The Amazing Spider-Man

(Artikel)
Benjamin Strobel, 15. Mai 2014

The Amazing Spider-Man

Freundliche Arbeiten in der Nachbarschaft

Und der heutige Artikel handelt von... The Amazing Spider-Man. Ihr habt euch verlesen! Hier geht es nicht um das neue Spider-Man-Spiel zum neuen Spider-Man-Film. Da seid ihr falsch. Beide tragen eine Zwei im Namen. Stattdessen berichte ich über das uralte Spiel von 2012, The Amazing Spider-Man, das zum ersten Film erschienen ist, der ebenfalls radikal veraltet ist. Ich fasse zusammen: es geht in meinem heutigen Beitrag um Shit von gestern. Aber es geht auch um Spider-Man, den ich liebe, seitdem ich alt genug zum Fernsehen bin. Rian wirft mir derweil Angst vor echten Krabblern vor und spinnt daraus ein Ironie-Gefüge, das unser Universum eigentlich zur Implosion veranlassen müsste. Ich kann allerdings versichern, dass das völliger Quatsch ist. Ich fürchte die ekligen, kribbeligen, krabbeligen Achtbeiner-Wirbellosen höchsten ein bisschen. Und das völlig begründet nur deshalb, weil man einfach nicht merkt, wenn sie sich nachts von der Decke in unsere Münder abseilen. Seht ihr, völlig rational! Spider-Man auf der anderen Seite ist verdammt cool und seilt allerhöchstens seine Fäuste in die Gesichter von Gaunern ab. Anstatt nun - wie es zu erwarten wäre - mit einem weiteren Witz über das Abseilen von Dingen zu schließen, lasse ich meinen einleitenden Absatz in diesem Haiku gipfeln:

Hab dich vergessen!
Spinne, Spinne, Review kommt
Besser spät als nie

Joa. Da wir nun endlich beim Thema sind, darf ich alle Spider-Man-Fans und unsere betrunken Leser begrüßen, die bis zu diesem Teil durchgehalten haben. Euer Preis ist mein Review zu Amazing Spider-Man! Zu meiner Schande hatte ich diesen Titel einfach übersehen. Vermutlich hat mein Filmspiel-Alarm das Spiel automatisch aus meinem Bewusstsein sortiert, was sonst völlig okay und ohne Frage die richtige Entscheidung ist. Trotz Bezug zum 2012er-Kinofilm wurde das Spiel, wie viele Spider-Man-Games vor ihm, von den großartigen Leuten bei Beenox entwickelt. Anlass genug, ihm eine Chance zu geben.

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Anders als die letzten Beenox-Spiele, Edge of Time und Dimensions, ist das neueste Spinnenspiel nicht wieder levelbasiert, sondern schickt den Spieler in ein offenes New York. Seit Jahren haben die Fans gejammert, um endlich wieder eine frei begehbare Spielwelt zu bekommen. Da habt ihr sie, ihr Jammerlappen! Ich fand die levelbasierten Spiele ja viel besser - völlig zu Recht, wie sich noch zeigen wird!
Die Geschichte des Spiels siedelt sich als Epilog zum Film an, die Geschehnisse sind allerdings nicht Kanon und werden vom Filmnachfolger völlig ignoriert: Durch Oscorp gelangt ein gefährliches Virus an die frische Luft und bedroht die Bewohner New Yorks mit Tod und Mutation. Spider-Man muss herausfinden, was passiert ist, wie man es abwenden kann und wird sich - wie wir feststellen werden - bei der Rettung seiner Heimatstadt hoffnungslos in Sidequests verzetteln und ob der endlosen Nummer an Krankentransporten völlig erschöpft in den Krabikurlaub fliehen, während die New Yorker den Löffel abgeben. So ungefähr.

