Battlefield 4

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 28. Januar 2014

Battlefield 4

Jetzt endlich spielbar

Oh, EA und DICE, mit welcher Zuverlässigkeit ihr doch bugverseuchte Spiele auf den Markt werft. Battlefield 4 war da leider keine Ausnahme. Den Launch als holprig zu bezeichnen ist wohl Untertreibung. Und eben wegen diesem Launch hielt ich es auch für unmöglich, das Spiel zu testen. Jetzt, im neuen Jahr, sind wir endlich an einem Punkt angelangt, an dem man das Spiel genießen kann ohne alle 10 Minuten auf den Desktop gezwungen zu werden. Ist Battlefield 4 nun der Multiplayer-Shooter, auf den wir seit Battlefield 3 gewartet haben?

Und die Betonung liegt ganz klar auf Multiplayer. Warum der neueste Ableger der Serie schon wieder einen Singleplayer hat, weiß ich nicht. Aber ich muss den Entwicklern ein Kompliment machen: Sie haben es tatsächlich geschafft die bereits unterirdische Kampagne des Vorgängers zu unterbieten. Die hatte immerhin eine halbwegs nachvollziehbare Geschichte. Hier wird man einfach so in einen Konflikt reingeschmissen, der irgendwas mit einem Militärputsch in China zu tun hat, und es endet damit, dass der General, der geputscht hat, draufgeht. Wie der aussieht, weiß ich nicht, man trifft ihn nie persönlich. Man garniere das Ganze noch mit öden Charakteren, langweilig bis unfreiwillig komischen Dialogen und einer nicht existenten KI, die ich austricksen konnte, indem ich neben dem Panzer herlief. Fertig ist die Singleplayer-Katastrophe. Warum DICE meint, man müsse eine Levelstruktur wie bei Call of Duty verwenden, obwohl man völlig andere Mechaniken benutzt, ist mir ein Rätsel. Hier wäre ein Tipp: Vielleicht mal die Stärken des Multiplayers nutzen und anstelle von Schlauchleveln große, offene Schlachtfelder verwenden, die nicht alle zwei Sekunden eine Skriptsequenz enthalten. Der einzige Grund, warum man dennoch mal eben die Kampagne beenden sollte liegt in den freischaltbaren Waffen für den Multiplayer. Und dafür muss man die letzte Mission dreifach bewältigen, weil man ganz am Schluss die Wahl zwischen drei Enden hat und jedes Ende eine andere Waffe freischaltet. Immerhin ist die Kampagne kurz. Ich könnte noch mehr Schlechtes darüber sagen, aber das ist es nicht wert.

bf4 2014-01-26 20-06-57-52Chinesen töten ist nicht sonderlich schwierig.

Wir sind schließlich wegen dem Multiplayer hier, richtig? In bester Call-of-Duty-Manier wurde hier die Grundlage des Vorgängers genommen und darauf aufgebaut. Was im Falle von Battlefield 4 nichts Schlechtes ist. Die Summe der Änderungen ergeben ein Gesamtbild, das sich doch oft genug von Battlefield 3 unterscheidet. Der größte Fokus liegt hier auf dem "Levolution"-System. Das serienbekannte Zerstörungssystem wurde hier um einige große, kartenspezifische Verwüstungen erweitert. Bekanntestes Beispiel dürfte hier der Wolkenkratzer auf der Karte "Siege of Shanghai" sein. Im Zentrum befindet sich besagtes Gebäude, welches zur Seeseite hin von vier Pfeilern gestützt wird. Nach genug Beschuss geben diese nach und der ganze Laden stürzt ein, was nicht nur die Mitte verändert, sondern auch ordentlich Staub aufwirbelt, der die Sichtweite verringert. Weitere Beispiele beinhalten das Zerstören eines Dammes, sprengen eines riesigen Schornsteins oder Einsturz einer großen Satellitenschüssel. Levolution ist vom Ansatz her interessant, wird aber leider auf vielen Karten viel zu unscheinbar eingesetzt. Und auch auf den Karten mit großen Veränderungen hält sich der taktische Nutzen eher in Grenzen. Oftmals ist es klüger den Wolkenkratzer in Shanghai stehen zu lassen.

