Bravely Default

(Artikel)
Joshua Peters, 24. Dezember 2013

Bravely Default

And now we play the waiting game

Hohoho! Und fröhliche Weihnachten! Oder wie Rian jetzt sagen würde: Frohen Heiligabend! Recht hat er ja. Also kommt jetzt ein Weihnachtsspecial? Ja! Also, nicht wirklich, aber im Grunde ist ja jeder unserer Artikel so was wie ein Weihnachtsspecial. Zufälligerweise fällt halt heute Weihnachten auch wirklich auf einen unserer Artikel. Und worum geht es heute? Ein Spiel, das sicherlich der eine oder andere heute unter seinem mal mehr und mal weniger metaphorischen Weihnachtsbaum gefunden hat: Bravely Default aus dem Hause Square Enix.

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Um schon mal ein bisschen was vorweg zu nehmen: Bravely Default ist so eine Art gutes Final Fantasy. Es ist ein klassisches JRPG mit Random Encountern, Speicherpunkten, einer Überwelt, einem auch schon aus Final Fantasy bekannten Job-System und rundenbasierten Kämpfen. Und trotzdem macht es genug anders und neu, um auch von einen von klassischen JRPGs inzwischen etwas angenervten Pessimisten wie mich an das Spiel zu fesseln.
Aber kommen wir erst mal zur Geschichte. Alles beginnt damit, dass sich ein Dorf unfreiwillig dazu entscheidet nur noch ein riesiges Loch im Boden zu sein. Die einzige Person, welche bei diesem Kataklysmus nicht sein Leben lassen muss, ist der junge Schafhirte Tiz. Nachdem dieser in einer Herberge in der Hauptstadt aufwacht, macht er sich sogleich auf den Weg zum Loch (okay, erst zum König, aber dann zum Loch) und findet dort die liebreizende Agnès vor. Agnès ist die Hüterin eines Kristalls. Nicht irgendeines Kristalls, sondern von einem der vier Kristalle, welche die Welt zusammenhalten, dem Kristall des Windes. Dieser wurde kurz vor der Verlochung des Dorfes Norende verdorben. Ob das miteinander zusammenhängt? Keine Ahnung. Jedenfalls hat sich Tiz der Queste von Agnès, dem Ganzen auf die Spur zu gehen, angeschlossen. Schafe zum Hüten sind ja offensichtlich nicht mehr da. Außerdem will er ja auch herausfinden, was es mit dem Spaß auf sich hat. Außerdem noch nebenbei Norende wiederaufbauen. Zu den Beiden gesellt sich dann noch Ringabel, der Herr mit Amnesie und dem gruseligen Tagebuch, das ihm die Zukunft verrät aber nicht seinen Namen, und die leicht aufbrausende Deserteurin und Hauptmannstochter Edea. Deserteurin? Es ist nicht einfach nur mit dem komischen Loch getan, nein, ein anderes Königreich meint auch noch, es müsste arg Terror machen, weil die die Hüterin Agnès haben wollen. Was der Rest der Nation natürlich nicht weiß. Naja, und nachdem einer der Generäle meinte, er müsste es etwas übertreiben und Unschuldige töten, ging es mit Edea durch und schon gehörte sie zur Party.
Von besiegten Generälen bekommt man im Übrigen neue Jobs. Also, nicht so arbeitstechnisch, sondern Klassen, wisst ihr? Ihr wisst. Na gut, man bekommt sie nicht NUR von Generälen, aber am Anfang sehr viele nur auf diese Weise. Was die Jobs angeht, so kann jeder Char auch jeden Job annehmen. Und es sind prinzipiell auch alle gleich gut für die Jobs geeignet. Was auch der Grund ist, warum ich Tiz zum Weißmagier gemacht habe und die hübsche Agnès in eine fette Rüstung steckte. Erfahrung gibt es für Job und allgemeinen Level getrennt.

