Microsoft E3 2014 Press Conference

(Artikel)
Haris Odobašic, 10. Juni 2014

Microsoft E3 2014 Press Conference

War voll okay.

Als Phil Spencer die Microsoftsche E3-Pressekonferenz eröffnete, hätte man meinen können, dass uns eine ganz besondere Veranstaltung erwartet. Denn schon früh in seinem kurzen Anfangsmonolog erwähnte er Nintendo und Sony. Nicht etwa, um beim Zahlenjonglieren irgendwelche Vergleiche anzustellen oder infantil mit dem Finger zu zeigen. Nein, er sprach von Sony und Nintendo als Freunden, die ein gemeinsames Ziel verbindet: Videospiele zu zelebrieren. Es war eine beeindruckende Abkehr vom Tonfall eines Don Mattrick.

Unter diesem Motto setzte Phil Spencer dann auch direkt den Fokus der Show. Letztes Jahr war die Xbox One das "All-in-One Entertainment System", dieses Jahr sollte Microsofts Konsole einzig und alleine als Spielemaschine präsentiert werden. Es würden nur Spiele gezeigt werden: Erst die Titel für 2014, ehe im späteren Teil der Show ein Ausblick in die etwas fernere Zukunft geboten werden sollte.

forza-horizon-2-e3-2014

Zum Start gab es dann gleich neues Call-of-Duty-Material. Call of Duty: Advanced Warfare, welches schon seit einiger Zeit in der Gerüchteküche die Runde macht, wurde offiziell präsentiert und bot genau das, was man von Call of Duty gewohnt ist: spektakuläre Szenen und viel Action. Grafisch war das schon sehr fein und man hat das Gefühl, dass das neue Szenario mit dem leichten Sci-Fi-Einschlag tatsächlich der Shooterreihe etwas frischen Wind bringen könnte. Jetpack-Schübe für den Soldaten oder Kampfdrohnen erfinden das Rad zwar nicht neu, aber so eingestaubt wie Call of Duty seit ein paar Jahren vor sich hindümpelt, ist schon fast jede Änderung als positiv zu bewerten.

Das vor ein paar Wochen angekündigte Forza Horizon 2 folgte. Mit der Forza-5-Engine unter der Haube, aber natürlich, wie man es schon vom direkten Vorgänger gewohnt ist, in einem Open-World-Setting. Etwas weniger Simulation, dafür etwas mehr Freiheit. Besonders interessant klang die Tatsache, dass es neben einem Tag- und Nachtzyklus auch ein dynamisches (sogar dramatisches) Wettersystem geben wird. Auch die Driveatar-KI ist wieder von der Partie und wird dank Vernetzung mit Forza 5 das bisher Gelernte direkt mitbringen.
Doch auch Fans von Forza Motorsport 5 durften sich freuen: der Nürburgring inklusive Nordschleife wurde als DLC angekündigt. Kostenlos und direkt verfügbar.

Ein Trailer zu Evolve folgte, dem neuen Spiel der Left-4-Dead-Macher. Hier liegt der Fokus auf einen 4-vs.-1-Multiplayer: eine Gruppe von Söldnern gegen ein spielergesteuertes Monster. Solche asymmetrischen Multiplayermodi hat man ja schon in einigen Shootern gesehen, aber es wird interessant sein zu erleben, ob Evolve genug bietet, um sich signifikant davon abzuheben.

Auch ein neues Assassin's Creed durfte nicht fehlen, welches den Untertitel Unity trägt. Als erstes reines Next-Gen-AC hatte man grafisch einiges auf dem Kasten, gerade die Zuschauermassen wussten zu überzeugen. Andererseits sah das Spiel noch immer ein kleines bisschen zu sehr danach aus, was man nun seit mehr als einem halben Jahrzehnt jedes Jahr aufs Neue spielt. Eine wirkliche Evolution der Reihe war auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Allerdings ist ein Vier-Spieler-Coop inkludiert, welcher in der Präsentation einen soliden Eindruck machte.

sunset-overdrive-e3-2014

Und auch ein neuer Trailer zu Dragon Age: Inquisition wurde gezeigt, der die Fans, die ja nun schon ein paar Jahre auf Entzug sind, ordentlich heiß machen dürfte. Am 7. Oktober ist es so weit!

Das nächste Spiel sollte auch eines der Highlights der Show sein. Man sah einen Soldaten in einem grauen Warenhausdistrikt, welcher sich hinter der Deckung einer Kiste mehreren Verbrecher erwehrte, ehe ihm die Munition ausging. Doch bevor man als Zuschauer dieses Segment zur designierten Pinkelpause des Abends wählen konnte, kickte ein Punk die Tür ein, der nicht nur einiges an Farbe in den grauen Alltag brachte – neben eines gelungen Seitenhiebs auf das doch mittlerweile sehr ausgelutschte Genre der Cover-Shooter – sondern sich auch der Verbrecher entledigte, in dem er an Wänden entlang rannte, über Railings mit seinen Schuhen grindete und überhaupt all das tat, was in einem Third-Person-Shooter der letzten Generation schon fast verpöhnt wirkte. Es gab sogar guten Humor!
Das gezeigte Gameplay von Sunset Overdrive erinnerte dann ungefähr an das Resultat, wenn man Jet Set Radio mit Ratchet & Clank und Dead Rising kreuzen würde. Kunterbunt und schnell, mit reihenweise Gegnern, die man spektakulär und effektgewaltig mit allerlei kreativen Waffen vernichtet. Am 28. Oktober wird sich zeigen können, ob der gute Eindruck trügt.

