Meridian: New World

(Artikel)
Rian Voß, 31. August 2013

Meridian: New World

Ein-Mann-Studio baut RTS-RPG

Stellt euch mal vor, ihr guckt euch einen großen Hollywood-Streifen an, sagen wir mal The Dark Knight. Ihr seht den Film, ihr denkt euch: "Gut! Aber das kann ich auch. Und ich mach's alleine! Ich übernehme die Schauspieler, die Musikdirektion, die Kamera, den Schnitt, die Regie und die Bühnenbilder! Nur bei den Special Effects brauche ich etwas Hilfe, davon verstehe ich nichts. Aber den Rest kriege ich hin!" Im Grunde genommen ist das eine Schnappsdee. Aber genau diese Schnappsidee hat Ede Tarsoly gehabt und mit der Unterstützung von drei Freelancern für Animationen und Cutscenes in bisher zwei Jahren das vollwertige Echtzeitstrategie-RPG Meridian: New World aus dem Boden gestampft. IHR WERDET DIESEM MANN RESPEKT ZOLLEN!

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Ich wollte es im Gespräch mit Ede Tarsoly nicht so recht glauben. Ich musste nachfragen, warum er sich so eine Situation zugemutet hat. Die Antwort ist reine Überzeugung: Publisher hätten ihm in anderen Projekten immer Teammitglieder zugewiesen, die das Spiel mit ihren eigenen Ideen auseinandergenommen hätten. Am Ende wäre immer etwas herausgekommen, was keiner im Team mochte und dann auch gefloppt sei. Nun hat er alle kreative Exekutive und die Produktion läuft runder.
Rund ist auch die Entwicklungszeit: Zwei Jahre schraubt Ede bereits an Meridian - das klingt zwar schon recht ordentlich, aber für einen einzelnen Menschen ist das wahnsinnig schnell. Beeindruckend kommt hinzu, dass die Story seit sieben Jahren in der Mache ist.

Meridian spielt sich zwar ganzheitlich in der Draufsicht, allerdings unterscheiden sich RPG- und RTS-Part sehr voneinander. Man beginnt das Spiel als Commander der CSS Magellan, welche auf dem unbewohnten Planeten Meridian landet, dort ein wenig Arbeit erledigt und anschließend abdüsen möchte. Natürlich kommt in genau diesem Moment ein Notruf - von der Planetenoberfläche. Was erst einmal wie ein Standard-Plot-Aufhänger klingt, soll sich schnell als eine Story unter Vermeidung aller bekannten Klischees entfalten. Um der Besatzung der Magellan mehr Gesicht zu verleihen, kann man sich mit ihr im Mass-Effect-Stil unterhalten - und nein, Ede hat nicht jede Figur synchrongesprochen, sondern auch da wurden Leute für angeheuert. Wie dem auch sei: Jeder Charakter an Bord hat sein eigenes Verhalten und seine eigenen Werte. Wenn man sich mit ihnen gut stellt, stehen sie hinter einem, aber es wird viele Entscheidungen geben, wo man hier Respekt gewinnt und dort wieder verliert - und an mindestens zwei Stellen wird das Spiel aufgrund der getroffenen Entscheidungen große Wenden erfahren. Dann hat man lieber seine Leute hinter sich. Darüber hinaus wird es viele Belohnungen in Form von mehr Story oder Charakter-Biographien geben, letztere welche man natürlich auch dafür verwenden kann, um manipulativer mit seinen Leuten umgehen zu können.

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Die RTS-Komponente präsentiert sich als typischer Vertreter des Basenbaus: Drei Ressourcentypen wollen gepflegt werden: Power, Crystals und Food. Ohne Power steht die Basis still, ähnlich wie in Command & Conquer, nur konsequenter: Es geht gar nichts mehr, abgesehen vom Bau neuer Kraftwerke. Spione, die den Energiehaushalt temporär lahmlegen können, gibt es zwar noch nicht, aber Ede fand die Idee gut genug, um drüber nachzudenken. Derlei zentrale Strukturen wie Kraftwerke gibt es mehrere und wollen gut beschützt werden - alle Geschütze einer Basis haben etwa eine Steuerzentrale ohne die sich die Waffentürme umgehend in Altmetall verwandeln. Crystals ist weiterhin die Ressource, die als Finanzmittel dient, und Food ist der Einheitenbegrenzer der Armee.
Auch bei der Einführung neuer Einheiten machen sich Story-Einflüsse bemerkbar - so wird jede neue Einheit im Meridian-Universum rationalisiert. Es sollen so viele Elemente wie möglich in sich schlüssig sein werden. Einheiten haben dazu, was Micromanager freuen wird, Slots, in die man Ausrüstung equippen kann. Aber immerhin muss man das nicht händisch machen, sondern in Fabriken kann man das Ganze halbautomatisieren. Zusätzlich haben Einheiten natürlich ihre ganz eigenen passiven und aktiven Fähigkeiten. Glücklicherweise wird das HUD trotz relativ vieler Management-Möglichkeiten erstaunlich simpel und ordentlich gehalten, so dass man sich gut zurecht findet.

