Zugang zur Multiplayer-Beta ab dem 29. Dezember 2014.

halo-master-chief-collection-halo2-bloodline
Halo-Veteranen werden diese Map sofort wiedererkennen.

Die neuen 60 Bilder pro Sekunde tun allen Spielen richtig gut. Auch wenn die Halo-Spiele schon immer flüssig liefen, machen 60 fps das Spielgeschehen wirklich rund. Bei Halo 3 sind außerdem die verbesserten Lichteffekte deutlich zu bemerken. Das Umschalten zwischen Originalgrafik und der überarbeiteten Fassung funktioniert jetzt auch bei Halo: CE Anniversary ohne Verzögerung, während die Kinect-Kommandos immer noch ihr Werk tun. Die Spartan-Ops-Missionen aus Halo 4 fehlen derzeit noch, sollen bis Mitte Dezember aber nachgeliefert werden.

Nett: Die Steuerung lässt sich für jedes Spiel einzeln konfigurieren. Per Knopfdruck kann man eine Einstellung auch für alle Teile übernehmen.
Die große Besonderheit neben vielen kleinen Tweaks ist allerdings die Magie von vier Spielen in einem. Man kann die Evolution der Halo-Spiele - und einen beachtlichen Ausschnitt der Shooter-Geschichte - in der Master Chief Collection mitverfolgen. Man kann nicht nur ein Spiel nach dem anderen Spielen, sondern ihre Levels in Playlisten miteinander mischen. Beispielsweise gibt es die Playlist "Final Four", in der man je das letzte Level aller Spiele nacheinander spielt. Das nimmt einen nicht nur auf die Reise mit dem Chief durch seine größten Momente, sondern macht die Entwicklung der Spiele fühlbar. Man spürt, wie sich die Physik vom ersten zum zweiten Teil verändert und man bemerkt den Sprung im Leveldesign, wenn man plötzlich im dritten Teil steckt. Bei Halo 4 verändern sich schließlich die Möglichkeiten der Bewegung durch Sprinten und andere Perks. Und das von einen Moment zum anderen!

halo-master-chief-collection-menu

Für die Multiplayer-Features ist ein ca. 20 GB großer Day1-Patch nötig, also mistet schon mal eure Festplatte aus!
Die Entwicklung des Shooters am Beispiel Halos wird besonders deutlich im Multiplayer, der eine riesige Menge an Modi und mehr als 100 Maps aller Spiele in sich vereint. Während man sich entscheiden kann, in der Halo 2: Anniversary Playlist nur überarbeitete Karten des zweiten Teils zu spielen, gibt es auch spielübergreifende Listen, in denen Maps aus allen Teilen der Reihe auftauchen können. In den ersten Spielminuten sieht man anderen Spielern deutlich an, dass ihr nicht die einzigen seid, die mit dem Wechsel in eine andere Spielengine leicht verwirrt sind und sich erst mal an die veränderten Bedingungen anpassen müssen.
Das setzt allerdings voraus, dass ihr über das Matchmaking überhaupt ein Spiel zustande bekommt. Bislang ist das Matchmaking völlig kaputt. Die Spielersuche dauert ewig, an manchen Tagen hat es für mich überhaupt nicht funktioniert. Microsoft und 343 Industries arbeiten bereits an einer Lösung, heißt es. Für ein Spiel mit großer Multiplayer-Komponente ist das ein echtes Fiasko und ich kann vor dem Kauf nur dazu raten, abzuwarten bis ein Patch sich der Sache angenommen hat.

halo-master-chief-collection-halo3
Gut ausgeleuchtet: Halo 3.

Besser sieht es dagegen für den Koop-Modus aus. Hier gibt es kein Matchmaking, sodass man nur auf Einladung mit Freunden ein gemeinsames Spiel starten kann. Checkpoints werden nur beim Host gespeichert, aber das ist beinahe egal, da von Anfang an alle Missionen freigeschaltet sind. Alle vier Spiele lassen sich lokal mit zwei Spielern im Splitscreen spielen, wobei Halo: CE und Halo 2 weiterhin in 16:9, aber nur mit 30 FPS laufen, während sich die Bildschirmbreite bei Halo 3 und Halo 4 auf 4:3 reduziert. Online-Koop für die ersten beiden Teile ist, wie in den Originalen, auf zwei Spieler beschränkt, während die beiden Nachfolger auch zu viert spielbar sind.

Halo: The Master Chief Collection ist eine gigantische Sammlung, in der jedes einzelne Spiel als Top-Shooter gelten darf. Für Fans der Reihe ist die Sammlung eine großartige Möglichkeit, die Klassiker unter aktuellen technischen Möglichkeiten wieder aufleben zu lassen und die Nostalgie-Bombe noch mal platzen zu lassen, bevor Halo 5 die Xbox One erreicht. Für Neulinge ist die Collection der perfekte Augenblick bei Halo einzusteigen und für wirklich jeden Spieler ist es eine interessante Zeitreise durch die jüngste Geschichte des Shooter-Genres. Und schließlich bekommt man mit der Sammlung vier vollwertige Spiele zum Preis von einem einzigen - das derzeit vermutlich beste Angebot auf der Xbox One. Ben

Halo: The Master Chief Collection wurde auf der Xbox One getestet. Ein Testmuster wurde uns von Microsoft zur Verfügung gestellt.

Halo: The Master Chief Collection

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Rian
21. November 2014 um 15:17 Uhr (#1)
Ich habe ständig zwischen alter und neuer Grafik umgeschaltet. Die Unterschiede sind immer wieder verblüffend.
Gast
25. Februar 2018 um 08:41 Uhr
GASTNAME
E-MAIL (nicht öffentlich)
      
SICHERHEITSFRAGE
Mit wie vielen "d" schreibt sich "dailydpad"?
ANTWORT

Themen

Review
Sparte - Wenn es nicht bei drei auf dem Baum ist, testen wir es.

Gefällt dir unser Artikel?

Ähnliche Artikel