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Der Kampf ist, wie anfänglich schon erwähnt, rundenbasiert. Dafür gibt es aber zwei/drei Mechaniken, die das Ganze ein bisschen aufputschen und um eine weitere taktische Komponente ergänzen. Zum einen hat man einen Counter neben seinem Portrait, der einem sagt, wie viele Runden man zur Verfügung hat. Wenn man einfach ganz normal seinen Kampf spielt, wie man es von diesen Spielen gewohnt ist, dann muss man sich darum nicht viele Gedanken machen. Nutzt man allerdings die Brave/Default-Mechanik, lässt sich nett damit rumspielen. Nutzt man Default, so wird der Schaden, den man bekommt, reduziert und es wird die Runde "aufgespart". Nutzt man Brave, bekommt man eine Extrarunde auf Pump. Diese muss man aber nachzahlen. Hat man in der Runde zuvor Default benutzt, so kann man sich in der nächsten Runde also ruhig zwei Aktionen gönnen ohne einen Abzug zu bekommen. Ganz Verwegene können sich aber auch, wenn sie sicher sind, es sich leisten zu können, einfach mal vier Aktionen in einer Runde ziehen. Man muss nur einfach hoffen, den Gegner damit auch töten zu können, oder sich sicher sein, den Char einfach nicht mehr einsetzen zu müssen. Das also mit seinem Heiler zu tun ist nicht zu empfehlen, denn der kann dann die nächsten drei Runden nur rumstehen und zugucken. Sollte man es mit allen seinen Chars gemacht haben... na ja, sie würden erst mal drei Runden kassieren ohne etwas tun zu können. Nicht schön.
Ein weiteres Feature: Senden/Empfangen. Man kann per Senden die nächste Attacke, die der Charakter ausführt, in die Weiten des Interwebs schicken. Dort gammelt sie dann rum, bis sie jemand Zufälliges über die "Aktualisieren"-Funktion im Speichermenü abholt. Oder man holt sie per Streetpass. Auf jeden Fall bekommt sie jemand. Per Empfangen, und das ist etwas irreführend, empfängt man keine Attacken, sondern kann die Attacken einsetzen, die man anderweitig schon Empfangen hat. Und auch nur einmal. Sie mögen also stark sein, aber man sollte sich überlegen, wann man sie einsetzt. *hust* BOSSE *hust* Man empfängt aber nicht nur Attacken über den Äther, sondern auch neue Dorfbewohner für Norende. Und jeder dieser Dorfbewohner scheint mindestens nebenberuflich ein Bauarbeiter zu sein, denn mit diesen Dorfbewohnern kann man Norende wieder aufbauen. Das funktioniert ein bisschen wie in einem alten Browsergame, wo man sich aussucht, was man bauen will, und dann muss man warten, bis es fertig ist. Zum Glück kann man für eine Arbeit mehrere Arbeiter zuweisen, durch die die Zeit dann geteilt wird. Wer will auch schon 99 Stunden warten, bis etwas fertiggestellt ist? Also ich bestimmt nicht! Je nachdem, was man denn so baut, erhält man Geschenke, Spezialattacken oder die Möglichkeit bestimmte Items bei den Speicherpunkten zu kaufen. Das können sowohl Tränke als auch Rüstungen und Waffen sein. Ach ja, die Speicherpunkte. Ein ungeliebtes Relikt aus den alten Tagen. Aber was ist das? Ich bin gerade in ein neues Gebiet und oben in der linken Ecke sah ich, wie sich eine Feder bewegt? Könnte es etwa sein...? Ja. Ja, es gibt zwar Speicherpunkte, aber das Spiel speichert selbst auch regelmäßig bei den meisten Bildschirmwechseln, so dass man nach dem Sterben nicht in die Verlegenheit kommt drei Stunden wiederholen zu müssen, weil man nicht gespeichert hat.

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Was lässt sich letztendlich über das Spiel sagen: Es ist ein klassisches JRPG in neuem Gewand. Nicht so wie die heutigen Final Fantasies, sondern richtig. Das Kampfsystem ist dank der Neuerungen motivierend, obwohl man es ja eigentlich schon 25.000 mal gesehen hat, die Grafik gefällt mit ihrer Knuddeloptik auf wunderschönen, handgezeichneten Hintergründen, das Jobsystem macht Spaß, so wie jedes Jobsystem Spaß macht. Die vielfältigen indirekten Interaktionen mit anderen Spielern versüßen einem das Erlebnis und außerdem wird man von dem Spiel quasi fürs Idlen belohnt, weil die Zeit, die die Gebäude im Dorf brauchen, um fertig zu werden, auch im Standby immer weiter läuft. Zudem ist das Spiel fast komplett auf Englisch UND Japanisch vertont, so dass man sich die Tonspur aussuchen kann, die einem mehr zusagt, und es lassen sich auch viele kleine Änderungen an der Schwierigkeit vornehmen. Zu viele Random Encounter? Dreht die Wahrscheinlichkeit runter. Ihr wollt grinden? Dreht sie hoch! Selbst ob man für Kämpfe Geld bekommt, lässt sich ein- und ausschalten. Zudem gibt es auch nette AR-Einlagen und schön animierte Zwischensequenzen. Kleiner Wermutstropfen: Es wäre nicht Square Enix, wenn sie nicht irgendwie Microtransactions eingebaut hätten. Man kann so Tränke kaufen, welche bestimmte Punkte aufladen, die man im Kampf benutzen kann. Diese bekommt man allerdings auch wenn man das Spiel im Standby hat. Man MUSS also kein Geld ausgeben. Würde ich auch nicht zu raten. Ansonsten kann ich das Spiel nur jedem Fan japanischer Rollenspiele empfehlen. Es hat schon seinen Grund, warum das Spiel selbst auf Amazon ausverkauft ist und nur noch bei dubiosen Händlern für ~60€ über die Theke geht. Joshua

Bravely Default

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Kristin
27. Dezember 2013 um 15:02 Uhr (#1)
Keine Panik! Bravely Default ist wahrscheinlich schon nächste Woche, ansonsten wieder im neuen Jahr in den Multimedia-Märkten zu finden - zum normalen Preis.
Gast
20. September 2019 um 22:55 Uhr
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RELEASE
06. Dezember 2013
PLATTFORM
Nintendo 3DS
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