Ich mag mich ja wiederholen, aber:

(Artikel)
Joshua Peters, 13. August 2013

Ich mag mich ja wiederholen, aber:

GOTTVERDAMMTE DRACHEN MIT JETPACKS!

Auf der GamesCom 2011 kam ich das erste mal mit den Larian Studios und deren in der Mache befindlichen Divinity: Dragon Commander in Kontakt. Seitdem wartete ich auch sehr gespannt auf den Titel und verfolgte seine Spielwerdung. In all dieser Zeit hat sich besonders an den Kämpfen immer wieder einiges geändert. Seit einer Woche ist Dragon Commander nun aber in seiner endgültigen Form draußen, und ich durfte endlich selbst Hand anlegen!

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In Dragon Commander schlüpft man in die Haut des... na? Genau! Des Drachen-Kommandanten! Und diesen Titel trägt man nicht, weil man Drachen kommandiert. Eigentlich ist man auch nur eine recht kurze Zeit des Spiel ein Kommandant. Die meiste Zeit über ist man Kaiser. Ach, aber fangen wir erst mal vorne an! Ganz vorne: Die Welt Rivellon ist in ewige Konflikte verstrickt; soweit, dass es schon eine traurige Normalität erreicht hat. Irgendwann beschließen dann ein mächtiger Magier, ein genialer Erfinder und ein zukünftiger Herrscher, dass mit diesen Konflikten Schluss sein muss. Und wie soll das erreicht werden? Ganz einfach: sie stellen die größte und stärkste je dagewesene Streitmacht der Welt auf. Aus Dampf-Robotern. Mit dieser ziehen sie über den Kontinent, erobern restlos alles und vereinen es unter einem Herrscher. Der vielleicht erst mal etwas rabiate und kompromisslose Plan geht auf und für lange Zeit herrscht Friede in Rivellon.
Irgendwann geht es aber unerklärlicherweise wieder bergab und das Volk wird immer unzufriedener mit dem Kaiser. Und nicht nur das Volk, sondern auch seine drei Nachkommen halten ihn für schwach. Somit wird er von den Dreien abgesetzt. Mit abgesetzt meine ich natürlich abgestochen. Aber was ist das? Der Kaiser hatte auch noch einen unehelichen Sohn mit einem weiblichen Drachen! Diesen spielt man. Und als dieser soll man mit dem mächtigen Magier, der vorher schon erwähnt wurde, Rivellon erneut zum Frieden verhelfen. Ihr dachtet doch wohl nicht, dass sich die anderen Drei darauf einigen konnten, wer herrschen soll, ohne große Kriege von der Latte zu brechen, oder?

Man findet sich also kurzerhand auf einem magischen Flaggschiff wieder, der Raven, von welchem aus man seinen Eroberungsfeldzug startet. Auf dem Schiff finden wir verschiedene Generäle, die uns in der Schlacht unterstützen können, die Diplomaten der verschiedenen Rassen Rivellons und die Prinzessin, die man geheiratet hat. Welche Prinzessin man heiraten wird, kann man sich sogar aussuchen! Hat aber natürlich alles mehr mit Politik zu tun als mit der Liebe. Sowieso muss man sich fast schon mehr mit Diplomatie und Politik auseinandersetzen, als mit den eigentlichen Gefechten. So wollen die Elfen zum Beispiel die Homo-Ehe durchboxen, während die Zwerge und die Untoten sich stark dagegen sträuben und den Sittenverfall anprangern. Es gibt sowieso, wie im echten Leben, keine Entscheidungen, mit denen alle glücklich sind. Man muss also einfach bestimmen, was man für richtig hält und mit den Konsequenzen leben. Kompromisse sind nicht drin.
Ich finde aber auch die Rollenverteilung und Interessen bei den Völkern sehr interessant. Elfen und Zwerge sind eigentlich wie immer: Die Elfen sind freiheitsliebende Hippies und die Zwerge übelste Kapitalisten. Die Untoten hingegen sind ultrakonservative und sehr religiöse, fast schon fanatische Zeitgenossen und die Echsenmenschen stellen wohl so die vernünftige Mitte aus allem, während die Imps einfach nur glücklich sind, wenn Dinge explodieren, die Wissenschaft vorangetrieben wird und es eine gesetzliche Krankenversicherung gibt.

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Prinzipiell würde ich persönlich schon fast damit glücklich werden, wenn ich eine Art Politiksimulation in einem Fantasy-Universum geboten bekäme. Aber das ist noch lange nicht alles! Nur mit Entscheidungen um Homo-Ehen und das Abschieben von ausländischen Verbrechern erobert man kein Reich. Dies tut man zum Teil auf einer Übersichtskarte, die stark an "Risiko" erinnert, und in Echtzeitgefechten. Nachdem man sich durch das Tutorial gekämpft hat, bekommt man eine kleine Provinz irgendwo im Meer und muss von dort aus die Welt erobern. Hierfür bewegt man seine Truppen fleißig über die Karte in feindliche Provinzen, legt fest, welcher General die Schlacht schlagen und welche eventuellen Unterstützungen er bekommen soll. Die Unterstützungen gibt es in Form von Karten, die bestimmte Boni, wie zusätzliche Einheiten, spezielle Zauber oder auch einfach eine erhöhte Bewegungsgeschwindigkeit bestimmter Einheiten. Vor jedem Kampf werden einem die Chancen auf einen Sieg berechnet, so dass man immer schön seine Boni drauf klatschen kann, sowie sie denn vorhanden sind.

