Splinter Cell: Blacklist

(Artikel)
Benjamin Strobel, 06. September 2013

Splinter Cell: Blacklist

Der neue Sam weiß, wie man schleicht

Mit Splinter Cell hat uns Ubisoft Sam Fisher vorgestellt und revolutionierte das Stealth-Genre. Pandora Tomorrow knüpfte an die Erfolge an und Chaos Theory perfektionierte die Formel. Dann kam Double Agent. Dann kam schließlich Conviction, das mit der Vergangenheit brach und einen Sam zeichnete, der mehr mit erhobener Waffe stolzierte als leise durch den Schatten zu schleichen. Splinter Cell: Blacklist kommt als Kind zweier Welten zu uns und vereint Elemente aus Chaos Theory und Conviction in einem neuen Spiel.

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Eine Gruppe von Terroristen, die sich als die Ingeneure bezeichnet, lässt ihre Überlegenheit raushängen und will in regelmäßigen Abständen Anschläge auf die USA verüben, bis der Staat seine Soldaten aus allen Ländern der Welt abzieht. Sam Fisher wird als Kopf vom neu gegründeten Fourth Echelon damit betraut, die internationalen Verbrecher aufzuspüren und ihre terroristischen Pläne zu vereiteln. Nachtsichtbrille auf und ab die Post!

Im Spiel findet man erst einmal keine Menüs vor, sondern steuert Sam Fisher durch sein fliegendes Hauptquartier. Von hier aus kann er den SMI-Computer verwenden oder mit seinen Kollegen sprechen, um verschiedene Missionen zu starten. Die Hauptmissionen, die auch die Geschichte des Spiels voran treiben, sind nur im Singleplayer spielbar, während die zahlreichen Nebenmission sowohl alleine als auch im Ko-op-Modus bestritten werden können. Einen zweiten Spieler findet man entweder online oder setzt ihn neben sich für ein Spiel im Splitscreen (Achtung: keine Erfolge für Spieler zwei). Über die Weltkarte des SMI-Computers kann außerdem auf den Versus-Multiplayer Spies VS Mercs zugreifen, der in Blacklist zurückkehrt. Der Wechsel zwischen Singleplayer, Ko-op und Multiplayer ist nahtlos und schnell, wird nicht durch viele Menüs und Ladezeiten zurückgehalten.

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In den meisten Missionen hat Sam die Wahl zwischen drei Spielstilen: Er kann sich für die laute Offensive des Assault-Stils entscheiden, dann scheißt der Spieler einfach darauf, durch Schatten und Schächte zu kriechen, und greift stattdessen auf Gewehre, Flinten und Granaten zurück, um seiner Feinde Herr zu werden. Allerdings würde Batman das nicht gutheißen und weil die beiden ja irgendwie verwandt sind, hat Sam auch noch andere Möglichkeiten. Will man lautlos vorgehen, kann man das entweder mit dem Panther-Stil (leise und tödlich) oder mit dem Ghost-Stil (leise, völlig unbemerkt und ohne sich die Hände schmutzig zu machen; Batman approves). Um sich entsprechend darauf vorzubereiten, kann der Spieler sich Loadouts zusammen stellen. Da hat man die Wahl zwischen verschiedenen Anzügen, Handschuhen, Stiefeln, Sichtgeräten, Waffen und jeder Menge Gadgets. Oh, die Gadgets. Unser Freund Sam Fisher hat auf die alten Tage ordentlich aufgestockt und steht selbst einem dunklen Rächer in nichts nach. Neben den klassischen Rauch- und Blitzgranaten kann der Spieler auch Tränen- und Schlafgas einpacken oder eine Drone navigieren, um Feinde und Elektronik auszuschalten. Mit Haftkameras kann man sich einen guten Überblick verschaffen und Feinde ablenken, die man lieber umgehen als konfrontieren möchte.

Splinter Cell: Baclklist besteht den Stealth-Test: Ihr könnt das Spiel komplett durchspielen, ohne dass Sam jemanden töten muss.
Sam Fisher selbst macht offenbar regelmäßig Gymnastik: Der Opa klettert an Wänden hoch, als hätte er einen Kurs bei Ezio belegt, und hangelt sich mühelos an Berghängen und anderen Klippen entlang. Die Bewegungen sind flüssig und ganz offenbar durch Assassin's Creed inspiriert. Diese neue Offenheit für Interaktion mit der Umgebung ermöglicht dem Spieler häufig zahlreiche Wege im Spiel. Man kann durch Schächte kriechen, über Dächer springen, sich unter der Decke eines Hauses entlang hangeln oder dicht an die Wand gepresst im sicheren Mantel des Schattens herum schleichen. Außerdem kehrt Tom Clancy's patentierte Deckungsmechanik aus Conviction zurück, die wir auch in Ghost Recon: Future Soldier angetroffen haben: Per Knopfdruck kann der Spieler seine Deckung wechseln und hat dabei ein geringeres Risiko entdeckt zu werden als bei normaler Bewegung. Apropos entdeckt werden! Es gibt Missionen in Blacklist, die strikt verlangen unentdeckt zu bleiben. Stealth at its best! Ich als Schleich-Nazi spiele das ganze Spiel ja ohnehin so, aber es ist schön, dass der Fokus des Spiels auch wieder in diese Richtung geht. Gelungen ist dabei vor allem, dass einem Gegner ganz genau angezeigt werden, die einen entdeckt haben. Das gilt auch bei Kameras und anderer Elektronik, die Sam beim Schleichen erwischt.