Unverfroren entleiht Beenox sich fremde Spielmechaniken aus anderen Spielen. Supderheldenspiele-Gral Batman Arkham wurde hier als Blaupause angelegt und in groben Zügen auf Spider-Man übertragen. Das Kampfsystem besteht aus der preisgekrönten Kombination von Schlagen, Kontern und Ausweichen, lässt die besonders rhythmische Komponente des Originals aber vermissen. Zwar ist es simpler, aber es funktioniert und ist mit optisch eindrucksvollen Finishern auch etwas fürs Auge.
Im großen Klau, Teil Zwei, wurden Schleichpassagen ins Spiel integriert. Inhaltlich macht das nicht so viel Sinn, weil Spider-Man ja etwas geschwätziger ist und sich nicht wie Batman stundenlang in Lüftungsschächten eingräbt. Spielerisch macht es allerdings ziemlich viel Spaß und wird zumindest dadurch legitimiert, dass man schwer bewaffnete Feinde nicht direkt konfrontieren sollte. Stattdessen krabbelt man an Wänden und der Decke herum und kann Stealth-Takedowns auslösen, wenn man sich hinter oder über seinen Feinden befindet. Spidey seilt sich dann ab, um sich die Gauner zu schnappen oder zieht sie mit einem Fadenschuss einfach nach hinten weg. Schwupp! Wo ist denn mein Kumpel hin? fragt sich die Wache. Tja, das macht der so, denke ich mir und schnappe mir auch den zweiten. Noch eleganter wurde es dann später, als ich mit Erfahrungspunkten den Doppel-Takedown kaufen konnte. Man kann auch neue Combos freischalten, aber der Doppel-Takedown war mit Abstand das Beste, was der Skill-Tree zu bieten hatte. Insgesamt war das Spiel nun so etwas wie die Spider-Man Arkham - Lite Version. Gut kopiert ist mir immer noch lieber als schlecht selbst gemacht, also war ich zufrieden. Bis mich Spider-Mans Alltag einholte.

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Kaum, dass ich die erste Mission geschafft hatte, füllte New York sich mit illustren Nebenaufgaben. Ich sollte Dinge fotografieren, fliehende Ganoven einfangen und jeden einzelnen der verfluchten Infizierten einsammeln und ins Krankenhaus bringen. Die Bewegung durch New York verdient dabei großes Lob, denn das Schwingen ist ziemlich cool. Man muss zwar nur eine Taste halten und die Fäden müssen auch nur theoretisch irgendwo Halt finden können, aber das Gefühl durch New York zu zippen ist großartig. Hat man nun aber Infizierte dabei, wollen die beim Schwingen Smalltalk machen und nerven dabei ziemlich. Leider scheint der Virus auch das Hirn anzugreifen, so dass jeder zweite Krankentransport mit demselben Dialog abläuft und Spider-Man kann sich einfach nicht dagegen wehren immer dieselben Sprüche zu entgegnen. Kurzum, die Sidequests sind ein abscheuliches Fest der Einfallslosigkeit und Wiederholung und können glücklicherweise einfach ignoriert werden - was die Map allerdings mit gefühlten drei Millionen Mission-Icons zuspammt.

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Der Mantel der Wiederholung legt sich auch um die zweite Hälfte der Story-Missionen, die irgendwann damit beginnen, alte Gegner wiederzuverwerten und dafür aufhören, neue Mechaniken einzuführen. Viele der Skills bringen nur geringe Verbesserungen (Schaden verringern, Combos um einen Schlag verlängern) und motivieren nicht sehr, sich durch zusätzliche Aufgaben Erfahrungspunkte extra zu verdienen. So habe ich den zweiten Teil des Spiels recht schnell durchlaufen und es nach einem guten Start zuletzt als langweilig und anstrengend empfunden. Es ist einfach ärgerlich, dass einem zigfach dieselbe Nebenmission vorgesetzt wird und irgendjemand daran glaubt, es würde Spaß machen. Mehr Fokus auf richtige Missionen und eine gute Geschichte hätten The Amazing Spider-Man - wie seine Vorgänger - zu einem guten Spiel machen können. Stattdessen hat man Entwicklungszeit in eine Open World investiert, die voller Arbeiten ist, vor denen man sich lieber drücken möchte. Ben

The Amazing Spider-Man

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

Kommentare

Rian
18. Mai 2014 um 23:52 Uhr (#1)
Höhöhö, beim DPad wird ständig abgeseilt.
Gast
22. Januar 2020 um 19:38 Uhr
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29. Juni 2012
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