Race the Sun

(Artikel)
Rian Voß, 29. April 2014

Race the Sun

Immer den Horizont im Auge

Wenn die Sonne untergeht und man in einem solarbetriebenen Gleiter sitzt, gibt es eigentlich nur eine Richtung, in die man fahren kann. In Race the Sun tut man genau das: der Sonne nachjagen. Und Highscores. Aber hauptsächlich der Sonne.

Unverschämt auffällig präsentiert sich der Racer von Flippfly, bleibt gleichzeitig aber bescheiden: Die meisten Polygone zählt wohl der silberne Spielergleiter selbst, alle anderen Modelle sind noch simplere, geometrische Formen. Trotzdem sieht das Spiel entzückend aus, denn durch die untergehende Sonne verändert sich ständig die Farbtemperatur, Schatten werden länger oder der spiegelnde Boden fängt nur so an zu gleißen.

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Im Großen und Ganzen ist Race the Sun eigentlich nicht mehr als ein moderner Dreh der alten Checkpoint-Racer: Man umkurvt bei konstanter Höchstgeschwindigkeit nach bestem Wissen und Gewissen alle Hindernisse, umschifft umfallende Strukturen, sammelt Multiplikator-Punkte ein und weicht der einen oder anderen Blendbombe aus. Eine Kollision bedeutet üblicherweise den Tod, für leichte Streifer wird man immer noch mit einem stark geminderten Multiplikator abgestraft.
Das ist alles noch nichts Besonderes, doch kleine Twists bereichern das Spiel: So gibt es verschiedene Verbrauchsobjekte, die man von der Strecke auflesen kann. Der Sprung kann den Gleiter jederzeit aus haarigen Situationen katapultieren, das Schild schützt vor einem einzigen Crash. Highlights sind die Boost-Kristalle: Die bringen das Vehikel auf solche Hochtouren, dass man tatsächlich etwas aufholt - und die Sonne wieder steigen lässt.

Die Alpha des Spiels könnt ihr übrigens auch gratis im Browser zocken.
Wenn man mal den Beton küsst, dann ist das in der Regel die eigene Schuld: Die Steuerung mit einem angeschlossenen Gamepad ist fantastisch ausbalanciert und lässt selbst die waghalsigsten Manöver durch engste Gassen zu. Mehr als einmal ist mir irgendwelche Geometrie unerwartet vor die Füße geklatscht und ließ nur einen winzigen Spalt offen, den ich nur aus einem unerhört steilem Anflugwinkel bei maximaler Geschwindigkeit erreichen konnte - und mehr als einmal habe ich das überlebt und fühlte mich wie Luke Skywalker im Anflug auf dem Todesstern.
Das soll aber nicht heißen, dass die 25 Regionen nicht fies sein können. Ganz im Gegenteil: Dass sie fies sind, liegt im Kern der Sache. Alle 24 Stunden wird nämlich für alle Spieler weltweit das Level neu gebaut und die Jagd auf den Tageshighscore beginnt von Neuem. Vom Geschmack und den auftauchenden Hindernissen her bleiben die Regionen gleich, jedoch ist die Objektplatzierung immer grundverschieden. Hinzu kommt, dass sich jede Region ohnehin in der Breite sehr gut erkunden lässt. Eifrige Entdecker können die perfekte Route in der flüchtigen Welt finden und werden dafür mit vielen Spezialobjekten und Turbos belohnt.

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Leider ist das Grundspiel, wie soll ich sagen... etwas langweilig. Auf eine sehr Zen-artige Weise. Bis man in Regionen kommt, die einen richtig fordern und panisch Pirouetten schlagen lassen, vergehen zwei, drei oder vier Minuten. Dann geht man auf Tuchfühlung mit neuen Schwierigkeiten, wird überrascht und schnell geht es wieder von vorne los: Wieder zwei, drei oder vier Minuten durch die Regionen turnen, die man schon hundertfach gemeistert hat. Auf einen langen Spannungs-Buildup folgt ein abruptes Ende, gefolgt von demselben Gipfelaufstieg, immer und immer wieder, nur immer und immer länger. Da hilft es auch nicht, wenn man jeden Tag einen anderen, aber ähnlichen Berg erklimmt.
Ein konkreter Nerv-Faktor ist die Musik. Am Anfang war die Mischung aus nahöstlichen Klängen und Breakcore ja noch ganz unterhaltsam, aber nach einer Stunde in Dauerschleife reicht's auch. Da kann nur die eigene Kollektion helfen.

Und bevor man überhaupt mit anderen Spielern in Sachen Highscore konkurrenzfähig ist, sollte man ohnehin zuerst alle Challenges schaffen und Level 25 erreichen. Dann bekommt man mehr Pickups, Ausstattung und Platz für solche. Es macht schon einen gewaltigen Unterschied, wenn man gleichzeitig den Doppel-Sprung und die erweiterte Batterie für Schattenfahrten einpacken kann. Bis man aber alle Challenges durchgeprügelt hat, hat man die ersten drei Regionen schon tausendmal gesehen. Immerhin gibt es später Warpgates, die einen Regionen überspringen lassen.

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Ein bisschen flotter wird es, sobald man den Apocalypse-Modus freigeschaltet hat: Der unterliegt dem gleichen 24-Stunden-Verfall, allerdings geht es hier gleich in der ersten Region massiv zur Sache. Das ist schon eher was, wenn man endlich etwas Action will.

Zu guter Letzt bietet das Spiel einen Level-Editor und eine nette Einbindung von User Generated Content: In den Regionen findet man immer wieder Tore. Durchfährt man eins, landet man per Zufall in einer von einem Nutzer erstellten Region. Und stirbt meist, weil man KEINE AHNUNG hat, was gerade abgeht. Cool ist es trotzdem.

Race the Sun ist ein witziges Spiel für Zwischendurch: Die Steuerung macht was her, die Optik ist hervorragend, doch das Pacing des Grundspiels ist eher fragwürdig. Mit User Generated Content und dem Apocalypse-Modus gibt es aber glücklicherweise etwas Abhilfe. Nur nicht gegen die Musik. Die kann man nur abschalten. Rian

Race the Sun

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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17. September 2019 um 00:42 Uhr
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