Layton vs Ace Attorney

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 27. Mai 2014

Layton vs Ace Attorney

Die Zusammenarbeit des Jahres

Wisst ihr, wie lange ich auf Professor Layton vs Phoenix Wright: Ace Attorney gewartet habe? Lange. Hauptsächlich wegen Ace Attorney, denn ich bin ein großer Fan der Anwaltsserie. Meine Erfahrungen mit Professor Layton beschränken sich eher auf mal hier mal dort eine Demo gezockt. Insofern gebe ich gleich zu, dass ich in diesem Teil des Crossovers nicht sehr gut versiert bin. Aber hey, wie schwer kann das schon sein? Ich mein, ich pass ja immer gut auf. Darum habe ich auch total mitgekriegt, dass dieses Spiel in Europa erschienen ist und es nicht zufällig beim Shoppen im Elektronikladen entdeckt. Ne ne, das war alles Teil meines Plans.

Okay, Spaß beiseite, wir Europäer haben es bekommen und Amerika wird wohl wieder eine ganze Weile schmoren müssen, bis sie in den Genuss dieses exzellenten Spiels kommen können. Also genießt diesen Vorteil. Denn die Warterei hat sich wirklich gelohnt. Das Gameplay von Professor Layton synergiert äußert gut mit dem der Ace-Attorney-Serie.

Es fängt alles in London auf der Layton-Seite an. Ein alter Freund des Professors, Carmine Accidenti, wird seinem Namen gerecht und hat einen Autounfall. Der Unfall passierte, als er auf der Flucht vor einer Hexe war, die es auf seine Begleiterin, Espella, abgesehen hat. Er instruiert sie den Professor ausfindig zu machen und das tut sie auch. Mit einem mysteriösen Buch in der Hand bittet sie Layton und seinen Schüler Luke um Hilfe: Es gilt das Geheimnis von Labyrinthia zu lösen. Doch die Hexe ist ihnen dicht auf den Fersen. Wie es sich für die Serie gehört, warten dabei ein paar Puzzle auf die beiden Gentlemen, und sind diese gelöst schaffen sie es schließlich die Hexe zu überlisten und Espella kann entkommen. Doch sie hat das Buch fallen gelassen und die Neugierde von Layton und Luke bringt sie dazu, das Buch zu öffnen, nur um davon verschlungen zu werden. Nächster Halt: Labyrinthia.

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Weiter geht es mit Ace Attorney. Phoenix und Maya sind auf Geheiß der Anwaltsliga in London zu Besuch. Ursprünglich nur als Gäste eingeplant, werden sie kurzerhand darum geben ein junges Mädchen vor Gericht zu vertreten. Espella, um genau zu sein. Das Gameplay ist jetzt ganz klar Ace Attorney, das heißt: Zeugenaussagen anhören, Zeugen ausquetschen und mit dem richtigen Beweisstück zur richtigen Zeit alle davon überzeugen, dass sie sich gewaltig geirrt haben. Und wie es sich gehört, ist die Polizeiarbeit stümperhaft. Es ist mal wieder Aufgabe des Spielers, das Offensichtliche den Holzköpfen näher zu bringen, bevor man die wirklich ungeahnten Wendungen aufdecken kann. Aber hey, so liebe ich das, also was soll's. Phoenix beweist Espellas Unschuld und alle sind glücklich. Als sie geht, vergisst sie aber ihr Buch. Und Maya wäre nicht Maya, wenn sie nicht sofort wissen will, was drin steht. Es passiert, was passieren muss, beide werden vom Buch verschluckt und landen ebenfalls in Labyrinthia.

Und was ist Labyrinthia? Nun eine Stadt, die auf keiner Karte zu finden ist. Ein Ort, der im Mittelalter festhängt. Ein Ort, in dem Hexen ihr Unwesen treiben und an dem Magie existiert. Hier nimmt die Story erst so richtig Fahrt auf und fesselt bis zum Schluss. Carmine wollte das Geheimnis dieser Stadt enthüllen und nun liegt es an Layton, Luke, Phoenix und Maya das Werk zu vollenden. Der Layton-Teil des Gameplays bleibt weiterhin so wie man ihn kennt. Man findet ein Puzzle, man löst ein Puzzle, zur Not mithilfe der Hinweismünzen, und erfährt etwas Neues. Jedes Puzzle ist übrigens Picarats wert. Mit diesen schaltet man Bonusgalerien frei.
Der Ace-Attorney-Teil bietet einige äußert interessante Neuerungen. Da man fälschlich angeklagte Hexen vor Gericht verteidigen muss, gibt es ein paar neue Regeln, wie man das im Setting macht. So hat man es öfters mit mehr als einem Zeugen zu tun. In diesen Aussagen kann man dann im richtigen Moment einen anderen Zeugen befragen, was er von dem hält, was gerade gesagt wurde. So deckt man die ein oder andere Unstimmigkeit auf. Ich hoffe, dass diese Idee in irgendeiner Form auch in den echten Ace-Attorney-Spielen auftaucht. Zusätzlich darf man auch die Hinweismünzen der Layton-Serie verwenden, um zu erfahren, bei welchen Aussagen man nachhaken sollte oder wann Zeit für ein Beweisstück ist.

