Soul Sacrifice

(Artikel)
Haris Odobaši?, 29. Mai 2013

Soul Sacrifice

Opfern oder Retten?

"Man könnte wohl schöner aufwachen", muss sich der Hauptcharakter in Soul Sacrifice gedacht haben, als er gefangen in einer Zelle zu sich kommt, ohne eine Ahnung, wo er ist, und kurze Zeit später Zeuge wird, wie der mächtige Zauberer Magusar einen Mitgefangenen auf grausame Art und Weise opfert. Wohlgemerkt, den letzten Gefangenen neben dem Hauptcharakter, dessen Schicksal nun offensichtlich daraus besteht, die Stunden zu zählen, bis Magusar wieder Lust hat, jemanden zu opfern.

Euer einziger Begleiter in dieser stinkigen Zelle? Das Librom, ein sprechendes Tagebuch, das gleichzeitig eure einzige Hoffnung darstellt, aus den Fängen Magusars zu entkommen. Denn in ihm stecken die Aufzeichnungen der Zauberer, die vor euch gefangen waren und durch das Studium des Buches, habt ihr die Möglichkeit, in ihre Haut zu schlüpfen und euch der Macht, die sie besaßen, anzueignen, um irgendwann die Konfrontation mit eurem Entführer wagen zu können. In diesem Sinne ist das Librom auch das Hauptmenü des Spiels, eine Art Hub, in dem ihr nicht nur eure Missionen auswählt, sondern auch eure Figur mit erworbenen Zaubersprüchen ausstattet und nicht zuletzt mehr über die Geschichte der Welt nachlesen könnt. Gerade letzterer Aspekt ist wirklich gut geschrieben; jede Umgebung im Spiel und jeder Gegner hat seine eigene Hintergrundgeschichte, die vom Schreibstil und der enthaltenen Melancholie durchaus an die großartigen Geschichten in Lost Odyssey erinnern.
Soul-Sacrifice-Boss

Gut, es ist jetzt nicht so, dass man hier die ganz große Auswahl hätte, aber wenn es um sprechende Buchbegleiter in Spielen geht, rangiert das Librom zusammen mit beispielsweise Grimmoire Weiss aus Nier ganz oben in der Liste. Außerdem ist es schön zu sehen, dass trotz der offensichtlichen Parallelen das Librom eine ganz eigenständige Persönlichkeit hat, die es klar von Weiss abhebt. Beide sprechen zwar mit britischem Akzent und haben eine Vorliebe für Sarkasmus, aber wo Weiss beispielsweise gerne gehässig wirkt, merkt man beim Librom deutlich an, dass es dem Spieler wirklich helfen will.

Habt ihr euch im Buch für eine Mission entschieden - es gibt sowohl storylastige Missionen, die den Hauptplot weiterführen, genauso wie eine Vielzahl an Nebenaufgaben, die manchmal eigene, kleine Geschichten erzählen - werdet ihr in eine Art Arena katapultiert, die zwar meist schön anzusehen ist, aber keine wirkliche Interaktivität bietet. In diesen Arenen lauern eigentlich immer Monster, die es zu besiegen gilt. Dabei gibt es einerseits normale Feinde, die entsprechend schnell vernichtet sind, genauso wie spektakuläre Bosse, die dann auch mal ihre zehn Minuten oder mehr in Anspruch nehmen.
Soul-Sacrifice-Retten-Opfern

Im Kampf an sich habt ihr dann die Wahl aus bis zu sechs Zaubersprüchen, die ihr vorher ausrüstet, und die von magischen Waffen, die ihr gegen Gegner schwingen könnt, über den typischen Feuerball bis hin zu Monsterbeschwörungen reichen. Hier sollte aber gut gewählt sein, denn jeder Zauber hat ein Einsatzlimit, und auch wenn man aufgebrauchte Zauber wieder nachfüllen kann, sollte man einen Zauber niemals ganz verbrauchen. Dann ist er nämlich für die Mission verloren. Dies sorgt dafür, dass die Kämpfe immer ziemlich taktisch sind, auch dadurch verstärkt, dass natürlich Elemente im Spiel sind, die jedem Monster eigene Stärken und Schwächen geben und deswegen die Zauberwahl immer gut überlegt sein will.

