Quake und Ich

(Artikel)
Daniel Fink, 23. Juni 2013

Quake und Ich

Der Fluch ist gebrochen!

Ich gehe fest davon aus, dass jeder Gamer ein Spiel hat, welches er vom ganzen Herzen liebt, aus welchen Gründen auch immer. Sei es der Charme, das Spieldesign, die Story oder gar die Charaktere. Schon eines dieser Elemente kann ein Spiel absolut unvergesslich machen. Doch aufgrund schicksalhafter Ereignisse schaffte man es nie dieses Spiel durchzuspielen.
In meinem Fall ist es das Meisterstück Quake von id Software. Ich liebe alles an diesem Klassiker. Das flotte Gameplay, das Design der feindlichen Monstrositäten und der seltsame Mix aus Science-Ficiton und gotischer Szenerie erschaffen eine einzigartige Atmosphäre, die sich für ewig in das Gedächtnis einprägt.

Der heutige Header ist von dem DeviantArt-User Udeden!
Mein Fluch begann vor knapp 14 Jahren, als ich noch ein junger Ghul im borealen Nadelwald Sibiriens war. Seit einer Weile hatte meine Familie einen Rechner und natürlich waren auf ihm Spiele installiert, nämlich Moorhuhn und Quake. Zunächst ließ man mich nur Moorhuhn spielen, aus Gründen, die ich eigentlich nicht näher erläutern muss, jedoch langweilte mich die statische Schießbudensimulation sehr schnell. Als ich dann aber sah, dass mein Bruder Quake zockt, wusste ich, bei welchem Spiel ich als nächstes selbst Hand anlegen muss und nach mehreren Stunden Gequengel überließ mir mein Bruder die Maus und Tastatur.

Wie schon weiter oben beschrieben, wurde ich von dem Spiel aufgrund vielerlei Aspekte begeistert, jedoch realisierte ich zu dem Zeitpunkt nicht, dass Spiele wirklich ein Ende haben, denn meine Erfahrungen im Videospielbereich waren doch sehr begrenzt. Erst nach einer Weile wurde mir bewusst, dass es am Ende ein dickes Ding zu legen gilt. Ehe ich diesen Sachverhalt eingesehen habe, verging ein Jahr und ich wurde eingeschult.
Eines Tages wurmte es mich. Ich musste wissen, was das ultimative Böse von Quake war und so nahm ich mir vor dieses Biest niederzustrecken. Nach einem sich ewig hinziehenden Schultag kam ich endlich zu Hause an, aß brav zu Mittag und setzte mich an den Rechner. Es stand fest: Die Bitch wird sterben.

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Der Beginn meines Abenteuers war wie üblich: durch ein Portal hüpfen, um den Schwierigkeitsgrad auszusuchen, und dann durch eine Tür laufen, um den entsprechenden Akt zu wählen. Alles lief wie geplant, Akt 1 konnte ich fast im Schlaf absolvieren, doch ab Akt 2 begann für mich Neuland. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Im Verlaufe des Gemetzels stellte ich fest, was man benötigt, um das Spiel zu bezwingen: Runen.
Am Ende jedes Aktes gibt es eine Rune, somit insgesamt vier Stück. Sobald man alle eingesammelt hat, schaltet man das letzte Level mit dem Endboss frei. Die Runen lassen sich in beliebiger Reihenfolge einsammeln und werden im Spiel rechts auf dem HUD angezeigt.

Ich ballerte mich durch die Höllenbrut und kam endlich in Akt 4 an. Nur noch eine Rune, dann wäre es vorbei. Doch im dritten Level zog mir das Schicksal einen Strich durch die Rechnung. Meine Mom kam nach Hause und erkundigte sich, ob ich meine Hausaufgaben erledigt habe. Ich hatte nun ein Problem. Meine Mutter bestand drauf, dass ich sofort die Hausaufgaben mache. Ich wusste damals leider nicht, dass man das Spiel abspeichern kann, weshalb ich Quake pausiert lassen musste um dann später meine Monsterjagd fortzusetzen. Als die Hausaufgaben fertig waren, stürmte ich sofort wieder an den Rechner. Ich war voller Energie - nicht mehr weit war es bis zum ersehnten Ende.
Als ich am Rechner ankam, kam der große Schock. Der Screensaver war an und er ging nicht weg. Mein Bruder hat nämlich ein Passwort auf den Screensaver gesetzt! Er war nicht zu Hause und ich blickte nur vollkommen ratlos die springenden Buchstaben auf dem Bildschirm an. Entsetzt musste ich mein Abenteuer beenden. Dies war für die längste Zeit mein erfolgreichster Versuch.

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Seitdem spielte ich immer mal wieder Quake, aber nie mehr als einen Akt am Stück, ehe ich dann nach Deutschland umzog und das Spiel vergaß. Viele Jahre später erinnerte ich mich, dass ich Quake nie durchgespielt habe, und wollte das nachholen. Leider konnte ich es nirgendwo auftreiben. Deshalb musste ich eine dubiose Persönlichkeit aus dem Ausland kontaktieren, damit sie mir gegen entsprechende Bezahlung Quake auf Steam schenkt. Nach 15 Sekunden Zweifel überwies ich die entsprechende Summe auf sein PayPal-Konto, in der Hoffnung endlich einen meiner Lieblingshooter wieder zu spielen.

