Nachschub zum Sägen

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Rian Voß, 22. Juli 2013

Nachschub zum Sägen

Metal Gear Rising: Revengeance: Blade Wolf

Metal Gear Rising führt schon ziemlich viele coole Figuren ein: Deutsche Doktoren, Terroristen mit der Kraft der Trenn-Trenn-Frucht, Otaku-Wachmänner. Der olle Samurai Sam hat sogar mit Jetstream seinen eigenen Story-DLC bekommen, der seinen Werdegang zu den antagonistischen Private Military Companies (PMCs) "Desperado" und "World Marshal" erläutert. Mit dem DLC Blade Wolf wird nun auch der Hintergrund vom gleichnamigen Robo-Hund der Baureihe LQ-84i beleuchtet. Es blieb zu befürchten, ob das Add-On genauso ein faul hingeklatschter Müllhaufen werden würde wie Jetstream - und lässt einen dann doch, unter Vorbehalt, erleichtert aufatmen.

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Armer Köter
Blade Wolf hat im Hauptspiel die Bekanntschaft mit Schwertschwinger Raiden gemacht, als er im unfreiwilligen Dienst von Bösewichtin Mistral mit dessen Auslöschung beauftragt war. Zu diesem Zeitpunkt stellte sich schon die Leitfrage: Wenn eine KI einen so überragenden Intellekt wie LQ-84i hat, sind dann seine Fähigkeiten beim geforderten, absoluten Gehorsam nicht total verschwendet? Daraufhin hat der Herr Doktor von Raidens PMC "Maverick" dem Wölflein einen neuen Körper gebastelt und aus Dankbarkeit steht der Roboter dem Blondschopf während des restlichen Spiels zur Seite - und wertet mit einem tollen Auftritt sogar noch das rottige Ende ein wenig auf.

Die Handlung spielt in der Zeitspanne, nachdem der von der amerikanischen DARPA entwickelte Blade Wolf von "Desperado"-Anführer Sundowner wieder in Betrieb genommen (und effektiv versklavt) wurde, aber noch vor dem Attentat auf Premierminister N'mani, das die Haupthandlung erst ins Rollen bringt. Hier befindet sich der Wolf in einer VR-Ausbildung unter Aufsicht von Mistral, die ihren Spaß damit hat, das Hündchen mit seiner Hilflosigkeit aufzuziehen. Wie im Hauptspiel versteckt Blade Wolf sein brennendes Verlangen nach Freiheit unter stoischen Ausdrücken digitaler Stimmbänder. Interessant wird es in dem unerwarteten Moment, als er die Gelegenheit bekommt aus der Knechtschaft zu entfliehen und die Fernbedienung, die seine Freiheit wieder einschränken kann, mit einer Blitzaktion aus Mistrals Händen reißt. Vom Auftragskiller wider Willen zum Meister-Deserteur in einer gut umgesetzten Szene!

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Der wahre Experte unter den Schleichern
Ich habe übrigens endlich gelernt, wie man in Metal Gear Rising zu schleichen hat. Das System ist immer noch nicht konkurrenzfähig, aber ein kompletter Stealth-Run hat doch seine Reize.
Am Grundspiel ändert Blade Wolf nichts. Unser vierbeiniger Protagonist verfügt über seine bekannten Moves und Combos - inklusive Kettensäge auf dem Rücken und dem markant-trockenen "Combination complete" nach einer absolvierten Kombination -, hat darüber hinaus aber noch einen zuerst wesentlich unscheinbareren Vorteil: Er ist klein! Das klingt erst mal unspannend, aber durch seine geringe Körpergröße kann sich Blade Wolf hinter halbhohen Deckungen verstecken, wie Raiden es nie könnte, und ist dadurch wesentlich besser für urbane Schleicheinsätze geeignet. Zudem kann er mit Hitzeklingen sehr gut einzelne Gegner aus ihren Positionen herauslocken, sein Dolch-Schwanz macht beim Stealthkill ordentlich was her und es gibt endlich eine sofortige Belohnung für Schleichmeuchler, da man für leise Morde nicht nur in der Endwertung Bonuspunkte erhält, sondern noch mal einen fetten Batzen Extrapunkte, wenn man überhaupt nicht gesehen wird. Blade Wolf lässt sich zwar, so wie Sam, nicht upgraden, aber die Punkte plätschern drollig auf Raidens globales Upgrade-Konto. Vielleicht reicht's dann ja endlich für die Infinite-Ammo-Perücke!

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Korrekte Wiederverwertung
Die Level sind zwar alle schon aus dem Hauptspiel bekannt, bekommen aber gerade in den storygebundenen VR-Missionen einen kleinen Plattforming-Twist, indem in der "echten" Umgebung immer mal wieder "virtuelle" Klötze verteilt herumfliegen. Auch spätere Level wirken durch schlaue Neuverteilung von Gegnern wieder wie neu. Ehrlich gesagt habe ich beim ersten Durchspielen gar nicht bemerkt, dass es sich um alte Areale handelt. Hier zeigt sich einfach der Unterschied zum Jetstream-DLC, denn wo Sam sich durch armseliges Aufgießen der World-Marshal-Level häckseln musste, entblößt sich mit dem Fokus auf Alarmlosigkeit und gut verteilten Gegnern die größere Reife der Leveldesigner. Außerdem legt das Spiel in Sachen Anpirschen Konsequenz an den Tag: Sogar der neue Endboss kann sich überrumpeln lassen.

Und es hätte so schön sein können. Leider hat der DLC doch eine große Schwäche: Er ist kurz. Sehr kurz. Überaus kurz. Man könnte sagen: Die Credits, die man nicht wegdrücken kann, sind länger. Nach etwa 40 Minuten Spielzeit abzüglich 10 Minuten Cutscenes ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Immerhin werden auf höheren Schwierigkeitsgraden einige Gegner ausgetauscht, um die Herausforderung schmackhaft zu halten. Insofern lernt man in der kurzen Zeit aber auch keine großartigen Neuigkeiten über bereits etablierte Charaktere und mit einem Veröffentlichungspreis von 560 MS-Punkten (Xbox 360) bzw. 6,99 Euro (PSN, PC) ist der Download eher für die unermüdlichen Fans gedacht, die sich im Hauptspiel zum Revengeance-Schwierigkeitsgrad hochgearbeitet haben und auch aus dem Add-On alles herausholen möchten. Rian

Metal Gear Rising: Revengeance: Blade Wolf

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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23. August 2019 um 17:57 Uhr
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