Ace Attorney - Der Film!

(Artikel)
Kristin Riedelsberger, 19. Juli 2013

Ace Attorney - Der Film!

Homage statt Schund

Buchverfilmungen sind ja immer so eine Sache. Sie sind in den allerwenigsten Fällen genauso oder auch nur annährend so gut wie ihre literarischen Vorlagen und verschaffen den Fans des Originals nicht selten blutige Mordfantasien, die jedes Mal wieder in ihrem ganzen Detailreichtum aufflammen, sollte es jemand wagen, die Verfilmung des Lieblingsschmökers zu loben. Als mir auf einer meiner städtischen Stöbertouren zufällig Takashi Maiikes Verfilmung von Ace Attorney in die Hände fiel, hatte ich diese Gefahr für einen kurzen Moment komplett ausgeblendet, war Laaalaaalalalaaa lauthals die Titelmelodie singend die Rolltreppe hinunter gesaust und hatte schließlich meine Entdeckung der Kassiererin in die Hand gedrückt. Aber dann... so auf dem Rückweg: Konnte das tatsächlich ein guter Film sein? Warum sollte die Verfilmung meines absoluten Lieblings-DS-Spiels denn weniger enttäuschend sein als die schändlichen Harry-Potter-Filme?

Für den Abend der Wahrheit besorgte ich mir tatkräftige Unterstützung. FF-Freak zum Händchenhalten, Rian als diplomatischen Ruhepol, Nex für trostreiche Pensi-Witze in Zeiten der Ernüchterung und den Mittwochs-Jan für erbauliche, staubtrockene Kommentare. Nun, was soll ich sagen? Auch wenn alle drei entschieden dazu beigetragen haben, den Spaßfaktor noch um einiges weiter in die Höhe zu treiben: Ace Attorney ist wirklich kein schlechter Film! Also... nicht sooo schlecht.

Vor dem Film muss man sich natürlich anständig in Stimmung bringen! Leider ist die Musik das einzige Versprechen, das...

Immerhin ist er aus Japan. Und die Japaner lieben ihre Spiele! Und sie lieben Phoenix Wright – das merkt man besonders den Schauspielern an, denn die sind mit aller Begeisterung dabei und zum Teil großartig darin, die Eigenheiten ihrer heißgeliebten Ace-Attorney-Charaktere auf die Spitze zu treiben. Sowohl Phoenix selbst als auch Lutz Larry Butz mit seiner ganzen Nervtötigkeit, Hektik und Naivität werden mit viel Liebe gespielt und sind ihren pixeligen Vorbildern wie aus dem Gesicht geschnitten – Also, äh, wenn man jetzt einmal davon absieht, dass sie halt anders aussehen. Also: japanisch. Ich muss zugeben, dass es mich atmosphärisch schon immer etwas aus dem Konzept gebracht hat, europäisch anmutende Zeichentrickfiguren plötzlich in japanischen Schauspielern verkörpert zu sehen... Im Falle von Ace Attorney habe ich mich allerdings wirklich schnell daran gewöhnt, was letztendlich wohl besonders einer Figur zu verdanken ist: dem Richter. Der ist nämlich ganz genauso herrlich gelangweilt, plump und begriffsstutzig, wie wir es aus den Spielen gewohnt sind. Einfach schön!

...der Trailer macht, der Film aber nicht hält. Andererseits: Zum Glück!

Und man bekommt ihn oft zu sehen, denn immerhin spielt Ace Attorney, wie es sich gehört, zum größten Teil im Gerichtssaal - und der ist ganz schön fancy! Nicht nur, dass Phoenix Wright hier in gewohnter Manier seine Gesten genauso eindrucksvoll vollführt wie in der beliebten Spielvorlage, nein, ein lautes "BAM!" von Phoenix‘ auf das Pult auftreffenden Handflächen lässt in der Mitte des Saales geheimnisvoll wabernde Hologramme aufploppen, die die gesammelten Beweismittel und Tathergänge erst so richtig in Szene setzen und – wenn nötig – dem fies vor sich hin grinsenden von Karma richtig um die Ohren gehauen werden können. Diese technischen Spielereien und vielen kleinen netten Referenzen auf die anderen Fälle sowas von übertrieben pathetisch und kommen so unvermittelt, dass ihr Witz den fehlenden Nervenkitzel, den der Spieler sonst vor allem aus der verzweifelten Suche nach dem einen Logikfehler gewinnt, locker ausgleichen.

Und ja, auszugleichen gibt es so einiges. Zum Beispiel, dass der ganze hübsche Steel-Samurai-Fall nur am Rande erwähnt wird – dabei ging immerhin eine ganze Menge Potential für lustige Szenen verloren! Außerdem wird die Beziehung zwischen Phoenix und Mia eigentlich gar nicht weiter thematisiert; die beiden gehen nicht einmal zusammen Burger essen! Dafür wird der DL6-Fall noch einmal ganz genau und (fast) getreu der Vorlage beleuchtet. Besonderes Augenmerk hat Takashi Miike auf die im Spiel zwar auch bedeutende, jedoch relativ kurz erzählte Geschichte von Yanni Yogi gelegt. Er wird im Film zur tragischen Schlüsselfigur, zum Grenzgänger zwischen Recht und Unrecht.

Zwei Wermutstropfen muss ich schließlich noch vergießen: Die erste Träne kullert für die Inszenierung von Dick Gumshoe. Gumshoe ist für mich einfach eine arme Wurst. Eine gutmütige arme Wurst in einem abgeranzten beigen Trenchcoat, den man einfach lieb haben muss. Ich jedenfalls hatte ihn über die ersten drei Attorney-Teile so lieb gewonnen, dass ich wie ein Schlosshund ins Taschentuch geflennt habe, als er bei Apollo plötzlich nicht mehr dabei war. Was haben sie mir im Film vorgesetzt? Einen viel zu euphorischen, viel zu durchsetzungsfähigen Möchtegern-Geilo, der noch dazu einen schwarzen (!) Anzug (!) trug. Bah!

Die zweite Träne verlässt meine Phoenixanzug-blauen Glubscher für die jämmerlich spärlichen Referenzen auf den Original-Soundtrack. Echt mal: Ein Phoenix-Wright-Film ohne Cornered, was soll denn das? Dafür gibt es auf jeden Fall einen großen, fetten Punktabzug! Es spricht für den Regisseur, dass trotzdem noch genug Pünktchen übrig sind, um zu rechtfertigen, dass ich euch diesen Film guten Gewissens ans Herz legen kann. Na ja. Sagen wir lieber: Ich bin fast überzeugt davon, dass er euch und eurer Attorney-Liebe nicht schaden wird. Dafür ist er einfach auch viel zu nah am Original, viel zu witzig und viel zu liebevoll inszeniert. Kristin

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