Der Ehrgeiz war wieder da, ich fühlte mich genau so wie vor vielen Jahren. Dieses Mal stand mir nichts im Wege! Ich installierte das Spiel und rockte wie gewohnt los. Den ersten Akt konnte ich immer noch fast auswendig. Mal wieder ballerte ich mich bis in den letzten, finalen Akt, doch wieder sollte meine Mom mir im Weg stehen. Dieses Mal brauchte sie Hilfe bei einer Bestellung im Internet. Aber ich machte mir keine Sorgen. Nun wusste ich, dass man speichern kann. Mit einem zufriedenen Grinsen speicherte ich das Spiel und dachte nur amüsiert daran, dass mir nicht erneut so ein Fehler wie damals passieren wird.
Am nächsten Tag wollte ich das Spiel endgültig beenden, lud meinen Speicherstand und schloss den vierten Akt ab. Nichts passierte. Dann fiel mir auf, dass die Runen weg waren. Ungläubig schaute ich mir die Anzeige der Runen an. Leer. Danach knallte ich auf der Klaviatur die Tastenkombination Alt + F4 und deinstallierte voller Wut das Spiel.

Ein weiteres Jahr später plagte mich mal wieder die Vergangenheit. Ich musste verdammt noch mal wissen, was dieser Endboss ist. Es ließ mich einfach nicht in Ruhe. So installierte ich das Spiel wieder und begann die schmerzliche Reise durch altbekannte Katakomben. Mal wieder kam ich im verfluchten Akt 4. Ich wollte mich zwingen, diesen noch zu beenden, aber die Sonne ging bereits auf und mir fielen die Augen zu. Mal wieder musste ich mein Abenteuer frühzeitig beenden. Die ganze Zeit schaute ich genau auf meine Runen. Alle waren da. Ich speicherte und ging ins Bett. Später lud ich ich das Savegame und forderte das Schicksal heraus: "Wetten die Runen sind wieder weg?" Und so war es auch. Mit einem leeren Blick starrte ich auf die verdammte Anzeige der Runen. Sie waren einfach weg. Ich lehnte mich zurück in meinem Sessel und begann verzweifelt zu lachen. War das ein schlechter Witz?

Eine Woche später war ich immer noch furios. Ich wollte nicht wahrhaben, dass ich dieses verdammte Spiel nicht in die Knie bekomme. Es kontrollierte mich. Es war wie ein pädagogisches Experiment. Was passiert, wenn wir dem Versuchsobjekt Runen geben? Welchen Verstärkungseffekt beobachten wir, wenn wir die Runen wieder wegnehmen?

So konnte es nicht weiter gehen. Ich musste es beenden. So machte ich mir Tee. Viel Tee. Ich schmiss meinen Kater aus dem Haus, damit er mich nicht vom Spiel ablenkt, falls er fressen will. Meine Eltern waren für eine Nacht weg. Alle Störfaktoren eliminiert. Ich startete das Spiel und begann den Kampf um Erlösung. Es lief alles wie erwartet. Den ganzen Akt 4 lang zitterte ich. Die Spannung tötete mich regelrecht und sobald ich die letzte Rune aufgesammelt habe, konnte ich ein lautstarkes "FUCK YEAH!" nicht unterdrücken.

Endlich hatte ich den Zugang zum Endboss. Der Raum war voller Monster und Fallen. Ich schaffte es. Der Boss, der eigentlich keine Gefahr an sich darstellte, fiel endgültig. Und dieser Bildschirm war meine Belohnung:

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:))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))

fuuuuuu

- Dan

Kommentare

Kristin
24. Juni 2013 um 09:49 Uhr (#1)
Das ist so sünde, dass ich beim Lesen ein kleines Tränchen für Dich verdrückt habe. ;3 Armes Dan!
Sandra
25. Juni 2013 um 01:21 Uhr (#2)
epic....!
Und die Moral der Geschicht'? Mach lieber deine Hausaufgaben nicht...^^
Undead
25. Juni 2013 um 23:45 Uhr (#3)
Danke für die Empathie, Mädels. :3
Rian
26. Juni 2013 um 11:05 Uhr (#4)
Hab' ja jetzt schon irgendwie Lust, Quake ohne Probleme durchzuzocken. Das erinnert mich an das eine verbuggte Achievement in Halo: Reach (oder Halo 3? Vielleicht doch ODST?). Um das zu bekommen, sollte man am Beginn einer Mission von einer Klippe springen und eine Assassination auf einen Elite, der dort unten herumläuft, durchführen. Benjamin hat stundenlang tausende erfolgreiche Exekutionen aneinandergereiht, aber nie tauchte das befreiende Pop-Up auf. Ich springe, treffe beim zweiten Versuch, *bu-LIP*. I had laughs, he had rage. ^__^
Ben
26. Juni 2013 um 12:23 Uhr (#5)
Es war Halo: Reach.

Ich träume noch immer schlecht davon.
Jozu
26. Juni 2013 um 16:43 Uhr (#6)
^_______^
Gast
12. November 2019 um 15:33 Uhr
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