Metal Gear Solid V: Ground Zeroes

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 24. März 2014

Metal Gear Solid V: Ground Zeroes

Auch bekannt als die teuerste Demo aller Zeiten

Oh, Hideo Kojima, du kannst es einfach nicht lassen. Trotz deiner Ankündigung, die Metal-Gear-Solid-Reihe ad acta zu legen, hast du mal eben Metal Gear Solid V: Ground Zeroes aus dem Ärmel geschüttelt und der Hype nahm seinen Lauf. Ein Open-World-Stealthspiel sollte es werden. Und dann kam da noch dieser mysteriöse Trailer namens The Phantom Pain, den Fans sofort als Metal Gear Solid entlarvten. Metal Gear Solid V, um genau zu sein. Moment mal, und was ist dann Ground Zeroes? Nachdem Konami dann endlich zugab, was bei Kojima Sache ist, bekamen wir unsere Antwort: Ground Zeroes ist der Prolog zu Phantom Pain und soll den Spielern die neuen Mechaniken von Metal Gear Solid V näher bringen. Und dann kamen die Gerüchte, dass man Ground Zeroes binnen zehn Minuten speedrunnen könne. Mir schwante Übles.

Im fünten Teil von Kojimas Magnum Opus spielen wir, wie in Teil Drei, mal wieder den legendären Big Boss, Solid Snakes "Vater". Somit bildet die ganze Affäre hier praktisch ein Interquel zwischen Peace Walker und Metal Gear 1. In den wilden 70ern gründete Big Boss seine eigene kleine Armee, die für den Weltfrieden kämpfte und sich nicht an Nationen band. Kojima-typisch klingt das toll, macht aber mal wieder überhaupt keinen Sinn. Keine Sorge, ich liebe die Serie trotzdem oder gerade deswegen.
Jedenfalls hat dem Boss seine Armee einen Notruf erhalten. Chico und Paz werden auf einem amerikanischen Stützpunkt in Kuba festgehalten und nur Snake/Big Boss ist qualifiziert für diesen Auftrag. Nach einem sehr stimmungsvollen Intro mit erstaunlich guter Kameraführung geht der Auftrag bei Nacht und strömenden Regen auch schon los.

MGSVGZ02Die lassen wir mal besser noch vorbei.

Über Radiofunk wird Big Boss auf dem Laufenden gehalten und man erfährt gleich ein paar neue Finessen im Gameplay. Die berühmten Sichtkegel von früher sind Geschichte. Feinde können so weit sehen, wie sie im echten Leben auch sehen könnten. Da es kein Radar gibt, markieren wir Feinde per Fernglas auf der Karte. Der Codec ist futsch, die Funksprüche pausieren nicht mehr das Spielgeschehen und die Steuerung fühlt sich schon viel eher wie das an, was man so von anderen Third-Person-Spielen gewohnt ist. Neu dabei ist der iDroid, der neben der Karte des Gebietes auch sämtliche gesammelten Informationen enthält.
Wir wagen die ersten Schritte in Richtung Basis. Die Wache auf dem Turm mit dem Suchscheinwerfer lässt sich locker mit einem gezielten Kopfschuss aus dem schallgedämpften Gewehr entsorgen. Dass der Kollege fehlt, hat auch gleich ein anderer Soldat bemerkt und macht sich auf, das Verschwinden zu untersuchen. Läuft mir genau in die Falle. Mittels CQC hab ich ihn schnell im Würgegriff. Jetzt die große Wahl: gleich töten, bewusstlos hauen oder doch erst mal verhören? Beim Verhören kann ich ihm Informationen entlocken, etwa über Vorräte oder Wachposten. Ich kann ihn aber auch dazu auffordern, seine Freunde herbeizurufen, damit ich sie auch erledigen kann. Nett.

Weiter zum Ziel. Wie es sich gehört, lassen sich Lampen ausschießen, man kann sich im Gebüsch auf die Lauer legen und grundsätzlich alles tun, was moderne Schleichspiele erlauben. Schön zu sehen, dass einer der Urväter des Stealth-Genres endlich in der Neuzeit angelangt ist. Doch auch einer Schleichlegende wie Big Boss passiert es schon mal, dass ein Soldat von ihm Wind bekommt. Es war schon rührend, in diesem Moment das gute alte "RING" mit dem Ausrufezeichen zu erleben. In diesem Fall bekommt man aber eine Chance den Alarm zu verhindern. Die Zeit scheint still zu stehen und mit Betätigen des linken Triggers visiert man automatisch den Feind an, der einen ertappt hat. Kurz mit dem rechten Stick nachjustieren und per Kopfschuss ist die Gefahr gebannt. Mit blauem Auge davongekommen. Noch schnell die Leiche beseitigen und es kann weitergehen.

MGSVGZ04Was uns wohl Simon Kretschmar von Game One über die Basis erzählen kann.

