Tearaway

(Artikel)
Haris Odobaši?, 20. November 2013

Tearaway

Und der Haris in der Sonne schaut zu

Wie fühlt sich eigentlich an, wenn man wieder Kind ist? Eine Frage, die man sich als Erwachsener gerne mal stellt, aber selten wirklich beantworten kann: diese Faszination, die man in seinen jungen Jahren verspürt, wenn die Fantasie der wichtigste Wegbegleiter und Spielkamerad ist, lässt sich nur schwer replizieren. Darum ist es umso schöner, dass man gerade dieses Gefühl bei Tearaway ziemlich schnell wieder hat.

Denn die Welt in Media Molecules neuestem Spiel, die in einem vor Details nur so strotzendem Papierlook daherkommt, lädt euch höchstpersönlich zum Erforschen, Erkunden und Entdecken ein. Nicht irgendeine erfundene Figur, in deren Haut ihr schlüpft, nein, ihr seid zentraler Protagonist. Es sind eure Hände, die in die Welt hineingreifen, und euer Gesicht, welches durch die Sonne quasi immer sichtbar ist. Und am Ende ist es eure Vorstellungskraft, die die Welt von Tearaway entscheidend prägt. Denn in diesem fantastischen Abenteuer, in dem ihr einem laufendem Briefumschlag – dem Kurier – helfen sollt, eine wichtige Nachricht an euch zu überbringen, wird quasi immer wieder nach eurer persönlichen Note gefragt. In gewisser Weise seid ihr in Tearaway ein Gott, wenn auch nicht der molyneuxsche Videospielgott, der auf Krieg und Zerstörung aus ist, sondern eine milde und wohlwollende Gottheit, die ihre eigene Kreativität nutzt, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Tearaway-PS-Vita

Auf eurem Weg dahin ist Kooperation und Freundschaft ein zentrales Thema. Denn euer Briefumschlagsfreund, Atoi beziehungsweise Iota genannt, je nachdem ob ihr eine weibliche oder männliche Figur wählt, steuert sich zwar wie ein typischer Plattformer-Charakter, springt, rollt und rennt putzmunter durch die Welt, aber Tearaway legt euch immer wieder Hindernisse in den Weg, die von ihm nicht alleine überwunden werden können.
Hier kommt ihr ins Spiel, ausgestattet mit der gesamten Macht der Vita: So könnt ihr über beide Touchflächen mit der Spielwelt interagieren. Wenn ihr zum ersten Mal mit euren Fingern in die Welt hineingreift, um den Kurier vor den Schnipseln, den Hauptantagonisten im Spiel, zu beschützen, er daraufhin mit einem faszinierten Blick zur Sonne schaut und ihm euer Gesicht entgegenblickt, ist das ein wirklich magischer Moment, der ein Band zwischen Spieler und Kurier formt, welches im Verlaufe der gut sechs Stunden Spielzeit immer stärker wird. Es ist eines, ein Spiel durch Projektion auf die Hauptfigur zu erleben, aber ein komplett anderes Gefühl, wenn man wirklich sagen kann, dass man am Werk war.

Im Verlauf von Tearaway wird man das bei sehr vielen Dingen behaupten können, denn, wie man es von einem Spiel von Media Molecule erwarten würde, steht die Kreativität des Spielers im Vordergrund. Ihr könnt das Aussehen eurer Hauptfigur jederzeit verändern und an vielen Stellen werden euch Charaktere im Spiel bitten, ihnen zu helfen. Beispielsweise trifft man schon früh den Eichhörnchen-König, der seine Krone verloren hat. Also wird man im Spiel an einen Basteltisch verfrachtet, an dem man per Touchscreen aus Papier eben eine solche schneiden soll. Nach und nach wird deswegen mehr und mehr in der Welt euren persönlichen Touch tragen, was dafür sorgt, dass der Effekt der aktive Mitwirkung nur noch verstärkt wird und die Immersion ins Spiel entsprechend stark ist.

Tearaway-Basteln

Ich hatte insbesondere viel Spaß dabei, mir auf der zum Spiel zugehörigen Webseite www.tearaway.me anzuschauen, wie die anderen Spieler diese Elemente in ihren Spielen gestaltet haben. Dank einer ziemlich mächtigen Kamera – die zum Beispiel mehrere Filter und Linsen bietet – kann man nämlich reihenweise toller Screenshots machen, die dann auf die Webseite hochgeladen werden können, wobei auch das Teilen auf den gängigsten sozialen Netzwerken problemlos möglich ist.

