Papo & Yo

(Artikel)
Benjamin Strobel, 23. April 2013

Papo & Yo

Ein Junge und sein Monster

To my mother, brothers and sister, with whom I survived the monster in my father
- Vander Caballero (in Papo & Yo)

Mit Papo & Yo möchte Spieldesigner Caballero eine Geschichte erzählen. Aber nicht eine beliebige, sondern seine eigene. Biographien und Geschichten mit biographischen Einflüssen sind in anderen Medien längst etabliert. In Videospielen trifft man sie dagegen selten an. Caballero hat das mit seinem ersten eigenen Spiel geändert. In Papo & Yo verarbeitet er die Erfahrungen mit seinem alkoholkranken Vater.


Wie muss es sich anfühlen, wenn die wichtigste Bezugsperson zugleich die größte Bedrohung ist? Im Spiel schlüpft man in die Rolle von dem Strassenjungen Quico, der seinen Weg durch das Spiel mit einer großen, rosanen Kreatur beschreitet, die einfach nur Monster heißt. Wohin man auch geht, das Monster muss mit. Während man über Holzütten springt und magische Zahnräder dreht, um Treppen erscheinen zu lassen oder riesige Türme aus Häusern baut, interessiert sich Monster vorrangig für's Essen. Für gewöhnlich gibt er sich mit Obst zufrieden und tapst gemütlich von einem Früchtchen zum anderen. Ist er voll gefressen, legt er sich schlafen. Ein anderes Bild zeigt sich, wenn Monster Frösche sieht. Dann verliert er die Kontrolle und er wird alles tun, um sie zu fangen und zu verschlingen. Leider bekommen ihm die Frösche nicht, sondern fluten ihn mit blinder Wut und Rage.

Selbst Quico ist dann nicht mehr sicher vor dem Monster. Auch wenn das vor Wut rot verfärbte und laut schnaubende Tier den Spieler nicht töten kann, behindert es ihn erheblich beim Lösen seiner Aufgaben und wird selbst zu einem Puzzle: Wie bekommt man ihn in diesem Zustand dazu, einem zu folgen? Was ist zu tun, um Monster wieder zu beruhigen?


Die Spielwelt ist traumartig und surreal. Um Puzzle zu lösen, muss der Spieler Unmögliches erbringen. Oft müssen Schalter und Zahnräder gefunden werden, die neue Spielwege eröffnen. Manchmal erscheinen neue Stufen, große Treppen oder Plattformen. An anderen Stellen bewegt man ganze Gebäude umher. Die Rätsel sind dabei nicht kognitiv anspruchsvoll, sondern kreativ und überraschend. Es geht beim Spielen eher darum herauszufinden, was man tun muss und was als nächstes passieren wird. Caballero sagt, "es ist eine emotionale Herausforderung." In der Tat wird der Spieler aus der Traumwelt immer wieder heraus geworfen, in eine offenbar reale Welt. Hier folgt man einem Auto, findet sich selbst und seinen Vater, der den Schatten eines Monsters an die Wand wirft. Der Spiel soll einfach nicht vergessen, worum es hier wirklich geht: eine harte, wahre Geschichte.

Papo & Yo ist eine melancholische Schönheit. Regen zieht dünne Schlieren über den Bildschirm und die matten Farben der Holzhütten schillern gelblich in der Abendsonne. Doch mit etwas Magie wachsen den Häusern Beine und Flügel, sie tanzen miteinander und reihen sich zur Lösung eines Rätsels auf. Und wenn der Spieler nicht weiter weiß, stülpt er sich einfach einen Hilfe-Karton über und bekommt neue Informationen. Selbst das Monster ist irgendwie putzig und charmant, auf keinen Fall ein Schurke oder jemand, den man hasst. Eher hat man Mitleid mit dem armen Tropf, der so manches Mal komplett die Kontrolle über sich verliert. So wird es im Laufe des Spiels auch zur Aufgabe des Spielers, Monster zu heilen.


Mit 6-8 Stunden Spielzeit ist Papo & Yo ein umfangreicher Download-Titel. Während PS3-Spieler schon seit letztem Jahr mit dem Spiel bekannt sind, ist der Titel nun auch über Steam für den PC erschienen. Caballeros Geschichte leistet einen wichtigen Beitrag für das Videospielmedium, indem es neue Pforten aufstößt. Die Erzählung spielt offen mit ihren Wurzeln in der Wirklichkeit und gibt der putzigen Oberfläche des Spiels eine erwachsene Tiefe. Gleichzeitig geht es darüber hinaus, ein interaktives Bild zu sein und fühlt sich noch immer an wie ein Spiel. Wenn es auch keine großen Hürden im Schwierigkeitsgrad gibt, so ist es eine spannende und aufrüttelnde Reise in das Innerste eines echten Menschen. Nex

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21. November 2019 um 12:59 Uhr
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14. August 2012
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 3
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