Der Open-World-Stealth-Ansatz gefällt mir sehr. Ground Zeroes setzt einen in dem großen Stützpunkt ab, zeigt einem ungefähr, wo die erste Zielperson ist, und sagt dann: "Okay, wie du da hin kommst, ist mir, ehrlich gesagt, egal." Letal oder nicht letal, auch das wird nicht vorgegeben, wobei natürlich die letale Vorgehensweise leichter ist. Das Gewehr mit Schalldämpfer hat halt eine größere Reichweite als die schallgedämpfte Pistole mit Betäubungspfeilen. Dafür geht der Schalldämpfer des Gewehrs mit der Zeit kaputt, während die Pistole ewig leise bleibt. Belohnt wird das Ganze durch eine Bewertung am Ende. Je leiser, konfliktärmer und untödlicher man vorgeht, desto mehr Punkte bekommt man. Die kann man dann in Online-Leaderboards präsentieren, wenn man möchte. Wem das egal ist, der darf auch so spielen, wie er mag, inklusive der Option sich durch den ganzen Stützpunkt zu ballern. Ist nur nicht sehr empfehlenswert, da man irgendwann flüchten muss und vor lauter Weglaufen seinem Ziel nicht näher kommt. Und es ist auch nicht gerade leicht bei ausgelöstem Alarm ein passendes Versteck zu finden.

Gameplaytechnisch bietet Ground Zeroes jede Menge. Es ist schon etwas her, seit ich ein solch cleveres Stealthgame gespielt habe. Kojima Productions hat sich einiges einfallen lassen, um seine liebste Kreation in die neue Generation zu bringen. Ground Zeroes macht sehr viel Appetit auf The Phantom Pain. Tja, und das war's aber leider auch. Die Hauptmission hat man in ein bis zwei Stunden durchgespielt und ein 10-Minuten-Durchlauf ist mit ein bisschen Übung nicht sonderlich schwierig, wenn man weiß, wo man hin muss. Storytechnisch ist hier auch nicht viel zu finden. Das Meiste passiert in der Endsequenz und dient mehr oder minder als Erklärung dafür, warum Big Boss im Phantom-Pain-Trailer im Krankenhaus gelandet ist.

Es gibt zwar einige Nebenmissionen, die alle im selben Areal statt finden, aber diese fügen zum Spielerlebnis nicht wirklich etwas hinzu, außer Schleichen bei Tageslicht und reinem Geballer. Jede dieser Missionen kann man binnen 30 Minuten abhaken. Wer unbedingt will, kann noch alle Audiokasetten sammeln oder die XOF-Abzeichen auflesen, die über die Basis verstreut liegen. Letzteres schaltet die finale Extramission frei: In "Deja Vu" (exklusiv für Playstation-Konsolen) spielt man das PSX-Modell von Solid Snake und begegnet alten Feinden. In "Jemais Vu" (für Xbox-Konsolen) muss man mit Raiden ein ganzes Lager voller körperstehlender Aliens platt machen. Im Gesamtpaket kommt man mit Ach und Krach auf acht Stunden Spielzeit.

MGSVGZ05Ohai, Kojima!

Da liegt auch das große Problem: Metal Gear Solid V: Ground Zeroes ist nichts weiter als eine glorifizierte Demo, für die viel zu viel Geld verlangt wird. Kann man viel Zeit damit verbringen? Ja. Will man mit den Nebenmission viel Zeit verbringen? Nicht wirklich, denn ein großer Anreiz dafür wird nicht gegeben. Das, was geboten wird, ist aber absolut spitze und hat sich unsere Wertung verdient. Dank Ground Zeroes freue ich mich richtig auf The Phantom Pain. Die Grafik sieht selbst in der 360-Version, die mir zur Verfügung gestellt wurde, klasse aus. Doch zugleich freue ich mich auch, für das Rezensionsexemplar nichts bezahlt zu haben, denn 20 Euro für 360/PS3 und 30 Euro für Xbox One/PS4 sind einfach viel zu viel. Wenn ihr dennoch diesen Appetithappen verzehren wollt, dann legt mit euren Mitfans zusammen für ein Exemplar, leiht es euch von irgendwem aus oder wartet, bis es nur noch knapp 10 Euro kostet. Nur mangelt es hier erheblich an Content, weswegen ich beim besten Willen einfach keine Kaufempfehlung aussprechen kann. Oh, und Kiefer Sutherland gibt einen akzeptablen Snake ab. Man kann sich dran gewöhnen. David Hayter wäre mir dennoch lieber gewesen.

Metal Gear Solid V: Ground Zeroes

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Ben
25. März 2014 um 11:09 Uhr (#1)
Ground Zeroes klingt irgendwie interessant. Ich stelle mir vor wie die offene Spielwelt dazu einlädt, immer neue Durchgänge zu spielen, in denen man sich andere Wege sucht und die Karte erkundet.Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass in entlegenen Winkeln noch Gehemnisse versteckt sind!
Rian
25. März 2014 um 11:18 Uhr (#2)
Früher hat man so was noch Demo Disc genannt - etwa bei Panzer Dragoon Saga für den Sega Saturn, welche einfach die erste von vier CDs des Rollenspiels war. Ich habe die hier immer noch irgendwo rumliegen und noch nie wirklich gespielt, brrr.
blackmaniac
25. März 2014 um 19:34 Uhr (#3)
Es ist und bleibt einfach eine Frechheit dafür soviel Geld zu verlangen. Als digital Only 10€ Titel hätte ich das Spiel akzeptiert, aber nicht als 30€ standalone Ladenversion.
Gast
31. Mai 2020 um 22:40 Uhr
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