Neue Waffen schaltet man jetzt frei, indem man die einzelnen Waffenkategorien levelt. Wer viele Punkte mit Sturmgewehren sammelt, hat bald das Arsenal voll. Es gibt dabei drei klassenunabhängige Kategorien und vier klassengebundene. So kann nur der Supportsoldat mit Maschinengewehren losziehen, während nur Assaultspieler in den Genuss von Sturmgewehren kommen. Somit bietet Battlefield 4 in den Feuergefechten viel mehr Freiheit, da man z. B. als Recon nun auch mal mit einem Karabiner schießen darf ohne auf die schönen Gadgets verzichten zu müssen. Hier wurden ebenfalls einige Einschränkungen gelockert: Jede Klasse kann die zwei Gadgets frei wählen, sofern sie nicht artgleich sind. So kann man als Assault das Medipack einstecken und gleichzeitig einen Granatwerfer haben. Neues Zubehör für die Waffen werden weiterhin klassisch durch Kills freigeschaltet, wobei die Standardwummen nicht nackt daherkommen, sondern schon Ausrüstung montiert haben. So ist man nicht ganz aufgeschmissen, wenn man etwas später mit dem Spiel anfängt.

bf4 2014-01-15 23-24-37-06Meine Flagge.

Andere Möglichkeiten, an neues Zubehör zu kommen, bieten die sogenannten Battlepacks. Etwa alle zwei Level bekommt man eins geschenkt. Drin enthalten ist eine zufällige Auswahl an Waffenaufsätzen, die es nur in den Battlepacks gibt - neue Tarnmuster für Waffen und Uniform oder eventuell noch einen XP-Booster. Diese können, wenn man sie einsetzt, für eine Stunde die erhaltene Erfahrung um 25% bis sogar um 200% erhöhen. Das beschleunigt das Erreichen neuer Ränge auf angenehme Weise. Es wirkt auf mich aus so, als würde es eh nicht mehr so ewig lange dauern wie in Battlefield 3, bis man endlich mal einen neuen Rang erreicht. Battlefield 4 bietet reichlich zum Freischalten und ist auch darauf ausgelegt, dass man ordentlich Zeit investiert. Einziger Nachteil: Wer häufig die Klasse wechselt, darf sich am Ende der Partie ganz viele Balken anschauen, die voller werden. Ich habe es mal geschafft, dass in der ganzen Minute, die man warten muss, bis die nächste Runde anfängt, das Spiel es nicht geschafft hat, alle Fortschritte anzuzeigen. Immerhin lässt es sich überspringen.

Und wie fühlen sich die Schlachten selbst an? Meistens sehr gut. Die großen, offenen Karten verlangen eine ganz andere Vorgehensweise, Gegner können praktisch von überall kommen und das nicht nur zu Fuß. Teamwork ist hier entscheidend. Man spielt pro Team in einem Squad aus bis zu fünf Spielern. Und wenn diese sich gut absprechen und zusammenarbeiten, dann kann dies durchaus schlachtentscheidend sein. Um dabei zu helfen, gibt es endlich in der PC-Version einen squadgebundenen Voicechat. Leider nutzt den keine Sau. Aber falls doch, dann kommt tatsächlich brauchbares Teamplay bei rum. Es ist halt weitaus effizienter, wenn man in seinem Angriffsheli auch einen Co-Piloten hat. Etwas übertrieben effizient ist, wenn man in seinem Kundschaftshelikopter zwei Ingenieure sitzen hat, die ratzfatz jeden Schaden wieder reparieren. Da müssen alle mithelfen, um den vom Himmel zu holen.
Die squadweiten Boni aus Teil 3 wurden durch soldatenbegrenzte Boni ersetzt. Diese lassen sich aber durch Squadaktionen ausweiten. Für jede Squadsupportaktion füllt sich ein Balken, der immer mehr Boni freischaltet - von mehr Munition bis hin zu schnellerem Heilen ist alles dabei. Wird allerdings das gesamte Squad ausgelöscht, fängt man wieder bei null an. Glücklicherweise wird man gewarnt, falls man der letzte Überlebende der Gruppe ist. Ab und zu kann es auf den großen Karten aber doch zu Leerlauf kommen.

bf4 2014-01-19 22-55-47-83Im Anflug auf Shanghai.