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Einen weiteren Trend, den ich gerne in der Hauptserie von Ace Attorney sehen würde: Mehr Vertonung. In Dual Destinies hat man die Stimmen der Charaktere hauptsächlich in den animierten Sequenzen gehört. Layton vs Ace Attorney begnügt sich nicht damit. Viele einführende oder abschließende Dialoge sind voll vertont, und das richtig gut. Mein 3DS ist auf Englisch gestellt, also durfte ich die sehr guten, britischen Sprecher genießen und habe gleich welche wiedererkannt. Fans von Witcher 2 dürften erkennen, dass der Richter von Labyrinthia die Stimme von King Henselt hat, während Inquisitor Zacharias Barnham der Sprecher von Vernan Roche, ebenfalls aus Witcher 2, ist. Und wer auch Xenoblade gespielt hat, der wird Fiora als eine der Zeugen im ersten Hexenprozess wiedersehen. Aber gut, ich bin, was das angeht, ein ziemlicher Geek. Sehr schön: Alle Figuren klingen britisch, bis auf Phoenix und Maya, welche amerikanische Sprecher bekommen haben. Aber andere als in Dual Destinies.

21 Stunden habe ich gebraucht. 21 Stunden gefüllt mit Spiel, Spannung und Augenrollen. Nach diesem Abenteuer kann ich mir auch gut vorstellen mich mit der Professor-Layton-Serie anzufreunden. Beide Serien passen sehr gut zusammen, auch wenn es doch ulkig aussieht beide Figuren nebeneinander zu sehen, da hier völlig verschiedene Zeichenstile verwendet werden. Seltsamerweise stört das aber kein bisschen, im Gegenteil, es gibt dem Spiel einen eigenen Charme. Wie dieses Abenteuer in den Kanon beider Serien einzuordnen ist, das lässt sich schwer sagen. Da ich nur Ace Attorney kenne, muss es wohl vor Apollo Justice spielen, da Phoenix noch Anwalt ist und Maya an seiner Seite steht. Wer sich mit Layton auskennt, darf mir gerne sagen, wie es sich mit deren Kanon verbindet und ob euch das Spiel Lust auf Ace Attorney gemacht hat.

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Wer das Spiel durchgespielt hat, der darf sich übrigens kostenlos ein paar DLC-Missionen runterladen. Das sind etwa fünf Minuten lange Episoden, die ein Jahr später stattfinden und die vierte Wand mal so richtig einreißen. Layton gibt ganz offen zu, dass sein Zusatzrätsel schlichtweg ein Überbleibsel aus der Entwicklung ist, welches nirgends reingepasst hat. Sehr witzig. Es wird sogar darauf eingegangen, wie offensichtlich manche Namen gewählt wurden. Carmine Accidenti ist so ein Übeltäter der Kategorie "offensichtliche Namen". Dazu gehört dann auch die Bäuerin Mary mit ihrer weißen Ziege Snowy, die kein Lamm ist, wie es sich eigentlich gehören sollte. Ich mag diesen Ansatz generell, denn wie häufig wüsste man gerne, was aus den Charakteren geworden ist, nachdem die Geschichte ihren Abschluss findet.

Professor Layton vs Phoenix Wright: Ace Attorney ist ein Leckerbissen, den sich Fans aus beiden Lagern nicht entgehen lassen sollten. Hier wurde ein Dream Team geschaffen, das in Zukunft hoffentlich noch mal zusammen arbeitet, gerne auch mit Hilfe von mehr bekannten Charakteren. Die Welt, die hier geschaffen wurde, ist wirklich faszinierend und ich habe jede Sekunde davon genossen. Die große Enthüllung am Ende war definitiv der Höhepunkt, auch wenn eine gute Prise Blödsinn mit dabei war. Das Ganze wurde auch noch von einem exzellenten Soundtrack unterlegt, der die Stimmungen perfekt widerspiegelt. Wer sich gerne von einer guten Story entführen lässt und dabei noch ein paar Rätsel lösen will, zusammen mit wilden Einsprüchen, für den ist dieses Spiel genau richtig. Und der Rest darf sich auch trauen, beide Serien gehören nicht umsonst zu den beliebtesten Spielen auf Nintendos Handhelds mit zwei Bildschirmen. Dieses Rätsel zu lösen ist nicht schwierig: Kauft es euch, jedes Gegenargument erhält von mir einen Einspruch!

Professor Layton vs Phoenix Wright: Ace Attorney

(Ranking)
S
RANK
Herausragend. S-Spiele erweitern Horizonte. Sie bieten intensive Erlebnisse oder halten den Spieler noch lange am Bildschirm gefesselt. Selbst wenn man sie nicht jedem empfehlen kann, will man doch mit jedem über sie reden.

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20. Juni 2019 um 17:33 Uhr
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RELEASE
28. März 2014
PLATTFORM
Nintendo 3DS
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