Enemy Front

(Artikel)
Rian Voß, 28. August 2013

Enemy Front

Der letzte Aufstand der WW2-Shooter

Wer viel mit der vorigen Konsolengeneration zu tun hatte, der wird beim Begriff "Zweiter-Weltkriegs-Shooter" wahrscheinlich ein bisschen aufstoßen müssen. Man sollte meinen, dass der Nazi als das typische Shooter-Feindbild inzwischen durch Chinesen, Koreaner und Russen abgelöst worden wäre, aber mit Enemy Front holt uns City Interactive in ein inzwischen fast schon nostalgisches Zeitalter zurück, als virtuelle Amerikaner noch Helden waren und Europa ein Ort, der ständig aufgeräumt werden musste.

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Dabei geht es diesmal gar nicht um den auf der Atombombe reitenden Ami, sondern um die französische Resistance. Beginnend im Jahr 1940 erlebt man großteilig in Flashbacks den Werdegang des Kriegs-Journalisten Robert Hawkins (also doch ein Yankee) zum großartigen Aufständischen und Befreier des französischen Volkes. Leider stellt sich Hawkins' Überlauf vom Beobachter zum Rächer der Geknechteten in einer kurzen Cutscene als überraschend emotionslos dar: Hier stolpert er über ein deutsches Erschießungskommando und flüstert seinem Kollegen zu, dass er die Fotos des Jahrhunderts schießen wird, im nächsten Augenblick werden die Zivilisten durchlöchert und als die Deutschen endlich verschwunden sind, untersucht Hawkins die Leichen, nur um einen Überlebenden zu finden, der ihm mit den letzten Atemzügen eine Pistole in die Hand drückt und die weisen Worte "Fight!" mit auf den Weg geht. Und das macht Frank Wests Opa auch sofort.

Nach dieser knappen Origin Story wird endlich die Bühne für die Action geräumt und das erste Missionsziel präsentiert sich: Gehe zum Ausgang der Karte. Wie man das anstellt, ist egal und wird es auch in den meisten der folgenden Level sein, da Karten als große Areale angelegt sind und eine nicht-lineare Sandbox-Spielweise unterstützen. Dabei wurden vor allem drei Spielertypen bedacht: Der Waffenheld, der Schleicher und der Andere. Während der Vorführung (in der der Präsentator auch mal abgekratzt ist. Keine abgekartete Presse-Demo, yeah!) wurden gerade die ersten beiden Spieltypen großartig präsentiert. Der Einsatz von Waffengewalt zwischen Gräben, Flüsschen, Brücken und Häusern machte schon beim Zugucken eine Menge Laune: einen Maschinengewehrkill nach dem anderen, Stand-MG besetzen und große Teile der Umgebung zerfräsen. Hier machte sich auch bemerkbar, dass Entwickler des damals optisch beeindruckenden Xbox-Titels Black mitwirken: einerseits macht die CryEngine3 einen hübschen Job die Areale darzustellen, andererseits gibt es ständig und überall bombastische Explosionen. Dies ist zweifelsohne ein Spiel für Freunde manischer Lachanfälle. Allerdings scheinen Gegner in dieser Alpha-Version - ich musste bei dieser Info doch ein bisschen schlucken, weil der Haushof samt Umgebung eigentlich sehr fertig und poliert aussah - noch unendlich viel Verstärkung anfordern zu können. Ist aber nicht ganz so wild, weil man für das Erreichen von Aufgaben nicht alle Feinde ausgelöscht haben muss, also lässt sich das Heil in der Flucht suchen.

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Damit kommen wir zum Schleichen. Liebhaber des leisen Vorgehens werden auch auf ihre Kosten kommen, allein schon weil eines meiner Lieblingsfeatures vorhanden ist: Spotting. Mit dem Fernglas kann man sich, bevor man den Schleich- und Meuchel-Plan in die Tat umsetzt, erst mal alle Patrouillen auf die Minimap übertragen, um den Soldaten effizient aus dem Weg gehen zu können. Trotz allem muss man Konfrontationen nicht meiden: mit einem schallgedämpften Einzellader kann Hawkins auf Entfernung Ziele ausschalten oder sie natürlich auch hinterrücks im Nahkampf überwältigen. Dabei muss man sich auch um Leichen kümmern und sie in dunkle Ecken ziehen, denn Wachen reagieren auf gefallene Kameraden und schreien um Hilfe, wodurch alle Feinde in Horchweite alarmiert werden. Ist man allerdings schnell am Abzugsfinger, ist auch ein angebrochener Hilferuf noch kein Dilemma.

Die letzte Spielweise nennt sich "Dirty Tricks": Wachen ablenken, Objekte zum Explodieren bringen oder auf sonst irgendeine Art und Weise die Umgebung zu seinem Vorteil nutzen. Zur Veranschaulichung hat Hawkins an einem mit Benzin geladenem LKW die Handbremse gelöst und ihn directamente bergab in eine feindliche Stellung geschickt. Das hat zwar den Alarm ausgelöst, aber wenn man sich über das entstandene Chaos nicht persönlich freuen kann, dann weiß ich auch nicht.

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Ich habe kurz vor Schluss noch einmal nachgehakt, warum sich das Studio für gerade dieses und kein anderes Setting entschieden hat - schließlich lässt sich das Sandbox-Shooter-Konzept generell überall gleich gut verwenden. Daraufhin meinte Phil O'Connor, Lead Designer des Projekts, dass es vor zwei Jahren eine Änderung in der Produktionsausrichtung gab. Zu dem Zeitpunkt waren bereits viele Assets vorhanden, die zu gut waren, um sie zu ignorieren. Außerdem glaubt O'Connor daran, dass der Zweite Weltkrieg "kein totes Szenario" sei. Jaja, und Zombies sind wahrscheinlich auch noch so frisch, wie am ersten Tag.

Als Releasedatum peilt City Interactive den April nächsten Jahres und wird Enemy Front für PC, Xbox 360 und PS3 herausbringen. Ganz ehrlich: Abgesehen vom WW2-Setting wird Enemy Front mindestens ein solider Shooter sein, wenn nicht sogar mehr. Auch ein Ko-Op-Modus könnte die Geschichte noch aufwerten, bislang schweigt man sich zum definitiv geplanten Multiplayer noch aus. Aber letztendlich kann man keinem Stahlhelm-Allergiker verübeln, dieses Spiel wegen des breitgetretenen Settings zu meiden. Rian

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06. April 2020 um 13:09 Uhr
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