Zeno Clash 2

(Artikel)
Rian Voß, 14. Oktober 2013

Zeno Clash 2

Ganz großer Käse

Nachdem die Credits von Zeno Clash 2 über den Bildschirm flackerten, war ich doch ein wenig verwundert. "Moment mal, war Zeno Clash nicht ein gutes Spiel?" fragte ich mich. Da musste ich mir doch mal mein Review angucken. Und tatsächlich, ich schrieb etwas von "erzählerische[r] Brillanz, spielerische[r] Finesse und eine[m] subtilen Abwechslungsreichtum". Was ist da nur schief gelaufen?

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Was bei Zeno Clash eine nette Dreingabe war, ist nun die größte Stärke: Die Story des Spiels macht ordentlich was her. Die Handlung ist einige Zeit nach dem Sieg über FatherMother platziert. FatherMother, die so viele neugeborene Kinder gestohlen hat, dass diese eine eigene Stadt bevölkern konnten, ist hinter Schloss und Riegel. Der Golem, der seinerzeit Ghat und Deadre beim Putsch geholfen hat, hat nun selbst die Macht ergriffen und versucht mit Gesetzen und zivilisierten Institutionen, zu denen etwa auch das erlauchte Gefängnis gehört, ein wenig Fortschritt und Ordnung ins Chaos auf Zenozoik zu bringen. Mit mäßigem Erfolg, denn die Mad-Max-Anarchos haben sich offensichtlich ganz gut in ihren Müllhäusern eingelebt und nur wenigen gefällt es, sich der Macht des Golems zu unterwerfen. Viel tun können sie aber nicht, denn der Typ hat sich irgendwie mit allen Zenos verknüpft, so dass nach einem erfolgreichen Attentat auf den Koloss jeder Bewohner dasselbe Schicksal teilen würde. Wer weiß Rat? FatherMother! Also wird der Vogelmensch aus dem Knast geholt und dann sehen wir mal weiter. Insgesamt weiß die Geschichte durch ein paar gut gestreute Hinweishäppchen bei der Stange zu halten und entlohnt auch entsprechend zum Ende hin.

Allerdings bleibt vom sonstigen Charme Zenozoiks nicht mehr viel übrig. Der Lack ist ab. Da hilft auch das ständige Bühnenbildrecycling nicht (Rückkehr in die Stadt Halstedom, Rückkehr in die Corwid-Wälder, Rückkehr zum Ende der Welt...). Nicht nur das, sondern das Spiel ist auch allgemein sehr hässlich. Der erste Teil wusste 2009 noch mit einem abstrakten Charme zu besäuseln, auch ließen viele schnelle Sequenzen kaum Zeit, sich gründlich umzuschauen. Der Augenwinkel war angetan, der Rest fixierte auf den anspruchsvollen Kampf. Zeno Clash 2 bedient sich nun, statt der dicht gepackten Areale, einer semifrei begehbaren Welt und wird dadurch bewusst gebremst, was zu gemütlicher Erkundung einladen soll. Dadurch bemerkt man aber auch viele der unschönen Umgebungselemente viel eher, etwa die lächerlich kugelrunden Musterbüsche; man kann nicht mehr über harte Winkel, matschige Texturen und Einfarbigkeit in einer organisch gedachten Welt hinwegsehen. Da ist es fast schon niedlich, wie ACE Team ihre Faulheit in Dialogen zu erklären versuchen: "Habt ihr bemerkt? Die Gegner sehen exakt gleich aus, haben exakt den gleichen Skill. Es sind Kopien voneinander!" Oder: "Hey, sah die Wandzeichnung beim letzten Mal nicht genauso aus?" "Ihr versteht nichts von Kunst!"

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Diese organische Welt zeichnet sich dabei vor allem durch eins aus: Leere. Es gibt wenig zu sehen und noch weniger zu erleben, denn die auf unerträgliche Größe gestreckten Level sind in erster Linie ein Vorwand für eine wilde Schnitzeljagd nach Skillpunkten, Motten und sonstigen Sammelobjekten, was regelrecht in Arbeit ausartet. Wo andere Spiele den Entdecker mit neuen Eindrücken oder dem einen oder anderen Secret belohnen, gibt es in Zenozoik absolut nichts Interessantes zu sehen, stattdessen läuft man vielerorts gegen unsichtbare Wände oder findet leere Höhlen vor, in die vielleicht mal irgendwann während der Entwicklungsphase etwas hineingesteckt werden sollte. Doch dann wurden diese Orte vergessen.

Ebenfalls hat das ACE Team wohl vergessen, wie man Gegner sinnvoll in der Welt platziert, oder waren einfach mit dem zusätzlichen Freiraum überfordert: Wenn nicht gerade ein obligatorischer, großer Kampf durch einen pompösen "VS"-Bildschirm angekündigt wird, dann lungern auf den Straßen von Zenozoik immer mal wieder ein paar Banditen herum oder Monster grasen die Landschaft ab. Gegen die kann man kämpfen. Da aber alle Gegner unglaublich langsam auf den Beinen sind, kann man auch einfach an ihnen vorbeilaufen. Nachteile hat es keine, denn Ghats Fähigkeiten steigert man einzig und allein durch in der Gegend angebrachte Totems, die mal einen, mal drei Punkte geben und sich auf die Eigenschaften Stärke, Lebensenergie, Stamina und Führungskraft verteilen lassen.

