The Talos Principle

(Artikel)
Paul Rubah, 29. August 2014

The Talos Principle

Gott im Himmel und der Teufel im Terminal

Croteam ist bekannt als der Entwickler einer der dümmsten erfolgreichen Spieleserien des Planeten: Serious Sam, laute Shooter mit Splatter, One-Linern und Feinden ohne Hirn. The Talos Principle, welches ich auf der Gamescom gespielt habe, kann kaum gegenteiliger sein: Ein smartes, philosophisches Puzzlespiel, welches Menschlichkeit und das Wesen von Spielen selbst hinterfragt.

The Talos Principle - Screen 5

Viele Rätsel in The Talos Principle erinnern an Portal - nur ohne Portale. Man verschiebt Laserkomponenten, um Türen zu öffnen, nutzt Ventilatoren im Boden, Gewichte auf Druckplatten oder platziert Störgeräte, um einzelne Kraftfelder zu deaktivieren - oft kaskadiert und in verschiedensten Kombinationen. Ambitionierte Spieler können auch noch Rätsel in Rätseln lösen, um an Sternobjekte heranzukommen. Drei Rätseln verschiedener Schwierigkeitsgrade habe ich mich unterzogen und die waren schon recht knifflig. Ich hätte wahrscheinlich noch länger gebraucht, wenn nicht die halbe Zeit so ein Typ hinter mir gestanden hätte, der mir die Lösungen vor sagt, nur damit er auch endlich dran kommt. Arsch.

Interessanterweise scheinen die Puzzle nur ein Beiwerk zu sein. Man erwacht im Spielgeschehen als Person ohne Vorgeschichte in einem von römischer und ägyptischer Architektur inspirierten Region. Ich sah, dass meine Hände und Arme aus mechanischen Einzelteilen bestanden, doch auf genauere Fragen zur Geschichte wollte Jonas Kyratzes, einer der Schreiber von The Talos Principle, nicht eingehen.
Stattdessen konfrontierte er mich mit den drei Entitäten, die in dem Spiel um die Seele der Spielfigur - oder des Spielers? - buhlen. Da wäre eine göttliche Stimme, die sich mal hier, mal da über unsere Taten legt. Da ist außerdem eine Wissenschaftlerin, deren Tonaufnahmen man findet. Die bizarrsten Begegnungen hat man wohl in einem Computerterminal: Hier treibt man ein Rede-und-Antwort-Spiel mit einer Kommandozeile, die man, wenn man biblisch denken möchte, als Teufel und Versucher interpretieren kann.

The Talos Principle - Screen 1

Nicht nur hier, sondern auch an anderen Stellen sollen sich nicht-lineare Pfade auftun. Dabei wird, so zumindest mein Eindruck, keine Heckenphilosophie betrieben. Keine leicht verdaute Prime-Time-Ethik, sondern die Leute nehmen ernst, worüber sie schreiben. Jedes Element im Spiel soll eigene Fragen aufwerfen, während man ergründet, wo man ist, was man da tut und vor allem warum überhaupt.

The Talos Principle wirkt gut. Zu diesem Zeitpunkt kann mein Bauch aber noch keine Einschätzung vornehmen, wie gut. Was ich aber sagen kann: Von allen Projekten, die ich auf der Gamescom gesehen habe, wünsche ich The Talos Principle und Croteam am meisten Glück, denn Spiele, die weder den Gameplay- noch den Geschichts-Aspekt auf die leichte Schulter nehmen, kann es nicht zu viele geben.

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19. Oktober 2019 um 04:13 Uhr
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