Das Führen der Fahrzeuge benötigt einiges an Können. Während es noch halbwegs leicht ist mit einem Panzer beim Gegner anzuklopfen, erfordern vor allem die Fluggeräte mehr als Gas und Bremse. Anfänger erkennt man oft daran, dass sie ihren Helikopter nach dem Start im nächsten Hindernis parken. Wenn ihr das verhindern wollt, dann besucht einfach das Testgelände. Dort kann man alle Fahrzeuge ungestört testen. Ziele für Schussübungen sind ebenfalls vorhanden. Und Flugübung braucht man, da auf den Servern viele Profi-Piloten unterwegs sind und man als Anfänger sehr sehr schnell vom Himmel geholt werden kann. Wenigstens muss man die Täuschkörper nicht erst freischalten.

Schmerzlich noch im Vorgänger vermisst, ist nun der Commandermodus zurück. Ein Spieler beobachtet dabei das ganze Geschehen auf einer strategischen Karte und hilft so den Soldaten am Boden bei der Schlacht. Sei es durch gezielte Befehle für die Squads oder durch Spähdrohnen - über mangelnde Unterstützung kann dann keiner klagen. Je nachdem, welche Punkte der Karte dem eigenen Team gehören, darf man zusätzlich noch einmal nach der feindlichen Infanterie scannen oder gar eine Cruise Missile auf einen bestimmten Punkt der Karte schießen. Gesammelte Punkte kann man einsetzen, um den einzelnen Squads zu helfen, sei es durch Beförderungen oder Versorgungskisten und Fahrzeuge. Anders als noch in Teil 2 kann der Commander allerdings nicht aktiv am Geschehen teilnehmen. Hat man keine Lust mehr, kann man leider nicht als normaler Soldat ins Spiel wechseln, sondern muss erst den Server verlassen. Commander sein ist, ehrlich gesagt, ziemlich langweilig. Den Einfluss, den man auf das Spiel hat, hängt sehr stark von der Kooperation der normalen Spieler ab. Wer aber ein Tablet besitzt, dem empfehle ich die Commander App, dann kann man immerhin gemütlich vom Sofa aus kommandieren.

bf4 2014-01-19 20-05-36-10Ich trau mich halt nicht näher ran.

Mit Battlefield 4 wird so ziemlich alles richtig gemacht. Das Gameplay, welches die Serie großartig machte, wird sinnvoll erweitert, die Neuerungen gegenüber dem Vorgänger sind angemessen und es macht einen Heidenspaß. Gelegentlich kann es schon mal sein, dass man auf den großen Karten weitab von jeglichen Kampfgeschehen hockt, aber auf den meisten Karten findet sich schnell was zum Abschießen. Mit 64 Spielern kann es aber durchaus auch zu unkontrolliertem Getümmel kommen. Oftmals reichen 32 Spieler vollkommen aus. Grafisch geht DICE noch mal einen Schritt weiter und bietet hier einen unvergleichlichen Augenschmaus. Mein persönlicher Favorit ist das Wasser, welches einfach nur traumhaft aussieht - passender PC vorausgesetzt. Fans der Serie kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten, vor allem da das Spiel jetzt endlich so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Wenn DICE jetzt nur noch kapieren würde, wie man einen guten Singleplayer macht...

Battlefield 4

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A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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15. November 2018 um 13:58 Uhr
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30. Oktober 2013
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Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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