Pokemon X/Y

(Artikel)
Rian Voß, 21. Oktober 2013

Pokemon X/Y

Bindung jenseits von Bindung

Pokémon ist ein Spiel der Vorstellungskraft. Als meine Eltern mich vor 14 Jahren pausenlos mit dem Game Boy daddeln sahen, waren sie besorgt, dass ich nicht genug rauskäme. In Wahrheit war ich draußen. Draußiger als draußen. Ich habe mit meinen Pokémon-Freunden Abenteuer erlebt, die Welt bereist, Team Rocket besiegt und wurde der Allerbeste, wie keiner vor mir war. Auch ohne tiefgründige Möglichkeiten der Interaktion zu meinem Team fühlte ich mich zu meinen Taschenmonstern verbunden und jeder KO, der mein Turtok, mein Raichu oder mein Gengar traf, tat mir persönlich weh und ich bin so schnell wie möglich zum Pokécenter zurückgelaufen, um die Verletzungen zu heilen - an ihrem Körper und meinem Herzen.

Jedes Pokémon hatte natürlich auch einen Spitznamen - eine Praxis, die ich weiterhin durchziehe, die aber unverständlicherweise bei meinen werten Kollegen abhanden gekommen zu sein scheint. Warum, weiß ich leider nicht, schließlich ist es viel emotional spannender, wenn ich mein Duokles mit "Weiter so, Attila!" anfeuern kann. Und jeder aus der Redaktion kennt meine Pokés auch mit Namen. Keiner sagt mir "Boah, Rian, dein Relaxo stinkt von hier bis nach Krakau", sondern "Boah, Rian, wasch Soma mal." Personalisierung vertieft jede Erfahrung!

Pokemon-Amie

Spitznamen waren einst aber auch das Einzige, womit man wirklich eine persönliche Bindung zu seinen Tieren aufbauen konnte. Inzwischen hat sich da viel getan: Mit Pokémon X/Y gibt es individuelle Pokémon (Vivillon ist je nach Region mit einer anderen Flügelfarbe besehen, Coifwaff lässt sich wie ein Pudel frisieren), man kann seine Viecher über das Supertraining in ihren Stärken ausbauen oder Schwächen ausgleichen und natürlich gibt es immer noch das neue PokéMonAmi. Mit dieser "App", die sich quasi jederzeit aufrufen lässt, hat Game Freak das Unheiligste aller unheiligen Manöver gewagt und ein Tamagotchi mit all unseren Lieblingspokémon in das Hauptspiel eingepflegt - man kann sein Fennyx streicheln, das Psiau mit Pofflé-Törtchen füttern, die Pokémon anderer Trainer treffen, die Umgebung dekorieren oder mit Grimassen vor der 3DS-Kamera das Nachtara erheitern. Jedes einzelne Pokémon ist dabei in PokéMonAmi mit seinem 3D-Modell und individuellen Animationen integriert - um die 700 Pokémon. Das ist WAHNSINN. Das Vivillon tanzt in der Luft, das Trasla macht seine Pirouetten und wenn man die richtige Stelle zum Kraulen findet, dann ist das Pokémon ganz besonders happy. Soma mag's gern hinter den Ohren.

Durch Streicheln, Füttern und Spielen stärkt man die Bindung zu seinem Pokémon. Das ist nicht nur irgend so ein Wert, der das Pokémon dazu veranlasst, im Kampf mal zusätzlich einer Attacke auszuweichen, sondern ist auch harmonisch in die Gefechte mit eingepflegt, indem ein Zuneigungs-Bonus durch einen kleinen Kommentar verfeinert wird: "Garados erinnerte sich an einen Ratschlag, den Rian ihm gab, und landete einen Volltreffer" oder "Damit Rian sich nicht sorgt, wacht Bisasam auf!" Oft werden Kämpfe auch durch eine zufällige Nachricht eingeleitet: "Eneco ist neugierig, was Rian in seinem Beutel hat..." oder auch "Fennexis und Rian verstehen einander ohne Worte." Leute, während ich das schreibe, kriege ich schon feuchte Augen! Man steckt so viel Arbeit in seine Pokés und es ist so schön, dass es auf diese simple Art und Weise belohnt wird.

poke-02

Simplizität ist dabei auch der eigentliche Schlüssel: In Pokémon wurde schon immer viel über die Texte erledigt. Selbst mit der neuen Grafik bleibt immer noch genug der Vorstellungskraft des Spielers überlassen. Und wem diese Vorstellungskraft nicht ausgegangen ist, dem genügt so eine kleine Notiz, um die Fantasie zu entfachen und vor dem inneren Auge sehen zu können, wie Glurak mit lodernder Entschlossenheit auf Basis der Freundschaft zu seinem Trainer mit besonderer Stärke seinen Feinden gegenübersteht und einen unmöglichen Sieg erringt.

Diese Liebe zum Detail und die Aufrechterhaltung guter Design-Konzepte hat es geschafft, das meine Pokémon-Leidenschaft seit Rot/Blau endlich wieder aufleben konnte. Und das alles durch ein blödes Tamagotchi! Man lernt nie aus. Rian

Kommentare

Efe
Gast
25. März 2014 um 19:33 Uhr (#1)
"We have the same dawn and night, we skirt the same abysses: our uncnesciousonss. We even share the same history and that is how it all started. "Notes on a Materialist TheatreLouis Althusser 1963
Gast
25. Juni 2019 um 10:05 Uhr
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RELEASE
12. Oktober 2013
PLATTFORM
Nintendo 3DS
Plattform

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