Was die Missionen in Meridian so besonders macht, ist, dass sie auf großen Karten stattfinden - aber dort meist nur in bestimmten Bereichen. Bei erreichten Fortschritten auf der Karte kommt man irgendwann in neue Gebiete und erhält dort neue Ziele. Auch gibt es oft mehrere Aufträge gleichzeitig, wobei man sich für eine Reihenfolge entscheiden muss. So gab es etwa die Wahl dazwischen, erst die Kraftwerke der Gegner lahmzulegen, wodurch permanente Angriffe auf einer Front aufhörten, oder erst eine Basis anzugreifen, wodurch man weiterentwickelte Technologie erhielt.

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Hat man sich schon ordentlich die Sporen in der Kampagne verdient, kann man sein globales Commander-Profil in den Skirmish-Modus übernehmen - oder umgekehrt. Ist ja schließlich global. Dann wandern auch die Spezialfähigkeiten mit rüber, die man sich verdient hat, und nach einer Regenerationsphase beliebig verwenden kann.
Im Gegensatz zu vielen anderen RTS wird Meridian zwar über keinerlei Multiplayermodus verfügen, allerdings ist der so gesparte Entwicklungsaufwand in den Bau einer cleveren Gegner-KI geflossen, die laut Ede niemals schummelt. Wie menschliche Spieler muss die KI kundschaften, Ressourcen erschließen und Einheiten bauen. Dazu lernt die KI die Strategien seines menschlichen Konterparts und passt sich an, so dass man mit derselben Vorgehensweise nie zweimal hintereinander gewinnen soll. Ede erzählt, dass er gegen die schwer eingestellte KI in neun von zehn Fällen verliert und häufig selbst überrascht wird. So hätte er einmal seinen Gegner in eine starke Untermacht gedrängt und konnte dessen Basis locker plattmachen - musste sich aber wundern, dass niemand zu Hause war. Offensichtlich hat die KI einen Umweg genommen, die Spielerbasis hinterrücks zerstört und hatte nach dem Angriff genug Einheiten übrig, um Edes nun von der Offensive stark dezimierte Einheiten auszulöschen. Perfide.

Selbst nachdem Meridian releast sein wird, ist noch nicht Schluss. Editoren werden an die Öffentlichkeit gegeben, damit die sich weitere Karten erbasteln können - genauso wie Ede weitere Karten liefern wird. Oder sogar noch mehr. Nur keinen Multiplayer, der würde zu viel Arbeit machen. Aber da er ein echter Mann ist und keine Pussy, wie die meisten anderen von Publishern unterjochten Entwickler, wird sämtlicher Zusatzcontent vollkommen gratis sein.

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Mehr Infos findet ihr im Headup-Games-Presskit.
Momentan ist das Spiel für PC geplant, wobei die Spiele-Engine derzeit auch für Mac und Linux portiert wird. Wenn das passiert ist, wird auch eine Umsetzung für diese zwei Betriebssysteme erfolgen. Als Release steht momentan noch 2014. Bis dahin muss ich wohl den Demo-Build spielen, der hier auf dem USB-Stick neben mir liegt...

Aber ja, Meridian: Dieses Spiel sollte eigentlich gar nicht existieren, tut es trotzdem, wegen weil ist so und Willenskraft, und sieht verdammt gut aus. Wehe, wenn das Spiel nicht auf eurem Radar landet! Rian

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17. November 2019 um 09:36 Uhr
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Gamescom 2013
Event - Köln 2013.
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Sparte - Ist das Spiel gut? Wir wissen es noch nicht! Aber wir verschaffen uns einen ersten Eindruck.

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2014
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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