Running with Rifles

(Artikel)
Daniel Fink, 14. Juni 2014

Running with Rifles

Der zutreffendste Spielname seit Pong

Habt ihr in eurer Kindheit mit Zinnsoldaten gespielt? Erinnert ihr euch daran wie massiv und episch diese Schlachten in eurem Kopf gewesen sind? Falls ihr jetzt nostalgisch in Kindheitserinnerungen schwelgt oder auch nie mit Spielzeugsoldätchen im Wohnzimmer gespielt habt, dann wird Running with Rifles euch an jene freudige Nachmittage erinnern oder auch vergleichbar angenehme Erinnerungen schaffen. Der Name des Spiels fasst den Inhalt des Spiels punktgenau zusammen - man läuft sehr viel mit Gewehren umher. Was auf den ersten Blick als ein enorm simpler Top-Down-Shooter erscheint, entpuppt sich schon nach kurzer Zeit als ein Spiel mit deutlich mehr Tiefgang als man zunächst erwartet, denn wenn auch das gesamte Spielgefühl an Arcade-Klassiker erinnert, sind viele Spielmechaniken überraschend realistisch gehalten.

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Wenn man das Spiel zum ersten Mal startet, so bietet es einem die Möglichkeit sich in drei Spielmodi auszutoben: Kampagne, Skirmish und Online-Multiplayer. In der Kampagne werden alle im Spiel vorhandenen Maps zu einer strategischen Overworld-Karte zusammengefasst und die Gebiete werden auf die Fraktionen Greenbelts (USA), Graycollars (Deutschland) und Brownpants (Russland) aufgeteilt. Im Zuge der Kampagne gilt es dann alle Gebiete auf der Karte für seine Fraktion zu erobern. Es ist übrigens witzig anzumerken, dass die Soldaten der einzelnen Fraktionen landesgetreue Namen und Waffen haben, was dem Spiel unendlich viel Charakter verleiht. Es tut einem richtig leid, wenn Hermann Schulz neben einem fällt.

Im Skirmish-Modus fehlt die Overworld, hier sucht man sich lediglich eine Map aus, die Fraktionen, die gegeneinander Kämpfen sollen, schnappt sich ein Gewehr und stürmt ins Gefecht.

Im Online-Modus kann man sowohl die Kampagne spielen als auch kleine Skirmishes, man hat die Möglichkeit mit Freunden im Koop gegen die KI zu kämpfen und auch PVP-Schlachten auszuspielen, wobei die Spieler von NPCs unterstützt werden, damit die Schlachten trotzdem massiv erscheinen.

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So richtig beginnt der Spaß, wenn man auf dem Schlachtfeld spawnt: Man ist von mehreren Dutzend verbündeter Soldaten umgeben und sie alle stürmen zum nächsten Brennpunkt, doch als Spieler hat man nun die Wahl, was man tun möchte. Die Eroberung von Territorium ist zwar absolut notwendig, um zu gewinnen, aber man hat viele Möglichkeiten seine Armee auf dem Weg zum Sieg zu unterstützen.
Der direkte Weg dies zu tun ist einfach mit seinen Truppen mitzulaufen, auf Gegner zu schießen und das Blutbad genießen. Um ein Gebiet einzunehmen, muss man dort eine Zweidrittelmehrheit an Soldaten haben, das geschieht grundsätzlich dadurch, dass man Gegner tötet oder Verstärkung anfordert.
Die Eroberung von Territorium bringt dem Spieler Resource-Points und Erfahrungspunkte, genau so wie alles andere, was man im Spiel so tut. Hier kommen die ganzen anderen Möglichkeiten, seine Streitmacht zu unterstützen zur Geltung, wie zum Beispiel feindliche Armory-Trucks stehlen, um seltene Waffen freizuschalten, gegnerische Stützpunkte sabotieren indem man ihre Funktürme, Fahrzeuge und sonstiges Equipment zerstört (was mit dem implementierten Stealth-System äußerst gut funktioniert) und Gefangenentransporte überfallen, um verbündete Soldaten zu befreien und sofortige Verstärkung zu erhalten.

Erfahrungspunkte sind notwendig, um den gespielten Soldaten in seinem Rang zu befördern. Dies erlaubt ihm ein größeres Arsenal an Waffen zu benutzen, einen Squad zu führen und Unterstützung in Form von Paratroopern, Artillerieschlägen oder Barrikaden auf dem Feld per Funk anzufordern. Die Waffen kann man sich je nach Situation in einer Armory für Resource-Points kaufen, genau so wie anderes nützliches Equipment, wie stationäre Machineguns, Barrikaden, Minen, Flares für gezielte Respawns, Kevlar-Westen und alles andere, was das Herz eines Warlords so begehrt. Die Unterstützung, die man per Funk im Feld anfordert, wird ebenfalls mit RP finanziert.