Insbesondere Führungskraft klingt erst mal interessant, da man sie hochskillen kann, um immer stärkere Figuren im Spielverlauf als Partner zu rekrutieren. Allerdings sind diese nach einem Kampf erst mal geschafft und müssen sich heilen, so dass sie nur in 50% aller Fälle verfügbar sind ("Oh, du betrittst einen Bosskampf? Sorry, aber ich bin noch total geschafft von den drei Grillen, die ich eben zertreten musste."), und sie nehmen es einem im Kampf dermaßen übel, wenn man sie mal aus Versehen schlägt, dass sie sich sofort gegen einen stellen und wir uns so quasi selbst das Handicap bezahlt haben. Herzlichen Glückwunsch. Aber hey: immerhin können wir die Story auch online im Ko-op spielen, das macht das wilde Rumgeboxe zumindest etwas interessanter!

Die einzige Verbündete, den wir letztendlich brauchen, ist und bleibt unsere loyale Kette. Dies ist die erste von vier Spezialwaffen, die man im Spielverlauf erhält, und sie ersetzt das alte Kampfsystem in seiner Gänze. In der Theorie müsste Ghat mit Schlägen und Tritten in der Egoperspektive Spezialkraft aufbauen, um dann knallharte Sonderattacken abfeuern zu können. Des Weiteren soll man sich zum Blockmeister avancieren, gegnerischen Angriffen gekonnt ausweichen und dann gnadenlos in Verteidigungsbreschen reinprügeln, während man darauf achtet nicht umzingelt zu werden. Das alles braucht man allerdings nicht, denn die Kette frisst auf Knopfdruck nur ein wenig Stamina, schnellt sofort hervor, trifft alle Gegner bummelig in einem 180°-Radius zweimal, betäubt sie (selbst Bossgegner) und macht ordentlich Schaden. Außerdem trifft man mit ihr auf einige Meter Entfernung noch sehr gut, was auch nötig ist, denn im Nahkampf schlägt Ghat selbst dann daneben, wenn er direkt vor einem Gegner steht und zum Rundumschlag ausholt.
Zum ohnehin schon übermäßig starken Ketteneinsatz gesellt sich eine Eigenart, die beim Playtesting, sofern es denn eins gab, wohl übersehen wurde, denn Stamina lädt sich schneller auf, wenn man es einmal komplett verbraucht, anstatt dass Verschwendung bestraft wird. Skillt man dann noch Stamina gleich als erstes hoch, kann man die Kette quasi ohne Staminaverlust einsetzen und ewig spammen. Auf diese Weise lässt sich so gut wie jeder Kampf gewinnen.

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Thema "Kein Playtesting": Es gibt einen Bug, der einen zum Laden des letzten Checkpoints zwingt. Im ganzen Spielverlauf ist es mir dreimal passiert, dass Ghat auf einmal sehr viel langsamer wird und die Angriffsknöpfe den Dienst versagen. Fallen hilft nicht, geschlagen werden hilft nicht, nur der Quickload hilft.
Auch hat der Sounddesigner sehr viel gepfuscht. Eigentlich ist der Soundtrack von Zeno Clash 2 mehr als ordentlich, wird aber in vollkommen unpassenden Momenten eingesetzt. Da läuft man friedlich durch Halstedom, hört aber ein aufgekratztes BUMMTSCHAKA BUMM DA BUMM DA BUMM TSCHAKA. Dann kommt man auf eine grüne, weitläufige Wiese mit Blümchen, auf einmal setzen Hitchcock-Streicher ein, Turmglocken läuten und Choräle singen laut "Aaaaaaah!" Ich dachte, dass jeden Moment Sephiroth vom Himmel fällt, aber nichts geschah.
Damit ist der Sound-Fehltritt aber noch nicht abgehakt: Kampfmusik läuft auch gerne mal nach Kämpfen einfach weiter oder wird unvermittelt zu totaler Stille abgeschnitten. Die Synchronsprecher sind unüberzeugend und gewollt. Das ist wiederum nicht ganz so wild, denn die Musik wird oft so laut eingespielt, dass man eh kein Wort verstehen kann.

Trotz allem hatte ich Spaß beim Spielen. Nicht viel, aber ein ganz klein wenig, was hauptsächlich der Story geschuldet war und dass die Kämpfe nicht mehr nervten, nachdem ich den Kettencheat herausfand. Wirklich empfehlenswert ist Zeno Clash 2 aber nicht. Rian

Zeno Clash 2

(Ranking)
F
RANK
F wie Fail. Kaum von Wert. Hier jagt eine Schwäche die nächste. Niemand braucht das, niemand will das. Nicht einmal geschenkt.

Kommentare

Ben
20. Oktober 2013 um 12:02 Uhr (#1)
Schade.. nach dem interessanten ersten Teil.
Gast
29. November 2022 um 14:39 Uhr
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Spiele des Artikels

RELEASE
30. April 2013
PLATTFORM
Playstation 3
Plattform
Xbox 360
Plattform

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