The Next Big Thing

(Artikel)
Kristin Riedelsberger, 19. April 2013

The Next Big Thing

"Do you think you're better than a refrigerator?"

Die Runaway-Adventures waren echt gut. Richtig gut. Das wussten auch die Spieleentwickler des spanischen Studios Pendulo, und natürlich wollten sie, nachdem die großartige Trilogie im Jahr 2009 zu ihrem Ende gekommen war, an den bisherigen Erfolg anknüpfen. Also gaben sie ihrem neuen Adventure-Projekt den einzig logischen Titel: The Next Big Thing.

Bereits kurz nach dem Release fand The Next Big Thing seinen Weg in mein Laufwerk, konnte mich aber irgendwie nicht begeistern. Hätte ich meinen D-Pad-Artikel schon damals geschrieben – er wäre nicht sonderlich positiv ausgefallen. Jetzt, nach mehr als zwei Jahren und neuerlichem Durchspielen, kann ich gar nicht mehr verstehen, warum. Wirklich nicht. Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum mich dieses schnuckelige kleine Spielchen damals nicht gekriegt hat! Und weil ich das nicht weiß, hier fünf Gründe, die The Next Big Thing für mich (doch) zu einem tollen Spiel machen:


1. Die Protagonisten. Da wären zum einen "Lunatic!" Liz Allaire, eine etwas autistische, etwas schizophrene, absolut krokophobe Star-Reporterin aus reichem Elternhaus, die ihre Bücher offenbar im Kühlschrank aufbewahrt und mit ihrer ganz speziellen Art der Kommunikation (unterbricht Gesprächspartner gerne mit einem inbrünstigen: "Vegetable Soup!") und ihrem ganz eigenen Weltverständnis ("I could pick a rose, but I’m full.") immer wieder für Überraschungen und große Erheiterung sorgt, zum anderen "Jerk!" Dan Murray, Sportreporter, saucool und schon rein optisch ein Augenschmaus für jeden weiblichen Adventurefan. Die beiden können sich gar nicht leiden, also so überhaupt nicht! Wirklich nicht! Ehrlich nicht! Nicht mal ein klitzeklitzekleines Kuchenkrümel-Bisschen! ...Na, ihr wisst bestimmt, worauf das hinaus läuft.

Sie mag ihn nicht. Wirklich. Also außer, dass sie...

2. Die Story: Mieser fieser Horrorfilmproduzent mit Saugnäpfen im Gesicht will die Weltherrschaft an sich reißen! Um die verweichlichte Bevölkerung in willenloses Gefolge zu verwandeln, sieht sein Plan vor, sich bei ihr einzuschleimen, indem er die unter ihm arbeitenden Monstrositäten (ECHT hässliche, unheimliche Gesellen; keine verkleideten Schauspieler!) mit allen Mitteln dazu zwingt, nur noch klebrig-schnulzige Liebesromanzen und knuddelige Kinderfilme zu drehen. Das ist innovativ, total absurd und topaktuell; man braucht sich nur die Twilight-Groschen-Filmchen anzugucken!

3. Die Rätsel. Wenn ich so recht darüber nachdenke, dann waren es vielleicht die Rätsel-Rätsel, also diese Mini-Spiel-Dinger, die mich beim ersten Spielen so abgeschreckt haben. Denn von denen machen die meisten wirklich keinen Spaß UND manchmal nicht einmal Sinn. Gott sei Dank gibt es von denen nicht so viele. Dafür sind die Rätsel im normalen Gameplay richtig gut – absurd, aber gut! Die Rätsel in Lizzys Traumwelt (ich mag Traum-Welten in Adventures sowieso immer sehr gerne; so hin und wieder ist ein bisschen Monkey-Island-Idiotie ja ganz erfrischend!) sind zugegebenermaßen zum Haareraufen – aber am Ende muss man einfach zugeben [ACHTUNG SPOILER!], dass es unumstößlich logisch ist, feuerrote Farbe dadurch zu gewinnen, dass man mit einer Luxus-Saftpresse einen Feuerlöscher entsaftet! [SPOILER ENDE] Wer jetzt denkt "Was'n Scheiß!", der spielt am Besten erst einmal die Demo oder von Anfang an auf Schwierigkeitsstufe "leicht", so dass man zwischendurch auf Tipps des Geschichtenerzählers zurückgreifen kann. Hardcore-Adventurer wiederum haben die Möglichkeit, sich gleich zu Beginn aller Hilfestellungen zu berauben, damit sie auch ja nicht im Laufe der Geschichte in Versuchung kommen!

Die Checkpoint-Anzeige hilft einem, sich im Wust zu lösender Probleme nicht zu verlieren.

4. Der Stil. The Next Big Thing ist unverkennbar ein Pendulo-Spiel: Liebevoll gezeichnete, stimmungsvolle und abwechslungsreiche Hintergründe mit viel zu Gucken, wilde Charaktere im altbewährten Comic-Cell-Shading, verrückte Dialoge, die manchmal in gaaanz unerwartete Themen abdriften ("Do you know that in Aminsen it’s forbidden to put octupi in your socks, punishable by spanking?"), passende Musik – und dies mal haben sich die Entwickler sogar die Mühe gemacht, beim Klicken auf Gegenstände oder bei Kombinationsversuchen mehrere Kommentare zu erdenken, sodass man beim Spielen von klassischen Adventure-Floskeln verschont bleibt und es richtig Spaß macht, auch mehrmals auf ein Item zu klicken, nur um alle Seltsamigkeiten zu hören, die die gute Lizzy so von sich gibt! Leider ist die deutsche Synchro extrem shitty - durch sie wird die zwar extrem verrückte, aber sehr liebenswerte Lizzy plötzlich eine echte Etepetete-Tussi. Die englische ist dafür umso besser, also lieber Originalton! Und, immer wieder eins meiner Lieblingsplusse bei Adventures: 2D! Quasi! Yay!

"...sturgeon eggs from the prairies and the testicles of an evil duck."

...Fünf Gründe, hmmm... Irgendwie fällt mit kein fünfter Grund mehr ein. Macht aber nichts, denn die oben stehenden vier Gründe sind meiner Meinung nach Grund genug, um The Next Big Thing zu spielen. Natürlich kann es in meiner inneren Adventure-Hierarchie die Runaway-Teile nicht überflügeln, aber es ist ein würdiger Nachfolger der großen Pendulo-Trilogie: originell, witzig, klassisch. Quis

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16. Oktober 2019 um 16:43 Uhr
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