Oben erwähnte ich seltene Waffen, diese sind vor allem im Multiplayer von Bedeutung. Diese sind zwar stark, haben aber primär einen Prestigewert. Sie kommen im Spiel extrem selten vor, man bekommt sie nur mit Glück aus den entführten Armory-Trucks oder kann sie von Elite-Soldaten looten, die extrem viel einstecken und auch austeilen. Wenn man so eine Waffe hat, will man sie nicht verlieren, denn wenn man stirbt hat man ca. zwei Minuten, um wieder an seinen Todesort zurückzukehren und die Waffe wieder aufzusammeln. Aus diesem Grund gibt es einen Stash, in dem man alle möglichen Sachen lagern kann. Hauptsächlich möchte man da natürlich diese seltenen Waffen speichern, aber feindliche Soldaten lassen oftmals nützliches Equipment fallen, welches man dann in den Stash legen kann und hat die Möglichkeit auf sie zurückzugreifen, sollten RP mal knapp werden.

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Was mich an dem Spiel jedoch am meisten begeistert, sind die Spielmechaniken. Das Spiel wirkt extrem simpel, doch allein die Schussmechanik ist so extrem ausgeklügelt, dass ich ständig grinsen muss, weil die Umsetzung einfach so clever ist.
Zunächst hat man ein großes Fadenkreuz, mit dem gibt man die Schussrichtung und auch die Höhe an, auf die man schießen möchte, da die Maps nicht rein flach sind, sondern aus Hügeln, Schluchten und Häusern bestehen. Nun gibt es eine graue Linie, die vom Soldat zum Fadenkreuz läuft, diese gibt an, ob die Schussbahn von irgendwas blockiert wird, denn es ist oftmals extrem schwer, das gesamte Chaos auf der Map zu überblicken und es kann sein, dass ein Hügel auf den man schießen möchte schlichtweg zu hoch ist, als dass man hochschießen könnte (Höhenvorteil ist wichtig!) oder es ist einfach ein Baum im Weg. Im großen Fadenkreuz ist dann ein kleines Fadenkreuz, welches angibt, wo eure Kugeln treffen werden und um das Ganze System noch mal zu vereinfachen, ist im großen Fadenkreuzes ein roter Punkt, der grün wird, sobald man freies Schussfeld auf einen feindlichen Soldat hat.

Interessanterweise gibt es in dem Spiel keine Lebenspunkte und die Waffen machen auch keinen Schaden. Jede Waffe hat die Chance einen Soldaten in einem Schuss zu töten. Die AK-47 hat zum Beispiel eine 55%-ige Chance jemanden ins virtuelle Nirvana zu befördern. Das klingt im ersten Moment absolut hirnrissig, funktioniert aber hervorragend gut. Aus diesem Grund gewinnt Deckung enorme Bedeutung. Die Möglichkeit sich zu ducken und auf den Bauch zu legen erleichtert die Nutzung von Barrikaden, Zäunen et cetera. Auch ist die Körperhaltung ist wichtig für die Treffsicherheit eures Soldaten, denn wenn man liegt schießt man am genauesten, jedoch ist es im Kampf nicht immer sinnvoll sich auf den Boden fallen zulassen, weil man dann eine Sekunde nichts tun kann. Duckt man sich also und macht Abstriche bei der Genauigkeit oder läuft man rückwärts zur Deckung und versucht den Feind mit einem Kugelgewitter zu unterdrücken? All diese Möglichkeiten sind in gewissen Situation nützlich und man muss ständig abwägen, was die beste Entscheidung ist.

Ich bin von Running with Rifles absolut begeistert und das Spiel ist noch gar nicht fertig! Es ist im Steam Early Access. Es steht zwar kurz vor de offiziellen Release, aber selten habe ich so ein aufpoliertes Early-Access-Spiel gespielt und allein dafür hebe ich meinen imaginären Hut. Die wenigen Dinge, die ich mir wünsche, wären ein bisschen mehr Umfang, wie zum Beispiel mehr dynamische Events oder eine weitere Fraktion. Da das Spiel jedoch vollen Mod-Support haben soll, mache ich mir da nicht allzu viele Sorgen, eine größere Online-Community würde dem Spiel aber sehr zugutekommen! Dies ist wohl das erste Early-Access-Spiel, welches ich bedenkenlos empfehlen kann - die 10€ werden es auf jeden Fall wert sein!

Bis dahin! - Dan

Kommentare

PollyHop
Gast
15. Juni 2014 um 09:03 Uhr (#1)
Danke für den (sehr guten) Artikel.
Hab das Spiel seit einer Weile und vor allem Online deutlich mehr Zeit vertrödelt als die meisten meiner anderen Spiele. Bin immernoch davon begeistert und kann es nur jedem wärmstens empfehlen!
Gast
08. Dezember 2022 um 08:17 Uhr
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2014
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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