Beim Stichwort Dead Rising kommen wir gleich zum nächsten präsentierten Spiel: neuem DLC für den dritten Teil des Open-World-Zombie-Metzlers-und-Bekleidungs-Anprobe-Simulators mit dem griffigen Namen Super Ultra Dead Rising 3 Arcade Remix Hyper Edition EX Plus Alpha. Ihr könnt gerne versuchen, diesen Namen eurer Xbox One zu diktieren, da der DLC auch zeitgleich mit der Pressekonferenz verfügbar gemacht wurde. Anschauen sollte man sich das Teil aber definitiv, nicht nur weil Capcom sich ausführlichst selbst parodiert. Das gilt sowohl für den Titel als auch für die Möglichkeit sich im Spiel als Capcom-Helden sich zu verkleiden. Und außerdem weil der gezeigte Vier-Spieler-Coop-Modus noch irrer aussieht als das Original.

Doch genug mit der Gewalt und den Monsterhorden, Harmonix durfte als nächstes auf die Bühne, was gleich zwei neue Spiele bedeutete, welche nur mit Kinect funktionieren. Das erste ist Fantasia: Music Evolved, welches versucht Musik, Bewegungssteuerung und Disney unter einen Hut zu bringen. Der zweite Titel ist dann eher etwas konservativer: ein rein digital verfügbarer Ableger der Dance-Central-Reihe in Form von Dance Central: Spotlight. Für Letzteres wurde versprochen, dass neue Technologie es ermöglichen wird, Musikstücke um einiges schneller in das Spiel zu integrieren, weswegen man Woche für Woche zu den neuesten Hits tanzen können wird.

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Die nächste Ankündigung hatte mit Fable zu tun, welches nach einem Remake und einem Rail-Shooter-Ableger nun die Post-Molyneux-Ära einleitet. Fable Legends hat dabei den Fokus auf 4-Spieler-Coop, wenn auch mit dem Twist, dass ein weiterer Spieler als Antagonist agiert und die Kontrolle über die Umgebung besitzt. Nicht unähnlich von Zombie U habt ihr in dieser Rolle die Übersicht von oben und könnt beispielsweise neue Monster beschwören oder Fallen legen.

Ein weiterer Trailer zu Projekt Spark folgte, dem Sandkasten für angehende Spieleentwickler. Project Spark ist seit einigen Monaten in der Beta und daher gibt es nicht mehr viel zu dem Spiel zu sagen. Wenn es offiziell erscheint, kann man auf jeden Fall gespannt sein, was die kreative Community auf Xbox 360, Xbox One und PC so alles herausbringen wird.
Und dann: CONKER OHMEINGOTTICHMACHMIRINDIEHOS ... als einbaubares Objekt in Project Spark. Grml!

Es folgte eine komplette Neuankündigung in Form des Indie-Spiels Ori and the Blind Forest von Moon Studio. 2D, großartiges Design und bezaubernder Soundtrack haken definitiv einige der wichtigsten Boxen auf der Indie-Hit-Checkliste ab, während Buzzwords wie Metroidvania-Gameplay und Puzzle-Plattformer neugierig darauf machen, wie sich das Ganze im Endeffekt spielen wird.
Das schon geleakte Halo-Spiel war als nächstes dran. Mit dem Titel Halo: The Master Chief Collection ist der Inhalt ziemlich selbsterklärend: alle Halo-Spiele mit dem Master Chief auf einer Disc. Im Klartext: Halo 1 bis 4, inklusive aller Multiplayermodi (über 100 Multiplayer-Maps!) und natürlich in 1080p/60fps. Besonderer hervorgehoben wurde Halo 2, welches in einer Anniversary-Edition präsentiert wird. Wie schon bei Halo: Combat Evolved Anniversary heißt das, dass das Spiel auf einer komplett neuen Grafikengine läuft und man jederzeit wechseln können wird zwischen neuer und alter Grafik. Ob die neue Engine auch die legendären Texturpopups von Halo 2 repliziert wurde leider nicht gesagt.
Ein Highlight des Pakets soll sein, dass es ein allumfassendes Interface gibt. Wer also Lust hat, alle Halo-Libraries nacheinander zu spielen, wird das problemlos können, ohne ständig das Spiel neustarten zu müssen. Und wenn das noch nicht genug wäre, gibt es die Serie Halo: Nightfall, die von Alien-Vater Ridley Scott produziert wird, oben drauf. Und zusätzlich auch eine Beta für den Halo-5-Multiplayer, welche Ende des Jahres startet. So dürften ruhig mehr HD Collections sein.