Aber diese Art von Eroberung mag einigen zu langweilig sein, weshalb man auch selbst seine Truppen befehligen kann. Allerdings nur einmal pro Runde. Sollte man also an mehreren Fronten kämpfen, werden zwangsläufig alle anderen vom PC geführt. Ich finde es aber nicht unbedingt schlecht, da man sehr viele Schlachten zu schlagen hat und es sonst sicher schnell etwas eintönig würde. Besonders da die Schlachten, im Gegensatz zu anderen Strategiespielen, etwas... monoton ausfallen?
Jede Fraktion kämpft mit den gleichen Dampf-Robotern. Außerdem kann man ähnlich wie in Halo Wars nur auf bestimmten Punkten bauen. Es gibt hierbei vier verschiedene Bauplätze: einen für Türme, einen für den Hafen, einen für das Rekrutierungszentrum (dieses generiert die einzige Ressource im Kampf: Rekruten) und einen letzten für verschiedenste Einheiten-Produktions-Gebäude. Um auf diesen Punkten bauen zu können, muss man sie vorher mit mindestens einer Einheit eingenommen haben. Das klingt erst mal sehr einfach gehalten - ist es vom Prinzip her auch. Bleibt aber trotzdem recht spannend dadurch, dass die Gefechte meist sehr schnell sind. Man muss flott viele Basen einnehmen, schnell bauen, schnell überall Einheiten produzieren und schnell den Gegner genau davon abhalten.

Eine weitere taktische Komponente wird durch Spezialfertigkeiten bestimmter Einheiten ins Spiel gebracht. So kann man beispielsweise später mit Kampfläufern die Gebäude der Gegner quasi sofort übernehmen und so viel Zeit und Ressourcen sparen. Ach ja: Der Drache. Man kann nach einer bestimmten Zeit im Gefecht zum Drachen werden und herumfliegen. Nicht nur das, man kann auch Feuer spucken, zaubern und das Gefecht für sich gewinnen, fast komplett unabhängig davon, wie schlecht es um die Truppen steht. Wenn es aber vorkommen sollte, dass man doch durch Raketen vom Himmel geholt wird... kommt man einfach nach zehn Sekunden wieder und macht weiter. Das ist wahrscheinlich auch der größte (da einziger) Kritikpunkt an dem Spiel: Es ist kein besonders anspruchsvolles Echtzeitstrategiespiel, dafür, dass das so viel der Zeit ausmacht. In der Zeit, die man den Drachen nicht beschwören kann, baut man sich eine Armee auf und erobert Land. Wenn man dann Drache sein kann, nimmt man einfach alle seine Einheiten mit und überrennt den Gegner. Dies braucht zwar häufig mehr als einen Anlauf, ist aber an sich eine sehr verlässliche Strategie gegen jede KI.
Was mir wiederum ganz gut gefallen hat, ist die Art und Weise, wie man mit seinem Handeln auf der Raven Einfluss auf die Umstände in den Gefechten nehmen kann. So ist das Einheitenlimit abhängig davon, wie viel Akzeptanz einem die Bevölkerung der Provinz entgegenbringt, in welcher man kämpft. Außerdem erforscht man im Gefecht keine neuen Technologien. Alles, was man an Einheiten im Kampf bauen kann, und welche Fähigkeiten sie haben, muss man auf der Raven für Forschungspunkte erforschen, welche man jede Runde gutgeschrieben bekommt. Auch die Skills des Drachen erlernt man auf seinem Flaggschiff. Erinnerte mich etwas an XCOM: Enemy Unknown. Und das ist etwas Gutes. Des Weiteren kann man in Dialogen Unterstützungskarten für Gefechte bekommen.

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Dragon Commander finde ich gut. Ich mag die Entscheidungen, die man treffen muss. Ich mag es, wie sie Einfluss auf die Politik und Akzeptanz haben. Ich mag es, dass man es nicht allen recht machen kann, und ich mag es, dass die Entscheidungen selten einfach sind, weil man nicht nur auf Moral und Bauchgefühl achten kann und darf, sondern auch über die politischen Konsequenzen nachdenken muss. Manchmal muss man einfach Zugeständnisse machen. Außerdem mag ich die Strategiekarte, auf der man fleißig sein Reich vergrößern und Einheiten ausbilden sowie umherschieben kann, und dass man seine eigenen Prioritäten setzen darf und muss. Ich mag auch die recht einfachen Kämpfe als Drache, welche wahrscheinlich Echtzeit-Strategie-Spezis eher ein Dorn im Augen sein werden. Aber, um ehrlich zu sein, spiele ich das Spiel auch nicht für seinen RTS-Part. Im Multiplayer sieht das Ganze aber sowieso noch mal anders aus. Schließlich hat der Gegner dort auch einen Drachen und kann intelligenter planen als die KI. Ich denke auch, dass gerade hier aufgrund des schnellen Spieltempos und der Luftgefechte sehr, sehr spannende Matches zustande kommen können - besonders, da man gerade hier permanent zwischen den Modi wechseln muss und tausend Dinge auf einmal zu erledigen hat. Es ist nämlich sehr leicht, das große Ganze aus den Augen zu verlieren, wenn man sich mit dem Drachen nur auf ein Gefecht auf der Karte konzentriert, aka ich werde wohl auch in Zukunft nur Co-Op-Multiplayer gegen KI spielen, um nicht sämtliches Selbstwertgefühl zu verlieren. Joshua

Divinity: Dragon Commander

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

blackmaniac
14. August 2013 um 10:15 Uhr (#1)
Aww Yiss... motherfucking Jetpack Dragons
Rian
14. August 2013 um 21:21 Uhr (#2)
Ich weiß nicht mehr, was nach Jetpack-Drachen noch kommen soll.
Gast
01. Dezember 2022 um 22:17 Uhr
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Spiele des Artikels

RELEASE
06. August 2013
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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