Eine der wichtigsten Mechaniken im Spiel kommt dabei erst zur Geltung, wenn die Gegner schon vernichtet sind. Denn während sie dort in ihren Sterbenswehen sind, habt ihr die Wahl: opfert oder rettet ihr sie? Das hat dabei sowohl Konsequenzen, die ihr direkt zu spüren kriegt -- wer rettet, kriegt Lebensenergie, wer opfert, ein bisschen von seiner Angriffskraft zurück -- als auch weitreichendere Auswirkungen. Denn euer mit magie-infusionierter Arm wird durch diese Taten gelevelt und entwickelt sich entsprechend. Wer den Samariter spielt, hat irgendwann eine bärenstarke Verteidigung und gerade für passivere Zaubersprüche eine Menge Boni zu bieten, genauso wie ein mordender Zauberer nur noch stärker in seinen Angriffen wird.
Soul-Sacrifice-Playstation-Vita

Andererseits opfert ihr mit solchen Entscheidungen auch immer etwas. Denn wer nur Leute rettet, darf sich nicht wundern, wenn spätere Bosskämpfe ein richtiges Geduldsspiel sind, weil ihr einfach nur geringen Schaden macht, oder Attentäter auf euch gehetzt werden, weil da Leute sind, deren euer gutes Tun offensichtlich missfällt. Und wer wild meuchelt, muss besonders aufpassen im Kampf, da schon wenige Schläge ausreichen, um euch ins Jenseits zu befördern. Als Feind von strikt binären Moralsystem hat mich die Umsetzung in Soul Sacrifice doch begeistert, da die Konsequenzen spürbarer sind als in anderen Spielen, wo man dann höchstens am Ende merkt, dass man ein guter oder schlechter Bursche war.

Ich würde gerne schreiben, dass Soul Sacrifice Monster Hunter mit fantastischer Story ist. Doch leider fehlt Soul Sacrifice dann doch etwas. Es macht nicht ganz so süchtig wie Capcoms-Vorzeigereihe, dem Spieler wird nicht die Möglichkeit gegeben, ganz so perfektionistisch zu sein, die Möglichkeiten sind insgesamt weniger umfangreich und im Gesamtresultat fällt die Repetitivtiät des Gameplays damit etwas früher negativ ins Gewicht. Doch all diese Macken und Dellen sind mir erst aufgefallen, nachdem ich gut und gerne zwanzig Stunden in der Welt von Soul Sacrifice verbracht hatte, denn die Welt ist zu gut gemacht, die Story zu fesselnd, als dass man sich mit solchen Kleinigkeiten beschäftigen könnte. Zudem bietet auch der Multiplayer einiges an Potenzial und bietet auch einen Onlinemodus, womit man im direkten Vergleich dem 3DS-Monster-Hunter sogar ein bisschen was voraus ist. Wer also seine Grindsucht befriedigen will und dazu noch den Bonus mitnimmt, ein für das Genre verdammt gutes Setting zu erhalten, darf ohne Bedenken zugreifen. Haris

Soul Sacrifice

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Heiler
30. Mai 2013 um 12:05 Uhr (#1)
Feiner Test, sowohl das beste Xbox360 Spiel erwähnt, als auch Nier, du hättest sogar Strohsandalen testen können und es hätte mir gefallen *lacht*
Ich bin schon sehr gespannt wie es mit Soul Sacrifice weitergehen wird, es scheint ja durchaus ein finanzieller Erfolg zu werden und ein Nachfolger wurde von Inafune ja schon angedeutet, bleibt abzuwarten in welche Richtung sich das Spiel noch entwickeln wird.
Rian
30. Mai 2013 um 14:18 Uhr (#2)
Moment. Moment, Moment, Moment. "Sowohl das beste 360-Spiel ALS AUCH Nier"? Entweder moppelst du gerade doppelt oder es wird Zeit für Erziehung!
Heiler
30. Mai 2013 um 14:33 Uhr (#3)
Ich glaube Erziehung ist ratsam *lacht*
Das beste 360 Exklusivspiel
und Nier sollte es natürlich heißen ^^
Ich als alter Sonynerd bin nur auf jeweils ein Microsoft, Nintendo und Sega Exklusivspiel scharf und das waren und sind:
Lost Odyssey,
Ocarina of Time
und Guarrrr Herodes. (Guardian Heroes)
Natürlich werde ich niemals müde,
dass immer wieder zu erwähnen *lacht*
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22. Januar 2020 um 19:39 Uhr
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RELEASE
01. Mai 2013
PLATTFORM
PS Vita
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