TrackMania² Valley

(Artikel)
Rian Voß, 15. Juli 2013

TrackMania² Valley

Weniger Loopings, mehr Rallye

Die Stadium-Umgebung von TrackMania² war für mich das pure Vergnügen: auf baukastenartigen Strecken knackt man mit festem Grip und der perfekten Beschleunigung die waghalsigsten Kurven, legt auf der Jagd nach der Server-Rekordzeit die abgefahrensten Kunstsprünge an den Tag und lässt Looping-Kaskaden hinter sich. Die neue Valley-Umgebung ändert nichts am grundlegenden Spielprinzip, bringt aber ein neues Fahrzeug, neues Handling und eine ganz neue Streckenphilosophie mit.


Mehr über das ManiaPlanet-System, das Spielprinzip und die üppigen Features von TrackMania² erfahrt ihr im Artikel zu TrackMania² Stadium.
Das Erste, was einem bei Valley auffällt, ist, dass alles gottverdammtnocheins zugewachsen ist. Alles ist voller Bäume, Sträucher, Steine und weiterer Hindernisse, die sich gerne klammheimlich unter die Front unseres Autos stehlen und das Vehikel serientypisch im hohen Bogen durch die Luft schleudern. Hat man den durch die dichte Flora ausgelösten Schock erst einmal überwunden, ist es aber recht leicht, die neue, wundervolle Optik zu genießen und den Streckenverlauf aus dem einen oder anderen, wandernden Auge zu verlieren. Sonnenuntergänge, entfernte Spannungsmasten, herrliche Standgewässer - Nadeo weiß, wie man Gegenden entwirft, in denen man gerne Urlaub machen würde.

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Abgang links
Für einen Einstieg sind 65 Kurse beigelegt, in denen man erst einmal die üblichen Gold- und Nadeo-Medaillen ergattern kann, bis die Community die Server mit selbsterstellten Strecken befüllt. Obwohl bei Valley dasselbe TrackMania mit derselben Physik unter den Schichten von Pflanzen und Staub arbeitet, zeigt sich in diesen Karten schon der eigene Charakter der Umgebung, denn selbst ein routinierter Stadium-Zocker, wie ich, fliegt ständig aus der Bahn.
Das hängt zusammen mit dem dreckigen Untergrund auf den häufig nicht asphaltierten Abschnitten zwischen Checkpunkten. Zwischen Stock und Stein muss man sein plötzlich hochsensibles Fahrzeug schlitternd durch enge Kurven manövrieren und auch mal kräftig vom Gas ablassen, denn kleinste Bedienfehler werden sofort bestraft und schicken das Auto gerne mal in die 180°-Wende oder vollkommen in die Pampa. Hinzu kommen oft eingeschränkte Sicht, Hindernisse und Todesängste, wenn man auch nur an Hügelsprünge denkt. Jeder harte Aufprall muss eventuell sofort kompensiert werden. Dies alles sorgt dafür, dass TrackMania-Veteranen ihr Handwerk von Grund auf neu lernen müssen, um letztendlich auch auf einem unwirtlichen Untergrund noch perfekter zu werden.

Canyon, Stadium, Valley - alle drei Umgebungen sind Stand-alone. Das bedeutet, dass man sich kein Grundspiel kaufen muss.
Neues Spielzeug
Aber man kann auch zwischendurch aufatmen, denn es gibt immer noch Straßen, Loopings, Wandfahrten und das ganze, lustige Brimborium. Die Zirkusartistik bleibt gefühlt aber der Stadium-Umgebung vorbehalten. Bei Valley liegt dagegen der Fokus auf Waldbausteine, die man aneinanderreihen kann, sowie der clevere Einsatz von Tunneln und Unterführungen. Man kann schon die Minuten zählen, bis die ersten Maps mit durchlöcherten Steilhängen auftauchen, die eine Art Torwandschießen darstellen sollen.

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Bugs und Hotseat
Beim Testen von Stadium war ich seinerzeit gar nicht dazu gekommen, den Offline-Multiplayer zu testen. Macht ja nichts, mit Valley wird's endlich Zeit! Zwei Xbox-Controller angeschlossen, Benjamin vor den Bildschirm gezerrt. Splitscreen-Modus - AN! Weit gekommen sind wir allerdings nicht. Nachdem wir uns eine halbe Stunde durch plötzlich auftauchende Mania-Script-Bildschirme, nicht funktionierende Buttons der Benutzeroberfläche und nicht rekonfigurierbare Controller geboxt haben, war uns der Doppelbildschirm bei nicht automatisch runterregelnder Grafik und daraus resultierenden Rucklern doch zu doof. Wir griffen zum Hotseat-Modus.

Der war enorm spaßig und spannend! Man kann in einer Runde munter den Controller herumreichen und abwechselnd eine Strecke fahren - entweder mit einer Zeit- oder einer Versuchsbeschränkung. Gerade die Zeitvariante ist interessant: Jeder Spieler hat ein Zeitkonto, standardmäßig von fünf Minuten. Ist man nicht der momentane Rekordhalter, muss man die Strecke so lange fahren, bis man die Bestzeit abgestochen hat oder die eigene Zeit abgelaufen ist. Gewonnen hat dann der, der an der Spitze steht und als einziger noch Zeit auf dem Konto hat. Dieser Modus ist eine schöne Alternative zum normalen Couchmultiplayer und durch die computergesteuerte Darstellung der anderen Spieler und ihrer Rekorde können sich Beisitzer aussuchen, wen sie anfeuern. Ich habe jedenfalls immer meinen eigenen Geist bejubelt, wenn er Benjamin noch kurz vor dem Ziel abgeledert hat.

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TrackMania ist TrackMania ist TrackMania. Die Geschmacksrichtung Valley hat ihre eigene Nischenzielgruppe, aber im Grunde bleibt es dasselbe Spiel. Wer genug vom Canyon oder dem Stadion hat, findet bei Valley allein schon durch die nötige Rekalibrierung des Fingerspitzengefühls mehr als genug Gründe, sich wieder auf die Piste zu trauen. Rian

TrackMania² Valley

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Ben
15. Juli 2013 um 19:46 Uhr (#1)
Eines der wenigen Spiele, die abwechselnd mehr Spaß machen als gleichzeitig!
Gast
06. April 2020 um 13:07 Uhr
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RELEASE
04. Juli 2013
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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