Phil Spencer kehrte zurück, um diesen Teil der Konferenz abzuschließen. Alles, was nun angekündigt wurde, war nicht mehr für 2014 angedacht. Der Fokus wurde dabei zuerst auf Indie-Titel gelegt. Mit "Inside" gab es das neue Spiel der Limbo-Macher zu sehen, während eine Trailermontage eine ganze Reihe weiterer Indie-Titel vorstellte, die über das ID@Xbox-Programm den Weg zu Microsofts Konsole finden werden.

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Nach den Indies war es wieder Zeit für Triple-A in Form eines sehr atmosphärischen und emotional inszenierten Trailers für das nächste Lara-Croft-Abenteuer: Rise of the Tomb Raider. Nachdem Tomb Raider ein gelungener Reboot der Reihe war, kann man nur hoffen, dass Rise of the Tomb Raider darauf aufbauen kann. Vor allem, wenn man sich mehr mit Lara Croft als Person beschäftigt und die Action zurückschraubt.

Die Entwickler von CD Projekt Red waren im Anschluss auf der Bühne, um The Witcher 3: Wild Hunt zu spielen. Ich würde ja gerne mehr darüber schreiben, was es zu sehen gab, aber ist das wirklich nötig? Wer nicht vor hat, sich The Witcher 3 zu holen, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

Nun wurde es Zeit, eine alte IP zurückzubringen, und Phil Spencer musste wohl kurz vor der PK noch gelesen haben, was Paul so für obskure Spielchen gespielt hat und wählte deswegen einen Titel aus, den hierzulande wirklich keiner kennt: Phantom Dust. Kein Wunder, denn Phantom Dust erschien nur in den USA und Japan für die alte Xbox und das zeitlich sogar kurz vor dem Launch der 360. Der dazu gezeigte Trailer war ein bisschen CGI-Geplänkel ohne nennenswerten Informationsgehalt, aber wenn man sich das originale Spiel anschaut, fällt es nicht schwer zu sehen, wieso dieser Titel reaktiviert wurde: der starke TCG-Einschlag passt perfekt zu den heutigen Trends.

Ubisoft durfte auch noch ein bisschen was live vorspielen, dieses Mal Tom Clancy’s: The Division, welches euch in post-apokalyptisches New York nach Ausbruch eines tödlichen Virus schickt. Grafisch war das wirklich herausragend und es sah nach spaßiger Coop-Action aus, aber andererseits gab es eher wenig zu sehen, um das Spiel irgendwie aus dem Genre herausstechen zu lassen.

Die vorletzte Ankündigung stammte von Platinum Games, die an einem komplett neuen Exklusivtitel für die Xbox One arbeiten: Scalebound. Was sich aus dem CGI-Trailer entnehmen lässt, ist, dass man in einem farbenfrohen Fantasy-Setting gegen riesige Monster kämpft und diese sogar teilweise benutzen kann: der Protagonist übernimmt nämlich die Kontrolle über einen Drachen, um sich mit einer Hydra zu messen. Alleine schon der Name Platinum Games macht Lust auf mehr, weswegen es besonders schade ist, dass es an Gameplay fehlte.

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Als Rausschmeißer gab es schließlich das neue Crackdown zu sehen. Leider auch dieses Mal wieder nur ein eher wenig sagender CGI-Trailer, dem man höchstens entlocken konnte, dass Coop wieder eine große Rolle spielen wird. Es wurde zwar auch zerstörbare Umgebung demonstriert, aber bei solchen Render-Trailern ist es leider immer schwierig zu sagen, ob das nun für das finale Spiel repräsentativ sein soll oder pure Hypemache ist. Wenn die gezeigte Umgebungszerstörung im Trailer aber so auch den Weg ins Spiel findet, dann wäre das ganz, ganz groß und eine Möglichkeit, nach dem schwachen Crackdown 2 die Serie gelungen wiederzubeleben.

Am Ende hielt Microsoft das gegebene Versprechen: es ging ausschließlich und nur um Spiele. Es gab einen Mix aus Drittherstellern, Indies sowie First-Party-Spielen und bei letzteren sowohl komplette Neuankündigungen als auch Sequels als auch das Zurückholen altgeliebter Franchises. Und doch ist man als Spieler nicht voll befriedigt aus der Show gegangen. Denn das gezeigte Material sah zwar interessant aus und deckte ein breites Spektrum ab – wenn man davon absieht, dass der Anteil an CGI-Trailern etwas zu hoch war – aber es fehlte einfach der Oberhammer, der Knüller, das Gesprächsthema für die nächsten paar Wochen. Microsoft war bei dieser Pressekonferenz stets bemüht, doch man hat der Konkurrenz die Schlüssel in die Hand gegeben, ihnen die Show zu stehlen, ohne wirklich etwas falsch gemacht zu haben. Haris

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08. Februar 2023 um 17:18 Uhr
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Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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