Außerdem hat die In-Game-Kamera noch einen zweiten, echt coolen Nutzen. Manchmal begegnen einem Objekte im Spiel, denen jegliche Farbe fehlt. Fotografiert man diese, gewinnen sie nicht nur ihre Farbe zurück, sondern man schaltet auch noch eine Anleitung auf der Webseite zum Ausdrucken frei, um diese Objekte auch selbst nachbauen zu können. Im Endeffekt gibt es mehr als 50 Papier-Modelle, die man so freispielen kann, um die im Spiel oft betrachtete Vermischung zwischen realer Welt und virtueller Welt noch weiter zu intensivieren.

Tearaway-Papercraft

Doch nicht nur diese Papiermodelle werden euch in die Außenwelt begleiten, die Musik von Tearaway ist ein weiterer Aspekt, der euch nur schwer wieder aus dem Ohr gehen wird. Der Soundtrack präsentiert sich als Mix aus Folk und Electro, was sich vielleicht etwas seltsam liest, aber viel, viel besser anhört als das, was ihr euch gerade vorstellt. Und dieser ungewöhnliche Mix passt zu der mindestens genauso ungewöhnlichen Tearaway-Welt wie die Faust auf’s Auge.

Wenn man vielleicht etwas an Tearaway kritisieren kann, dann, dass die Platforming-Aspekte oftmals den Eindruck erwecken, ein Mittel zum Zweck zu sein, statt eines der Haupt-Gameplayelemente. Sie sind nicht wirklich schlecht – die Steuerung ist gut und der ein oder andere knifflige Sprung sorgt dafür, dass ihr nicht komplett auf Autopilot schaltet –, aber in einem Spiel voller memorabler Momente sind eben diese Situationen, in denen ihr weder kreativ sein könnt, noch die Möglichkeiten der Vita irgendwie ausgeschöpft werden, sehr schnell vergessen.
Dazu passt dann auch, dass der Herausforderungsgrad eher niedrig ist. Regelmäßige Checkpoints verhindern, dass ihr jemals wirklich eine längere Abschnitt wiederholen müsst, während sowohl Sprung- als auch Kampfpassagen größtenteils frustfrei ablaufen.

Tearaway-Schweinereiten

Tearaway entführt euch nicht nur in eine magische Welt voller Charme, an die ich euch auch noch nach dem Spielen gerne zurückerinnern werdet, sondern nutzt auch die Fähigkeiten der Vita voll und ganz. Tearaway wäre auf keiner anderen Plattform möglich – zumindest nicht ohne signifikante Abstriche, die der Spielerfahrung nachträglich wären. Doch anders als bisherige Spiele, die die Möglichkeiten der Vita eher als Gimmick interpretierten, hat Tearaway auch aus spielerischer Sicht viel Substanz in einem Genre zu bieten, in dem mittlerweile quasi nur noch Mario und Rayman existieren und dem der frische Wind nicht schaden wird. Auch wenn die Spielebibliothek der Vita noch immer eher ihre Stärken in Ports von anderen Konsolen hat, ist Tearaway ein vordergründiges Argument dafür, dass Sonys zweiter Handheld mittlerweile in jeden gut-sortierten Gamerhaushalt gehört. Die Playstation Vita hat ihre Killer-App. Haris

Tearaway

(Ranking)
S
RANK
Herausragend. S-Spiele erweitern Horizonte. Sie bieten intensive Erlebnisse oder halten den Spieler noch lange am Bildschirm gefesselt. Selbst wenn man sie nicht jedem empfehlen kann, will man doch mit jedem über sie reden.

Kommentare

SushiCat
21. November 2013 um 11:11 Uhr (#1)
Mag auch *__*
Rian
21. November 2013 um 17:36 Uhr (#2)
Nur interessant, wenn im Spiel auch Feuer eingeführt wird.
Gast
09. Dezember 2019 um 12:33 Uhr
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RELEASE
22. November 2013
PLATTFORM
PS Vita
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