flower & flOw

(Artikel)
Kristin Riedelsberger, 11. Oktober 2013

flower & flOw

Stimmungsvolle Spiele-Bonschis

Wer das fantastische Journey in der 19,99 € teuren Sammleredition ersteht, der bekommt die Titel flower und flOw gleich mitgeliefert - und nachdem mich meine erste Reise so vom Hocker gehauen hat und mich mit staunendem Mund zurückließ, habe ich mir natürlich bald darauf die zwei anderen Titel angeguckt!

Ganz ehrlich: Ich hätte sie vor Journey spielen sollen. Nicht nur, dass mein Blick auf die beiden Spiele-Häppchen jetzt irgendwie getrübt ist und ich ohnehin Skrupel habe, thatgamecompany ernsthaft zu kritisieren, sondern die Spiele sind jetzt auch irgendwie... etwas ernüchternd. Schön und sehr atmosphärisch zwar, mit wunderschönen Farbspielereien und entspannender Musik. Aber dann doch irgendwie etwas zu meditativ, um wirklich interessant zu sein.

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Auf dem Startbildschirm wird man folgerichtig auch mit der Aufforderung begrüßt, sich zurückzulehnen und einfach zu genießen, und dafür ist das Spiel tatsächlich absolut perfekt: Nach einer halben Stunde Spielzeit war ich so tiefenentspannt, dass ich direkt hätte ins Bett fallen können.

In flower beginnt ihr als kleines, einzelnes Blumenblatt eure Reise über die ausgedörrten Felder vor der dunklen Industriehochburg, immer auf der Suche nach kleinen Blümchen, die zwischen dem gelben Gras ihre geschlossenen Köpfe hervorstrecken. Durch seitliches oder Vor- und Zurückneigen des Controllers lasst ihr euch auf Windwogen zu ihnen hin tragen, die ihr mit dem X-Knopf auslöst - und mehr zu tun gibt es eigentlich auch nicht. Mal wirbelt ihr zart und langsam in kleinen oder großen Kreisen vor dem blauen Himmel herum, mal saust ihr schnurstracks durch das hohe Gras über die nächste goldschimmernde Tulpe hinweg, die, kaum habt ihr sie berührt, ihre Blüte öffnet und euch eines ihrer Blütenblätter mit auf den Weg schickt.

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So geht es immer weiter, bis euer erstes kleines Blatt einen ganzen Schwarm anderer, ganz verschiedenfarbiger Blätter anführt. flower ist ein digitaler, sehr bunter Herbststurm im goldenen Oktober, nur dass das Gras um euch her immer grüner wird, je mehr träumende Blümchen ihr aus ihrem Schlaf erwacht - und wenn ihr schließlich das Ziel erreicht, erscheint ein neues Pflänzchen auf der Fensterbank eures dunklen Appartements, mit dessen Blütenblatt ihr anderswo auf Reisen gehen könnt.

Doch letztendlich ist das, was ihr tut, immer genau das Gleiche, so abwechslungsreich die Natur, durch die ihr saust, auch sein mag. Deswegen: eher langweilig. Aber trotzdem nicht schlecht. Mit seinen kurzen Episoden, der schönen Musik, die durch jede sich öffnende Blüte um einen sanften Ton bereichert wird, und seinen märchenhaften Farben ist flower das perfekte Spiel gegen Prüfungsangst oder Einschlafstörungen.

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fl0w, auf der anderen Seite, ist für mich, ehrlich gesagt, nichts weiter als ein sehr hübsches Multiplayer-Nibbly: Ihr seid eine Amöbe im Wasser, esst andere Amöben, und werdet dabei länger. Das ist nun wirklich nicht so innovativ... Und dass man gemeinsam spielen kann, daran habe ich jetzt auch keinen echten Nutzen oder eine Erhöhung des Fun-Faktors feststellen können, denn eigentlich bedeutet es nur, dass einem der Mitspieler genau das kleine Quallentierchen vor der Nase wegschnappen kann, das man selbst gerne essen wollte - was total im Widerspruch zum Chill-Anliegen liegt, das thatgamecompany ja mit ihren Spielen verfolgen! Auch die Steuerung war meinem Spielvergnügen weniger zuträglich: Die Bewegungs-Steuerung des Controllers machte bei der Schulterperspektive von flower oder bei Journey Sinn für mich und war recht intuitiv, doch bei flOw sollte ich sie plötzlich auf eine Vogelperspektive transferieren. Gerade im Anschluss an flower war das irgendwie extrem schwierig... Aber, fairerweise zuzugeben: Mein Mitspieler wusste wie. Lag also vielleicht an mir.

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Abschließend muss ich leider sagen, dass ich mir wohl beide Spiele nicht mehr zur Brust nehmen werde - da geh ich viel lieber noch mal auf Reisen! Das "leider" ist also sehr relativ zu verstehen: flower und flOw sind als gedankliche Vorgänger von Journey zu verstehen, als hübsche kleine Prototypen, und Journey ist die den beiden Kleinkindern weit, weit, WEIT überlegene Königin meditativen, emotionalen Spielvergnügens. Nicht mehr und nicht weniger. Kristin

Kommentare

blackmaniac
12. Oktober 2013 um 11:06 Uhr (#1)
Flower war übrigens eines der Spiele, die man in der Smithonian "The Art of Videogames" Ausstellung spielen durfte
Gast
21. Oktober 2019 um 20:54 Uhr
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