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Der Ko-op-Modus weicht nicht stark von der Singleplayer-Erfahrung ab. Es gibt in den Ko-op-Levels einige Passagen, die nur mit zwei Spielern genutzt werden können. Diese Seitenpfade sind allerdings optional und verschaffen zumeist nur kleine Vorteile. Ansonsten können sich die Partner vor allem dadurch unterstützen, dass sie - wie schon in Conviction - beide in der Lage sind, bis zu drei Feinde zu markieren. Natürlich kehrt auch Tom Clancy's patentiertes Mark & Execute zurück, das ebenfalls in Conviction und Ghost Recon schon etabliert wurde. Allerdings müssen vorher mindestens zwei Gegner händisch oder vier per Fernkampf erledigt werden, um Mark & Execute zu aktivieren. Unabhängig von der Waffe lassen sich immer maximal drei Feinde pro Execute erwischen. Die Schleicher unter euch dürfte sehr freuen, dass man dieses System auch mit nicht-tödlichen Waffen (Stun-Gun und Armbrust) benutzen kann. Drei gezielte Schlafpfeile werden so zu einem modernen Klassiker!
Für solche Knockouts, Kills und viele andere Aktionen verdient der Spieler Geld, das er für Ausrüstung und Waffen aufwänden kann. Am Ende einer Mission werden außerdem die drei Spielstile bewertet und großzügig entlohnt. Splinter Cell belohnt alle Spieler, ob sie nun ballern und töten oder völlig unbemerkt durch ein Level gehen.

Trifft man sich zu zweit nicht online, sondern im Splitscreen, muss man einige Abstriche machen. Hat man für viel Geld das Hauptquartier aufgerüstet, sodass es eine Minimap zur Verfügung stellt, muss man im Ko-op darauf verzichten. Der zweite Spieler kann sich - zumindest auf der Xbox 360 - nur als Gast im Spiel anmelden, darf aber auf die Upgrades des ersten Spielers zurückgreifen, wenn er sein Loadout einrichtet. Zu diesem gemischten Bild gesellen sich leider noch einige Bugs, so erscheinen manchmal Kommandos des anderen Spielers auf dem eigenen Schirm oder das Markieren funktioniert nicht, wie es soll.

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Der neue Sam ist übrigens wirklich sehr neu. Nicht nur das Spiel, sondern auch unser geschätzter Protagonist. Neben einem neuen Gesicht, hat der alte Kamerad auch einen neuen, englischen Sprecher bekommen - mit dem traurigen Ergebnis, dass die Figur völlig generisch wird. Die Stimme ist für meinen Geschmack viel zu jung und der finstere Blick von Sam lässt ihn aussehen wie Nathan Drake in seiner Emo-Phase. Immerhin bleibt Sam seine deutsche Stimme von Martin Kessler erhalten.
Ich tue mich jedenfalls schwer mit dem neuen Anstrich. Aber eins muss man ihm lassen: Der neue Sam weiß wieder, wie man schleicht - nach Conviction hatte ich befürchtet, die Franchise würde weiter in den Action-Sektor abbrechen. Ein anderes problem ist größer: Leider weiß Sam nicht, wie man Story-Momentum aufbaut. Die Schreiberlinge hinter der Geschichte von Blacklist habe nur ein ganz laues Süppchen gekocht. Der Spieler bekommt eine 08/15-Terroristen-Bedrohung (Watch Out, America!) vorgesetzt, die sich mit trockenen Dialogen und undurchsichtigen Erklärungen von einem Level zum nächsten rettet. Obwohl die Story nicht besonders lang ist, wird das Spiel gegen Ende etwas träge und so flüchtete ich mich lieber in die kurzweiligen Nebenmissionen, die überraschend abwechslungsreich sind. Für ein Spiel mit dem Namen eines bekannten Autors im Titel kommt die Geschichte einfach zu kurz, auch wenn man bedenkt, dass mit vielen Cinematics der Wille da war, doch die Umsetzung schwächelt.

Der neue Sam zeigt zwei Gesichter, die insgesamt ein gemischtes Bild ergeben. Spielerisch hat Splinter Cell: Blacklist die Nase vorn, muss aber Abstriche bei der Präsentation machen. Ich freue mich sehr, dass der schleichende Sam wieder da ist, nur sein Gesicht passt mir nicht. Fans der Reihe werden sicher ähnliche Schwierigkeiten haben. Ansonsten möchte ich trotzdem meine Empfehlung aussprechen, denn die verschiedenen Spielstile geben viel Freiraum und haben genug Futter für eine breite Spielerschaft, Shooter-Fans ebenso wie Schleich-Freunde. Ben

Tom Clancy's Splinter Cell: Blacklist

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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28. Januar 2023 um 02:01 Uhr
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